Great Expectations

Dem geneigten Leser wird es aufgefallen sein, dass sich das Design dieses Blogs geändert hat. Oh ja, zu den inhaltlichen Änderungen gehört auch ein neues Äusseres, der Baron 2.0! Nun heißt es alte Zöpfe abzuschneiden und mit einem Auge in die Zukunft, mit einem in die Vergangenheit blickend, forschen Schrittes in der Gegenwart verankert in ein goldenes Morgen zu schreiten. Der Baron geht nucleare! Zumindest nutzt er nun dieses Design für seinen Blog und hört, nachdem der das Phrasenschwein wieder ordentlich gemästet hat, erstmal auf, affigerweise in der 3. Person von sich selbst zu reden. Furchtbar, oder? Es gibt gefühlt in jedem 2. Forum einen Tünnes, der von sich selbst in der dritten Person redet und sich dabei nicht einmal schämt. Ich werde jedenfalls versuchen, mich damit etwas zurückzuhalten und dieses Stilmittel vielleicht nur bei grandiosen Eingangsmonologen einsetzen. 😉
Wenn ich es hinbekomme, folgt beim nächsten Eintrag der hervorragende Bericht von der noch hervorragenderen ComicCon in Stuttgart dieses Jahr. Bleibt gestimmt!

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Der Baron im Exil

Ein unverhoffter Feiertag (danke Österreich!) sowie ein abgekackter PC mit anschliessendem Lesezeichenexport hat mich nach langer Zeit wieder mal auf diese Seite getrieben. Tempus fugit!

Mehr als zwei Jahre ist es jetzt her, dass der Baron seine angestammte Heimat verlassen und in ferne Lande ins Exil ziehen musste. 30 Monate in der Verbannung, unter Menschen mit fremdem Zungenschlag und eigentümlichen Sitten. Eine rollenspielerische Einöde, in der selbst nach halbärschigster Suche in Foren und Spielerbörsen keine neue Gruppe aufgetan werden konnte. Wehmütig wird es dem Baron da ums Herz, wenn er die alten Beiträge auf dieser Seite liest und sich zumindest teilweise noch an die Abenteuer erinnern kann. So viele offene Geschichten, die noch auf ein Ende warten. Werden es die Möchtegernppiraten im Südmeer schaffen, das Prätorenjahr mit einem Gewinn abzuschließen? Wird es den Magiern gelingen, wieder in ihre eigene Zeit zurückzukehren und das nicht durch einfaches Warten? Was geht in den Deadlands vor? Hat der wahnsinnig mörderische Zirkus noch weitere Mitglieder, die Angst und Schrecken im wilden Westen verbreiten? Wie werden sich unsere Helden in der Zombieapokalypse in Berlin schlagen? Und wie geht es eigentlich in der Wildermark weiter, wo Zweimühlen dank der tapferen und komplett uneigennützigen Hilfe der Helden gerade wieder Tritt gefangen hat?

Es waren wirklich schöne, spannende und auch lustige Runden, die ich nicht missen möchte. Eine super Zeit und ich bin heute noch beeindruckt, mit welcher Regelmäßigkeit wir das auf die Reihe bekommen haben. Vielleicht schaffen wir es ja irgendwann einmal auf ein weiteres Nerdwochenende, obwohl ich zugestehen muss, dass das angesichts größer werdender Verpflichtungen und Anreisestrecken recht unwahrscheinlich sein dürfte. So ist das im Leben. Ein Kapitel wird abgeschlossen und ein neues wird eröffnet (Kling – 1 Euro ins Phrasenschwein). Da es auf absehbare Zeit nicht so aussieht, als ob der Baron wieder dem Rollenspiel verfallen wird und es entsprechend hier keine neuen RPG-Einträge geben wird, haben wir uns in unserer Weisheit entschieden, diesen Blog… natürlich nicht dichtzumachen. 😉 Sondern mit den geistigen Ergüssen aus dem echten Leben zu füllen. Ab und zu macht es ja Spass, in die Tasten zu hauen und seinen Quatsch festzuhalten. Bleibt gestimmt!

Südmeerkampagne 30. und 31. Kapitel – Die Sieben Tage von Chorhop Teil II

Ort der Handlung: Bizarro-Chorhop
3.-5. Rahja
Endlich war es soweit, das größte gesellschaftliche Ereignis der Stadt Chorhop: Das Fest des Schutzprätors und alle, alle waren gekommen. Bis auf die Armen und Hässlichen, die wurden natürlich nicht reingelassen, aber die Creme de la Creme der Stadt hatte sich in der Prätorenvilla eingefunden, um das Pferderennen, die köstlichen Speisen, die auserlesenen Getränke und die geistreichen Gespräche zu geniessen. Und bärenstark fing die Feier an. Nach einer ebenso rührenden wie humorvollen Willkommensrede Kasims machten platzierten sich die Gäste auf der Tribüne und fieberten dem ersten Rennen entgegen. Hier gab sich Kasim persönlich die Ehre und trat auf seinem dreibeinigen Maulesel an. Wider Erwarten waren die unauffällig im Publikum platzierten Armbrustschützen jedoch gar nicht nötig, denn ohne viele Mühe trug das sogenannte Pferd seinen Besitzer mit einem ordentlichen Vorsprung über die Ziellinie. Erstaunt betrachtete der Schutzprätor sein Ross erneut und erkannte nun im besseren Licht der Mittagssonne, dass es sich hierbei wohl doch um ein reinrassiges Shadifpferd handelte und nicht, wie vorher vermutet, um den nächsten Auftrag des Abdeckers. Riesig war der Jubel auf den Rängen, noch riesiger der Jubel des Vogtvikars, der einen ansehnlichen Batzen Dukaten gemacht hatte, da er auf den kompletten Aussenseiter Kasim gesetzt hatte. Nach diesem schweisstreibenden und aufregenden Rennen begaben sich die Gäste erneut in die Villa, um vor dem nächsten Rennen eine kleine Erfrischung zu sich zu nehmen. Eine vollkommene Feier also. Die kleinen Unstimmigkeiten, die darauf folgten, sind eigentlich gar nicht der Rede wert, denn was ist schon perfekt? Um der Chronistenpflicht nachzukommen sollen sie hier dennoch aufgeführt werden, auch wenn sie nicht den Hauch eines Schatten auf die Großartigkeit dieses Festes werfen können.

Während sich der Schutzprätor mit wohlgewählten Worten an sein Publikum wandte und die Eröffnung des prachtvollen Buffets einleitete, wurden Yuan, Nostromo und Myrmidion von einer Wache mit dem geheimen Kennwort „SPEEEEEER!“ gerufen. Wie die aufgelöste Wache berichtete, war ein aufgebrachter Trupp Bettler auf der Suche nach einem kleingewachsenen Halunken, der zwei der Ihren vergiftet hatte. Kalt wie Eis befahl Yuan dem Zyklopäer, sich rasch zu verstecken und rannte dann mit Nostromo im Kielwasser vor das Haus, wo sich bereits etwa 30 Bettler in der Verkleidung „Wütender Mob“ inklusive Knüppeln und Steinen versammelt hatte. Da dies nicht im Geringsten zum Thema der Feier „1001 Nacht“ passte, wurde den wilden Gesellen natürlich der Eintritt verwehrt, was diese beinahe über die Schwelle zum „Tobsüchtigen Mob“ brachte. Diplomatisch machte sich Yuan daran, die Rüpel zu vertreiben und stürzte sich, als durch tieffliegende Pflastersteine die Fenster der Villa zu Bruch gingen, in das Getümmel. Die Handvoll Wachen und Nostromo hingegen bildeten eine menschliche Mauer, um das Eigentum des Prätors zu schützen. Yuans Plan ging vollkommen auf und innerhalb von wenigen Sekunden lag der in ein ehemals prächtiges Pfauenkostüm gekleidete ehemalige Prätor im Dreck der Straße und freundete sich mit Staub und Kot an. Von diesem Erfolg ermutigt trat ein vorwitziger Rädelsführer näher an die Wachen heran und forderte krakeelend die Herausgabe des Verantwortlichen für den Tod zweier ihrer Kameraden. Nun war das Maß jedoch voll. Scheiben einwerfen, schön und gut. Yuan vermöbeln, meinetwegen, aber große Töne spucken und auch noch Myrmidion lynchen wollen, das schlug dem Fass den Boden aus. Mit bedrohlichem Blick zog die Wache und Nostromo blank und rückte entschlossen gegen das Großmaul vor, der plötzlich merkte, dass sein Knüppelchen wohl eher als Feuerholz denn als ernsthafte Waffe taugte und rasch verteilte sich die Bande in alle Winde. Beherzt schlenderten die Gardisten hinterher, bedacht, es nicht doch noch zu einer Konfrontation kommen zu lassen und kassierte zwei der Bettler, die aufgrund akuter Lahmheit bzw. Einbeinigkeit nicht schnell genug weglaufen konnten, ein. Danach wurde der schmutzige Pfau ins Innere des Hauses gebracht und mit Hilfe eines starken Schnaps aufgeweckt.

Yuan kam gerade rechtzeitig zu sich, um mitzubekommen, wie Kasim das Buffet eröffnete und den ersten Löffel Wachteleischaumspeise verdrückte. Kurz darauf trat ein erstaunlicher Farbwechsel auf. Während das sonnengebräunte Gesicht des Schutzprätors schlagartig weiß wurde, kam es bei seiner Hose zum genau gegenteiligen Effekt. Noch bevor die restlichen Gäste, sowieso schon wütend über den Angriff der Bettler, diese erstaunliche Darbietung goutieren konnten, sprang erst Yuan in die Bresche und dann Kasim auf den Abort. Mit erstaunlichem Geschick überzeugte er die hohen Herrschaften davon, dass das Essen wohl doch nicht gegessen werden könne, da es nicht dem Thema der Feier entspräche. Ein solcher Stilbruch sei nicht hinzunehmen, novadisch-tulamidische Küche würde aber bald nachgeliefert werden. In der Zwischenzeit hatte Nostromo den völlig aufgelösten Fetenorganisator etwas Verstand in den Leib geschüttelt und ihn beauftragt, beim nächsten novadischen Restaurant Essen zu holen. Die Lage schien sich zu beruhigen, doch als sich Yuan auf die Suche nach dem Gastgeber machte und dieser ohnmächtig mit heruntergelassener Hose auf dem stillen Örtchen gefunden wurde, in einer Wolke miasmatischen Gestankes geradezu badend, verabschiedeten sich die Gäste unter fadenscheinigsten Gründen rasch und innerhalb kürzester Zeit war die Feier so tot wie die beiden Vorkosterbettler. „Die Spiele müssen weitergehen, das sind wir der Idee des Festes schuldig!“, stellte Yuan ganz richtig fest und so wurden die restlichen Rennen, wenn auch mit geringerer Besetzung, noch rasch abgehandelt. Der Gewinner des Freilos war daher auch so unwichtig wie unbekannt. Trotzdem bekam er seinen Preis mit allem Nostromo zur Verfügung stehenden Enthusiasmus überreicht („Euer Gewinn, hier!“), bevor die Feier beendet wurde. Wie erwähnt waren es also nur kleine Steinchen, ja Sandkörnchen im ansonsten perfekt ablaufenden Uhrwerk des Festes. Eines Festes, von dem man sicherlich in vielen Jahren auch noch sprechen würde.

Nachdem das Geraffel endlich die Biege gemacht hatte, konnte man endlich daran gehen, die mysteriösen Vorgänge zu untersuchen. Ein Medicus war bald eingetroffen und konstatierte eine Vergiftung durch eitrigen Krötenschemel bei Kasim, einem extrem schwierig herzustellenden Gift. Die gute Nachricht war jedoch, dass es in der Regel zwar extrem unangenehm, selten jedoch tödlich wirkte. Sofort wurden die Würfelspiele Yuans und Nostromos um die Nachfolge des Schutzprätors unterbrochen und man machte sich auf, den Vergifter zu suchen. Bei einem derart seltenen Gift würde es sicherlich wenige Verkäufer geben, so dass sich der Übeltäter sicherlich bald würde finden lassen. Vor einer Befragung der Alchemisten der Stadt musste jedoch zuerst Myrmidion gefunden werden, was sich als schwerer herausstellte, als gedacht. Dieser war nämlich in seinem Versteck aus Langeweile eingeschlafen und tauchte für geraume Zeit nicht mehr auf. Erst nach einer Stunde stand er plötzlich neben den Suchenden und bot seine Hilfe an, das Gesuchte zu finden. Mittlerweile hatte man jedoch genug von den Kaspereien und flitzte zum Alchemistengrolm, der für einige Dukaten schnell auch das erste, tödliche Gift identifiziert hatte. Dieses, Kukris, war ein extrem teures, aber in der Gegend nicht ganz so seltenes Gift aus einer Seidenliane. Eitriger Krötenschemel stellte sich als ein Gift heraus, das jeder Alchemistenlehrlingsgehilfenbruder aus dem überall wachsenden Krötenschemel brauen konnte. Lieder verliefen die Versuche, erst an den Ver-, dann an den Käufer zu kommen, im Sande. Dafür fand man jedoch nach weiterem Suchen die Ursache der Vergiftung: Das Basilikum des Kochs a.D. enthielt nicht nur das namensgebende Gewürz, sondern auch noch die aufregende Substanz K wie Kukris. Da würde sich doch etwas ergeben, schlussfolgerte man schlau und ging dann ins Bett.

Der nächste Morgen stand ganz im Zeichen der Wäsche. Zum Einen musste das Haus gereinigt werden, um die Feierspuren zu beseitigen, zum Anderen Kasim jede Viertelstunde und zuletzt war eine ausgiebige Kopfwäsche Myrmidions von Nöten. Auch wenn sich Yuan und Nostromo alle Mühe gaben, ihm klarzumachen, was er getan hatte, nämlich aus einer Laune heraus zwei Menschen vergiftet, war nicht ersichtlich, dass irgendetwas davon in den Kopf des sprunghaften Matrosen drang. Yuan entschied daher, ihn zum Efferdtempel zu bringen, wo er seine Missetat den Geweihten beichten und um eine angemessene Strafte bitten sollte. Dies tat er auch auf die umständlich möglichste Art und Weise und rückte mit der Wahrheit nur recht zögerlich heraus, was Bruder Efferdan zu Entsetzen und Bruder Efferdin zu einem Zornesausbruch brachte. Ein eingeschüchterter Myrmidion wurde daher angewiesen, in einigen Tagen zusammen mit seinem Herrn, Yuan, im Tempel einzutreffen und dort die von Efferd in einer Vision offenbarte Bestrafung zu empfangen.

Währenddessen hatten die Wächter des Friedens eine heiße Spur aufgenommen, waren über den Gewürzlieferanten des Kochs zu einem Boten des Gewürzlieferanten gelangt und hatten durch dessen Aussage, er habe Geld bekommen, um das Basilikum mit einem grünleuchtenden, ätzend riechenden und an den Fingern brennenden Pulver zu mischen (Aber ich wusste doch nicht, dass das was Schlimmes sein könnte!) an die Beschreibung des Auftraggebers gelangt. Ein bärtiger, älterer Novadi, den er auch schon im Viertel gesehen hatte. Gerade wollte man den Schutzprätor verhaften, da ging es den beiden auf, dass diese Beschreibung auf gefühlt 25 Prozent aller in der Stadt beheimateten Novadis zutrifft. Yuan und Nostromo wollten gerade damit anfangen, den nutzlosen Botenjungen durch eindringlichere Befragung davon überzeugen, verwertbarere Informationen auszuspucken, da fiel dem Trottel noch ein, dass dieser Auftraggeber oft mit dem Handelsprätor duch das Viertel laufen würde. Einen Moment war das Befragungsteam ratlos. Handelsprätor? Gab es so etwas überhaupt oder wollte der Bengel nur seine Haut retten? Davon hätte man doch bestimmt gehört, wenn es so einen Prätor geben würde. Netter Versuch, aber keine Punkte! Glücklicherweise waren die Charaktere aber mit einem besseren Erinnerungsvermögen ausgestattet, als die Spieler und so fiel ihnen auf einmal ein, dass es diesen Posten tatsächlich gab und man die Person dahinter sogar schon kennengelernt hatte. Der Handelsprätor war niemand anderes, als der Hairan Tabaluga! Und wie es der Zufall wollte, war dessen Feier an genau diesem Abend! Den Zwölfen sei Dank war Kasim mittlerweile wieder auf den Beinen und so wurde ein Plan geschmiedet, den Vergifter am Abend zu enttarnen und zu verhaften. Leider stellte sich jedoch heraus, dass vor dem Palast des Handelsprätors nicht die üblichen desinteressierten und inkompetenten Stadtwachen, sondern 20 gutausgerüstete novadische Panzerreiter standen, die niemanden mit einer Waffe länger als ein Zahnstocher auf die Feier lassen wollten. Der Truppe schwante Böses! Die Mächtigen der Stadt, unbewaffnet im festungsartigen Palast des Vorgesetzten des mutmaßlichen Vergifters, der auch noch just an diesem Tag ein Kontingent Reiter in die Stadt hatte kommen lassen? Natürlich, Zufälle gibt es immer wieder, aber lieber einmal zu vorsichtig, als einmal tot. Entsprechend nahmen nur Kasim und Myrmidion an der Feier teil, während Yuan und Nostromo die Stadtwache herbeizitierten und auf dem Platz vor dem Palast herumlungern ließ. Beim ersten Anzeichen eines Putsches würde diese hervorragend ausgebild… hervorragend ausgerüstet… hervorragend motiviert…… diese… Truppe! sich auf die Panzerreiter stürzen und die hohen Herrschaften retten. Im Verbund mit den Matrosen vom Schiff Kasims und Xanteros würden die Angreifer so wenigstens das Überraschungsmoment auf seiner Seite haben. Zumindest war dies der Plan, der in der Hoffnung gemacht wurde, dass nie die Notwendigkeit bestehen würde, ihn auch durchzuführen.

Im Inneren hatte Myrmidion bald Freundschaft mit vielen Novadis geschlossen und herausgefunden, dass der mutmaßliche Auftraggeber der Mawdli des Handelsprätors war. Kasim konfrontierte die beiden mit dem Verdacht und nach einigem Taktieren gab der novadische Rechtsgelehrte zu, dass er das Essen während der Feier des Schutzprätors mit Krötenschemel vergiftet habe. Kukris wurde dabei gar nicht erst aufs Tapet gebracht und sein Motiv, er habe damit zeigen wollen, dass das unnovadische Gericht, das er vergiftet hatte, von Rastullah verflucht sei, war so durchsichtig wie das Haupthaar Nostromos. Der Mawdli wurde daraufhin von Kasim und Myrmidion in die Kaserne gebracht, während der Rest der Wache inklusive Yuan und Nostromo in einer nahegelegenen Schenke das Bier fließen ließ. Schnell hatten sich die beiden Thorwaler aus der Mannschaft von Kasim mit Einheimischen angelegt und innerhalb weniger Minuten waren sämtliche Gäste der Kneipe in eine zünftige Schlägerei verwickelt. Soweit so gut, doch dann ließ sich einer der bösartigen Gäste dazu herab, den Einsatz zu erhöhen und schmetterte einen mit metallenen Nieten versehenen Bierkrug auf den Kopf von Nostromo, der daraufhin seine Axt zog und dem nun plötzlich kleinlaut Fliehenden hinterhersetzte. Kurz darauf floh die halbe Belegschaft (sämtliche Einheimische), darunter bedauerlicherweise auch der hinterhältige Krugschläger und die siegreichen Gardisten verhafteten jeden, der zu ohnmächtig war, um abhauen zu können. Im Siegeszug brachte man die Gefangenen ebenfalls in die Kaserne und sperrte sie in den Käfig neben den Mawdli mit der dringlichen Bitte, diesen in Ruhe zu lassen.

Während dieser ganzen Angelegenheit hatte Kasim mehr Informationen aus dem Mawdli herausbekommen und den wahren Hintergrund herausfinden können. Auch dieser Novadi gehörte zum Bund der goldenen Morgenröte (osä) und wollte die Stadt Chorhop zu einem Kalifat machen. Sein Plan war gewesen, den Vogtvikar, der unter allen Prätorenfeiern nur diese besuchen würde, zu vergiften. Ohne dieses Stadtoberhaupt wäre es ein Leichtes gewesen, einen Kalifen einzusetzen und die Macht an sich zu reissen. Ob Kasim, als Novadibruder, nicht vielleicht auch dem Bund beitreten wolle?, zwinkerte der fiese Alte dem Schutzprätor zu. Dieser blieb jedoch diplomatisch, lehnte weder ab noch sagte er zu und verfrachtete den Attentäter in die Zelle.

Mit vollem Kerker ging der Tag zu Ende und erschöpft fielen die tapferen Wächter der Stadt in ihre Betten, wohlwissend, dass der nächste Morgen viele Gespräche und Pläne bringen würde. Wie sollte man mit der Situation umgehen? Wer war noch Mitglied in diesem ominösen Bund? Sollte man ihn infiltrieren? Musste der Vogtvikar davon in Kenntnis gesetzt werden? Fragen über Fragen, die sich erst am nächsten Tag würden beantworten lassen.

Doch bevor man sich mit diesen Problemen befassen konnte, stand noch vor dem Frühstück ein debiler Bote auf der Matte und quakte herum, dass sich der Prätor umgehendst um das Verschwinden des Gladiators Alrik kümmern müsse der, im Finale der alljährlichen Gladiatiorenspiele stehend, seit einem Tag verschwunden war. Den Zwölfen sei Dank, dass derartig wichtige Aufgaben vom Prätor persönlich übernommen werden mussten. Nicht auszudenken, wo die Stadt hinkäme, wenn ausgewachsene, muskulöse, kampferprobte und mutige Männer einfach mal einen Tag verschwänden! Ein Fall für das schnelle Einsatzkommando der Stadtwache.

Pro:
– Die Kerker sind voll
– Die Wache musste erneut nicht kämpfen und konnte somit auch nicht aufgerieben werden

Contra:
– Die Verschwörung ist nicht aufgedeckt
– Die Feier war ziemlich scheisse
– Myrmidion sollte nicht alleine in dunklen Gassen rumschwirren

Südmeerkampagne 28. und 29. Kapitel – Die Sieben Tage von Chorhop Teil I

Ort der Handlung: Bizarro-Chorhop
2-3. Rahja
Nachdem die Formalitäten zwischen den doppelten Schutzprätorlottchen geklärt waren, stand nun ernsthaftes Geldscheffeln auf der Tagesordnung. Doch ehe auch nur ein einzelner roter Kreuzer verdient werden konnte, überzeugte uns der Haussekretär Praiopiro erneut von seiner Loyalität, Voraussicht und Planungskompetenz. „Achso, wegen dieser Chorhopkarnevalsgeschichte. Da muss jeder Prätor auch eine dicke Sause organisieren. Eure ist übermorgen dran und ich nehme ab genau jetzt meinen restlichen Jahresurlaub. Machts gut die Herren!“ Bevor sich der wieselige Sekretarius jedoch aus dem Staub machen konnte, hatte der neue Schutzprätor Kasim bereits die magischen Worte „Urlaubssperre auf unbestimmte Zeit!“ ausgesprochen und so musste Praiopiro sich nun ebenfalls an der leicht hektischen Organisation des Schutzprätorenfestes beteiligen. Innerhalb von nur wenigen Stunden (es können höchstens 8 oder 10 gewesen sein) hatten Kasim und Xantero das Konzept einer „Tausendundeine Nacht Feier“ mit integriertem Pferderennen durch die Straßen der Stadt ausgefeilt, sehr zur Unfreude von Myrmidion und Nostromo, deren Plan „Nackte Frauen“ trotz permanenten Aufs-Tapet-bringens“ berechtigterweise ignoriert wurde. In aller Eile wurde eine Tribüne in Auftrag gegeben die den eh überflüssigen Zierblumenbereich mit seinen aus ganz Aventurien zusammengetragenen einzigartigen Lippenblütlern im Garten des Schutzprätors ersetzen würde und deren Fertigstellung, nach Aussage der Bauarbeiterfirma „Pistor und Gerrarius – Schweinetröge aller Art“, auf gar keinen Fall länger als allerhöchstens, also bestimmt nicht mehr als… wird schon gutgehen! dauern würde. Als Preis für das großartige Rennen wurde ein Freilos für die nächstjährige Prätorenlotterie ausgelobt. Danach erinnerte man sich daran, dass man ein solches Los gar nicht besaß und machte sich daher auf, dem Vogtvikar Zeforika ein solches aus den Rippen zu leiern. Mit höchster Freude erfuhr der oberste Phexgeweihte der Stadt von diesem vorzüglichen Plan und händigte der Gruppe auf der Stelle das Los aus. Dachte man zuerst, doch das überreichte Blatt war dann doch eher ein extrem vertrackter Vertrag, mit dem dem Vogtvikar die Erlaubnis gegeben wurde, den Wettbetrieb für das Pferderennen zu betreiben sowie die Zusicherung von Kasim, ihm einen Gefallen zu erweisen. Erst danach wurde der zukünftige Preis in Empfang genommen und die Laube war beinahe rund.

Auf Anraten Zeforikas stellte Kasim für die weitere Organisation den drittbesten Festivitätenplaner der Stadt ein, einen horasischen Pinkel, wie er im Buche steht und dieser machte sich rasch auf, die Speisereihenfolge, Getränkeauswahl, Kurtisanen und Kurtisaneriche sowie neue Vorhänge für den Prätorenpalast zu besorgen. In der Zwischenzeit hatte man sich mit dem Würfelmeister geeinigt, diesem gegen lediglich ein Drittel der Einnahmen (im Gegensatz zum geforderten unverschämt hohen Viertel!) den Wettbetrieb für das Pferderennen zu überlassen. Wem es vorkommt, dass sich das ähnlich anhört, wie das Geschäft mit dem Vogtvikar, hat Recht. Aber Konkurrenz belebt ja das Geschäft und Herr Zeforika ist weit über die Grenzen Chorhops hinaus bekannt dafür, einen verschmitzten Sinn für Humor zu haben. Zumindest hoffte man das. Um weiteres Geld zu verdienen, wurden noch Eintrittskarten für die Tribüne sowie Startplätze für das Rennen verkauft und siehe da: die Silbertaler rollten eifrig in das Beutelchen des Schutzprätors hinein! Damit es den kleinen Schlingeln nicht so eng wurde im engen Ledergefängnis, ließ Kasim im gleichen Maße Dukaten herausrollen, um Tribüne, Organisator, Essen, Vorhänge, Getränke, Kloreinigung, Flugblätter und weiß der Scheitan was noch zu bezahlen. Bisher sah die ganze Geschichte nach einem argen Verlustgeschäft aus!

Doch auf den Haufen Ärgernis setzte die Kriegsprätorin das stinkende Krönchen auf. Kackendreist verlangte sie die Bereitstellung von 30 Mann der Garde, um den zu erwartenden Strom der Besucher an den Toren der Stadt auch hinreichend kontrollieren zu können. Dies biss sich ein wenig mit der Idee, 20 Mann der Wache an der Rennstrecke abzustellen, um zu verhindern, dass Klein-Alrik unter den trommelnden Hufen der Reiter zu einem blutigen Matsch zerrieben werden würde. Trotz höchster Beredsamkeit „Das dürft ihr nicht. Die geben wir euch nicht. Das ist bestimmt verboten. Päpäpäpäpäää!“ war genau das nicht nur nicht verboten, sondern sogar ausdrücklich erlaubt und somit unabwendbar. Triumphierend wedelte die Kriegsprätorin mit dem entsprechenden Absatz der Chorhoper Verfassung vor der Nase Kasims herum und machte sich danach mit stolzgeschwellter Brust von dannen. Angesichts der arg knappen Personaldecke wurden daher kurzerhand irgendwelche Yareks und Alwines aus den Kneipen geholt und kurzzeitig in die Wache aufgenommen, um das Gardistenloch zu füllen. Obwohl wirklich jeder genommen wurde, der zumindest grob in eine befohlene Richtung gehen konnte, reichte es jedoch immer noch nicht. Verzweiflung machte sich breit, dann Trotz doch in dem Moment kam die Rettung in Form des Sekretärs der Schutzprätorin, der für die popelige Summe von 200 Dukaten 20 der Gardisten an uns zurückführen würde. Ein ausgezeichnetes Geschäft, das von Xantero durchgeführt wurde. Noch ausgezeichneter war, dass man diese Art von Bestechung sicherlich gegen die Schutzprätorin würde wenden können… Ein entsprechender Plan wurde kurz skizziert und für spätere Verwendung in Ablage 2 des Schutzprätorenschreibtischs abgelegt. Dieser hatte in der Zwischenzeit seine 12 Matrosen als Streckenposten eingeteilt, so dass mithin alles in trockenen Tüchern war. Der Kopf schwirrte der Orgagruppe hinreichend, als gegen Abend sämtliche Vorbereitungen abgeschlossen waren und so war man nur allzu froh, dass an diesem Abend zur Zerstreuung das Fest im Palazzo des Würfelprätors stattfinden würde. Für das lächerliche Sümmchen von 150 Dukaten hatte sich Yuan ein Kostüm als der edelste aller Vögel gekauft und stolzierte nun als prächtiger Pfau auf das Kostümfest. Stilsicher und immer am Nerv der Zeit hatten sich Myrmidion und Nostromo als Seemänner verkleidet (was den großen Vorteil hatte, dass sie einfach ihre übliche Kleidung anbehalten konnten), während Kasim und Xantero mit ihren Kostümen als Novadi bzw. Gladiator höchste Achtung bei den anderen Gästen erfuhren. Der große Trom, Würfelprätor und also Gastgeber in einer Person drückte jedem seiner geladenen Gäste fünf sogenannte Jetons im Gesamtwert von 50 Dukaten in die Hand und entließ die Gruppe dann in den Trubel seiner Feier. Und was wurde dort geboten! Kartenspiele, Würfelspiele, Glücksspiele, Roulette, ja, in einem abgelegenen Séparée wurde gar das im restlichen Aventurien aufgrund zu großer Sinnesfreude verbotene „Spitz pass auf!“ ausgelassen zelebriert. Bei den Zwölfen, die Originalität des Würfelprätors kannte keine Beschränkung, Glücksspiele! In Chorhop! Das gab es sonst nur an den restlichen 364 Tagen des Jahres! Vollkommen fassungslos ob dieser Genialität vermehrfachte Diego innerhalb kürzester Zeit seinen Einsatz, während Yuan beim Kartenspiel die unglaubliche Summe von 6 Dukaten gewann! Myrmidion hatte hingegen sein Auge auf die Hostessen geworfen und ließ seinen zyklopäischen Charme spielen. „Na! Wie siehts aus, hääää?“ Nach langem Herumgezwinker und eindeutigen Handbewegungen fiel bei den Damen endlich der Groschen und um eine seiner 5 Jetons erleichtert machte sich Myrmidion mit einer der Damen ins Hinterzimmer auf, nicht jedoch bevor er seine restlichen Jetons seinem aktuellen Besitzer in die Hand drückte. Rasch hatte auch Nostromo seine Chips an 5 Damen verteilt und verschwand ebenfalls im ruhigeren Teil des Gebäudes.

In der Zwischenzeit kam Kapitän Yuan der hervorragende Gedanke, dass sich so eine Feier ganz famos zum Netzwerken eignen würde und scharwenzelte so in den Raucherraum im oberen Stockwerk um dort Phyllis, Besitzerin eines gutgehenden Pfandhaus, anzubaggern. Hier bewies sich die geballte Macht des Pfaus als hilfreich, denn trotzdem er regelmäßig würgend abhustete, konnte er ein kleines Geschäft mit der Dame machen, die ein Problem mit einigen Besitzern verschiedener Pfandgegenstände hatte. Unter Führung des zwielichtigen Maraskaners, den Yuan in Normalo-Chorhop als Hauptmann der Wache eingestellt hatte, würde sich eine Gruppe schlagkräftiger Gesellen um dieses Problem kümmern. Langsam plätscherte der Abend aus, und vollkommen erschöpft wankte die Gesellschaft heim.

Am nächsten Tag fiel dann auf, dass dies der große Tag der Schutzprätorensause sein würde, aber trotz eines großen Schlaf- und Eiweißmangels würde man sein bestes geben, dieses Fest unvergesslich zu machen! Glücklicherweise stand die Tribüne bereits und machte auch den Eindruck, dass sie nicht umfallen würde. Jedenfalls, solange sich ihr niemand näherte, aber das war ja schon gut genug. Die positiven Nachrichten endeten jedoch bereits hier, als ein lautes Gekreische aus der Küche klang. Rasch stürzte man herbei und sah eine Küchenhilfe, die laut das Ableben des Kochs beklagte. Dieser lag, mit Schaum vor dem Mund, vor den aufgetischten Gerichten und rührte sich nicht mehr. Ruhiges Zureden ergab, dass der Herr Koch a.D. gerade einen letzten Geschmackstest seiner Kreationen machen wollte, nach dem 6. Gericht jedoch mit ebendiesem Schaum vorm Gesicht zusammengesackt war. Gift! Doch welche Speise war es, die vergiftet worden war? Und wie sollte man das herausfinden? Konfusion herrschte in der Küche und Myrmidion tat, was er immer tat: Das Erstbeste! Schnell hatte er 6 Bettler aufgetrieben und ließ jeden von ihnen eines der ersten sechs Gerichte probieren bevor er sie wieder fortschickte. Dann fiel ihm ein, dass das Gift eventuell nicht so rasch wirkte und er rannte auf die Straße, um die Bettler wiederzufinden, was ihm jedoch nur teilweise gelang. Zum Glück war unter denen die er fand auch der Vergiftete, der in der Nähe am Straßenrand lag und ebenfalls Schaum vor dem Mund hatte. Myrmidion zog ihn ein wenig weiter ins Gebüsch und verkündetet danach freudenstrahlend in die fassungslosen Gesichter der Gruppe, dass wohl die Hühnersuppe, Gericht Nummer zwei, unbekömmlich sei. Noch etwas konfus überprüfte Nostromo die These mit zwei Straßenkötern, die ebenfalls an der Suppe verröchelten. Der Festivitätenplaner ließ allerdings dann doch sämtliche Gerichte wegwerfen (bis auf die Hühnersuppe, die von Nostromo für eine eventuelle spätere Verwendung schön in Tupperware verpackt wurde) und peitschte die Küchenhilfen an, neues Essen für die Feier herzustellen. Dieses würde zwar weniger raffiniert ausfallen, aber lieber nur 5 Nachspeisen, als 5 Nachrufe verfassen zu müssen.

Pro:
– Der Giftanschlag wurde rechtzeitig entdeckt

Contra:
– Ausser Spesen bisher nichts gewesen

Südmeerkampagne 27. Kapitel – Verkehrte Welt

Ort der Handlung: Bizarro-Chorhop
1. Rahja
Kaum hatte man sich mit dem guten Gefühl, einen Haufen Geld verdient zu haben in die weichen Betten gelegt, wurde die Gruppe auch bereits wieder abrupt geweckt. Ein niederhöllisches Unwetter ging über der Stadt und dem Umland nieder und riss die Einwohner aus Borons Armen. Verwirrt schauten sich Yuan und Nostromo die Wetterkapriolen an und waren vollends verblüfft, als sie purpurne Blitze über das Firmament zucken sahen. Das wirkte nicht wie das Wald- und Wiesengewitter, das sich sonst in der Gegend herumtrieb, nein, dieses besass eindeutig eine überderische Qualität! Rasch wurde Praiopiri herbeizitiert, um zu erfahren, was es mit diesem Wetterphänomen auf sich hatte, doch der Sekretär des Schutzprätors erkannte schien seinen eigenen Herren nicht mehr zu erkennen und redete wirres Zeug. Mit strammem Schritt begab man sich daraufhin zur Wache und erreichte diese innerhalb eines Blitzschlages. Verwundert inspizierte der Schutzprätor die Wache, wo eine ihm völlig unbekannte Hauptfrau das Regiment führte. Die gut in hochprozentigen Getränken eingelegte Soldatin erkannte jedoch sofort den ihr vorgesetzten Schutzprätor und salutierte schwankend. Die Mutmaßung, dass es sich hier um einen elaborierten Schabernack handelte lag nahe, wurde jedoch ob des unglaublich hohen Aufwandes verworfen, der nötig war, um spontane Teleportationen durchzuführen. Während man aufgeregt palavernd zurück zum Haus des Schutzprätors lief, zuckte erneut ein Blitz und diesmal stand Yuan augenblicklich vor dem Stadttor, an dem sich gerade zwei unbekannte Gestalten mit der Wache herumstritten. Ein Novadi diskutierte gerade mit einem der Soldaten, dass er der Schutzprätor sei und durchgelassen werden wolle. Während die eine Wache Haltung vor dem Betrüger annahm, wollte die zweite diesen nicht in die Stadt lassen. Nach einigem Hin und Her einigten sich Yuan und Kasim, der Novadi, darauf, in Begleitung des zweiten Fremden, Xantero, zum Haus des Schutzprätors zurückzukehren und dort diese missliche Lage näher zu beratschlagen. In der Zwischenzeit war Nostromo mit einem Blitzschlag am Hafen gelandet und blickte sich verwirrt an den Piers um. Zu dämlich, sich aus dem ganzen einen Reim zu machen, drehte er alsbald wieder um und strolche schulterzuckend ebenfalls zum Haus zurück.
Dort war das gesamte Personal in Aufruhr. Während die eine Hälfte treu an der Seite ihres rechtmäßigen Schutzprätors Yuan stand, unterstützte die andere Hälfte die Ansprüche des Usurpators. Da man unfähig war, diese Angelegenheit zu klären, wurde der Vogtvikar aufgesucht, um Licht ins Dunkle zu bringen. Ganz der lässige Hund, der er nun einmal war, erzählte der oberste Phexgeweihte, dass er Erinnerungen an das Einsetzen sowohl Yuans als auch Kasims als Schutzprätor habe. Aus unerfindlichen Gründen schien er von dem Novadi jedoch eine bessere Meinung zu haben. Mit Verhandlungsgeschick und Unverschämtheit handelte Yuan aus, dass er vom Amt des Schutzprätors zurücktreten würde, wenn ihm im Gegenzug der Gewinn ersetzt werden würde, den er in den nächsten 11 Monaten des Schutzprätordaseins würde eingestrichen haben. Wenige Minuten später und um 6000 Dukaten sowie die Besitzurkunde Myrmidions reicher verliessen Nostromo und Yuan fröhlich pfeifend das Haus des Vogtvikars. Die ganze Nacht über diskutierte man intensiv mit den Neuankömmlingen und verglich die alternativen Versionen der Realität sowie die kreativen Einfälle beider Gruppen, sich die Taschen mit Gold zu füllen. Man war sich rasch handelseinig, dass Yuan und Nostromo als „Wächter des Friedens“ weiter für die Stadt bzw. die Schatztruhe des Schutzprätors arbeiten würden und im Gegenzug einen Anteil an den Einnahmen erhalten würden.

Südmeerkampagne 26. Kapitel – Tjalf über Bord

Ort der Handlung: Nasha und Chorhop
24. Travia – 31. Travia

Nachdem die letzte Episode die Mannschaft in einer schwierigen Situation zurückgelassen hatte, begann die aktuelle Episode direkt mit dem Wechsel von Säbelstreichen und Bolzen. Stark in Unterzahl kämpften die wenigen Hanseln der Stadtwache von Chorhop die es auf das Piratenschiff geschafft hatte gegen hochmotivierte und gutausgerüstete Gegner. Mit einer fliessenden Handbewegung schleuderte der flinke Difar einen vergifteten Borndorn auf Nostromo, bevor er sich mit seinem Kurzschwert in den Nahkampf mit dem Utulu stürzte. Während links und rechts die Stadtwache unter den Hieben der Piraten niederging, gab die im Ruderboot verbliebene Kriegsprätorin die Anweisung, das Boot vom Piratenschiff wegzuschaffen und wieder zur Stadt zurückzukehren. Wenige strategische Entscheidungen in der Geschichte Aventuriens waren von geringerer Intelligenz. Nicht nur liess sie so die Hälfte ihrer Männer auf dem gegnerischen Schiff gestrandet zurück, nein, sie ruderte auch noch lustig in die Feuerbereiche der Rotzen der anderen beiden Piratenschiffe hinein.

Myrmidion erkannte die Idiotie der Kriegsprätorin sofort und handelte rasch, in dem er seine Peitsche schnalzen liess. Leider gelang es ihm, seine Peitsche so an einem Piratenschiffsvorsprung zu verhaken. Es wäre besser gewesen, er hätte verfehlt und die Prätorin ausgepeitscht. So jedenfalls versuchte er erneut, sich aufs Deck hinaufzuhangeln, was ihm angesichts seiner schwächlichen Ärmchen jedoch nicht gelang. Unglücklicherweise bewegte sich gleichzeitig das Ruderboot fort, so dass er innerhalb weniger Augenblicke über dem Wasser an der Peitsche hing und nicht vorankam. Entschlossen sprang er in das lauwarme Nass und umschwamm das Schiff, um einen besseren Aufstieg zu finden.

In der Zwischenzeit hatte Nostromo ordentlich Schläge vom flinken Difar einstecken müssen, da er der Meinung war, auf Paraden zu verzichten sei sinnvoll. Im Gegenzug hatten die wuchtigen Hiebe seiner rasiermesserscharfen Axt den flinken Difar um einen Kopf kürzer gemacht. Ein Pirat am Boden, blieben noch 49 weitere! Ein rascher Blick über das Handgemenge ergab, dass sich die Stadtwachen auch nach und nach verabschiedeten während die Piraten lediglich zwei angestoßene Zehen und Tennisarme vom andauernden Einschlagen auf die Wächter abbekommen hatten. Noch die Chancen im Kopf ausrechnend, ob sich die Situation irgendwie würde drehen lassen, wurde Nostromo eines weiteren Piraten gewahr, der sich wutschnaubend aus der Kajüte zwängte. Es war Felicio Verigo, der Liebhaber des soeben verstorbenen flinken Difars. Kleine Dampfwolken stiegen aus seinen Ohren und die pochenden Zornesadern auf seiner Stirn indizierten deutlich einen emotionalen Aufruhr. Unterstützt wurde diese Schnell- und Ferndiagnose durch das klarartikulierte „BRaWAAAGRhrhhhAAAA“, dass der beinhae vor Ärger explodierende Pirat von sich gab, während er mit hocherhobenem Kriegsbeil auf Nostromo zulief. Wohlwissend, dass die Konfrontationstherapie in Fachkreisen umstritten war (vgl. Andergaster et al., 1020 BF), entschloss sich Nostromo, zu deeskalieren und sprang über Bord.
In der Zwischenzeit hatte Myrmidion sich an Deck geschlichen und fing an zu überlegen was er nun eigentlich tun sollte. Er packte eines der zahlreichen Taue der Takelage und plante, dieses durchzuschlagen und sich dann quer über das Schiff ins Kampfgetümmel tragen zu lassen. Gesagt, getan, doch irgendetwas ging an diesem Plan schief. Verwundert blickte er auf das Tauende in seiner Hand, während über ihm das restliche Tau im Dunkeln verschwand. Er schüttelte den Kopf und überarbeitete seinen Plan. Beim nächsten Mal würde er das Tau UNTERHALB seiner Hand durchschlagen…
Mit frohem Mut wurde der Plan 1b durchgeführt und diesmal sauste der kleine Zyklopäer tatsächlich nach oben… direkt in das Segel des Schiffes hinein! Gewand wie eine Katze rammte er sein Kurzschwert in das Segel und konnte so seine Fallgeschwindigkeit verringern, bis er schliesslich auf der Rahe stehenblieb. Geschickt balancierte er weiter und sprang dann aufs Deck herunter, um rasch in der Kapitänskajüte zu verschwinden. Dort schaute er sich nach dem Goldschatz um, der dank Nostromos im letzten Kapitel verpatzter Sinnenschärfeprobe hier vermutet wurde. Leider fand er nur zwei Fläschchen mit Flüssigkeiten sowie einige Seekarten bevor ihm langweilig wurde. Halbherzig versuchte er noch, das Schiff mit einer Fackel anzuzünden, was allerdings kein bisschen funktionierte und schlich sich dann ebenfalls von Bord ins Wasser.

Während dieser Eskapaden hatten die anderen Piratenschiffe ihre Rotzen bemannt und geladen und als das Ruderboot endlich soweit vom Piratenschiff entfernt war, dass Fehlschüsse dieses nicht mehr treffen würden, eröffnete man das Feuer. Heissa, was sausten die Kugeln über das Wasser und heissa, was flogen die Holzsplitter des zerschmetterten Bootes durch die Luft und heissa, was schrien die verwundeten Stadtwachen während sich ihr Ruderbötchen in Trümmer verwandelte. Myrmidion und Nostromo mussten dieses Schauspiel hilflos vom Ufer der Bucht aus ansehen. Bevor sie einen Rettungsversuch starten konnten, mussten sie sich jedoch in den Dschungel zurückziehen, denn nun näherten sich fackelbewehrte Piraten aus der Stadt dem Strand um eventuelle Überlebende des Beschusses in Empfang zu nehmen. Nach einem kurzen Abstecher über das namenlose Kaff zwischen Nasha und Chorhop (Die Dorfbewohner waren geradezu starr vor Schreck, als sie die beiden kläglichen Überlebenden der Strafexpedition gegen Nasha erblickten, konnten sich aber wieder mal nicht dazu durchringen, das unfruchtbare Land, die blutsaugenden Insekten und die Pestilenzsümpfe zu verlassen die sie ihre Heimat nannten) gelangten die beiden Überlebenden zurück in die Stadt und erstatteten dort Schutzprätor Juan Bericht. Groß war die Trauer über den Verlust von Tjalf und Diago, die mit dem Ruderboot untergegangen waren. Angesichts der desaströsen Lage und in Kenntnis des heiteren Gemüts des obersten Phexgeweihten der Stadt schickte Juan seinen Haushofmeister los, um ebendiesem Phexgeweihten ordentlich in den Arsch zu kriechen und einen Termin für ein Gespräch zu vereinbaren. Am Abend schliesslich schilderte Juan dem Vogtvikar seine Sicht der Dinge und bekam im Gegenzug den abgeschlagenen Kopf eines Huhns als Präsent. Auch wenn keiner der drei sonderlich phantasiebegabt war, wurde deutlich, dass ein ähnliches Schicksal dem Schutzprätor drohen würde, wenn er seinen Kram nicht in Ordnung bringen würde. Hier kam jedoch der Gruppe ein ziemlich gutes Argument in den Sinn, dem sich der Vogtvikar nicht vollends entziehen konnte. Beredt setzte Juan ihm auseinander, dass er als Schutzprätor nur für die Sicherheit der Stadt in der Reichweite eines Steinwurfs von der Stadtmauer aus zuständig sei. Entsprechend wäre das ganze unangenehme Geschäft mit Nasha ja eigentlich die Aufgabe der Kriegsprätorin welche sich im Übrigen extrem dämlich dabei angestellt habe, die Steuereinnahmen zurückzuholen. Lediglich durch die hervorragende und vollkommen uneigennützige Arbeit seiner Männer, d.h. Myrmidions und Nostromos, sei man überhaupt in der Lage gewesen, die Piratenburg mitsamt eines Haufens Piraten zu erledigen und, wäre die Kriegsprätorin auch nur ansatzweise kompetent gewesen, hätte man sogar das Flaggschiff der Piraten mitsamt deren Schatz erobern können. Jeglicher Misserfolg sei also auf die Kriegsprätorin zurückzuführen und die glorreichen Teilerfolge auf den altruistisch helfenden Schutzprätor. Phex schenkte dem Vogtvikar Einsicht und grummelnd entliess er die Gruppe.

Deren Laune hob sich noch mehr, als sie erfuhren, dass einige der Gardisten es in die Stadt zurückgeschafft hatten, darunter auch Diago! Leider auch die Kriegsprätorin, die allerdings, sehr zur Freude der Mannschaft, sofort verhaftet und in den Kerker geworfen worden war. Zur Feier der Rückkehr Diagos wurde ein rauschendes Fest im Haus des Schutzprätors ausgerichtet, welches Myrmidion noch dadurch aufwertete, dass er sein in der Kapitänskajüte gefundenes Parfüm gegen die Dienste von vier Frauen des horizontalen Gewerbes eintauschte. Auch wenn Juan nicht sonderlich begeistert davon war, dass nun leicht- bis gar nicht bekleidete Damen erst in seinem Vorgarten und danach im Haus herumtanzten, war das Fest ein vollkommener Erfolg und tröstete ein wenig (aber nicht ganz!) darüber hinweg, dass es von Tjalf kein Lebenszeichen gegeben hatte.

Auch der nächste Tag brachte weitere Freuden, jedenfalls nachdem Juan Myrmidion den Kopf wegen der Dirnen gewaschen hatte. Um das Ansehen des Prätorenamtes besorgt, versuchte er dem Zyklopäer zu erklären, dass ein derartiges Verhalten bei den Großkopferten der Stadt nicht gut ankommen würde. Angesichts des eh schon ramponierten Images der Gruppe, könnte so etwas das Zünglein an der Waage sein und den Unterschied machen zwischen „Nach einem Jahr goldbeladen aus der Stadt verschwinden“ und „Nach einem Jahr steinbeladen im Ozean verschwinden“. Myrmidion hörte aufmerksam zu (zumindest die ersten 30 Sekunden), fing dann an, sich zu langweilen und stellte sich im Geiste lieber tanzende Äffchen vor, als weiter der Gardinenpredigt Juans zuzuhören. Diese wurde jäh unterbrochen, als ein Diener einen Gast ankündigte. Eine Magiern aus Vinsalt hatte sich angemeldet und unterbreitete dem Schutzprätor ein verlockendes Angebot. Anscheinend war diese Dame auf der Jagd nach magisch begabten Kindern für ihre Akademie und würde gutes Geld bzw. gute Diamanten bezahlen für das Auffinden solcher Kinder durch den Prätor mit seinen hervorragenden Kontakten. Juan stimmte zu und bat Diago, sich in der Stadt nach seltsamen Vorkommnissen umzuhören. Dieser verbrachte anstrengende Stunden in verschiedenen Kneipen, musste dabei Bier und Wein trinken, leckeres Essen essen und auch sonst extrem unangenehme Aufgaben absolvieren, um schließlich die Namen von drei Kindern herauszubekommen. Dank Juans silberner Zunge sowie einiger goldener Münzen konnte das erste Kind von einer Bäckerfamilie gekauft und in die Obhut der Magierin übergeben werden, die sich mit einem taubeneingroßen Edelstein revanchierte. Gier blitzte in den Augen der Gruppe auf… In der Stadt gab es mehrere Dutzend Kinder… wenn man diese irgendwie magisch machen würde… Doch dann meldete sich, wenn schon nicht das Gewissen, so doch der Realitätssinn und man beschloss, es bei den drei Kindern zu belassen. Schließlich schien die Magiern irgendwie überprüfen zu können, ob die Personen wirklich magisch waren. Neben den Noblen der Stadt auch noch einer Zauberin ans Bein zu pinkeln erschien als der direkte Weg in den Untergang und so entschied man sich dazu, ehrlich zu bleiben.

Pro:
– Diago ist wieder da!
– Die Kriegsprätorin wurde verhaftet!
– Edelsteine!

Contra:
– Tjalf ist verschollen
– Die Piraten haben vermutlich einen ziemlichen Rochus auf uns und sind, obwohl ein Haufen von ihnen draufgegangen ist, immer noch stark. Vermutlich stehen sie bald vor der Stadt
– Tjalf ist verschollen
– Die Kriegsprätorin hat überlebt
– Tjalf ist verschollen

Geschichten der Wanderhure, Episode 1 – Al’Anfanische Idioten

Ich war also alleine unterwegs, mittlerweile nur noch in den Ausläufern der Steppe, als ich einen riesigen Feuerball nicht weit von mir entfernt bemerkte, der scheinbar aus dem Nichts inmitten eines verlassenen Gehöfts entstand und gerade verpuffte. Näherkommend bemerkte ich Menschen, einige etwas verbrannt, weil sie mitten im Feuer spielen mussten, einige laut schreiend oder gestikulierend und allesamt aufeinander eindreschend mit in der Sonne blinkenden Äxten, Hellebarden und anderen Mordwerkzeugen. Der Fluchtreflex packte mich sogleich und fast hatte ich mich schon entschieden, Aves Wegen zu folgen. – An der Stelle möchte ich nocheinmal betonen, dass ich mich nicht Rondra oder Kor verpflichtet fühle! – Aber ein gewisses Gewissen und meine Gram, ob der unterlassenen Hilfe einige Tage zuvor packten mich am Kragen und ließen mich nicht gehen (Ja, Aves, ich bin nicht gegangen, sondern geblieben. ich machs auch wieder gut, versprochen!). Zu allem Überfluss lag da auch noch ein bewusstloser Diener des Praios, mit den erbärmlichen Resten seiner nunmehr schwarz-grauen anstatt weißen Robe inmiten des Schlachtens und Blutvergießens. Welcher Ketzer würde denn einen Geweihten der zwölf Götter angreifen?
Ich entschied also, diesmal einzugreifen, aber nur ganz vorsichtig und ich versuchte mir einen Überblick über die Lage zu verschaffen. Leider konnte ich in diesem Getümmel und Gewühl aus Fleisch, Stahl und Schreien keinesfalls ausmachen, was da überhaupt vor sich ging. Zum Glück lenkte Aves Vater meinen Blick auf zwei an der Seite stehende Gestalten: Novadi-Abschaum: ein Schütze und… wahrscheinlich ein Magier? Froh die tobende Fleischmühle zu meiden, schlich ich mich an den Magier an. Kurz bevor er seine Magie ein weiteres Mal missbrauchen konnte, schlug ich ihm beherzt meinen Wanderstecken an den Hinterkopf, was ihn seine Konzentration kostete und eine Beule an besagter Stelle bescherte. Lauthals „Du verdammter Novadi- Hund!“ schreiend versuchte ich, ihm weitere Beulen zuzufügen. Er schrie zurück, doch ich war mir sicher, seine Sprache nicht verstehen zu können, oder doch?! Was war das? Er beschimpfte mich als Novadi- Hure? Auf Garethi? Merkwürdig gebildete Wilde sind das… Ich kam ins Grübeln, während ich den Hieb seines Magierstabs geschickt abgleiten ließ. Wenn ich ihn als Novadi beschimpfe und er mich auch, dann sind wir vielleicht beide keine Novadis? In seinem wohl nicht ganz so tumben Gesicht schien sich ebenfalls Erkenntnis breit zu machen. Wir schauten uns in die Augen und ich ließ voller Gottvertrauen meinen Wanderstab sinken. Einige verdutzte Momente später riefen wir den wie wild um sich schlagenden Kämpfern zu, die Waffen zu senken. Durch männliches Gehabe beflügelt, mussten natürlich alle noch einmal irgendwo draufschlagen, sich wild beschimpfen und bespucken, bevor sie allmählich anfingen sich zurückzuziehen, die Waffen aber nicht senkten, sondern sie noch wild brüllend einige Male zeigten und anpriesen.
Ob der schieren Anzahl an Verletzten und der Menge Blut die ich dort fließen sah, denke ich, dass Kor wohl zufrieden gewesen sein muss. Glücklicherweise, Aves Vater sei Dank, bin ich auf dieses Fiasko aufmerksam geworden und konnte, bevor allzu viele Menschen starben, dieses Missverständnis aus der Welt schaffen.
Wie sich durch ein Gespräch in großer Runde herausstellte, wurde der Konflikt begonnen durch eine Gruppe Soldaten aus Al’Anfa, geführt von einem Kampfmagier, die das Al’Anfanische Grenzgebiet gegen Novadi- Eindringlinge schützen wollten. Also reine Routinearbeite, wie der Magier sagte, mal eben eine Gruppe Wanderer erst zu rösten und dann zerhacken zu lassen. Anscheinend ist ihm Priaos nur ein wager Begriff und überhaupt hat er doch eher Peraines Gaben (namentlich Stroh) als Hesindes Gaben im Kopf. Er wollte nicht einmal die schwerst Verwundeten der Wandergruppe mit seiner Magie heilen, so dass es an diesem Tag auch eine Tote zu beklagen gab.
Wem hatte ich eigentlich gerade durch meine mutige und geistesgegenwärtige Tat die Leben gerettet? Einem großen starken Krieger, einem Soldaten, einem Geweihten des Praios und einer Hand voll Träger. Die Jägerin der Gruppe ist leider verstorben und der Praiot schien kurz davor in Borons Hallen einzukehren. Der Krieger heißt Gero Ilgur, bedient ein riesiges, klobiges Schwert und scheint direkt und offen zu sein. Emilio di Rossi ist der Name des Soldaten, der mit einer Art Knüppel aus Stahl um sich schlagen kann. Er scheint etwas vorlaut, aber offensichtlich achtet er die Zwölfe.
In einem ausgiebigen Gespräch, die Al’Anfaner hatten sich zwischenzeitlich getrollt, erklärten mir die beiden Kämpfer, dass sie auf dem Weg seien, einem Hesindegeweihten mit dem Namen Borgad zu helfen, der jüngst zu viel mit Löwen gespielt hatte – wunderte mich nicht, dass die Löwen in dieser Gegend auch ihm Probleme bereiten würden. Bruder Borgad hatte sich wohl dereinst vor 20 Jahren zum Ziel gesetzt, ein Eingeborenendorf zum Glauben zu führen und hatte jüngst per göttlicher Verständigung seinen Heimattempel in Kuslik um Hilfe gebeten.
Etwas ratlos dreinblickend ob des Verlustes ihrer Ortskundigen und ob des Ausfalls ihres moralischen, weltlichen und wohl auch geistigen Führers fragten mich die beiden Kämpfer, ob ich sie nicht führen wollte. Ich fühlte mich zwar noch nie zum Führer geboren, aber eine Expedition anzuleiten die nach einem verschollenen Diener der Zwölfe suchte, dabei unerkundetes Land zu durchqueren und fremde Völker zu studieren ist natürlich ganz im Sinne von Aves, so stimmte ich zu und übernahm, wenn auch nur für eine kurze Zeit, die Führung der Expedition.
Aves, mein Weggefährte, danke dass du mich zur richtigen Stunde zum richtigen Ort geführt hast, so dass ich Gläubige schützen konnte.