Südmeerkampagne: 18. Episode – Die Schatzinsel 2. Teil

Ort der Handlung: Lummerland, Südmeer, Charypso
18. Rondra – 29. Rondra
Was bisher geschah:
Über verschieden Kanäle war die Gruppe an zwei Schatzkartenhälften geraten und hatten sich einen Sponsor (Zuhälter) gesucht, der für die Expedition zur Hebung des Schatzes aufkam. Auf einer nur bei Ebbe über dem Wasser liegenden Felseninsel waren Yuan, Myrmidion und Tjalf auf untote Wasserleichen gestoßen. Gerade als die ersten Hiebe des Kampfes ausgeteilt wurden, endete die letzte Episode.

Das tapfere Trio Yuan, Myrmidion und Tjalf ist in einen gefährlichen Kampf mit acht aufgeblähten Wasserleichen, überwuchert von Schlick, geschützt durch Korallen und Muscheln verwickelt. Rasiermesserscharfe Krallen reissen Haut auf, Klingen blitzen im flackernden Licht der Fackel. Das hüfthohe Wasser schwappt unruhig, als die beiden Parteien ihren tödlichen Tanz aufführen. Eine Klauenhand öffnet den Arm Myrmidions, der angeschlagen zurücktaumelt. Unbarmherzig setzen die Untoten nach und prügeln ihn in die Bewusstlosigkeit.

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An der Oberfläche beugen sich Nostromo und die beiden Seemänner über das finstere Loch in der Mitte der Insel. Anspannung ist auf ihren Gesichtern zu erkennen, als sie hinabschauen und zu erkennen versuchen, wo ihre Gefährten bleiben.

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Eine mächtige Axt wird in einem Halbkreis durch die modrige Luft geführt und bohrt sich mit einem splitternden Geräusch in den Hals eines Untoten. Mit einem gespenstischen Stöhnen versinkt dieser im finsteren Wasser. Tjalf positioniert sich neu, um sich seinem zweiten Gegner zu widmen, während sich im Hintergrund die drei Wasserleichen von Myrmidion abwenden und auf den Thorwaler zuschlurfen. Blutige Schlieren färben das Wasser rot, als mehr und mehr von dem Lebenssaft aus Yuans und Tjalfs Wunden fließt.

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Die Seemänner sitzen auf einem Felsen und lassen eine Flasche kreisen. Nostromo starrt sie an.

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Das unerbittliche Ringen in der Höhle geht weiter. Yuan verwundet zwei seiner Gegner, muß aber mehrere Hiebe einstecken. Sein Blick wird trüber durch Blutverlust und Schock. Tjalf läßt mit titanischen Kräften seine Axt kreisen, verzichtet auf jegliche Verteidigung und deckt die Untoten mit einem Wirbel an Hieben ein. Einem wird der Schädel gespalten, ein weiterer geradezu zerhackt, doch pausenlos dringen die verbliebenen Leichen weiter auf ihn ein.

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Die Seemänner sind eingenickt und schnarchen leise in der Sonne. Nostromo starrt eine Seemöwe an. Die Seemöve ist nicht beeindruckt.

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Auch Tjalfs Atem geht nun keuchender. Er ist der einzige Lebende hier, der noch steht. Die Faust eines Zombies hatte die Bauchmuskeln Yuans durchstoßen und diesen niedergehen lassen. Kopfüber treibt sein erkaltender Körper im Wasser. Vier unheilige Kreaturen haben Tjalf umzingelt, zerren an seiner Rüstung, reissen an seinem Körper, hacken nach seinen Augen.

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Das Schnarchen ist lauter geworden und steigt unisono gegen die Praiosscheibe auf. Nachdem es der Seemöwe zu dumm wurde, ist sie weggeflogen. Nostromo sucht nach etwas neuem zum Anstarren.

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Ein unvoreingenommener Beobachter könnte kaum mehr unterscheiden, wer von den Kämpfenden noch lebendig ist und wer tot. Tjalfs Haut ist von der Kälte weiß, nur die Stellen, an denen sein Blut herabläuft, wirken grotesk farbig. Zwei weitere Gegner wurden geköpft und langsam sieht auch der draufgängerische Thorwaler ein, dass Verteidigung die bessere Kampftechnik ist. Vor Erschöpfung wankend blockt er den Schlag eines Untoten ab, duckt sich unter dem des zweiten hinweg und spaltet auch ihm daraufhin den Schädel. Ein Schlag trifft seine Krötenhaut, Metallknöpfe springen ab und qualvoll entweicht die Luft seinem Brustkorb. Doch der Gigant bleib stehen, nimmt seine letzten Kräfte beisammen und brüllt seine Verachtung gegenüber dem Feind in die Höhle hinaus. Ein weiter Schwung von rechts, in den er sein ganzes Gewicht legt fährt geradewegs durch die Korallenrüstung in den Brustkorb, reißt verwesendes Fleisch heraus und zerfetzt den letzten Zombie. Tjalf stützt sich schwer auf seine Axt, den Kopf herabhängend, während er in langen Zügen Luft in seine Lunge zwingt.

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Nostromo gibt den Versuch auf, sich selbst anzustarren und beschließt, den Inhalt seiner Taschen zu inventarisiseren.

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Hustend und wasserspuckend kommt Yuan wieder zu Sinnen. Ihm bietet sich das Bild eines Gemetzels dar. Abgeschlagene Körperteile dümpeln im blutroten Wasser herum. Tjalf nimmt gerade den bewegungsunfähigen Myrmidion auf die Schulter und die Drei beratschlagen, wie es weitergehen soll. Nach einer Erkundungstour durch die Höhle wird festgestellt, dass hier definitiv kein Schatz ist. Die ganze Mühe umsonst? Zorn breitet sich auf Tjalfs Zügen aus.

Nach etwas Herumgesuche im restlichen Teil der Höhle war bald die Schatzkiste in dem dritten Höhlengang gefunden. Der Gedanke, dass man das ganze auch viel leichter hätte haben können, wenn man direkt nach rechts gegangen wäre, wurde rasch verdrängt, um sich nicht noch mehr zu ärgern. Mit einem Fußtritt öffnete Tjalf die Kiste, doch anstelle von Reichtümern lag lediglich eine Steinplatte darin. Kurzzeitig blitzte bei jedem der Gedanke auf, die verfluchte Steinplatte gegen die Wand zu schmeissen, doch dann wurde erkannt, dass sich Schritzeichen auf dieser befanden! Diese mehr oder weniger genaue Beschreibung des wirklichen Schatzortes gab Grund zur Hoffnung, zumal es sich dabei nicht um eine neue Insel handelte, sondern lediglich um ein Versteck in dem Schacht, durch den die Gruppe in das Höhlensystem eingedrungen war. Den Adleraugen des Quartetts entging nichts und so wurde nach kurzer Zeit die wahre Schatzhöhle aufgehebelt. Und welche Pracht bot sich ihnen da! Vergammelte Bilder, aufgequollene Edelholzmöbel, meerwassergetränkte Säcke voll teuren Gewürzes, verrottete Stoffe, wahrlich ein Fest für die Augen! Anscheinend war der Schatz zu einer Zeit versteckt worden, als die Insel noch nicht leckgeschlagen war, doch nun, da sie jeden Tag einen Tauchgang unternahm, waren diese Schätze verloren. Glücklicherweise galt das jedoch nicht für die Dukaten, Dublonen, Edelsteine und Ringe, die sich ebenfalls in großer Zahl in dem Raum befanden. Mit vollen Händen räumten die Vier das Edelmetall in mitgebrachte Säcke, stopften sich die Taschen und Rucksäcke voll und schafften das wertvolle Geschmeide ins Boot. Nur die Brabaker Kronen ließ man geflissentlich da, wäre ihr Transport doch selbst als Ballast in der Bilge eine Verschwendung gewesen.
Mit Argusaugen beobachtet wurde das Gold an Bord des Schiffs gezählt und die stolze Summe von 8000 Dukaten aufgeteilt, so dass am Ende des Tages jeder der Vier mehrere hundert Dukaten in der Tasche hatte. Nach dieser erfolgreichen Schatzsuche wurden die Segel gesetzt und die Efferdbraut machte sich auf in Richtung ihres Heimathafens.

Der Tag verging ereignislos, doch in der Nacht wachten Myrmidion und Nostromo von dem Keuchen Tjalfs auf. Im Gegensatz zu sonst waren diesem Gekeuche diesmal jedoch keine Reibegeräusche vorausgegangen, so dass die beiden anfingen, sich Sorgen um ihren Gefährten zu machen. Zu Recht, wie sich nach einem kurzen Blick auf ihn feststellen ließ! Seine Gesichtszüge verformten sich, die Nase wurde spitzer, die Backen zerflossen und als sich seine Augen öffneten, war nur das Weiße zu sehen. Schreiend verließ Myrmidion angesichts dieser Geistererscheinung die Kajüte, gefolgt von einem ebenso erschrockenen, aber stillen Nostromo. Und während die beiden das ganze Schiff aufweckten, hörte Yuan die Worte, die die Schreckgestalt von sich gab. „Ihr seid verflucht, so wie ich es bin. Findet die Nachkommen im Trümmerfeld von Sylla und tötet sie!“ Die unheimlichen Augen schlossen sich wieder und Tjalf fiel zurück ins Bett. Inzwischen hatte sich der Rest der Crew an der Kajütentür eingefunden und man kam nach kurzer Beratung überein, Tjalf zu fesseln um am nächsten Tag den Geist auszutreiben. Punkt Mitternacht wurde Meerwasser geschöpft, Hennastifte organisiert, Amulette gesammelt und Gesänge einstudiert. Doch es schien, als würde der Exorzismus zu spät kommen! Am nächsten Morgen zog ein Sturm auf, düstere Wolken dräuten über dem Schiff und blaues, kaltes Feuer tanzte über die Takelage. Schlagartig sank die Temperatur so stark, dass sich Eispfützen auf Deck bildeten. Umgehend verlangten die Matrosen ein sofortiges Überbordwerfen des besessenen Tjalfs, doch Myrmidions Hinweis, dass sich der Geist dann ein neues Opfer suchen könnte und der finstere Blick Nostromos, als er auf einen der Rädelsführer zeigte und sagte „Zum Beispiel dich…“, führte dazu, dass man doch auf die unfreiwilllige Schwimmstunde verzichtete, zumal sich der Sturm auch bald wieder verzog, um woanders Leuten das Leben schwerzumachen.
An den Mast gebunden wurde Tjalf zur Praiosstunde das Meerwasser eingeflößt, sein Körper mit Hennazeichnungen vorbereitet auf das Ausfahren des Geistes und nachdem ihm unter ständigem Gesang die 12 Fischaugen in den Mund gesteckt wurden, da verließ tatsächlich der Geist in Form von Erbrochenem im hohen Bogen den Thorwaler. Der übelriechende Schleim wurde umgehend gesammelt, mit Öl übergossen und verbrannt und der geschwächte Krieger danach zum eigenen Schutz (und zum Schutz der Mannschaft vor seinem Jähzorn) in die Kabine gesperrt. In der Tat schien der Exorzismus erfolgreich gewesen zu sein, denn die nächste Nacht verlief ereignislos, doch schon am Abend darauf war die Herrlichkeit wieder vorbei. Erneut manifestierte sich die gefesselte Seele in Tjalf, um abermals nebulöse Prophezeiungen von sich zu geben. „Drei Leute entkamen dem Gemetzel, einer verdammte mich, seine Schlächter und sich selbst. Harath Wellenbrecher!“. Perplex über den Mißerfolg wurde kurzzeitig erörtert, ob die Fischaugen eventuell am falschen Ende eingeführt worden waren, doch schlussendlich entschied man sich dann gegen einen weiteren Austreibungsversuch.

Die Tage vergingen und allmählich erkannten die Vier, dass sie verflucht waren. Das Essen schmeckte nur noch fad, selbst die schimmeligsten Speisen hinterliessen kaum eine Spur auf der Zunge. Und darüberhinaus schienen die Finger langsam taub zu werden, erst nur in den Spitzen, dann bis zu den Knöcheln. Als die Klöpper in der Nähe von Sylla war, wurde daher kurzentschlossen auf die Insel übergesetzt, um dem Fluch und seiner Beseitigung nachzugehen. Sylla stellte sich als eine Mischung aus Barbados und Mos Eisley heraus, voll mit korrupten, heruntergekommenen Bewohnern, garniert mit korrupten, heruntergekommenen Zöllnern und korrupten, aber zumindest piekfeinen Efferdgeweihten. Ein Haufen Gold wechselte die Besitzer (leider immer von der Gruppe zu irgendeinem Syllaner, nie umgekehrt) und so konnte bald in Erfahrung gebracht werden, dass vor 200 Jahren ein Efferdinquisitor namens Harath Wellenbrecher in der Gegend auf seinem Schiff Efferdbraut (auch eine Klöpper, wie unser Schiff?) erzdämonische Charyptidenanhänger umgebracht hatte. Um den Fluch aufzuheben, mußte das Blut der Nachkommen der überlebenden Paktierer vergossen werden. Dies schien eine vielversprechende Spur, zumal einer der überlebenden Charyptoten Nachkommen in die Welt gesetzt hatte, von denen eine fröhliche Witwe mit ihrer fidelen Tochter (oder umgekehrt) just noch in der Stadt lebte! Man warf sich Blicke zu, nickte verständig und tippte sich verschwörerisch an die Nase. Das würde einfach werden! Etwas Monatsblut abgreifen, das irgendwo verteilen und der Fluch wäre aufgehoben, bevor auch nur einer der Gruppe gelernt hätte, Charypso richtig zu buchstabieren!

Zufrieden stolzierten die Vier also durch die Stadt und wurden Zeuge, wie Sklaven versteigert wurden. Yuan sah darin eine Möglichkeit, seine Kasse noch weiter aufzubessern und ersteigerte den Sohn des Schatzmeisters von Brabak für die lächerliche Summe von 120 Dukaten. So langsam wuchs seine Sammlung an jungen Burschen, erst Trek, jetzt Daiquiri, bald wäre die Immanmannschaft zusammen! Um zu zeigen, dass ihm das Geld aus allen Poren quoll, kaufte Yuan noch einen neuen Namen für 5 Silbertaler und taufte daraufhin Daiquiri kurzerhand in Lyrion um.
Myrmidion grinste schräg. „Mit euch ist ja immer etwas los. Zum ersten Mal seit der Katastrophe fühle ich mich etwas besser.“
Grillen zirpten… Ein Staubteufel wehte vorbei… Angelegentlich beschaute Tjalf die Schneide seiner Axt, während Nostromo und Yuan interessiert einen Haufen Möwenschiss betrachteten. Schließlich seufzte Nostromo laut auf und stellte die erwartete Frage. „Was für eine Katastrophe?“
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Ein fröhlich pfeifender Myrmidion läuft mit einer Angel über der Schulter den Strand von Tenos herunter. Eifrig wirft er die Schnur ins Wasser eines größeren Meerwassertümpels und schon bald ruckt es an der Leine. Der kleine Zyklopäer betrachtet den silbrig glänzenden Fisch aus der Nähe. Sein Gesicht strahlt. Freude geht über in Verwirrung, als sich in den Schuppen erst leicht nur, dann immer stärker ein rotes Glühen widerspiegelt. Ein Blick über die Schulter, auf Myrmidions Gesichtszügen liegt nun Angst. Der Fisch ist vergessen und fällt ins Wasser, wo sich kreisförmige Wellen ausbreiten. Man hört wie Myrmidion über den Strand rennt. Panisch erklingt seine Stimme. „Mutter! Vater!“. Die Kreise im Wasser verschwinden, der Tümpel liegt totenstill da, als Vulkanasche auf ihn niederregnet, ihn bedeckt, erstickt.
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Abspann.

Fazit:
– Tjalf: verlass dein Haus niemals ohne ihn! Zugegeben, es war auch ein bisschen Würfelglück dabei (zwei glückliche Attacken und sehr viele geworfene 3er und 4er), aber er ist einfach ein Tier! Mit lustigen Wuchtschlägen, gelegentlichem Umwandeln und taktischem Ausweichen hat er im Alleingang 6 der 8 Zombies ausgeschaltet (oder „getjalft“, wie es im Südmeer heißt), um am Ende mit 5 LeP als einziger Mann noch zu stehen.
– Sylla ist arg unsympathisch.
– Was zum Henker macht man mit soviel Geld? Klar, eine schicke Axt wird es wohl werden, aber was tun mit dem Rest? Ein Haus kaufen? Investor werden? Ein großes Schiff kaufen? Das muss noch geplant werden… Falls wir den Fluch loswerden (und ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass es das Monatsblut tun wird. ;))

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Südmeerkampagne – 17. Episode: Die Schatzinsel 1. Teil

Augrund eines Autorenstreiks musste die Zombieapokalypse kurzfristig auf Eis gelegt werden. Glücklicherweise befand sich jedoch noch ein altes Skript für die heitere Südmeerkomödie in der Schublade des Regisseurs, so dass einem Revival der beliebten Seefahrercrew nichts im Wege stand.

Ort der Handlung: Al Anfa, Boronsgraben und das Inselspa gleich hinter Iltoken.
04. Rondra – 17. Rondra
Mehrere wenig aufregende Wochen waren ins Land gezogen, in der die tapferen Abenteurer in Al Anfa herumbummelten und taten, was Abenteuer in ihrer Freizeit so tun. Tjalf hatte seiner Zukünftigen, der reizenden Hjaelgir, eine Schneiderstube eingerichtet und das traute Glück der beiden Turteltauben überstrahlte das ganze heruntergekommene Barrio und zauberte Lächeln in die Gesichter der Streuner, Herumtreiber, Leichenschänder und Halsabschneider in der Nachbarschaft. Etwas nagte jedoch an der Mannschaft und das war der Gedanke an mehrere Zehntausend Dukaten ungehobenen Schatzes in der Südmeer. Unter unsäglichen Mühen (z.B. Lesenlernen!) hatte man die Schatzkarte entziffern können und sogar eine grobe Ahnung, wo sich die abgebildete Insel befinden könnte und nun fehlte es an einer hochseetüchtigen Fregatte, um das Gold zu heben. Doch die Gruppe wäre keine Abenteurergruppe, wenn ihnen die Eingebung nicht eine Eingebung eingegeben hätte. Reiche Gönner könnten ein Schiff, Proviant und eine Mannschaft stellen, um im Austausch mit einem bescheidenen Anteil am Schatz bedacht zu werden. Leider schwebte die bodenständige, ehrlich gebliebene Gruppe nicht in den abgehobenen Sphären von Leuten mit einer derartigen Finanzkraft. Gönner waren zwar bekannt, firmierten unter den Bekannten der Seemänner jedoch eher unter der Berufsbezeichnung „Zuhälter“ und hatten definitiv nicht die Finanzkraft, ein Schiff auszurüsten. Blieb also nur, sich an reiche Händler und Granden heranzuwanzen, in der Hoffnung, ein offenes Ohr für die Schatzsuche zu finden.
Ein zweistufiger Plan wurde in die Tat umgesetzt. Myrmidion und Yuan legten sich in einem Badehaus ein menschenähnliches Aussehen zu. Danach mußte sich Yuan Ersatz für seine versehentlich von den Angestellten des Badehauses dekontaminierten, verbrannten und in alle Winde verstreuten Klamotten besorgen. Der fünftbeste Kleidungshändler der Stadt konnte mit einem passablen Ensemble inklusive eines Dreispitzes dienen und zwei auf Hochglanz polierte Unterhändler warteten nur noch auf das Ergebnis der zweiten Stufe: Eine Adresse, an der untergehandelt werden konnte.
Diese Aufgabe war fachmännisch von Tjalf und Nostromo ausgeführt worden, die mit viel Diplomatie und einem Näschen für Gelegenheiten von einem Parfümhändler die Adresse des Kontors von „El grande Wulfhart“ erfuhren. Wider alle Erwartungen hatte der verantwortliche Buchhalter lediglich eine Schriftrolle in den Händen und zeigte sich dem Anliegen der Schatzsucher durchaus aufgeschlossen. So groß war seine Begeisterung für die Schatzfahrt, dass er sich von 80 für die Gruppe und 20 Prozent für den Granden auf 25 zu 75 Prozent (Gruppe/Grande) heraufhandeln ließ! Im Gegenzug wurden 16 Mann, eine Klöpper (eine Al Anfanische Schiffsart, die ihren Namen von dem Klöpper hat: Ein Raummaß, dass 100 Stein entspricht) sowie Proviant für die Reise gewährt. Yuan verkaufte noch rasch sein sogenanntes „Schiff“, ein Seelenverkäufer, der aus fahndungstechnischen Gründen für den Verkauf von „Stichling“ zu „Betty“ umgetauft wurde und strich beeindruckende 1000 Dukaten für das Sperrholz ein.

Am nächsten Tag standen die Familien der heldenhaften Abenteurer im Form von Tjalfs Verlobter am Pier 7 und schaute der stolzen Efferdsbraut zu, die sich daran machte, in das weite Südmeer aufzubrechen. Kapitän Yuan übernahm sofort gekonnt das Kommando über das Schiff. „Zieht die Tücher da an dem Holzbalken hoch! Schneidet die Seile ab und holt den Metallklotz aus dem Wasser, wir wollen losfahren! Im Galopp voran!“, wies er mit knappen Befehlen die Mannschaft an, die wie ein gut geöltes Uhrwerk ihren Arsch keinen Zentimeter bewegte. Vermutlich sprach die primitive Besatzung kein Garethi, so dass die vom Buchhalter eingesetzte Kapitänin die Befehle erst übersetzen musste, doch kaum war dies geschehen, legte die Klöpper ab und fuhr unter Winken der Geliebten aus dem Hafen heraus. In der Folge entwickelte sich eine sportliche, humorvolle Rivalität zwischen Yuan und der Kapitänin, wer die Befehle gab und wem die Matrosen folgten.
Nach einer Tagesreise rammte die Efferdsbraut beinahe ein Handelsschiff, dass sich hinter einer Welle versteckt hatte und von Nostromo im Ausguck trotz Verwendung eines Fernglases nicht entdeckt werden konnte. Lediglich Myrmidon konnte die winkenden Gestalten an Bord des anderen Schiffes erkennen und erkannte mit nautischem Sachverstand, dass es sich um tollwütig gewordene Seefahrer handelte. Diese Krankheit grassiert ja geradezu auf hoher See, da wieder und wieder Menschen von rasenden Flundern, Barschen und Aalen angegriffen und infiziert werden! Glücklicherweise täuschte sich der Zyklopäer hier jedoch, die Händler wollten nur auf sich aufmerksam machen und Handelswaren an den Mann bringen, bevor die Fahrt über den Boronsgraben beginnen würde. Es war eine Fügung des Schicksals, dass Yuan auf dem Handelsschiff genau den Ausrüstungsteil fand, der für unsere Reise, ja unser ganzes Unternehmen unabdinglich war. Sein Fehlen hatte nicht nur ihm, sondern der ganzen Mannschaft manch schlaflose Stunde, manch verzweifeltes Grübeln beschert und hier, wo sich alle, selbst der stoische Nostromo beinahe der Verzweiflung hingegeben hatten, da winkte Phex huldvoll und ließ Yuan finden, was nötig war. Für einen Klöpper (eine Werteinheit, die ihren Namen daher hat, dass sie dem Wert eines historischen Klöppers brabakischen Sumpfhanfs entspricht) erstand Yuan einen kleinen Sklavenwaldmenschen.
Ein Aufatmen, ein Raunen, beinahe ein Applaus ging durch die versammelte Mannschaft auf der Efferdsbraut, als Yuan mit seinem Kauf zurück an Bord kam. Endlich konnte die Reise weitergehen! Im Austausch für Nahrung und Unterkunft für den kleinen Trek-Trok übergab Yuan die Befehlsgewalt über das Schiff an die Kapitänin und kümmerte sich ganz um die Ausbildung des Mohajungen.
Fröhlich blies der Wind in die Wanten und ließ dass Schiff ordentlich Fahrt aufnehmen. Mit der Herrlichkeit war es jedoch sehr schnell vorbei. Zwar blies der Wind weiter sein immerwährendes Lied, die Fahrt war jedoch kaum mehr ordent- sondern eher jämmerlich zu nennen. Myrmidion hatte bald die Quelle des Übels bestimmt. Saugfische hatten sich zuhauf an den Rumpf der Klöpper gehaftet und bremsten sie ab. Wutentbrannt über die Verzögerung stürzte sich Tjalf ins Wasser und gab den Fischen mit seiner Axt ordentlich auffe Schnauze. Dutzende der Parasiten wurden zermatscht, begleitet von dem gehässigen Kichern der unbehelligt gebliebenen Artgenossen. Das Blut lockte allerdings Haie an und auch wenn Tjalf diesen ebenfalls gut was aufs Fressbrett geben wollte, zogen ihn die anderen rasch an Bord, bevor das Blutbad ausartete. Als erfahrene Seemänner fiel Tjalf und Nostromo jedoch direkt eine andere Möglichkeit ein, den Rumpf zu säubern und nachdem man nach Art des Kielholens mit einem Seil die störenden Saugfische von den Planken gehobelt hatte, segelte die Klöpper unbehelligt über den Boronsgraben.
Einige Tage später erreichte die Efferdsbraut die Region, in der die Schatzinsel verortet wurde. Stundenlang wurde über der Schatzkarte gebrütet, um die genauen Koordinaten zu bestimmen und durch ein Mehrheitsvotum schließlich eine Stelle bestimmt. Man kann sich die Bestürzung in den Gesichtern der Crew kaum vorstellen, als an der besagten Markierung lediglich Wasser zu sehen war! Unmut machte sich unter der Mannschaft breit, die statt gemütlich an der Stelle herumzudümpeln, lieber gegen Piraten gekämpft, Stürmen getrotzt und von Seeungeheuern gefressen worden wäre. Frusttoleranz und auch gesunder Menschenverstand steht nicht so hoch bei den Matrosen des Südmeers. Ganz im Gegensatz zu unseren Helden, die zu keiner Sekunde daran dachten, aufzugeben. 8 Augenpaare durchbohrten unablässig die Umgebung, Fernrohre wurden gezückt, Ohren gespitzt und der Duft des Windes überprüft. Und natürlich hatte die Mühe Erfolg: Ein beinahe versunkenes Inselchen konnte ausgemacht werden, als die Ebbe einsetzte. Anscheinend war im Laufe der Jahre die Insel abgesackt und lag daher bei Flut vollkommen unter Wasser. Die Gruppe beglückwünschte sich zu dem Entschluss, so zeitig nach dem Schatz zu suchen. Ein paar Monate später und man wäre vielleicht nur wenige Meter über der Stelle dahingesegelt, ohne auch nur zu ahnen, dass man direkt über dem Schatz stand!
Mit dem Beiboot wurde übergesetzt und um klarzumachen, wer hier das Sagen hatte, zerstampfte Tjalf direkt nach dem Anlanden die einzigen Bewohner des Eilands: einige Krabben, die nicht schnell genug im Meer verschwunden waren. Nachdem die Dominanz der Gruppe klargestellt war, wurde die Insel ausgiebigst untersucht und es ergaben sich zwei sehr vielversprechende Ergebnisse. Zum Einen maß der Felsen lediglich 100 Schritt im Durchmesser, zum Anderen gab es kein Art von Vegetation. Die Schatzsuche sollte einfacher werden, als gedacht! Kein Herumschlagen mit Sümpfen, wilden Tieren oder giftigen Pflanzen, nein, lediglich ein Fels im Meer, der nach Algen stank. Frohen Mutes wurde also ein Stein nach dem anderen umgedreht und es verging kaum eine Stunde, da fand man in der Mitte der Insel ein tiefes Loch, aus dem Rauschen und Gluckern emporklang. Beherzt wurde Myrmidon herabgelassen und weder die scharfen Felskanten, die seine Haut aufrissen, noch das eiskalte Wasser am Boden des Lochs ließen seine Entschlossenheit wanken. Auch die absolute Finsternis interessierte ihn nicht und als er schließlich durch einen unter Wasser liegenden Tunnel tauchte und das Seil zu kurz war, da zögerte er keinen Moment, sondern band sich los, um weiter das Unbekannte zu erforschen! Durchgefroren landete er in einer anderen dunklen Höhle, aber der widerlich schweflige Gestank darin führte dazu, dass er sich erbrach und die warme Soße mit Körpertemperatur wärmte ihn wieder auf. Leider verlief er sich dann in der Höhle und fand nicht mehr zurück, allerdings konnte er das Jaulen und Heulen eines Felsengeistes hören! Die Gefahr war groß, jeden Moment konnte sich das unheilige Wesen seiner bemächtigen, da spürte Yuan, der ebenfalls die Abkürzung über die scharfen Felskanten genommen hatte, ihn wieder auf. Gemeinsam gelangten die Helden wieder an die Oberfläche, durch die erbarmungslose Kälte und den Blutverlust beinahe ohnmächtig. Beim Rückweg zum Schiff navigierte Yuan das Beiboot durch eine Abkürzung, in der der Boden des Ruderboots leider aufriss. Heftiges Wasserschöppen war nötig, um doch noch an Bord zu kommen und die bisher untätig herumgammelnden Matrosen reparierten das Boot, während sich die Höhlenforscher ausruhten.
Am nächsten Tag kommandierte der erste Maat das Ruderboot und steuerte es kunstvoll auf denselben Felsen wie am Tag zuvor. Dieser tat auch prompt das Verlangte und riß den Boden erneut auf, so dass die Expedition abgebrochen und unter erneutem Wasserschöpfen hastig zurück zur Klöpper gerudert wurde. Ein weiterer heiterer Tag des Bootreparierens und Ausruhens folgte, bis schließlich der zweite Maat sicher auf der Insel anlandete, trotz der Anweisungen von Yuan und Maat 1, die Strecke der Vortage zu nehmen, schließlich sei es doch sehr unwahrscheinlich, dreimal in Folge denselben Felsen zu erwischen. Erneut stiegen Myrmidon und Yuan aber auch Tjalf in die Dunkelheit hinab, während Nostromo, alarmiert von den Berichten über einen Geist lieber am anderen Ende des Seils stehenblieb, um die Wagemutigen herabzulassen. Diesmal hatte die Gruppe schlauerweise in Wachs eingeschlagene Fackeln mit, so dass die Dunkelheit vertrieben werden konnte. In der zweiten Höhle, zu deren widerlichem Gestank sich nun auch noch der Gestank von zwei weiteren erbrochenen Frühstücken gesellte, waren drei finstere Durchgänge zu sehen. Derjenige, aus dem das Jaulen zu hören war, wurde gewählt und bald stand die Gruppe in der nächsten Höhle. Hier blieb jedoch nicht viel Zeit, sich umzusehen, denn urplötzlich stürzten sich die Leichen von 10 ertrunkenen Seemännern auf die drei Recken! Peitschen wurden geschwungen, Orknasen gezückt, Säbel blitzten auf… doch da fiel der Vorhang und das weitere Geschehen wurde auf die nächste Episode vertagt!

Fazit:
Boote und versteckte Felsen vertragen sich nicht so gut. Tiefe Höhlen und mangelnde Kletterkenntnisse ebenfalls nicht.

Falls sich auf der Insel doch kein Schatz findet, könnte man ein schönes Spa daraus machen. Schwefelhaltiges Wasser, Algenmasken, Kaltwasserduschen… das könnte eine Goldgrube werden!