Südmeerkampagen 22. Kapitel – There is a new Sheriff in town

Ort der Handlung: Chorhop
26.-27. Efferd
Als der Gruppe endlich aufgegangen war, dass Myrmidion abhanden gekommen war, machte sie sich flugs auf, den Aufenthaltsort des kleinen Zyklopäers zu bestimmen. Nachdem man dem örtlichen Phexgeweihten zugestanden hatte, eine Glücksspielmaschine im Wachraum aufzustellen, rückte dieser die Adresse des Wesirpalastes heraus. Tränen der Freude standen in den Augen Tjalfs, als er im Eingangsbereich Myrmidion erblickte, der Kunststückchen für die Gäste des Wesirs aufführte. Aus irgendeinem Grund kam es dann jedoch bald zu einem Handgemenge zwischen den beiden, das sich rasch zu einem ausgewachsenen Faustkampf ausweitete. Die Palastwachen, eine Gelegenheit für zusätzliches Geld im Blick, eröffneten sofort eine Wettbude und bald fieberte der ganze Raum mit den beiden Kämpfern mit. Obwohl Myrmidion mit seinen Ringertricks an dem Thorwaler hing, wie eine Klette, schaffte dieser es schließlich dank seiner enormen Körperkraft seinen Gegner übel anzuschlagen. Zurückgehalten von Nostromo und Yuan beruhigte er sich wieder, doch da initiierte Myrmidion in der Tradition der großen Selbstmörder eine zweite Runde, die für ihn noch weniger gut ausfiel. Blutüberströmt und mit schiefer Nase ging er schließlich zu Boden, just in dem Moment, als sein Besitzer in den Raum kam. Einiges Herumgebrülle, Vorwürfe und Beschwichtigungen später wurde Tjalf doch nicht wegen Beschädigung der Ware angeklagt, Myrmidion eine Woche die Annehmlichkeiten gestrichen und die nun wieder zusammengeführte Gruppe verzog sich rasch aus dem Palast, bevor sie noch den Abwasch für den Monat aufgebrummt bekommen würde.

Gegen Abend waren sämtliche Prätoren inklusive ihrer Sekretäre zur Almosarin, Zeradria Du Beryllis eingeladen. Angesichts der Tatsache, dass diese Dame die Budgets sämtlicher Prätoren festlegte, war eine ganze Menge Arschkriecherei zu erwarten und so machte sich der neue Schutzprätor Yuan mit seinen Hauptmänner auf zum Palast. Dieser bescheidene Rundbau wartete mit 10 Luxushöfen auf, durch die die staunenden Besucher geführt wurden. Ein Dschungelhof, ein Keramikhof, ein Hof mit einem Garten, in dem eine 7 Meter hohe fleischfressende Pflanze gerade ihr Abendbrot in Gestalt einer Elefantenkuh zu sich nahm und noch viele weitere Wunder erwarteten die Gäste. Aufgrund der langen Schlange vor der Loopingrutsche im „Wasserspaßhof“ dauerte es eine Weile, bis sämtliche Gäste an den Tischen Platz genommen hatten. Während die Prätoren an einer großen Tafel aus Mahagoniholz speisten, drängelten sich die restlichen, unwichtigeren Gäste am Kindertisch und mussten beim Essen irgendwie ihre Knie hinter den Ohren verstauen. Nicht zuletzt die winzigen Stühlchen waren der Grund dafür, dass regelmäßig Sekretäre mit wichtigen Mienen zu ihren Prätoren rüberschlörten, ihnen irgendetwas zuflüsterten und dann mit bedeutsamen Blicken zurück an den Miniaturtisch kamen.

Nach dem 7. Gang der bescheidenen Mahlzeit hub der Vogtvikar (Der oberste Phexhoncho der Stadt) Adnan Zephorika an, eine Rede zu halten und wie so üblich, konnten sich die Prätoren diese Gelegenheit nicht entgehen lassen, auch ihrerseits Herumzuschwafeln. Erst stellten sich die verschiedenen Prätoren daher langatmig vor, um dann ihr Programm für das nächste Jahr zu präsentieren (Lockerung des Kündigungsschutz, Rückzug der Truppen aus Alanfanistan, Reform des Gesundheitswesen). Ein Gutes hatte das ganze jedoch: man bekam alle Prätoren noch einmal zu sehen und erfuhr mehr darüber, was diese Nasen eigentlich machten. Die Wehrprätorin war Tatonka Patalatankada, eine hart aussehende Mohafrau, zuständig für die Stadtmauern, Tore und das Kriegsministerium, Leon Pestero war der Spieleprätor und als solcher für die Elefanten zuständig. Bläphemisto hatte es irgendwie geschafft, sowohl Kadi als auch Hafenmeister zu werden, während Rastafan ibn Tamullah der Zollprätor und der große Trom, eine vertrauenserweckende Gestalt mit verfilztem Zauselbart und Hakenhand der Würfelmeister war. Achso, irgendwo stand auch noch ein verrückte Katzenoma auf und wäre fast von uns aus dem Saal geschmissen worden, bevor sich herausstellte, dass sie die Kloakenprätorin war. Das Lachen über diesen albernen Titel erstickte jedoch sofort in den Hälsen, als klarwurde, dass zu ihren Aufgaben auch die Verteilung von Süßwasser gehörte… Wer schon einmal versucht hat, eine Woche nur Salzwasser zu trinken, weiß, wie wichtig ein derartiger Posten ist und so wurde beschlossen, es sich mit der verrückten Alten nicht zu verscherzen. Glücklicherweise waren vom Vogtvikar vorher noch einmal die Aufgaben des Schutzprätors präzisiert worden, so dass Yuan, als er an die Reihe kam, nun nicht wie ein Gimpel dastand, sondern ganz klar sein Jahresprogramm darlegen konnte. Der Schutz der Stadt, ihrer Einrichtungen und Feste, das wäre sein oberstes Ziel und als Mittel zur Durchführung dieser hehren Ziele standen Patrouillengänge, die Jagd auf Verbrecher, das Durchsetzen von Beschlüssen und natürlich die Bekämpfung von Bränden auf der Liste. Beifällige Stille folgte auf diese berührende Rede („Ich habe einen Traum, dass unsere Nachfahren eines Tage ein brennendes Haus haben und die Feuerwache steht mit ihren Eimern bereit!“). Soweit war alles eitel Sonnenschein, doch dann kam der Paukenschlag, der wohl bei jedem Fest zum guten Ton gehörte. Und nachdem die Kapelle mit ihrem Stück fortfuhr, folgte dann auch noch die Ansage der Almosarin: sämtliche Ausgaben würden um 20 Prozent gekürzt werden. Obwohl das Orchester unverdrossen weiterspielte, konnte man das Rattern in den Köpfen der Prätoren hören. 20 Prozent? Wääh? Alles Geschimpfe und Genörgel half jedoch nicht weiter. Die sture Almosarin blieb hart und verliess alsbald die Runde, ohne vorher auch nur ansatzweise anzudeuten, was sie mit den so monatlich gesparten 1000 Dukaten vorhatte, anzustellen. Doch mit dieser schlechten Nachricht war der Abend noch lange nicht vorbei, Phex bewahre! Der Vogtvikar richtete noch die bescheidene Bitte an Yuan, sich doch um den Fall der unlängst ermordeten Traviageweihten zu kümmern. Dies sei kein Befehl, ganz und gar nicht! Aber der Mord sollte doch besser bald aufgeklärt sein, sonst.

Sonst! ist immer eine gute Motivationshilfe, daher brachen wir bald auf zur Wache und überprüften dort die Lage der Gardisten. Diese befanden sich in unterschiedlichen Stadien der Betrunkenheit, so dass Yuans Investigation, warum die Novadis für diese Nacht um Nichteinmischung gebeten hatten, auf gewisse Schwierigkeiten stieß. Yuidoso, genannt „Die Stimme“, war ein typischer Vertreter der glorreichen Chorhoper Stadtwache. Ein dicklicher, unbeholfener Mann mit bereits 2 Bieren im Körper und einer feinen Nase für Bestechungen war zusammen mit der erste 17jährigen Fiorella in dieser Nacht im Novadiviertel auf Streife gewesen, hatte jedoch nichts bemerkt. Nachdem Drillhauptmann Tjalf den verlotterten Burschen angeschnauzt hatte, wurde Fiorella noch einmal privat im Büro vernommen und sie berichtete, dass es Tumult in einem Haus gegeben hatte. Zwei vermummte und mit Schwertern bewaffnete Männer waren aus dem Haus gestürmt, hatten Yuidoso einen Beutel mit Geld vor die Füße geworfen und waren dann verschwunden. Erzürnt darüber, dass sie von diesem Bestechungsgeld nichts abbekommen hatten, wurde der Dicke wieder heranzitiert und von Tjalf und Yuan zur Sau gemacht. Das Bestechungsgeld wurde einkassiert und in die Schiffskasse getan, lediglich 4 Dukaten sollten an Fiorella als Belohnung gehen, landeten jedoch aufgrund von bürokratischen Hürden und allgemeinen Hindernissen im Geldbeutel von Nostromo.
Aufs äußerste enragiert hielten Yuan und Tjalf der versammelten Truppe eine Standpauke und setzten eine Exerzierübung für den nächsten Morgen um 10 Uhr an. Danach wurden die Gardisten Fiorella und Godero, ein thorwalscher Hüne, abkommandiert, mit ins Novadiviertel zu kommen, um den Tumult aufzuklären. Es stellte sich heraus, dass im Zuge des Tumults der Besitzer des Tumulthauses umgekommen war. Während die Hauptmänner das Haus des ehemaligen Töfpers nach Spuren durchsuchten, befrug Myrmidion die Nachbarn nach verdächtigen Vorkommnissen in der Nacht. Die Nachbarn waren jedoch ähnlich hilfreich, wie ein Nashorn beim Häkeln und benahmen sich, wenn sie nicht gleich vortäuschten, Myrmidions Sprache nicht zu verstehen, recht unhöflich. „Ich komme wieder mit meinen Freunden!“, kläffte der Zyklopäer und tauchte kurz darauf mit seinen großen Freunden erneut bei den Nachbarn auf. Diesmal waren sie etwas höflicher, hatten jedoch trotzdem nichts gesehen oder groß gehört und konnten nicht sonderlich weiterhelfen. Wenigstens wurden ihnen bzw. dem Hairan, dem örtlichen religiösen Oberhaupt der Novadis, die Aufgabe aufgedrückt, sich um den Leichnam zu kümmern, so dass wir diesen Ballast wenigstens nicht mehr am Hals hatten. Da es mittlerweile recht spät war, bildete Yuan lediglich noch die Einsatzgruppe Traviageweihtenmord (bestehend aus Fiorella, Godero und dem generischen Alrik) und ging danach zu Bett.

Am nächsten Morgen um halb 10 war lediglich eine von sechs eingeteilten Wachen auf ihrem Posten im Gardistenhaus, so dass Tjalfs Zornesadern wieder mächtig ins Pochen kamen. Als schließlich die verlotterte Bande komplett angetreten war, bekam sie entsprechend einen Einlauf vom Hauptmann und dem Prätor und durfte im Anschluss eine Stunde sportliche Betätigung durchführen. Nach der ganzen Schwitzerei traf sich der neue Hauptmann der Feuerwehr, Diago, mit dem obersten Brandstifter der Wache und lotete aus, wie sich etwas Geld nebenher und in die eigene Tasche verdienen lassen würde. Währenddessen erörterte der Rest, dass Budget (560 Dukaten) und Ausgaben (630 Dukaten) leider gewisse Diskrepanzen aufwiesen und wie sich diese Unterschiede würden lösen lassen, doch bevor Pläne festgelegt werden konnten, kam der Abspann.

Pro:
– Tjalf als Schleifer könnte aus der Gurkentruppe einen Elitehaufen machen („Ein paar Schläge von TJalf und die Welt sieht gleich anders aus!“)
– Mit einer Elitetruppe könnte sich mehr Geld verdienen lassen

Contra:
– Aktuell sieht es nicht so aus, als ob sich in dem Jahr auch nur die 1000 Dukaten Loseinsatz wieder einsammeln lassen, geschweige denn von genügend Geld für ein hochseetüchtiges Schiff

Südmeerkampagen 21. Kapitel – Seines eigenen Glückes Schmied (oder seines Pechs)

Ort der Handlung: Sehr viel Südmeer, Al Anfa, noch einmal Südmeer, Chorhop
3. – 25. Efferd

Die letzte Folge hatte damit geendet, dass wir auf einem Sklavenschiff mitten in der Nacht fluchtartig Charypso verlassen mussten, gejagt vom ebenso bösartigen wie gemeinen Oberadmiral Dolgor Trollolol. Die Reise auf der gemütlichen „KRAKON“ war relativ unspektakulär. Verröchelnde Sklaven, eine Peraineakoluthin, die von der Besatzung aus einem Kloster geraubt worden war und sadistische Aufpasser trübten die heitere Stimmung kaum. Lediglich Myrmidion, immer nach einer Gelegenheit witternd, bei der Akoluthin zu punkten und, bei Erreichen von 100 Punkten, in ihrem Bett zu landen, machte es sich zur heroischen Aufgabe, die pestverseuchten Sklaven zu retten. Unsere gute Kapitänin Eisenhand, bewandert in der Heilkunde von Krankheiten, hatte als einzige Maßnahme gegen die Ausbreitung der von ihr als „Sumpffieber, oder Dschungelfieber oder Windpocken, könnte auch Cholera oder Reizmagen sein“ diagnostizierten Krankheit das Überbordwerfen der Erkrankten als einzige Heilmethode mit Aussicht auf Erfolg im Portfolio. Mit Engelszungen und dem Einsatz einiger Dukaten konnte sie jedoch überzeugt werden, dass einige Heilkräuter die Sklaven retten würde und so landeten lediglich die üblichen 10 Prozent im Magen der hungrigen Haie, während der Rest der Ladung wohlbehalten in Al Anfa ankam und dort gesundgepflegt wurde. Die nervliche und körperliche Anstrengung erhöhte jedoch das Limit auf über 1000 Punkte und Myrmidion musste ganz alleine in seinem Bettchen schlafen.

In Al Anfa wurden die 100 Dukaten Überfahrtgebühr ohne Wimpernzucken gezahlt (niemals kam die Idee auf, einfach von Bord zu verschwinden und nicht zu bezahlen, niemals!) und alsbald der Rest des bitter erworbenen Geldes in das umgesetzt, was jeder dringendst brauchte: glänzende, scharfkantige, messerscharfe Waffen! Mehrere Wochen war Senora Forjadora, die aventurienweit bekannte Schmiedin Al Anfas beschäftigt, dann hielten Yuan (Amazonensäbel), Myrmidion (Langdolch) und Nostromo (Streitaxt) ihre neuen Mordwerkzeuge in den Händen, liebkosten und spielten mit ihnen und gaben ihnen zärtliche Kosenamen.
Eingedenk des schlechten Abschneidens beim Faustkampf liess sich auch Tjalf etwas feines zusammenschmieden und hatte so bald einen Handschmeichler auf den Fingern, der seinesgleichen suchte. Auf die Durchschlagskraft seines Schlagrings schauten Keulen, Schwerter, ja sogar Dschungeltiger und der ein oder andere Bär mit neidischen Augen.

Doch wie sollte es weitergehen? Zwar war noch eine ganze Stange Geld in den Taschen der Gruppe geblieben (trotz aller Bemühungen, das Gold rasch in die Tasche der Schmiedin zu transferieren), aber für ein richtiges Schiff würde das doch nicht reichen. Also wurde ein mehrstufiger Plan geschmiedet, wie so oft.
Schritt 1: Reisen nach Chorhop. Schritt 2: Bei der dortigen Lotterie gewinnen und ein Jahr eines der Stadtämter übernehmen Schritt 3: Profit!

Gesagt, getan, innerhalb von einer Woche war die Bagage in Chorhop und rätselte darüber, wie wohl der Name der Stadt auszusprechen wäre. Korhopp? Schorhopp? Körhopp? Körhoop? Einige wurde man sich nicht und auch die Einwohner hatten nicht die geringste Ahnung. Falls wirklich eines der Stadtämter an uns fallen würde, wäre eine der ersten Amtshandlungen wohl der Antrag auf eine Umbenennung der widerspenstigen Stadt. Irgendwas knackiges, ohne Interpretationsmöglichkeit. KARG… ja, der Name hatte etwas.

Zuvor galt es jedoch, sich ein Los für die Lotterie zu kaufen und sich über die Modalitäten der Ziehung zu informieren. Im schönen Tempel des Phexs (oder Feqs in der einheimischen Schreibweise), dem Gott der Händler, Diebe und Spiele erklärte uns einer der Geweihten freudig die Regeln. Einmal im Jahr würden die 9 Stadtämter verlost werden, dazu mussten Lose für 1000 Dukaten gekauft werden. Am entsprechenden Tag würde die wunderbare Maren Gilzer 9 Elfenbeinlose aus dem Füllhorn ziehen und die Gewinner hätten ein Jahr lang Zeit, die Stadt auszuplünder… der Stadt und ihren Bewohnern zu unermesslicher Blüte zu verhelfen.

„Es gibt 9 Ämter in dieser Stadt, die verlost werden. Das erste Amt ist der Schutzprätor. Das zweite Amt…“ Verständnislose Blicke von Nostromo. „Was ist ein Schutzprätor?“ „Der Schutzprätor beschützt die Stadt und die Bürger im Inneren. Er sorgt für die Einhaltung der Gesetze. Das zweite Amt ist der Kadi, das dritte…“ Mehr verständnislose Blicke. „Was ist ein Kadi?“ „Der Kadi hält Gericht und spricht die Urteile. Das dritte Amt ist der Wehrprätor. Das vierte… „Was macht der Wehrprätor?“ Mittlerweile war das Lächeln des Phexgeweihten bereits etwas angestrengt, dennoch fuhr er höflich fort. „Der Wehrprätor verteidigt die Stadt gegen äußere Gefahren. Der vierte Prätor ist der Kloakenprätor. Der fünfte…“ „Was macht der Kloakenprätor?“ Die folgende Erklärung kam sehr kurz (er kümmert sich um die Kloake, Abwässer usw. der Stadt) und im Anschluss redete der Geweihte viel schneller und gab zu jedem der restlichen Ämter sofort eine Erklärung ab. Daran sieht man wieder, wie gewitzt die Diener des Fuchses sind, selbst subtilste Hinweise auf die Unterbelichtetheit der Zuhörer bemerken sie sofort und stellen sich auf deren geistiges Niveau ein! Des weiteren gab es noch den Zeremonienprätor, der für die Organisation von Festen zuständig ist, einen Buchhalter, der die Gelder für die anderen Abteilungen einteilte, der Hafenprätor, der für das Sammeln von Kokosnüssen zuständig ist (HA, kleiner Test! Natürlich war er für Zölle und Hafenangelegenheiten zuständig) und noch irgendwer, dessen Funktion mir gerade nicht einfällt.

Nach etwas Gefeilsche warfen Yuan, Tjalf und Nostromo 1000 Dukaten zusammen, und erwarben so Anteile von 50/25/25 Prozent an einem Los mit der Nummer 61. Myrmidion hatte nicht soviel Geld und entschied sich, einfach seine Freiheit einzutauschen. Er bekam das glücksverheissende Los mit der Nummer „Niete“. Bei der großen Ziehung schrammten wir glücklicherweise am Toilettenprätor vorbei, leider allerdings auch am Hafenprätor, am Wehrprätor, am Kadi, am Partyprätor, am Buchhalter… so langsam gingen die Prätorenstellen aus! Jammern und Wehklagen machten sich breit, da zog Maren Gilzer die letzte Nummer… die 19! Zonk! Unruhe machte sich unter den zahlreichen Schaulustigen breit, als niemand mit dieser Nummer auftauchte. „Schiebung, Schwindel!“ ertönten die Stimmen von unbeteiligten Zuschauern, die sich verdächtig nach Tjalf und Yuan anhörten. „Ach, ich Dummmerchen!“, kicherte das Dummerchen auf der Bühne. „Da habe ich den Zettel doch falsch herum gehalten! Es ist natürlich die Nummer 1 über 9!“ Doch auch dieses Los hatte niemand, ebensowenig wie 9 über 1. Da, endlich!, als die Stimmung schon hochkochte, einigte man sich auf 61 und sofort schoss Yuan lässig und locker zum Podium und pflanzte sein Hinterteil auf den Sessel des Schutzprätors, während Myrmidion mit seinem Nietenlos flugs mitsamt anderer Unglücklicher in einen stickigen Nebenraum geführt wurden. Der Rest des Abends und der Nacht verschwamm in einer Wolke aus Essen, Alkohol, Glücksspiel und Gelächter, so dass niemand am nächsten Morgen beim Aufwachen wusste, wie er dorthingekommen war, wo er nun gerade lag.

Tjalf, Diago und Nostromo erwachten in schicken Räumen auf angenehmen Matratzen, Yuan auf einer Art weichem Marktplatz, der sich jedoch bald lediglich als ein sehr, sehr großes Bett herausstellte. Nach mehreren Minuten Fussmarsch hatte er das Ende seines Bettes erreicht und stand nun vor seinem Haushofmeister, der ihn einkleidete und unterhielt. Eine Tour durch das Haus wurde gemacht und die Gefährten exklusive Myrmidion erkannten, dass sie in einer luxuriösen Villa, dem Heim des Schutzprätors untergebracht waren. Noble Gästezimmer, ein weites Esszimmer, ein Arbeitszimmer komplett eingerichtet mit Schreibtisch und kleinen Moha- sowie Elefantenfiguren, dazu eine gutausgestattete Küche, die Herzen der heruntergekommenen Seeleute schlugen höher. Lediglich der erste Stock wollte uns von dem schlawinerigen Hofmeister nicht gezeigt werden, der abwiegelte, dort oben befänden sich bloss die einfachen Unterkünfte der Sklaven und Bediensteten. Es sei viel zu heiß dort für die hohen Herren, die Treppe ausserdem wackelig und überhaupt die Stufen recht schief und mit Splittern übersät… Während er uns wortreich die Unannehmlichkeiten des oberen Stockwerks schilderte, rappelte der Domestik unauffällig an einer Schnur an der Decke und verdächtiges Krachen war von oben zu hören. Schließlich war es Yuan zu viel und die Gruppe stapfte erbost nach oben. Dort hatten die Sklaven ihr Schwimmbad, den Raucherraum, das Spielzimmer, die Massagesitze, die Sofas und Zigaretten jedoch in der Zwischenzeit versteckt und lümmelten nun auffällig unauffällig auf Strohmatten herum und taten so, als ob sie sich hier so unangenehm fühlten, wie es sich für Sklaven anzufühlen hatte. Trotz guter Augen fiel niemandem der Zigarrenrauch auf, der aus den Zimmerpflanzen quoll und auch die lackierten Zehnägel der Freudenmädchen, die sich hinter rasch an die Wand genagelten schäbigen Vorhängen versteckten entgingen der Aufmerksamkeit der Crew und so marschierte man wieder unverrichteter Dinge nach unten. Man würde den faulen Alriks schon noch auf die Schliche kommen! Unangemeldete Besuche zu jeder Tages- und Nachtzeit standen schon auf dem geistigen Notizzettel von jedem in der Gruppe!

Danach wurde der neue Schutzprätor seinen Gardisten vorgestellt, die sich sichtlich begeistert zeigten, einem neuen Herrn zu dienen. Auch die Vorgängerin in diesem Amt hätte sich sehr gefreut, Yuan in seine neue Aufgabe einzuführen, musste jedoch leider leider das nächste Schiff aus der Stadt bekommen und mit der schweren Schatztruhe durch den Mittagsverkehr… da blieb leider keine Zeit mehr, auf Wiedersehen! Yuan, als alter Polizistenhase und allgemeiner Menschenfreund entschied als erstes, die Verpflegung der Mannschaft zu verbessern, koste es was es wolle und sich mit den anwesenden Gardisten gemein zu machen. Erste Bittsteller wurden empfangen und Geld eingestrichen, es wurde vorgetäuscht, dass man sich an die Abmachungen, die man im Suff letzte Nacht gemacht hatte, sehr wohl noch erinnerte und eine Rede vor der Truppe gehalten. Diago wurde zum Hauptmann der Feuerwehr ernannt, Tjalf zum Hauptmann der Ausbildung und Nostromo zum PR-Berater… nein, Hauptmann der Wache. Während die neuen Hauptmänner überlegten, dass sie ein neues Intro und eine Titelmusik für diese neue Serie benötigten, schwenkte die Kamera zurück und hinüber zu Myrmidion.

Dieser sah sich nach einer langweiligen Nacht mit den anderen Sklaven auf dem Sklavenmarkt wieder, wo ihre runzligen Hintern versteigert werden sollten. Mehrere Interessenten boten fleissig mit, und je geschickter der Sklave war, um so mehr Geld wurde geboten. So wurde Reno Blütenstätter, der tumbe, schielende Mittelreicher mit nur einem Bein an den Alchemisten Alrigio Fetidez als Klabusterbeerensammler für unter 50 Dukaten versteigert, während der starke Reinhold als Plantagenarbeiter schon 150 Dukaten erzielte. Stolz wollte Myrmidion da noch einen draufsetzen und betonte unablässig seinen kleinen Wuchs, seine Flexibilität und seinen mangelnden Würgerefle… seine Kunstfertigkeit in der Akrobatik. Als Höhepunkt der Show kletterte er in eine Kiste von 30 mal 40 mal 30 cm und der Beifall der Menge erreichte Höhen, die nur noch vom Preis für den Zyklopäer in den Schatten gestellt wurden. Für 650 Dukaten wurde er vom Kalifen der Stadt und seiner Kurtisane gekauft als Possenreisser, Geschichtenerzähler und Akrobat. Nicht einmal eine Sekunde dachte er darüber nach, dass jeder Dukaten mehr, der er kostete, die eh schon geringe Chance, dass seine Gefährten ihn freikaufen würden, noch weiter verringerte…

Positiv:
– ein neues Intro in der Art von Miami Vice für Tjalf und Nostromo, die Cops in Chorhop
– Yuan kann mal zeigen, wie er die 1000 Dukaten im Jahr und mehr wieder hereinholt
– schöne Schnetzelgeräte für alle!

Negativ:
– Warum sind wir nicht vorher darauf gekommen, dass Myrmidion so wertvoll ist? Wir hätten das Geld gut gebrauchen können…