Südmeerkampagne 24. Kapitel – Das Nilpferd auf dem diplomatischen Parkett

Ort der Handlung: Chorhop (kein Scheiss!)
6. Travia – 13. Travia

In den letzten Tagen hatte sich die Situation der Gruppe angenehm entspannt. Man sonnte sich in dem Ruhm, den Mörder der Traviageweihten gefasst zu haben und war schon voller Vorfreude, die 1000 Dukaten, die besagte Traviageweihte im Bankfach liegen hatte, der Kasse der Wache zuzuführen. Um dies zu bewerkstelligen, musste erst einmal in Erfahrung gebracht werden, welche Sicherheitsvorkehrungen die Bank wohl so hatte. Kapitän Yuan machte sich daher auf, selbst ein Bankfach anzumieten für seine 400 (nicht 300, nicht 500, nicht 20, nein 400!) Dukaten. Mit viel Diplomatie und Können ging er dem Bankangstellten auf den Sack und sammelte so wertvolle Pluspunkte. Es stellte sich heraus, dass Bankfachinhaber einen Wechsel bekamen, zusätzlich jedoch die Möglichkeit hatten, eine Passwortfrage zu hinterlegen. Einen Wechsel hatten wir in den Unterlagen der Geweihten jedoch nicht gefunden und so suchten wir erneut gründlichst ihre Habseligkeiten. So gründlich war die Gruppe, dass sie nicht nur im Hospiz und der Wohnung der Traviageweihten nachschaute, sondern auch in der angeblichen Zweitwohnung, die der Prätor selbst fingiert hatte, um den Mörder zu fassen und die die Traviageweihte nicht einmal von der Ferne gesehen hatte. Beinahe wäre die Suche aufgegeben, als in dieser Wohnung nicht auch nur die geringste Spur bezüglich der Geweihten gefunden wurde, doch im Spind des Hospizes wurde Myrmidion fündig: Ein Brief des Vaters der Geweihten (Nein, Yuan, nicht der Losverkäufer, der sich als ihr Mörder entpuppt hatte!) in dem er seiner Unverständnis ob der ihm zugesandten Unterlagen Ausdruck verlieh. Der Hauptgewinn!

Als Mann von Welt, der nicht nur in den höchsten Ebenen der Stadtverwaltung, sondern auch in den Niederungen der Halbwelt zuhause war, hatte Yuan innerhalb eines Tages einen vertrauenswürdigen Fälscher ausfindig gemacht und wollte sich von Ignazio mit der dicken Nase einen Brief in der Handschrift der Geweihten anfertigen lassen, in der sie ihren Vater bat, die Unterlagen wieder nach Chorhop zu senden. Als Schriftvorlage zeigte er Ignazio den Brief des Vaters… und bemerkte dann seinen und der ganzen Gruppe Denkfehler. Also wurde erneut Hospiz und Wohnung (Diesmal nicht die Zweitwohnung! Lerneffekt!) durchsucht und alsbald stand man mit der Einkaufsliste (3 Liter Milch, Toilettenpapier, erwürgungssicherer Schal – leider ausverkauft) erneut vor dem Großnasigen und diktierte ihm den Brief. „Tach Papa, schick mir mal die Unterlagen wieder, ich bin jetzt bei meinem Kumpel dem Prätor. Küsschen, deine Tochter.“ Selbst den Beinaheanalphabeten der Gruppe ging auf, dass das wohl eher nicht dem Tonfall der Geweihten entsprach. Doch wozu hatte man Bedienstete? Trotz der Kaspereien Myrmidions und Yuans setzte der Sekretarius ein entsprechendes Schreiben auf, das dann, noch warm von den Verzweiflungstränen des Sekretärs, an Ignazio überreicht wurde, der in Folge dann den Brief in Handschrift und Tonfall der Traviageweihten anfertigte. Pikiert zwar, doch voller Pflichterfüllung sendete der Sekretär im Anschluss den versiegelten Brief ins Horasreich, wo der Vater momentan residierte. Der erste Schritt zur Bergung des Bankschatzes war getan und dabei waren lediglich der Sekretarius und der Bankfachangestellte extrem angepisst!

Eigentlich hätte man sich nun gemütlich in die Hängematte legen und dem Lauf der Dinge seinen… Lauf lassen können, doch gerade, wenn man denkt es ist alles in bester Ordnung, stehen vom schnellen Laufen hechelnde Bedienstete im Eingangsbereich und blöken „Ein Überfall! Eindringlinge!“ in die ruhige, nachmittägliche Atmosphäre. Seufzend packte sich die Offizierskaste der Wache ihre Helme und schlenderte eilig zum Tatort: Dem Haus der Almosarin. Doch leider falscher Alarm: Die Angreifer waren von der Wache zu 50 Prozent getötet, zu 50 Prozent schwer verwundet worden und das Haus der Almosarin war so unberührt wie die alte Jungfer selbst. Nachdem sie ein wenig herumgepöbelt hatte und auch nicht ganz verstehen konnte, dass die Reduktion des Wachbudgets leider dazu geführt hatte, ja, dazu führen musste! dass in dem Viertel nicht mit der nötigen Frequ- und Präsenz patrouilliert werden konnte, verabschiedete sich die Wache, nahm den Delinquenten mit und ließ die Sache auf sich beruhen. Blöderweise erhob sich die Geschichte jedoch bald wieder wie ein Untoter und enervierte alle Beteiligten aufs Äusserste.

Am nächsten Tag war nämlich erneut die Prätorversammlung und wieder hatte jeder seine Speichellecker, Kostgänger und Arschkriecher mitgebracht. Nur im Falle des Schutzprätors handelte es sich bei den Begleitern natürlich um edle Freunde, selbstlose Unterstützer seiner Sache, im Einzelnen Yuan, Tjalf, Diago und Nostromo. Hier kam dann erneut der Überfall auf das Haus der Almosarin aufs Tapet und die alte Giftnatter erzürnte sich ordentlich darüber. Während sie in ihrem Wahn vor sich hinzeterte, klüngelte Myrmidion auf Geheiss des Schutzprätors aus, dass von nun an 20 % der Einnahmen, die der Kadi durch den Verkauf von Straftätern in die Sklaverei erhielt, an die Stadtwache gingen. Während wir uns also ob der neuen Geldquelle die imaginären Finger leckten, hub die Zeterziege zu einem vernichtenden Schlag aus. Da anscheinend die Wache mehr Geld benötigte, würden Spieleprätor und Würfelprätor jeweils 5 % weniger bekommen, dafür der Schutzprätor 10 % mehr. Eisige Blicke durchbohrten Yuan und Hass kochte in den betroffenen Prätoren hoch, während die Zimtzicke sich angesichts ihres Intrigenspiels beinahe selbst einnässte.

Nachdem das Essen ein rasches Ende gefunden hatte, versuchte Yuan zumindest ansatzweise die Beziehungen zu kitten und bot Trom, dem Würfelprätor, einen höheren Anteil an den Gewinnen des Würfeltischs in der Wache an. Dem ebenso undankbaren wie dümmlichen Spieleprätor versprach er, die 5 % unter der Hand wieder zukommen zu lassen, was dieser mit dem genialen Gegenangebot konterte, ihm doch 6 % zu geben. Es dauerte einige Stunden, aber dann war dem Fettsack klargemacht worden, dass man ihm auch einfach gar nichts geben könnte und er zumindest ein wenig Dankbarkeit zeigen sollte. So ganz kapiert hatte er es jedoch immer noch nicht und so blieb ein vage feindseliger Eindruck zurück. Doch damit nicht genug! Auch der nächste Tag stand wieder im Zeichen von Verwicklungen.

Erneut stand früh morgens ein Bediensteter in der Tür und scheuchte die Oberhäupter der Wache ans Jaguartor. Hier hatten sich drei Wächter mit kampfbereiter Hellebarde vor einem ebenso kampfbereiten Moha mit Speer postiert und während sich die beiden Parteien gegenseitig in jeweils unbekannter Sprache anbrüllte, schien der Ausbruch von Feindseligkeiten nur wenige Augenblicke entfernt zu sein. In gewohnt inkompetenter Art machten die Wächter Meldung. „Der Moha! Speer! Herr! Speer!“ Sinnvolleres war nicht aus ihnen herauszubekommen. Im Gegensatz zu den minderbemittelten Wächtern konnten jedoch sowohl Yuan als auch Nostromo Mohisch sprechen und hatten so alsbald heraus, was der Wilde zu sagen hatte und warum dieser Aufstand überhaupt stattfand. Anscheinend waren die Wächter verärgert, dass der Wilde ein Pferd mit dem Stadtwappen bei sich trug, war doch mit just diesem Pferd vor einigen Tagen der Steuereintreiber aus der Stadt geritten, der nun seit einiger Zeit vermisst wurde. Der Moha hingegen hatte das Pferd an sich genommen, nachdem er Zeuge des Mordes an dem Steuereintreiber durch einige Halsabschneider geworden war. Diese lokalisierte er in dem ehemaligen Fischerdorf Nasha, dass sich seit einiger Zeit jedoch neben der Fischerei ein zweites Standbein in der Piraterie geschaffen hatte. Gegen eine anständige Belohnung aus der Schiffskasse (die leider keine bunten Glaskugeln enthielt und somit um 10 Dukaten erleichtert werden musste) wurde das Pferd wieder in Stadtbesitz gebracht und für den Abend ein Essen mit der Kriegsprätorin und dem Moha ausgemacht, um ein mögliches Vorgehen gegen die Piraten zu planen. Da die Kriegsprätorin jedoch lieber ihre (unsere!) Männer auf den Mauern sah, lief der Plan auf das hinaus, auf das es immer hinausläuft: Die Gruppe würde, in Begleitung der Kriegsprätorin, Nasha auskundschaften und schauen, ob sich die Situation so lösen ließ. Während die Planung noch auf Hochtouren lief, näherte sich vor dem Wachhaus ein schmieriger Halunke Diago und ließ ihm einen Beutel mit 120 Dukaten zukommen für das Versprechen, dafür zu sorgen, dass der Schutzprätor bald seines Amtes enthoben werden würde. Im Gegensatz zu Tjalf, der einer solchen Bestechung mannhaft die Stirn geboten hatte, siegte hier jedoch die Goldgier und schnell hatte der ehemalige Smutje und aktuelle Hauptmann der Brandwache einige der Dukaten an seinen Untergebenen, den Oberbrandstifter gegeben, mit der Maßgabe, im Prätorviertel für Rabatz zu sorgen. Das Geld wurde dann an die eingeteilten Wachen verteilt, die von dem zusätzlichen Budget einge- und für den Schutz des besagten Viertels abgestellt worden waren mit der Maßgabe, sich dafür in der Nacht die Hucke vollzusaufen.

Entsprechend erstaunt war der Schutzprätor, als am Morgen ein entrüsteter Bediensteter des Kadis und Hafenmeisters auf der Matte stand und berichtete, dass es in der Nacht erneut einen Überfall im Viertel gegeben habe. Mit Hilfe der Wachliste waren die eingeteilten Wächter für die letzte Nacht bald herausgefunden und einige Schläge Tjalfs entlockten ihnen bald, dass sie vom Oberbrandstifter Geld bekommen hätten, um an diesem Abend wegzuschauen. Weitere Schläge folgten und alsbald gestand der Oberbrandstifter, dass er von einer vermummten Gestalt, etwa mittelgroßklein mit blondbraunen Haaren einen Beutel bekommen habe, um den Weg für eine Brandstiftung freizumachen. Weitere, von Schlägen unterstützte Nachforschungen förderten zutage, dass es keinen einzigen Brand in der letzten Nacht gegeben hatte und ein nun vollkommen enragierter Schutzprätor schmiss erst den Oberbrandstifter und, als er Widerworte von Diago bekam, auch diesen aus der Wache, um im selben Atemzug Tjalf zu seinem zweiten Hauptmannstitel zu verhelfen: Tjalf, Hauptmann der Ausbildung und der Feuerwache! Ausserdem wurde der bisherige Laufbursche, ein 12jähriges, magersüchtiges Klappergestell mit viel zu großen Zähnen, in die Feuerwache aufgenommen. Mit der Kleidung des ehemaligen Oberbrandstifters ausgestattet, die ihm nicht nur viel zu lang, sondern auch viel zu weit war, wurde er dann abkommandiert, auf den Türmen der Stadt zu wachen und die Bürger vor einfallenden Horden zu bewahren. Da die Untersuchungen beinahe den gesamten Vormittag angedauert hatten, war an ein Aufbruch in das 3 Tagesmärsche entfernte Nasha nicht mehr zu denken und die Expedition wurde auf den nächsten Tag verlegt.

Wieder kam es jedoch anders als geplant. Am nächsten Morgen, der Schutzprätor war gerade in der Stadt unterwegs, stürmten erneut Bedienstete in die Wachstube und berichteten von einem Brand beim Kadi. Der Hauptmann der Feuerwache reagierte, wie es ein guter Hauptmann tut. „Hat der Besitzer schon bezahlt?“ Auf die verneinende Antwort wurde entschieden, noch nicht zu löschen, sondern sich lediglich bereitzuhalten und mit Eimern und Pumpe bewaffnet in der Nähe des Brandes herumzulungern, bis genügend Dukaten den Besitzer gewechselt hatten. Gesagt, getan und schon standen ein halbes Dutzend Wächter um einen reich verzierten Kutschschuppen herum und schaute zu, wie die Kutsche, Stroh, Peitschen, Sättel usw. in Rauch aufging. Das Feuer dieses Brandherdes war jedoch nichts im Vergleich zum Feuer der Wut von Yuan, der in diesem Moment um die Ecke bog und sofort das Löschen einleiten ließ. Nachdem er beim ungehaltenen Kadi herumgebuckelt war und ihm 10 % der Sklaveneinnahmen versprach, um den Verlust zu decken, und somit zumindest ansatzweise den guten Mann zu beruhigen, schnauzte er danach die Wachen zusammen. Diese jedoch waren von einer Dämlichkeit, die ihresgleichen suchte und verstanden nicht (oder wollten nicht verstehen?) dass es keine gute Idee war, den Besitz des Mannes anzuzünden, der zwei Prätorenämter innehatte, der die Bank besaß und der zu einer der reichsten und mächtigsten Familie der Stadt gehörte. Die Klotzköpfigkeit der Wachen war so groß, dass sie selbst den Verlust ihrer Stelle (und damit ihrer Bezahlung) und schwere Leibstrafen, verabreicht von Tjalfs Fäusten, sie nicht dazu bringen konnten, auch nur für einen Heller nachzudenken. Aus diesem Grund wurde die 1. Yuan´sche Direktive aufgestellt: Brandstiftungen würden erst nach direkter Absprache mit ihm durchgeführt werden. Keine Alleingänge mehr! Erneut war der Vormittag vertan, so dass die Nashareise wieder abgesagt wurde. Doch der Tag war noch nicht zu Ende, nun kam es knüppeldick. Am Abend wurde Yuan zum Vogtvikar zitiert!

Die Begrüßung durch den obersten Phexgeweihten war mehr als frostig und auf seine Ankündigung, er habe ein ernstes Wörtchen mit Yuan zu reden, entschuldigte sich der Schutzprätor wortreich dafür, dass seine Brandwehr das Feuer so spät erst löschen konnte. In Zukunft würde das nicht mehr vorkommen, dafür würde er, Yuan, persönlich sorgen. Interessiert hob der Vogtvikar eine Augenbraue. „Ein Brand? Wie interessant, wo hat es denn gebrannt? Davon wurde mir nichts berichtet…“ Yuan lief weiß an, doch Myrmidion und Yuan sprangen rasch in die Bresche. „Jaaa… bei der Übung… Genau, das Strohfeuer… um die Arbeit der Feuerwache einschätzen zu können. Jaaa, die waren etwas langsam, das wird jetzt geübt werden müssen… So ist es!“ Dies schien den Geweihten zufrieden zu stellen, dennoch ging nun ein Donnerwetter auf Yuan nieder. „Wie ich hörte, seid ihr nicht in der Lage, die Stadt und ihre Bewohner zu schützen. Erst gestern kam es zu einem Zwischenfall im Prätorenviertel. Ausserdem scheint ihr es zu eurer Aufgabe gemacht zu haben, die Wache systematisch untauglich prügeln zu lassen. Von der Kriegsprätorin bekam ich bereits Beschwerden, dass ihr Personal kaum noch in der Lage sei, die Mauern zu bemannen. Und was euch geritten haben mag, ihr einen 12 jähriges Bürschchen zu schicken, das nun auf den Mauern Soldat spielt, das wissen die Götter allein. Ich frage mich langsam, ob ihr wirklich der richtige Mann auf der Position seid. Was habt ihr in Bezug auf die verschwundenen Steuereintreiber unternommen? Hier liegt einiges im Argen, wie mir scheint. Ihr solltet anfangen, euren Kram unter Kontrolle zu bekommen, ansonsten könnte es sein, dass ihr euren Titel verliert… vielleicht sogar euren Kopf… Und nun entfernt euch!“ Wie geprügelte Hunde schlich die Gruppe aus dem Raum und war nicht einmal mehr in der Lage, einzuwenden, dass sich die Steuerbeamten bei deren Verschwinden ausserhalb der Stadtmauer und somit im Kompetenzgebiet der Kriegsprätorin aufgehalten hatten.

Pro:
– Es gab keine Verluste an Menschenleben

Contra:
– Nicht nur die niederen Chargen (Bankangestellte, Sekretarius, Oberbrandstifter) sondern auch die höheren Ränge (Spiele- und Würfelprätor, Kriegsprätor, Kadi, Vogtvikar) sind von den Handlungen des Schutzprätors genervt. Ideale Voraussetzungen für eine ruhige Amtszeit!
– Unter den Wachen gibt es nicht einen, der einen IQ über 99 hätte

Südmeerkampagne 23. Kapitel – Yuan ermittelt

Ort der Handlung: Chorhop (kein Scheiss!)
27. Efferd – 6. Travia
Ein Budget, das so rot ist wie ein Pavianhintern; Gardisten, deren Arbeitsmoral der von Nacktschnecken gleicht und ein ungelöster Mordfall an einer Traviageweihten, wegen dem der Bürgermeister der Stadt quasi täglich im Büro des Schutzprätors nach dem Stand der Dinge fragte: die Lagen war rosig für unsere Gruppe. Prioritäten mussten gesetzt werden, um das Schlamassel zu ordnen. Der erste Besuch erfolgte daher bei dem großen Trom, seines Zeichens Würfelmeister Chorhops. Schnell war man mit ihm handelseinig, dass ein strategisch geschickt im Aufenthaltsbereich der Gardisten aufgestellter Würfeltisch dabei helfen würde, den Lohn unserer Angestellten, den wir leider zahlen mussten, zügig in unsere und des Würfelmeisters Schatzkiste umzuleiten. Eine 60 zu 40 Verteilung der Einnahmen schien gerecht, stellte doch Trom einen Würfelknecht, der Tag und Nacht nichts anderes tun würde, als den Wächtern das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Nachdem dieser wichtige Teil der Ermittlungsarbeit abgeschlossen war, wurde als nächstes das Problem des ungedeckten Budgets angegangen. Da bei einem Besuch auf der Wache erneut ein Haufen nichtsnutziger, herumtorkelnder Biertrinker angetroffen wurde, machte Tjalf mit klarer Befehlsstimme (die auch am Hafen noch gehört werden konnte… also am Hafen von Brabak…) deutlich, dass ein derartiger Schlendrian rasch zur Freisetzung der entsprechenden Personen führen würde. Und das Arbeitszeugnis würde in diesem Fall viele unschöne Formulierungen enthalten! (Hat sich stets bemüht, einen schlechten Gardisten zu imitieren…). Der Plan war, 10 der überflüssigen zu stopfenden Mäuler zu entlassen, so dass sich ein kleines Plus von 20 Dukaten im Monat ergeben würde. Tjalf notierte auf seiner geistigen Liste bereits die vorwitzigsten Naseweise und machte sich dann mit dem Rest der Gruppe auf, den unwichtigsten Punkt auf der Tagesordnung abzuhaken: Die Mordermittlungen. Erst wurde die Wohnung der (Ex-)Traviageweihten besucht, dann das Traviahospiz, in der sie gearbeitet hatte. Dort wurden zahlreiche falsche Fährten gefunden, befreundete Akoluthen und schwerhörige alte Nachbarsgroßmütterchen (liebevoll „Blockwärterinnen“ genannt) befragt und im Allgemeinen von Hü nach Hott gelaufen. Kurzzeitig vermutete man über einen uralten Tattergreis, der sich als Vater des Kadis Balphemistos herausstellte, eine Verwicklung dieser illustren Familie in den Fall, aber auch hier verlief die Nachforschung bald im Sande. Eine nächste Fährte wurde ebenfalls kalt, als die tumben Ermittler endlich verstanden, dass die Traviageweihte ein Frauenhaus unterhalten hatte. Aber auch ein prügelfreudige Ehemann konnte als Täter ausgeschlossen werden. Da seine Frau ihre dauerndes „Die Treppeherunterfallen und gegen die Türlaufen“ nicht anzeigen wollte und sich auch kein Geld aus der Sache herausschlagen ließ, verzichtete die Wache auf eine Anzeige, Tjalf behielt es sich jedoch vor, sein Auge auf dem Prügelschuster zu halten, um etwaige Exzesse rechtzeitig mit Konterprügel zu unterbinden.

Mittlerweile war man relativ frustriert von dem fruchtlosen Herumgelaufe, das ausser Blasen nicht auch nur einen müden Silbertaler eingebracht hatte. Weitere Investigationen im Altenheim waren extrem nervig ob der Starrköpfigkeit der Bewohner, doch schließlich zauberte die Gruppe irgendwo einen Schlüssel hervor, der zu dem Bankschließfach der Traviageweihten führte. Und siehe da: dieses war reichlich gefüllt mit den Spendengeldern der letzten Jahre: Wohl an die 1000 Dukaten lachten aus der Kiste hervor zusammen mit einem Gewinnerrubellos der Chorhoper Rubelloslotterie. Leider wollte der engstirnige Bankangestellte diese Beweismittel jedoch nicht herausrücken und nach einem letzten sehnsuchtsvollen Blick auf die Edelsteine, verschwanden diese wieder in ihrem dunklen Gefängnis und wir Liebenden wurden brutal voneinander getrennt. Noch einmal wurde die Blockwärterin befragt, und endlich erinnerte sich die zahnlose Vettel an einen buckligen Mann, der in der Mordnacht an dem Haus herumgelungert hatte. Und dieser war am nächsten Tag anscheinend in das Haus eingebrochen und hatte dort etwas gesucht. Der Stein kam endlich ins Rollen, denn der Hospizgeneral teilte uns nun mit, dass Freund Buckel angeblich der Vater der Geweihten sei und nach den Hinterlassenschaften seiner „Tochter“ gefragt hatte. Yuan zeigte sich von seiner weichsten Seite und ließ sofort in der Stadt herumfragen, ob ein Horasier (denn aus diesem unzivilisierten Landstrich stammten die Geweihte) sich in einer der Schenken eingemietet hatte. Auch nach mehrmaligem Erklären der Situation wollte er erst nicht einsehen, dass es sich bei diesem Unbekannten NICHT um den Vater handelte, sondern wohl eher um den Mörder, einen dahergelaufenen Spitzbuben, der irgendwie von den 1000 Dukaten erfahren hatte und sich diese nun unter den eingewachsenen Nagel reissen wollte. Ein genialer Plan wurde ersonnen, bei dem sämtliche Wächter verkünden sollten, man habe eine weitere Wohnung der Getöteten gefunden. Dort legte sich das Einsatzkommando auf die Lauer, in der Hoffnung, dass Buckelpeter dort nach Los und Geld suchen würde. Eine langweilige Nacht später traf am nächsten Morgen die Nachricht ein, dass sich wohl jemand im Hospiz am Lagerraum zu schaffen gemacht hatte! Der Mörder war wohl dort tätig geworden, während wir uns in dem leerstehenden Haus herumgelangweilt hatten. Für den nächsten Tag wurde eine Wache im Hospiz abgestellt und aus nun nicht mehr so wirklich nachvollziehbaren Gründen kampierten die Helden erneut in der Wohnung (vielleicht lag es an der schönen Aussicht auf einen Misthaufen? Oder dem angenehm splitterigen Fußboden, auf dem wir übernachten mussten? Eventuell war es auch der ohrenbetäubende Krach den die benachbarten Kinder bis in die Puppen machten oder eine Kombination aus allem, die uns diese Unterkunft so ans Herz wachsen ließ.). Ein weiterer Bote berichtete nach der erneut lahmarschigen Nacht, dass der Wächter niedergeschlagen worden war. Wieder hatte Buckelmann zugeschlagen, aber wohl immer noch nicht gefunden, was er gesucht hatte. Wie auch, besaßen wir doch den Schlüssel zum Bankfach! Nach diesem erneuten Wink mit dem Zaunpfahl wurde noch einmal sämtliches Personal und die Einwohner des Hospizes ausgequetscht und nach langen Verhörrunden fiel den Leuten dann doch tatsächlich ein, dass ein buckliger Mann mittleren Alters sich in der Tat regelmäßig hier herumtrieb und zwar in Gestalt des Losverkäufers der Chorhoper Rubelloslotterie. Mit eiserner Miene verzichtete die Gruppe darauf, hier und sofort ein Exempel zu statuieren und sämtliche Anwesende aufgrund von gesetzeswidriger Dummheit schulterhoch in Schweinedung zu stecken sondern investigierte lieber im Phextempel, dem Heim der Chorhoper Rubelloslotterie. Bald schon kam ein buckliges Männchen hereingebuckelt, wurde von Nostromo und Tjalf unter den Armen gepackt und ehe es noch „Garantierter Gewinn“ sagen konnte, in eine Zelle geschafft. Yuan schwätzte in Rekordzeit ein Geständnis aus dem Mann heraus und der Fall war abgeschlossen.

Anscheinend hatte die gute Traviageweihte das Los von einem ihrer Schützlinge an sich genommen und, da die demente Frau sich nicht wehren konnte, das Geld eingestrichen. Der Losverkäufer hatte das Abholen des Gewinns mitbekommen und sie dann daheim aufgesucht. Eifrig bemüht, das Versteck des Schatzes durch munteres Würgen aus ihr herauszubekommen, hatte er ihr blaues Anlaufen und die rollenden Augen als eine Art Richtungsangabe interpretiert. Erst bei „und dann 100 Meter reeeeeeeeeeeeeeee…“ hatte er kapiert, dass „Aufhören zu Atmen und ruhig daliegen“ nicht bedeutete, nach rechts zu gehen, doch da war es schon zu spät: die Gute hatte den Löffel abgegeben. Bevor er jedoch das Haus durchsuchen konnte, war der Morgen herangebrochen und er hatte fliehen müssen.
Zufrieden klatschte der Schutzprätor in seine Hände und meldete dem Kadi die erfolgreiche Verhaftung. Dieser setzte auch umgehend einen Termin für die Gerichtsverhandlung irgendwann in den nächsten Monaten an.

Währenddessen näherten sich zwei Novadis Tjalf, der vor der Wache herumlungerte. Anscheinend waren sie nicht so begeistert von Yuans Nachfragen bezüglich des Mordes an dem Schreiner im Novadiviertel und versprachen dem Thorwaler nun einen Haufen Dukaten, wenn dieser dafür sorgen würde, dass Yuan sein Amt als Schutzprätor nicht mehr würde ausführen können. Der ehrliche Thorwaler verweigerte jedoch die Annahme des Geldes und wurde sogar ausnahmsweise ein wenig wütend über diesen Bestechungsversuch. Nachdem sich die beiden mit ominösen Prophezeiungen und bösen Blicken getrollt hatten, ließ Tjalf seinen Ärger an den Wächtern aus. Insgesamt 6 der Wächter hatten sich nicht zum Appell eingefunden und landeten damit automatisch auf dem Schleudersitz. Von den restlichen wurden dann direkt ein angetrunkener Mittelreicher frech und kam damit, vollkommen überraschend, bei Tjalf nicht sonderlich gut an. Ruckzuck flogen die Fäuste, doch war es Glück oder Können? Jedenfalls musste Tjalf einige böse Treffer einstecken und blutete bereits aus mehreren Kratzern im edlen Antlitz. Während sein Gesicht rot und röter wurde, fixierte er schließlich das Kinn seines Gegners, ließ einmal die mächtige Rechte kreisen und schickte den impertinenten Aufrührer dann mit einem Hieb ins Reich der Träume. Dampf quoll aus seinen Ohren, als er sich zu den restlichen Wächtern umwendete. „Hat noch jemand etwas Schlaues zu sagen? Hä? Nein? Hatte ich mir gedacht. 30 Minuten Strafexerzieren im Innenhof, aber zackzack!“. Nummer 7 auf der Entlassungsliste stand daraufhin auch fest („Alrik beherrscht den Zahlenraum von 1 bis 10 beinahe fließend und schafft die 100 Meter in kaum über 1 Minute“) und nach dem Exerzieren wurden die 3 langsamsten Krücken ebenfalls schwungvoll vor die Tür gesetzt. Der Haushalt war somit ausgeglichen! Leider würde die angespannte Personallage dazu führen, dass das Viertel der Zahlmeisterin, die uns die Mittel um 20 % gekürzt hatte, nur noch sehr spärlich von der Wache würde frequentiert werden können… Aber irgendwelche Opfer müssen nun einmal gebracht werden.

Während sich die Gruppe also schon auf das dumme Gesicht der Frau freute, tauchte noch ein dicker Moha auf der Wache auf und drückte dem Schutzprätor einen Sack Dukaten in die Hand, wenn dieser versprach, die Horak Prakaka Plantage und die dazugehörigen Werkstätten nicht aufzusuchen bzw. bei dem fälligen Steuerbesuch nicht zu sehr unter die Lupe zu nehmen. Natürlich willigte der integre Yuan ein und der Beutel verschwand in der nimmersatten Schifskasse.

Pro:
– Das Budget ist ausgeglichen
– Verschiedene Leute machen uns darauf aufmerksam, dass wir wegschauen sollen und geben uns dafür Geld. Ohne ihre freundliche Mithilfe wären wir nie darauf gekommen, dass dort etwas zu holen wäre
– Der Mörder ist gefasst
– Wir wissen, wo 1000 Dukaten liegen

Contra:
– Bei 20 Dukaten Überschuss im Monat kommen wir in dem Jahr nicht einmal auf die 1000 Dukaten Lospreis, geschweige denn die zighundert Dukaten, um Myrmidion freizukaufen
– Der Bankangestellte will die 1000 Dukaten aus dem Bankfach der Geweihten nicht rausrücken. Hier gilt es wohl, eine falsche Schnottenbremse zu kaufen und sich als Bruder der Verstorbenen auszugeben