Südmeerkampagne 26. Kapitel – Tjalf über Bord

Ort der Handlung: Nasha und Chorhop
24. Travia – 31. Travia

Nachdem die letzte Episode die Mannschaft in einer schwierigen Situation zurückgelassen hatte, begann die aktuelle Episode direkt mit dem Wechsel von Säbelstreichen und Bolzen. Stark in Unterzahl kämpften die wenigen Hanseln der Stadtwache von Chorhop die es auf das Piratenschiff geschafft hatte gegen hochmotivierte und gutausgerüstete Gegner. Mit einer fliessenden Handbewegung schleuderte der flinke Difar einen vergifteten Borndorn auf Nostromo, bevor er sich mit seinem Kurzschwert in den Nahkampf mit dem Utulu stürzte. Während links und rechts die Stadtwache unter den Hieben der Piraten niederging, gab die im Ruderboot verbliebene Kriegsprätorin die Anweisung, das Boot vom Piratenschiff wegzuschaffen und wieder zur Stadt zurückzukehren. Wenige strategische Entscheidungen in der Geschichte Aventuriens waren von geringerer Intelligenz. Nicht nur liess sie so die Hälfte ihrer Männer auf dem gegnerischen Schiff gestrandet zurück, nein, sie ruderte auch noch lustig in die Feuerbereiche der Rotzen der anderen beiden Piratenschiffe hinein.

Myrmidion erkannte die Idiotie der Kriegsprätorin sofort und handelte rasch, in dem er seine Peitsche schnalzen liess. Leider gelang es ihm, seine Peitsche so an einem Piratenschiffsvorsprung zu verhaken. Es wäre besser gewesen, er hätte verfehlt und die Prätorin ausgepeitscht. So jedenfalls versuchte er erneut, sich aufs Deck hinaufzuhangeln, was ihm angesichts seiner schwächlichen Ärmchen jedoch nicht gelang. Unglücklicherweise bewegte sich gleichzeitig das Ruderboot fort, so dass er innerhalb weniger Augenblicke über dem Wasser an der Peitsche hing und nicht vorankam. Entschlossen sprang er in das lauwarme Nass und umschwamm das Schiff, um einen besseren Aufstieg zu finden.

In der Zwischenzeit hatte Nostromo ordentlich Schläge vom flinken Difar einstecken müssen, da er der Meinung war, auf Paraden zu verzichten sei sinnvoll. Im Gegenzug hatten die wuchtigen Hiebe seiner rasiermesserscharfen Axt den flinken Difar um einen Kopf kürzer gemacht. Ein Pirat am Boden, blieben noch 49 weitere! Ein rascher Blick über das Handgemenge ergab, dass sich die Stadtwachen auch nach und nach verabschiedeten während die Piraten lediglich zwei angestoßene Zehen und Tennisarme vom andauernden Einschlagen auf die Wächter abbekommen hatten. Noch die Chancen im Kopf ausrechnend, ob sich die Situation irgendwie würde drehen lassen, wurde Nostromo eines weiteren Piraten gewahr, der sich wutschnaubend aus der Kajüte zwängte. Es war Felicio Verigo, der Liebhaber des soeben verstorbenen flinken Difars. Kleine Dampfwolken stiegen aus seinen Ohren und die pochenden Zornesadern auf seiner Stirn indizierten deutlich einen emotionalen Aufruhr. Unterstützt wurde diese Schnell- und Ferndiagnose durch das klarartikulierte „BRaWAAAGRhrhhhAAAA“, dass der beinhae vor Ärger explodierende Pirat von sich gab, während er mit hocherhobenem Kriegsbeil auf Nostromo zulief. Wohlwissend, dass die Konfrontationstherapie in Fachkreisen umstritten war (vgl. Andergaster et al., 1020 BF), entschloss sich Nostromo, zu deeskalieren und sprang über Bord.
In der Zwischenzeit hatte Myrmidion sich an Deck geschlichen und fing an zu überlegen was er nun eigentlich tun sollte. Er packte eines der zahlreichen Taue der Takelage und plante, dieses durchzuschlagen und sich dann quer über das Schiff ins Kampfgetümmel tragen zu lassen. Gesagt, getan, doch irgendetwas ging an diesem Plan schief. Verwundert blickte er auf das Tauende in seiner Hand, während über ihm das restliche Tau im Dunkeln verschwand. Er schüttelte den Kopf und überarbeitete seinen Plan. Beim nächsten Mal würde er das Tau UNTERHALB seiner Hand durchschlagen…
Mit frohem Mut wurde der Plan 1b durchgeführt und diesmal sauste der kleine Zyklopäer tatsächlich nach oben… direkt in das Segel des Schiffes hinein! Gewand wie eine Katze rammte er sein Kurzschwert in das Segel und konnte so seine Fallgeschwindigkeit verringern, bis er schliesslich auf der Rahe stehenblieb. Geschickt balancierte er weiter und sprang dann aufs Deck herunter, um rasch in der Kapitänskajüte zu verschwinden. Dort schaute er sich nach dem Goldschatz um, der dank Nostromos im letzten Kapitel verpatzter Sinnenschärfeprobe hier vermutet wurde. Leider fand er nur zwei Fläschchen mit Flüssigkeiten sowie einige Seekarten bevor ihm langweilig wurde. Halbherzig versuchte er noch, das Schiff mit einer Fackel anzuzünden, was allerdings kein bisschen funktionierte und schlich sich dann ebenfalls von Bord ins Wasser.

Während dieser Eskapaden hatten die anderen Piratenschiffe ihre Rotzen bemannt und geladen und als das Ruderboot endlich soweit vom Piratenschiff entfernt war, dass Fehlschüsse dieses nicht mehr treffen würden, eröffnete man das Feuer. Heissa, was sausten die Kugeln über das Wasser und heissa, was flogen die Holzsplitter des zerschmetterten Bootes durch die Luft und heissa, was schrien die verwundeten Stadtwachen während sich ihr Ruderbötchen in Trümmer verwandelte. Myrmidion und Nostromo mussten dieses Schauspiel hilflos vom Ufer der Bucht aus ansehen. Bevor sie einen Rettungsversuch starten konnten, mussten sie sich jedoch in den Dschungel zurückziehen, denn nun näherten sich fackelbewehrte Piraten aus der Stadt dem Strand um eventuelle Überlebende des Beschusses in Empfang zu nehmen. Nach einem kurzen Abstecher über das namenlose Kaff zwischen Nasha und Chorhop (Die Dorfbewohner waren geradezu starr vor Schreck, als sie die beiden kläglichen Überlebenden der Strafexpedition gegen Nasha erblickten, konnten sich aber wieder mal nicht dazu durchringen, das unfruchtbare Land, die blutsaugenden Insekten und die Pestilenzsümpfe zu verlassen die sie ihre Heimat nannten) gelangten die beiden Überlebenden zurück in die Stadt und erstatteten dort Schutzprätor Juan Bericht. Groß war die Trauer über den Verlust von Tjalf und Diago, die mit dem Ruderboot untergegangen waren. Angesichts der desaströsen Lage und in Kenntnis des heiteren Gemüts des obersten Phexgeweihten der Stadt schickte Juan seinen Haushofmeister los, um ebendiesem Phexgeweihten ordentlich in den Arsch zu kriechen und einen Termin für ein Gespräch zu vereinbaren. Am Abend schliesslich schilderte Juan dem Vogtvikar seine Sicht der Dinge und bekam im Gegenzug den abgeschlagenen Kopf eines Huhns als Präsent. Auch wenn keiner der drei sonderlich phantasiebegabt war, wurde deutlich, dass ein ähnliches Schicksal dem Schutzprätor drohen würde, wenn er seinen Kram nicht in Ordnung bringen würde. Hier kam jedoch der Gruppe ein ziemlich gutes Argument in den Sinn, dem sich der Vogtvikar nicht vollends entziehen konnte. Beredt setzte Juan ihm auseinander, dass er als Schutzprätor nur für die Sicherheit der Stadt in der Reichweite eines Steinwurfs von der Stadtmauer aus zuständig sei. Entsprechend wäre das ganze unangenehme Geschäft mit Nasha ja eigentlich die Aufgabe der Kriegsprätorin welche sich im Übrigen extrem dämlich dabei angestellt habe, die Steuereinnahmen zurückzuholen. Lediglich durch die hervorragende und vollkommen uneigennützige Arbeit seiner Männer, d.h. Myrmidions und Nostromos, sei man überhaupt in der Lage gewesen, die Piratenburg mitsamt eines Haufens Piraten zu erledigen und, wäre die Kriegsprätorin auch nur ansatzweise kompetent gewesen, hätte man sogar das Flaggschiff der Piraten mitsamt deren Schatz erobern können. Jeglicher Misserfolg sei also auf die Kriegsprätorin zurückzuführen und die glorreichen Teilerfolge auf den altruistisch helfenden Schutzprätor. Phex schenkte dem Vogtvikar Einsicht und grummelnd entliess er die Gruppe.

Deren Laune hob sich noch mehr, als sie erfuhren, dass einige der Gardisten es in die Stadt zurückgeschafft hatten, darunter auch Diago! Leider auch die Kriegsprätorin, die allerdings, sehr zur Freude der Mannschaft, sofort verhaftet und in den Kerker geworfen worden war. Zur Feier der Rückkehr Diagos wurde ein rauschendes Fest im Haus des Schutzprätors ausgerichtet, welches Myrmidion noch dadurch aufwertete, dass er sein in der Kapitänskajüte gefundenes Parfüm gegen die Dienste von vier Frauen des horizontalen Gewerbes eintauschte. Auch wenn Juan nicht sonderlich begeistert davon war, dass nun leicht- bis gar nicht bekleidete Damen erst in seinem Vorgarten und danach im Haus herumtanzten, war das Fest ein vollkommener Erfolg und tröstete ein wenig (aber nicht ganz!) darüber hinweg, dass es von Tjalf kein Lebenszeichen gegeben hatte.

Auch der nächste Tag brachte weitere Freuden, jedenfalls nachdem Juan Myrmidion den Kopf wegen der Dirnen gewaschen hatte. Um das Ansehen des Prätorenamtes besorgt, versuchte er dem Zyklopäer zu erklären, dass ein derartiges Verhalten bei den Großkopferten der Stadt nicht gut ankommen würde. Angesichts des eh schon ramponierten Images der Gruppe, könnte so etwas das Zünglein an der Waage sein und den Unterschied machen zwischen „Nach einem Jahr goldbeladen aus der Stadt verschwinden“ und „Nach einem Jahr steinbeladen im Ozean verschwinden“. Myrmidion hörte aufmerksam zu (zumindest die ersten 30 Sekunden), fing dann an, sich zu langweilen und stellte sich im Geiste lieber tanzende Äffchen vor, als weiter der Gardinenpredigt Juans zuzuhören. Diese wurde jäh unterbrochen, als ein Diener einen Gast ankündigte. Eine Magiern aus Vinsalt hatte sich angemeldet und unterbreitete dem Schutzprätor ein verlockendes Angebot. Anscheinend war diese Dame auf der Jagd nach magisch begabten Kindern für ihre Akademie und würde gutes Geld bzw. gute Diamanten bezahlen für das Auffinden solcher Kinder durch den Prätor mit seinen hervorragenden Kontakten. Juan stimmte zu und bat Diago, sich in der Stadt nach seltsamen Vorkommnissen umzuhören. Dieser verbrachte anstrengende Stunden in verschiedenen Kneipen, musste dabei Bier und Wein trinken, leckeres Essen essen und auch sonst extrem unangenehme Aufgaben absolvieren, um schließlich die Namen von drei Kindern herauszubekommen. Dank Juans silberner Zunge sowie einiger goldener Münzen konnte das erste Kind von einer Bäckerfamilie gekauft und in die Obhut der Magierin übergeben werden, die sich mit einem taubeneingroßen Edelstein revanchierte. Gier blitzte in den Augen der Gruppe auf… In der Stadt gab es mehrere Dutzend Kinder… wenn man diese irgendwie magisch machen würde… Doch dann meldete sich, wenn schon nicht das Gewissen, so doch der Realitätssinn und man beschloss, es bei den drei Kindern zu belassen. Schließlich schien die Magiern irgendwie überprüfen zu können, ob die Personen wirklich magisch waren. Neben den Noblen der Stadt auch noch einer Zauberin ans Bein zu pinkeln erschien als der direkte Weg in den Untergang und so entschied man sich dazu, ehrlich zu bleiben.

Pro:
– Diago ist wieder da!
– Die Kriegsprätorin wurde verhaftet!
– Edelsteine!

Contra:
– Tjalf ist verschollen
– Die Piraten haben vermutlich einen ziemlichen Rochus auf uns und sind, obwohl ein Haufen von ihnen draufgegangen ist, immer noch stark. Vermutlich stehen sie bald vor der Stadt
– Tjalf ist verschollen
– Die Kriegsprätorin hat überlebt
– Tjalf ist verschollen