Südmeerkampagne 28. und 29. Kapitel – Die Sieben Tage von Chorhop Teil I

Ort der Handlung: Bizarro-Chorhop
2-3. Rahja
Nachdem die Formalitäten zwischen den doppelten Schutzprätorlottchen geklärt waren, stand nun ernsthaftes Geldscheffeln auf der Tagesordnung. Doch ehe auch nur ein einzelner roter Kreuzer verdient werden konnte, überzeugte uns der Haussekretär Praiopiro erneut von seiner Loyalität, Voraussicht und Planungskompetenz. „Achso, wegen dieser Chorhopkarnevalsgeschichte. Da muss jeder Prätor auch eine dicke Sause organisieren. Eure ist übermorgen dran und ich nehme ab genau jetzt meinen restlichen Jahresurlaub. Machts gut die Herren!“ Bevor sich der wieselige Sekretarius jedoch aus dem Staub machen konnte, hatte der neue Schutzprätor Kasim bereits die magischen Worte „Urlaubssperre auf unbestimmte Zeit!“ ausgesprochen und so musste Praiopiro sich nun ebenfalls an der leicht hektischen Organisation des Schutzprätorenfestes beteiligen. Innerhalb von nur wenigen Stunden (es können höchstens 8 oder 10 gewesen sein) hatten Kasim und Xantero das Konzept einer „Tausendundeine Nacht Feier“ mit integriertem Pferderennen durch die Straßen der Stadt ausgefeilt, sehr zur Unfreude von Myrmidion und Nostromo, deren Plan „Nackte Frauen“ trotz permanenten Aufs-Tapet-bringens“ berechtigterweise ignoriert wurde. In aller Eile wurde eine Tribüne in Auftrag gegeben die den eh überflüssigen Zierblumenbereich mit seinen aus ganz Aventurien zusammengetragenen einzigartigen Lippenblütlern im Garten des Schutzprätors ersetzen würde und deren Fertigstellung, nach Aussage der Bauarbeiterfirma „Pistor und Gerrarius – Schweinetröge aller Art“, auf gar keinen Fall länger als allerhöchstens, also bestimmt nicht mehr als… wird schon gutgehen! dauern würde. Als Preis für das großartige Rennen wurde ein Freilos für die nächstjährige Prätorenlotterie ausgelobt. Danach erinnerte man sich daran, dass man ein solches Los gar nicht besaß und machte sich daher auf, dem Vogtvikar Zeforika ein solches aus den Rippen zu leiern. Mit höchster Freude erfuhr der oberste Phexgeweihte der Stadt von diesem vorzüglichen Plan und händigte der Gruppe auf der Stelle das Los aus. Dachte man zuerst, doch das überreichte Blatt war dann doch eher ein extrem vertrackter Vertrag, mit dem dem Vogtvikar die Erlaubnis gegeben wurde, den Wettbetrieb für das Pferderennen zu betreiben sowie die Zusicherung von Kasim, ihm einen Gefallen zu erweisen. Erst danach wurde der zukünftige Preis in Empfang genommen und die Laube war beinahe rund.

Auf Anraten Zeforikas stellte Kasim für die weitere Organisation den drittbesten Festivitätenplaner der Stadt ein, einen horasischen Pinkel, wie er im Buche steht und dieser machte sich rasch auf, die Speisereihenfolge, Getränkeauswahl, Kurtisanen und Kurtisaneriche sowie neue Vorhänge für den Prätorenpalast zu besorgen. In der Zwischenzeit hatte man sich mit dem Würfelmeister geeinigt, diesem gegen lediglich ein Drittel der Einnahmen (im Gegensatz zum geforderten unverschämt hohen Viertel!) den Wettbetrieb für das Pferderennen zu überlassen. Wem es vorkommt, dass sich das ähnlich anhört, wie das Geschäft mit dem Vogtvikar, hat Recht. Aber Konkurrenz belebt ja das Geschäft und Herr Zeforika ist weit über die Grenzen Chorhops hinaus bekannt dafür, einen verschmitzten Sinn für Humor zu haben. Zumindest hoffte man das. Um weiteres Geld zu verdienen, wurden noch Eintrittskarten für die Tribüne sowie Startplätze für das Rennen verkauft und siehe da: die Silbertaler rollten eifrig in das Beutelchen des Schutzprätors hinein! Damit es den kleinen Schlingeln nicht so eng wurde im engen Ledergefängnis, ließ Kasim im gleichen Maße Dukaten herausrollen, um Tribüne, Organisator, Essen, Vorhänge, Getränke, Kloreinigung, Flugblätter und weiß der Scheitan was noch zu bezahlen. Bisher sah die ganze Geschichte nach einem argen Verlustgeschäft aus!

Doch auf den Haufen Ärgernis setzte die Kriegsprätorin das stinkende Krönchen auf. Kackendreist verlangte sie die Bereitstellung von 30 Mann der Garde, um den zu erwartenden Strom der Besucher an den Toren der Stadt auch hinreichend kontrollieren zu können. Dies biss sich ein wenig mit der Idee, 20 Mann der Wache an der Rennstrecke abzustellen, um zu verhindern, dass Klein-Alrik unter den trommelnden Hufen der Reiter zu einem blutigen Matsch zerrieben werden würde. Trotz höchster Beredsamkeit „Das dürft ihr nicht. Die geben wir euch nicht. Das ist bestimmt verboten. Päpäpäpäpäää!“ war genau das nicht nur nicht verboten, sondern sogar ausdrücklich erlaubt und somit unabwendbar. Triumphierend wedelte die Kriegsprätorin mit dem entsprechenden Absatz der Chorhoper Verfassung vor der Nase Kasims herum und machte sich danach mit stolzgeschwellter Brust von dannen. Angesichts der arg knappen Personaldecke wurden daher kurzerhand irgendwelche Yareks und Alwines aus den Kneipen geholt und kurzzeitig in die Wache aufgenommen, um das Gardistenloch zu füllen. Obwohl wirklich jeder genommen wurde, der zumindest grob in eine befohlene Richtung gehen konnte, reichte es jedoch immer noch nicht. Verzweiflung machte sich breit, dann Trotz doch in dem Moment kam die Rettung in Form des Sekretärs der Schutzprätorin, der für die popelige Summe von 200 Dukaten 20 der Gardisten an uns zurückführen würde. Ein ausgezeichnetes Geschäft, das von Xantero durchgeführt wurde. Noch ausgezeichneter war, dass man diese Art von Bestechung sicherlich gegen die Schutzprätorin würde wenden können… Ein entsprechender Plan wurde kurz skizziert und für spätere Verwendung in Ablage 2 des Schutzprätorenschreibtischs abgelegt. Dieser hatte in der Zwischenzeit seine 12 Matrosen als Streckenposten eingeteilt, so dass mithin alles in trockenen Tüchern war. Der Kopf schwirrte der Orgagruppe hinreichend, als gegen Abend sämtliche Vorbereitungen abgeschlossen waren und so war man nur allzu froh, dass an diesem Abend zur Zerstreuung das Fest im Palazzo des Würfelprätors stattfinden würde. Für das lächerliche Sümmchen von 150 Dukaten hatte sich Yuan ein Kostüm als der edelste aller Vögel gekauft und stolzierte nun als prächtiger Pfau auf das Kostümfest. Stilsicher und immer am Nerv der Zeit hatten sich Myrmidion und Nostromo als Seemänner verkleidet (was den großen Vorteil hatte, dass sie einfach ihre übliche Kleidung anbehalten konnten), während Kasim und Xantero mit ihren Kostümen als Novadi bzw. Gladiator höchste Achtung bei den anderen Gästen erfuhren. Der große Trom, Würfelprätor und also Gastgeber in einer Person drückte jedem seiner geladenen Gäste fünf sogenannte Jetons im Gesamtwert von 50 Dukaten in die Hand und entließ die Gruppe dann in den Trubel seiner Feier. Und was wurde dort geboten! Kartenspiele, Würfelspiele, Glücksspiele, Roulette, ja, in einem abgelegenen Séparée wurde gar das im restlichen Aventurien aufgrund zu großer Sinnesfreude verbotene „Spitz pass auf!“ ausgelassen zelebriert. Bei den Zwölfen, die Originalität des Würfelprätors kannte keine Beschränkung, Glücksspiele! In Chorhop! Das gab es sonst nur an den restlichen 364 Tagen des Jahres! Vollkommen fassungslos ob dieser Genialität vermehrfachte Diego innerhalb kürzester Zeit seinen Einsatz, während Yuan beim Kartenspiel die unglaubliche Summe von 6 Dukaten gewann! Myrmidion hatte hingegen sein Auge auf die Hostessen geworfen und ließ seinen zyklopäischen Charme spielen. „Na! Wie siehts aus, hääää?“ Nach langem Herumgezwinker und eindeutigen Handbewegungen fiel bei den Damen endlich der Groschen und um eine seiner 5 Jetons erleichtert machte sich Myrmidion mit einer der Damen ins Hinterzimmer auf, nicht jedoch bevor er seine restlichen Jetons seinem aktuellen Besitzer in die Hand drückte. Rasch hatte auch Nostromo seine Chips an 5 Damen verteilt und verschwand ebenfalls im ruhigeren Teil des Gebäudes.

In der Zwischenzeit kam Kapitän Yuan der hervorragende Gedanke, dass sich so eine Feier ganz famos zum Netzwerken eignen würde und scharwenzelte so in den Raucherraum im oberen Stockwerk um dort Phyllis, Besitzerin eines gutgehenden Pfandhaus, anzubaggern. Hier bewies sich die geballte Macht des Pfaus als hilfreich, denn trotzdem er regelmäßig würgend abhustete, konnte er ein kleines Geschäft mit der Dame machen, die ein Problem mit einigen Besitzern verschiedener Pfandgegenstände hatte. Unter Führung des zwielichtigen Maraskaners, den Yuan in Normalo-Chorhop als Hauptmann der Wache eingestellt hatte, würde sich eine Gruppe schlagkräftiger Gesellen um dieses Problem kümmern. Langsam plätscherte der Abend aus, und vollkommen erschöpft wankte die Gesellschaft heim.

Am nächsten Tag fiel dann auf, dass dies der große Tag der Schutzprätorensause sein würde, aber trotz eines großen Schlaf- und Eiweißmangels würde man sein bestes geben, dieses Fest unvergesslich zu machen! Glücklicherweise stand die Tribüne bereits und machte auch den Eindruck, dass sie nicht umfallen würde. Jedenfalls, solange sich ihr niemand näherte, aber das war ja schon gut genug. Die positiven Nachrichten endeten jedoch bereits hier, als ein lautes Gekreische aus der Küche klang. Rasch stürzte man herbei und sah eine Küchenhilfe, die laut das Ableben des Kochs beklagte. Dieser lag, mit Schaum vor dem Mund, vor den aufgetischten Gerichten und rührte sich nicht mehr. Ruhiges Zureden ergab, dass der Herr Koch a.D. gerade einen letzten Geschmackstest seiner Kreationen machen wollte, nach dem 6. Gericht jedoch mit ebendiesem Schaum vorm Gesicht zusammengesackt war. Gift! Doch welche Speise war es, die vergiftet worden war? Und wie sollte man das herausfinden? Konfusion herrschte in der Küche und Myrmidion tat, was er immer tat: Das Erstbeste! Schnell hatte er 6 Bettler aufgetrieben und ließ jeden von ihnen eines der ersten sechs Gerichte probieren bevor er sie wieder fortschickte. Dann fiel ihm ein, dass das Gift eventuell nicht so rasch wirkte und er rannte auf die Straße, um die Bettler wiederzufinden, was ihm jedoch nur teilweise gelang. Zum Glück war unter denen die er fand auch der Vergiftete, der in der Nähe am Straßenrand lag und ebenfalls Schaum vor dem Mund hatte. Myrmidion zog ihn ein wenig weiter ins Gebüsch und verkündetet danach freudenstrahlend in die fassungslosen Gesichter der Gruppe, dass wohl die Hühnersuppe, Gericht Nummer zwei, unbekömmlich sei. Noch etwas konfus überprüfte Nostromo die These mit zwei Straßenkötern, die ebenfalls an der Suppe verröchelten. Der Festivitätenplaner ließ allerdings dann doch sämtliche Gerichte wegwerfen (bis auf die Hühnersuppe, die von Nostromo für eine eventuelle spätere Verwendung schön in Tupperware verpackt wurde) und peitschte die Küchenhilfen an, neues Essen für die Feier herzustellen. Dieses würde zwar weniger raffiniert ausfallen, aber lieber nur 5 Nachspeisen, als 5 Nachrufe verfassen zu müssen.

Pro:
– Der Giftanschlag wurde rechtzeitig entdeckt

Contra:
– Ausser Spesen bisher nichts gewesen

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Südmeerkampagne 27. Kapitel – Verkehrte Welt

Ort der Handlung: Bizarro-Chorhop
1. Rahja
Kaum hatte man sich mit dem guten Gefühl, einen Haufen Geld verdient zu haben in die weichen Betten gelegt, wurde die Gruppe auch bereits wieder abrupt geweckt. Ein niederhöllisches Unwetter ging über der Stadt und dem Umland nieder und riss die Einwohner aus Borons Armen. Verwirrt schauten sich Yuan und Nostromo die Wetterkapriolen an und waren vollends verblüfft, als sie purpurne Blitze über das Firmament zucken sahen. Das wirkte nicht wie das Wald- und Wiesengewitter, das sich sonst in der Gegend herumtrieb, nein, dieses besass eindeutig eine überderische Qualität! Rasch wurde Praiopiri herbeizitiert, um zu erfahren, was es mit diesem Wetterphänomen auf sich hatte, doch der Sekretär des Schutzprätors erkannte schien seinen eigenen Herren nicht mehr zu erkennen und redete wirres Zeug. Mit strammem Schritt begab man sich daraufhin zur Wache und erreichte diese innerhalb eines Blitzschlages. Verwundert inspizierte der Schutzprätor die Wache, wo eine ihm völlig unbekannte Hauptfrau das Regiment führte. Die gut in hochprozentigen Getränken eingelegte Soldatin erkannte jedoch sofort den ihr vorgesetzten Schutzprätor und salutierte schwankend. Die Mutmaßung, dass es sich hier um einen elaborierten Schabernack handelte lag nahe, wurde jedoch ob des unglaublich hohen Aufwandes verworfen, der nötig war, um spontane Teleportationen durchzuführen. Während man aufgeregt palavernd zurück zum Haus des Schutzprätors lief, zuckte erneut ein Blitz und diesmal stand Yuan augenblicklich vor dem Stadttor, an dem sich gerade zwei unbekannte Gestalten mit der Wache herumstritten. Ein Novadi diskutierte gerade mit einem der Soldaten, dass er der Schutzprätor sei und durchgelassen werden wolle. Während die eine Wache Haltung vor dem Betrüger annahm, wollte die zweite diesen nicht in die Stadt lassen. Nach einigem Hin und Her einigten sich Yuan und Kasim, der Novadi, darauf, in Begleitung des zweiten Fremden, Xantero, zum Haus des Schutzprätors zurückzukehren und dort diese missliche Lage näher zu beratschlagen. In der Zwischenzeit war Nostromo mit einem Blitzschlag am Hafen gelandet und blickte sich verwirrt an den Piers um. Zu dämlich, sich aus dem ganzen einen Reim zu machen, drehte er alsbald wieder um und strolche schulterzuckend ebenfalls zum Haus zurück.
Dort war das gesamte Personal in Aufruhr. Während die eine Hälfte treu an der Seite ihres rechtmäßigen Schutzprätors Yuan stand, unterstützte die andere Hälfte die Ansprüche des Usurpators. Da man unfähig war, diese Angelegenheit zu klären, wurde der Vogtvikar aufgesucht, um Licht ins Dunkle zu bringen. Ganz der lässige Hund, der er nun einmal war, erzählte der oberste Phexgeweihte, dass er Erinnerungen an das Einsetzen sowohl Yuans als auch Kasims als Schutzprätor habe. Aus unerfindlichen Gründen schien er von dem Novadi jedoch eine bessere Meinung zu haben. Mit Verhandlungsgeschick und Unverschämtheit handelte Yuan aus, dass er vom Amt des Schutzprätors zurücktreten würde, wenn ihm im Gegenzug der Gewinn ersetzt werden würde, den er in den nächsten 11 Monaten des Schutzprätordaseins würde eingestrichen haben. Wenige Minuten später und um 6000 Dukaten sowie die Besitzurkunde Myrmidions reicher verliessen Nostromo und Yuan fröhlich pfeifend das Haus des Vogtvikars. Die ganze Nacht über diskutierte man intensiv mit den Neuankömmlingen und verglich die alternativen Versionen der Realität sowie die kreativen Einfälle beider Gruppen, sich die Taschen mit Gold zu füllen. Man war sich rasch handelseinig, dass Yuan und Nostromo als „Wächter des Friedens“ weiter für die Stadt bzw. die Schatztruhe des Schutzprätors arbeiten würden und im Gegenzug einen Anteil an den Einnahmen erhalten würden.