Südmeerkampagne 30. und 31. Kapitel – Die Sieben Tage von Chorhop Teil II

Ort der Handlung: Bizarro-Chorhop
3.-5. Rahja
Endlich war es soweit, das größte gesellschaftliche Ereignis der Stadt Chorhop: Das Fest des Schutzprätors und alle, alle waren gekommen. Bis auf die Armen und Hässlichen, die wurden natürlich nicht reingelassen, aber die Creme de la Creme der Stadt hatte sich in der Prätorenvilla eingefunden, um das Pferderennen, die köstlichen Speisen, die auserlesenen Getränke und die geistreichen Gespräche zu geniessen. Und bärenstark fing die Feier an. Nach einer ebenso rührenden wie humorvollen Willkommensrede Kasims machten platzierten sich die Gäste auf der Tribüne und fieberten dem ersten Rennen entgegen. Hier gab sich Kasim persönlich die Ehre und trat auf seinem dreibeinigen Maulesel an. Wider Erwarten waren die unauffällig im Publikum platzierten Armbrustschützen jedoch gar nicht nötig, denn ohne viele Mühe trug das sogenannte Pferd seinen Besitzer mit einem ordentlichen Vorsprung über die Ziellinie. Erstaunt betrachtete der Schutzprätor sein Ross erneut und erkannte nun im besseren Licht der Mittagssonne, dass es sich hierbei wohl doch um ein reinrassiges Shadifpferd handelte und nicht, wie vorher vermutet, um den nächsten Auftrag des Abdeckers. Riesig war der Jubel auf den Rängen, noch riesiger der Jubel des Vogtvikars, der einen ansehnlichen Batzen Dukaten gemacht hatte, da er auf den kompletten Aussenseiter Kasim gesetzt hatte. Nach diesem schweisstreibenden und aufregenden Rennen begaben sich die Gäste erneut in die Villa, um vor dem nächsten Rennen eine kleine Erfrischung zu sich zu nehmen. Eine vollkommene Feier also. Die kleinen Unstimmigkeiten, die darauf folgten, sind eigentlich gar nicht der Rede wert, denn was ist schon perfekt? Um der Chronistenpflicht nachzukommen sollen sie hier dennoch aufgeführt werden, auch wenn sie nicht den Hauch eines Schatten auf die Großartigkeit dieses Festes werfen können.

Während sich der Schutzprätor mit wohlgewählten Worten an sein Publikum wandte und die Eröffnung des prachtvollen Buffets einleitete, wurden Yuan, Nostromo und Myrmidion von einer Wache mit dem geheimen Kennwort „SPEEEEEER!“ gerufen. Wie die aufgelöste Wache berichtete, war ein aufgebrachter Trupp Bettler auf der Suche nach einem kleingewachsenen Halunken, der zwei der Ihren vergiftet hatte. Kalt wie Eis befahl Yuan dem Zyklopäer, sich rasch zu verstecken und rannte dann mit Nostromo im Kielwasser vor das Haus, wo sich bereits etwa 30 Bettler in der Verkleidung „Wütender Mob“ inklusive Knüppeln und Steinen versammelt hatte. Da dies nicht im Geringsten zum Thema der Feier „1001 Nacht“ passte, wurde den wilden Gesellen natürlich der Eintritt verwehrt, was diese beinahe über die Schwelle zum „Tobsüchtigen Mob“ brachte. Diplomatisch machte sich Yuan daran, die Rüpel zu vertreiben und stürzte sich, als durch tieffliegende Pflastersteine die Fenster der Villa zu Bruch gingen, in das Getümmel. Die Handvoll Wachen und Nostromo hingegen bildeten eine menschliche Mauer, um das Eigentum des Prätors zu schützen. Yuans Plan ging vollkommen auf und innerhalb von wenigen Sekunden lag der in ein ehemals prächtiges Pfauenkostüm gekleidete ehemalige Prätor im Dreck der Straße und freundete sich mit Staub und Kot an. Von diesem Erfolg ermutigt trat ein vorwitziger Rädelsführer näher an die Wachen heran und forderte krakeelend die Herausgabe des Verantwortlichen für den Tod zweier ihrer Kameraden. Nun war das Maß jedoch voll. Scheiben einwerfen, schön und gut. Yuan vermöbeln, meinetwegen, aber große Töne spucken und auch noch Myrmidion lynchen wollen, das schlug dem Fass den Boden aus. Mit bedrohlichem Blick zog die Wache und Nostromo blank und rückte entschlossen gegen das Großmaul vor, der plötzlich merkte, dass sein Knüppelchen wohl eher als Feuerholz denn als ernsthafte Waffe taugte und rasch verteilte sich die Bande in alle Winde. Beherzt schlenderten die Gardisten hinterher, bedacht, es nicht doch noch zu einer Konfrontation kommen zu lassen und kassierte zwei der Bettler, die aufgrund akuter Lahmheit bzw. Einbeinigkeit nicht schnell genug weglaufen konnten, ein. Danach wurde der schmutzige Pfau ins Innere des Hauses gebracht und mit Hilfe eines starken Schnaps aufgeweckt.

Yuan kam gerade rechtzeitig zu sich, um mitzubekommen, wie Kasim das Buffet eröffnete und den ersten Löffel Wachteleischaumspeise verdrückte. Kurz darauf trat ein erstaunlicher Farbwechsel auf. Während das sonnengebräunte Gesicht des Schutzprätors schlagartig weiß wurde, kam es bei seiner Hose zum genau gegenteiligen Effekt. Noch bevor die restlichen Gäste, sowieso schon wütend über den Angriff der Bettler, diese erstaunliche Darbietung goutieren konnten, sprang erst Yuan in die Bresche und dann Kasim auf den Abort. Mit erstaunlichem Geschick überzeugte er die hohen Herrschaften davon, dass das Essen wohl doch nicht gegessen werden könne, da es nicht dem Thema der Feier entspräche. Ein solcher Stilbruch sei nicht hinzunehmen, novadisch-tulamidische Küche würde aber bald nachgeliefert werden. In der Zwischenzeit hatte Nostromo den völlig aufgelösten Fetenorganisator etwas Verstand in den Leib geschüttelt und ihn beauftragt, beim nächsten novadischen Restaurant Essen zu holen. Die Lage schien sich zu beruhigen, doch als sich Yuan auf die Suche nach dem Gastgeber machte und dieser ohnmächtig mit heruntergelassener Hose auf dem stillen Örtchen gefunden wurde, in einer Wolke miasmatischen Gestankes geradezu badend, verabschiedeten sich die Gäste unter fadenscheinigsten Gründen rasch und innerhalb kürzester Zeit war die Feier so tot wie die beiden Vorkosterbettler. „Die Spiele müssen weitergehen, das sind wir der Idee des Festes schuldig!“, stellte Yuan ganz richtig fest und so wurden die restlichen Rennen, wenn auch mit geringerer Besetzung, noch rasch abgehandelt. Der Gewinner des Freilos war daher auch so unwichtig wie unbekannt. Trotzdem bekam er seinen Preis mit allem Nostromo zur Verfügung stehenden Enthusiasmus überreicht („Euer Gewinn, hier!“), bevor die Feier beendet wurde. Wie erwähnt waren es also nur kleine Steinchen, ja Sandkörnchen im ansonsten perfekt ablaufenden Uhrwerk des Festes. Eines Festes, von dem man sicherlich in vielen Jahren auch noch sprechen würde.

Nachdem das Geraffel endlich die Biege gemacht hatte, konnte man endlich daran gehen, die mysteriösen Vorgänge zu untersuchen. Ein Medicus war bald eingetroffen und konstatierte eine Vergiftung durch eitrigen Krötenschemel bei Kasim, einem extrem schwierig herzustellenden Gift. Die gute Nachricht war jedoch, dass es in der Regel zwar extrem unangenehm, selten jedoch tödlich wirkte. Sofort wurden die Würfelspiele Yuans und Nostromos um die Nachfolge des Schutzprätors unterbrochen und man machte sich auf, den Vergifter zu suchen. Bei einem derart seltenen Gift würde es sicherlich wenige Verkäufer geben, so dass sich der Übeltäter sicherlich bald würde finden lassen. Vor einer Befragung der Alchemisten der Stadt musste jedoch zuerst Myrmidion gefunden werden, was sich als schwerer herausstellte, als gedacht. Dieser war nämlich in seinem Versteck aus Langeweile eingeschlafen und tauchte für geraume Zeit nicht mehr auf. Erst nach einer Stunde stand er plötzlich neben den Suchenden und bot seine Hilfe an, das Gesuchte zu finden. Mittlerweile hatte man jedoch genug von den Kaspereien und flitzte zum Alchemistengrolm, der für einige Dukaten schnell auch das erste, tödliche Gift identifiziert hatte. Dieses, Kukris, war ein extrem teures, aber in der Gegend nicht ganz so seltenes Gift aus einer Seidenliane. Eitriger Krötenschemel stellte sich als ein Gift heraus, das jeder Alchemistenlehrlingsgehilfenbruder aus dem überall wachsenden Krötenschemel brauen konnte. Lieder verliefen die Versuche, erst an den Ver-, dann an den Käufer zu kommen, im Sande. Dafür fand man jedoch nach weiterem Suchen die Ursache der Vergiftung: Das Basilikum des Kochs a.D. enthielt nicht nur das namensgebende Gewürz, sondern auch noch die aufregende Substanz K wie Kukris. Da würde sich doch etwas ergeben, schlussfolgerte man schlau und ging dann ins Bett.

Der nächste Morgen stand ganz im Zeichen der Wäsche. Zum Einen musste das Haus gereinigt werden, um die Feierspuren zu beseitigen, zum Anderen Kasim jede Viertelstunde und zuletzt war eine ausgiebige Kopfwäsche Myrmidions von Nöten. Auch wenn sich Yuan und Nostromo alle Mühe gaben, ihm klarzumachen, was er getan hatte, nämlich aus einer Laune heraus zwei Menschen vergiftet, war nicht ersichtlich, dass irgendetwas davon in den Kopf des sprunghaften Matrosen drang. Yuan entschied daher, ihn zum Efferdtempel zu bringen, wo er seine Missetat den Geweihten beichten und um eine angemessene Strafte bitten sollte. Dies tat er auch auf die umständlich möglichste Art und Weise und rückte mit der Wahrheit nur recht zögerlich heraus, was Bruder Efferdan zu Entsetzen und Bruder Efferdin zu einem Zornesausbruch brachte. Ein eingeschüchterter Myrmidion wurde daher angewiesen, in einigen Tagen zusammen mit seinem Herrn, Yuan, im Tempel einzutreffen und dort die von Efferd in einer Vision offenbarte Bestrafung zu empfangen.

Währenddessen hatten die Wächter des Friedens eine heiße Spur aufgenommen, waren über den Gewürzlieferanten des Kochs zu einem Boten des Gewürzlieferanten gelangt und hatten durch dessen Aussage, er habe Geld bekommen, um das Basilikum mit einem grünleuchtenden, ätzend riechenden und an den Fingern brennenden Pulver zu mischen (Aber ich wusste doch nicht, dass das was Schlimmes sein könnte!) an die Beschreibung des Auftraggebers gelangt. Ein bärtiger, älterer Novadi, den er auch schon im Viertel gesehen hatte. Gerade wollte man den Schutzprätor verhaften, da ging es den beiden auf, dass diese Beschreibung auf gefühlt 25 Prozent aller in der Stadt beheimateten Novadis zutrifft. Yuan und Nostromo wollten gerade damit anfangen, den nutzlosen Botenjungen durch eindringlichere Befragung davon überzeugen, verwertbarere Informationen auszuspucken, da fiel dem Trottel noch ein, dass dieser Auftraggeber oft mit dem Handelsprätor duch das Viertel laufen würde. Einen Moment war das Befragungsteam ratlos. Handelsprätor? Gab es so etwas überhaupt oder wollte der Bengel nur seine Haut retten? Davon hätte man doch bestimmt gehört, wenn es so einen Prätor geben würde. Netter Versuch, aber keine Punkte! Glücklicherweise waren die Charaktere aber mit einem besseren Erinnerungsvermögen ausgestattet, als die Spieler und so fiel ihnen auf einmal ein, dass es diesen Posten tatsächlich gab und man die Person dahinter sogar schon kennengelernt hatte. Der Handelsprätor war niemand anderes, als der Hairan Tabaluga! Und wie es der Zufall wollte, war dessen Feier an genau diesem Abend! Den Zwölfen sei Dank war Kasim mittlerweile wieder auf den Beinen und so wurde ein Plan geschmiedet, den Vergifter am Abend zu enttarnen und zu verhaften. Leider stellte sich jedoch heraus, dass vor dem Palast des Handelsprätors nicht die üblichen desinteressierten und inkompetenten Stadtwachen, sondern 20 gutausgerüstete novadische Panzerreiter standen, die niemanden mit einer Waffe länger als ein Zahnstocher auf die Feier lassen wollten. Der Truppe schwante Böses! Die Mächtigen der Stadt, unbewaffnet im festungsartigen Palast des Vorgesetzten des mutmaßlichen Vergifters, der auch noch just an diesem Tag ein Kontingent Reiter in die Stadt hatte kommen lassen? Natürlich, Zufälle gibt es immer wieder, aber lieber einmal zu vorsichtig, als einmal tot. Entsprechend nahmen nur Kasim und Myrmidion an der Feier teil, während Yuan und Nostromo die Stadtwache herbeizitierten und auf dem Platz vor dem Palast herumlungern ließ. Beim ersten Anzeichen eines Putsches würde diese hervorragend ausgebild… hervorragend ausgerüstet… hervorragend motiviert…… diese… Truppe! sich auf die Panzerreiter stürzen und die hohen Herrschaften retten. Im Verbund mit den Matrosen vom Schiff Kasims und Xanteros würden die Angreifer so wenigstens das Überraschungsmoment auf seiner Seite haben. Zumindest war dies der Plan, der in der Hoffnung gemacht wurde, dass nie die Notwendigkeit bestehen würde, ihn auch durchzuführen.

Im Inneren hatte Myrmidion bald Freundschaft mit vielen Novadis geschlossen und herausgefunden, dass der mutmaßliche Auftraggeber der Mawdli des Handelsprätors war. Kasim konfrontierte die beiden mit dem Verdacht und nach einigem Taktieren gab der novadische Rechtsgelehrte zu, dass er das Essen während der Feier des Schutzprätors mit Krötenschemel vergiftet habe. Kukris wurde dabei gar nicht erst aufs Tapet gebracht und sein Motiv, er habe damit zeigen wollen, dass das unnovadische Gericht, das er vergiftet hatte, von Rastullah verflucht sei, war so durchsichtig wie das Haupthaar Nostromos. Der Mawdli wurde daraufhin von Kasim und Myrmidion in die Kaserne gebracht, während der Rest der Wache inklusive Yuan und Nostromo in einer nahegelegenen Schenke das Bier fließen ließ. Schnell hatten sich die beiden Thorwaler aus der Mannschaft von Kasim mit Einheimischen angelegt und innerhalb weniger Minuten waren sämtliche Gäste der Kneipe in eine zünftige Schlägerei verwickelt. Soweit so gut, doch dann ließ sich einer der bösartigen Gäste dazu herab, den Einsatz zu erhöhen und schmetterte einen mit metallenen Nieten versehenen Bierkrug auf den Kopf von Nostromo, der daraufhin seine Axt zog und dem nun plötzlich kleinlaut Fliehenden hinterhersetzte. Kurz darauf floh die halbe Belegschaft (sämtliche Einheimische), darunter bedauerlicherweise auch der hinterhältige Krugschläger und die siegreichen Gardisten verhafteten jeden, der zu ohnmächtig war, um abhauen zu können. Im Siegeszug brachte man die Gefangenen ebenfalls in die Kaserne und sperrte sie in den Käfig neben den Mawdli mit der dringlichen Bitte, diesen in Ruhe zu lassen.

Während dieser ganzen Angelegenheit hatte Kasim mehr Informationen aus dem Mawdli herausbekommen und den wahren Hintergrund herausfinden können. Auch dieser Novadi gehörte zum Bund der goldenen Morgenröte (osä) und wollte die Stadt Chorhop zu einem Kalifat machen. Sein Plan war gewesen, den Vogtvikar, der unter allen Prätorenfeiern nur diese besuchen würde, zu vergiften. Ohne dieses Stadtoberhaupt wäre es ein Leichtes gewesen, einen Kalifen einzusetzen und die Macht an sich zu reissen. Ob Kasim, als Novadibruder, nicht vielleicht auch dem Bund beitreten wolle?, zwinkerte der fiese Alte dem Schutzprätor zu. Dieser blieb jedoch diplomatisch, lehnte weder ab noch sagte er zu und verfrachtete den Attentäter in die Zelle.

Mit vollem Kerker ging der Tag zu Ende und erschöpft fielen die tapferen Wächter der Stadt in ihre Betten, wohlwissend, dass der nächste Morgen viele Gespräche und Pläne bringen würde. Wie sollte man mit der Situation umgehen? Wer war noch Mitglied in diesem ominösen Bund? Sollte man ihn infiltrieren? Musste der Vogtvikar davon in Kenntnis gesetzt werden? Fragen über Fragen, die sich erst am nächsten Tag würden beantworten lassen.

Doch bevor man sich mit diesen Problemen befassen konnte, stand noch vor dem Frühstück ein debiler Bote auf der Matte und quakte herum, dass sich der Prätor umgehendst um das Verschwinden des Gladiators Alrik kümmern müsse der, im Finale der alljährlichen Gladiatiorenspiele stehend, seit einem Tag verschwunden war. Den Zwölfen sei Dank, dass derartig wichtige Aufgaben vom Prätor persönlich übernommen werden mussten. Nicht auszudenken, wo die Stadt hinkäme, wenn ausgewachsene, muskulöse, kampferprobte und mutige Männer einfach mal einen Tag verschwänden! Ein Fall für das schnelle Einsatzkommando der Stadtwache.

Pro:
– Die Kerker sind voll
– Die Wache musste erneut nicht kämpfen und konnte somit auch nicht aufgerieben werden

Contra:
– Die Verschwörung ist nicht aufgedeckt
– Die Feier war ziemlich scheisse
– Myrmidion sollte nicht alleine in dunklen Gassen rumschwirren