Reiseführer Berlin – Woche 1

Es hat lange gedauert, aber endlich habe ich es geschafft, nach Berlin zu reisen. Hier also nun die besten Unterkünfte, das interessanteste Programm und die großartigsten Sehenswürdigkeiten. Aber natürlich auch Warnungen, denn in so einer großen Stadt sind selbstverständlich auch eine ganze Menge Bauernfänger zu finden.

Tag 1:
Die erste Übernachtung fand im sogenannten „Hotel“ Meridian statt. Hotel ist allerdings viel zu hoch gegriffen, Mülltonne wäre der passendere Begriff. Unhöfliches Personal und aggressive Gäste bewirkten, dass wir schon früh am nächsten Tag das Etablissement verließen. Das unerträgliche Benehmen der Berliner begleitete uns den ganzen Tag: bei der Fahrt durch die extrem überfüllte Stadt sammelten wir noch einen Bergmann auf, der gerade Stress mit den Einheimischen hatte. Dank Michis Fahrkünste blieb dem Mob jedoch nichts anderes über, als unseren Staub zu fressen und wir verließen nun zu 6 diese asoziale Gegend. Nach dem Reinfall mit dem Hotel versuchten wir es diese Nacht mit Couchsurfing.
Tageswertung:
Hotel Meridian: 0 von 5 Kissen. Selbst für berliner Verhältnisse unfreundliches Personal und unmögliche Gäste.

Tag 2:
Wir kamen kurzfristig in der Wohnung einer Mittfünfziger unter. Eiche rustikal im Wohnzimmer, 70er Jahre Vorhänge, sehr stylisch das Ganze. So stelle ich mir das hippe Berlin vor. Die ironische Brechung des Spießertums war gerade deswegen so großartig, weil die Nachbarn unserer Gastgeberin dem typischen Vorortklischee entsprachen. Neugierige Naseweise, die sich nicht schämten, vor der Wohnungstür herumzulungern, um einen Blick auf uns zu erhaschen. Ich hoffe, der Ruf unserer Gastmutter leidet nicht darunter, 6 jungen Männern Unterkunft gewährt zu haben.
Einziger Kritikpunkt hier: Das Frühstück war recht armselig, anscheinend war die gute Hausherrin etwas überrascht von unserem Auftauchen. Als Ausgleich lieh sie uns dafür ihren Wagen (Natürlich ein vintage Saab, herrlich!), um unser erstes Sightseeingziel anzusteuern:
Das berühmte Jagdhaus Karl Albert, gegründet 1889. Von dieser Koryphäe der Büchsenmacherkunst hatten selbst wir im weiten Westen Wohnende gehört, deprimierenderweise hatten sich die Gerüchte, wie bei der stillen Post üblich, aufgebläht, so dass die Wirklichkeit nur enttäuschend sein konnte. Lediglich zwei interessante Jagdgewehre hatte Herr Albert vorrätig, ansonsten war der Laden geradezu geplündert. Vermutlich hatte die Jagdsaison gerade begonnen, jedenfalls war ansonsten kaum etwas zu besichtigen da. Ganz großer Minuspunkt: Die Gästetoilette, die einen unglaublichen, übelkeitserregenden Gestank absonderte. Definitiv keine Empfehlung von uns für den Laden!
Nach dieser Enttäuschung kam es noch dicker: An der nächsten Tankstelle, bei der wir den Wagen wieder befüllen wollten, waren kurz vorher anscheinend die ganzen Jagdgesellschaften vorbeigekommen, um ihre fettärschigen SUVs, Geländewagen und Hummer zu betanken. Jedenfalls war kein Sprit mehr erhältlich und auch die Snackauswahl war extrem eingeschränkt. Merke also: Um diese Jahreszeit sollte man das Viertel meiden!
Extrem verärgert über den miesen Service, stellten wir den Saab ab und wechselten in einen Jeep. Mehr Platz für uns alle und mit seinem kräftigen Motor das richtige Gefährt für den urbanen Dschungel. Schnell zeigte sich, dass der Fahrzeugswechsel eine hervorragende Idee gewesen war, denn unser nächster Halt hieß „Tierpark“. Wie der Name schon andeutet, handelt es sich um eine Parklandschaft, ein ideales Terrain für einen Geländewagen. Da mittlerweile jedoch Nebel aufgekommen war, machten wir erst einmal eine kurze Pause, snackten ganz unkonventionell im Auto und planten unser nächstes Ziel.
Tageswertung:
Couchsurfing bei Erika: 4 von 5 Sternen. Schöne Vintageeinrichtung; rechtzeitig die Ankunft ankündigen, sonst ist die Verpflegung etwas knapp.
Jagdhaus Albert: 1 von 10 Patronenhülsen. Eklige Toilette und wenig Auswahl.

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