Im Herzen der Finsternis – Regen

Der Weg durch den Urwald war beschwerlich, doch langsam gewöhnte ich mich an die Unannehmlichkeiten. Jeder Dschungel hat seinen eigenen Takt, seine eigene Melodie. Und wer nicht in dieser grünen Hölle versinken möchte, der ist gut damit beraten, sich auf diese Melodie einzustellen und nach ihr zu tanzen. In diesem Urwald trommelte gegen die Mittagszeit für eine Stunde ein ausdauernder, alles durchnässender Regen herab und machte ein Weiterreisen unmöglich. Da Kutekutak es nicht für nötig gehalten hatte, uns zu warnen, waren wir am ersten Tag zur kaum verhohlenen Schadenfreude des Mohas nass geworden wie brünstige Hinterhofkater, bevor es uns gelang, die Zelte aufzustellen. Während wir auf das Ende des Regens warteten, löcherte die Moha Zwerg und Halbelf weiter mit ihren Fragen und bewies mit dem zielstrebigen Einsatz ihrer Reize eine Berechnung, die jeder Mitgiftjägerin Al Anfas gut zu Gesicht gestanden hätte. Als der Regen schlagartig stoppte und der nun aufsteigende Dampf den Blick vernebelte, nutzte ein Waldpanther die Gunst der Stunde und griff unseren Elefantenführer an. Meine Vermutung, dass Tollwut das Raubtier dazu gebracht hatte, eine mehrköpfige, ihm überlegene Gruppe anzugreifen, erwies sich glücklicherweise als falsch. Als es nach wenigen Hieben jaulend zwischen den Bäumen verschwand, wurde mir klar, dass wohl der Hunger es zu diesem aussichtslosen Überfall motiviert hatte. Vielleicht ein altes Tier, zu schwach, schnelle Beute zu jagen und nun von Hunger gequält dazu gezwungen, selbst überlegene Gegner anzugreifen, solange sie nur langsam genug waren. Während die anderen Mohas den Verwundeten ausschimpften und wir die Ausrüstungsgegenstände, die der überängstliche Elefant bei dem Angriff verloren hatte, zu retten versuchten, stahlen sich erneut Erinnerungen in meine Gedanken.

Einen offenen Angriff eines Tigers hatte ich vorher nie erlebt und trotzdem hatten wir Verluste durch diese Raubkatzen erlitten. Einzelne Kameraden, die sich hatten zurückfallen lassen oder die des Nachts ihre Bedürfnisse fern des Lagers verrichtet hatten, waren teils ohne Spur verschwunden, teils konnten sie schwer verwundet gerettet werden, nachdem ihr Geschrei den Rest von uns aus seinem unruhigen Dösen geweckt hatte. Ich wischte mir über das Gesicht, um die grausamen Bilder zu verscheuchen und nachdem die oberflächlichen Wunden Hudujotukla von Kutekutak ruppig verbunden worden waren, reisten wir weiter. Mehr und mehr stellte ich mich auf den Rhythmus des Dschungels ein und begann, seine Melodie zu verstehen. Als am nächsten Tag die Luft eine bestimmte Qualität annahm, ein bestimmter Druck sich auf die Ohren legte, ahnte ich, dass der Regenschauer bald einsetzen würde und so gelang es uns, die Zelte rechtzeitig aufzubauen. Kutekutak konnte sein Bedauern kaum verhehlen. Während ich stoisch in den Regen stierte, behielt ich den Moha im Augenwinkel und konnte sehen, wie ihn das Zittern packte. Der armselige Versuch, seine Sucht zu verbergen galt wohl nur noch seinem eigenen Stolz. Jeder mit zwei Augen im Kopf sah durch seine billige Tarnung hindurch, als er sich einem Busch zuwandte und vortäuschte, Blätter zu sammeln, während seine Rechte flink einen Flachmann aus dem Beutel zauberte und zu seinem Mund führte. Immer stärker wurde der Gedanke, dass Kutekutak zu einer Belastung und damit zu einer Gefahr für die gesamte Gruppe wurde.

In einer feindlichen Umgebung wie dieser hatte sich Schwäche noch immer als Sendbote des Untergangs erwiesen. Einige meiner Kameraden hatte die nervliche Anstrengung der andauernden Kämpfe, der ständig präsenten Gefahr im unendlich wirkenden Dschungel in die Vergessen bringenden Arme des Alkohols oder noch härterer Rauschmittel geführt. Ich kannte keine Handvoll, denen das nicht zum Verhängnis geworden war, schlimmer noch: in der Regel hatte ihr Verhalten schlimme bis katastrophale Auswirkungen auf den Rest der Truppe gehabt. Ich überlegte noch, ob ich meine Bedenken Don Brodinger mitteilen sollte, da endete der Regen schlagartig und sofort stieg dichter Nebel auf, wie verlorene, missgünstige Seelen, die uns ins Verderben ziehen wollten. Auch an diesem Tag nutzte ein Räuber die Gunst der Stunde und attackierte Don Surez. Für einen kurzen Moment stockte mir der Atem, als ich einen unförmige Schatten im Nebel wabern sah, der glücklicherweise vergeblich nach dem flinken Magier hieb, dann übernahmen die Reflexe meine Handlungen, ließen mich auf die Gefahr zulaufen, im Lauf die Waffe ziehen und eine günstige Angriffsposition einnehmen. Neben mir richtete der Zwerg seine Armbrust auf den Gegner und kurz bevor ich den Kampf zwischen dem Halbelfen und dem Angreifer erreichte, zog zielsicher ein Bolzen an mir vorbei und bohrte sich in das Tier. Nachdem ich nun auf Schlagreichweite herangekommen war, konnte ich erkennen, dass es sich um eine Riesenamöbe handelte, die in diesem Augenblick eine Art Arm ausbildete und erneut nach dem Magier schlug. Gewandt wie ein Torero beim Stierkampf ließ er den Angriff ins Leere laufen und nachdem mein Hieb die Amöbe aufschlitzte und eine seltsam riechende Flüssigkeit auf den Dschungelboden schwappte, raste eine mächtige Flammenlanze aus den Fingern des Magiers. Einige der allgegenwärtigen Insekten die den Anstand besessen hatten, in die Bahn des Feuers zu gelangen, torkelten verbrannt zu Boden, dann traf das Geschoss die Amöbe, welche in der Hitze zu kochen anfing und in Sekunden zerplatzte. Angewidert betrachteten wir die Reste, während ich den Amöbenschleim von der Klinge wischte. „Ihr zu laut, darum Angriff!“ Nachdem die Gefahr beseitigt worden war, versuchte Kutekutak sich wichtig zu machen und uns so von seinem Versagen, uns sicher durch den Urwald zu führen, abzulenken. Die finsteren Blicke, die wir ihm zuwarfen, ließen ihn jedoch verstummen und so zog er bald rasch wieder ab.

Als der Nachmittag langsam in den Abend überging, lag eine angespannte Stimmung über der Gruppe wie eine Dunstglocke über dem Gerberviertel. Nur die nötigsten Worte wurden gewechselt und selbst die Moha, sonst bemüht wie eine Brabaker Straßendirne, hatte nach einigen einsilbigen Antworten die Lust verloren und lief nun schweigend neben dem Elefanten her. Eigentlich wäre es, angesichts der feindlichen Umgebung, der gefährlichen Tiere, des ständigen Blutzoll an die uns zu Myriaden umschwirrenden Insekten, des unablässigen Kampfes um den nächsten Schritt durch den widerspenstigen Wald, das Beste gewesen, zusammenzurücken, füreinander einzustehen und die Widrigkeiten gemeinsam anzugehen. Doch weit gefehlt! Jeder lief für sich allein und verlor sich immer tiefer in seinem Schneckenhaus, Verstand genannt. Der Dschungelkoller kam langsam näher und wir mussten aufpassen, dass uns die Atmosphäre nicht zu sehr an die Nieren ging. Seinen Teil zu der angespannten Stimmung hatte die Strafmaßnahme von Don Brodinger beigetragen, der Kutekutak die Schnapsflasche abgenommen hatte, als Bestrafung für dessen Inkompetenz und Aufmüpfigkeit. Die Hasstirade die der Moha ausstieß, hätte einen gestandenen Seemann erröten lassen wie eine Traviaakoluthin, aber da niemand die Sprache des Eingeborenen verstand und ich meinen Trumpf, jedes Wort der Begleiter unbemerkt zu verstehen, im Ärmel belassen wollte, wurde der Ausbruch Kutekutaks ignoriert. Beim Aufbau des Abendlagers hatte bereits der Tremor seinen Körper ergriffen.
Da er sich jedoch auch bisher immer nur um seine eigenen Sachen gekümmert hatte, war sein Ausfall beim Einrichten der Nachtlager und Entfachen des Feuers kein Verlust. Nachdem wortlos eine karge Mahlzeit eingenommen worden war, machte sich der Zwerg auf die Suche nach jagdbarem Wild, um so zumindest das Frühstück zu einer erfreulicheren Angelegenheit zu machen. Während der Magier ein Gespräch mit Don Brodinger begann, das lustlos dahinplätscherte wie ein versickerndes Rinnsal in der Wüste, befreite ich mein Schwert von Flugrost und wartete meine Ausrüstung. Es dauerte keine Stunde, da riss uns Gambosh aus unserem Dahinbrüten, als er mit einem weiteren Zwerg im Schlepptau aus dem Dschungel trat. Wie es schien, war genau dieses Ereignis nötig gewesen, um uns aus unserem eigenen geistigen Gefängnis zu befreien. Wo eben noch ein jeder verstockt in seiner Ecke gebrütet hatte, saß man nun gemeinsam am Feuer und unterhielt sich mit dem Fremden.

Advertisements

Im Herzen der Finsternis – Aufbruch

Das Pflaster in der Stadt war heiß geworden, zu heiß für mich. Die schwüle Sommerhitze lag dieses Jahr noch unerträglicher über den Gassen und brachte Gewalttätigkeiten und Tod in ihrem Gefolge mit. Die großen Fische im Teich ließen sich von der Atmosphäre anstecken und begannen, sich zu regen. Beim Versuch, ihren Einfluss zu vergrößern und ihre Rivalen zu vernichten war den Granden jedes Mittel recht. Offene Kämpfe zwischen den Wachen der einzelnen Familien, Anschläge auf echte oder eingebildete Anhänger anderer Häuser, verschiedenste Straßenbanden, die von den Granden bezahlt wurden, um ihren Gegnern zu schaden; wie tollwütige Hunde schnappten die mächtigen Familien um sich und ließen so die komplizierte, aber seit Jahrzehnten etablierte Balance der Macht in sich zusammenfallen wie ein Mietblock in den Favelas. Das Blut färbte die Straßen rot, als der kollektive Wahnsinn weiter um sich griff und die allgemeine Unruhe genutzt wurde, um offene Rechnungen zu begleichen. Kleinen Fischen wie mir blieb nichts anderes übrig, als sich bedeckt zu halten, um zwischen den Machtblöcken nicht zerrieben zu werden. Mein Netzwerk an Informanten war bald zerrissen, meine Kontakte entweder untergetaucht, nicht mehr vertrauenswürdig oder tot. Als die Stadt immer tiefer in einem Strudel aus Gewalt versank, entschied ich mich, meine Investitionen abzuschreiben und Al Anfa zu verlassen, bis die Haie genug Blut gesoffen hatten und sich ein neues Gleichgewicht einstellen würde. Es würde eine kostspielige Angelegenheit werden, wieder in das Geschäft einzusteigen und so war mein erstes Ziel, ausreichend Mittel zu beschaffen, um im Winter meine eigene kleine Domäne in Al Anfa einrichten zu können. An Bord eines Seelenverkäufers gelangte ich aus der Stadt und die angenehme Seeluft kühlte meine überhitzten Sinne. Fürs Erste war ich der Knochenmühle Al Anfas entkommen!

Nach zwei Wochen angenehm ereignisloser Reise ging ich in Port Corrad an Bord. Und wie es Phex Wille ist, fand ich den Aushang von Don Brodinger, der eine Expedition in den Dschungel durchführen wollte, um einen heidnischen Tempel zu plündern. Meine Mittel waren eingeschränkt, die Ausschreibung klang verheißungsvoll, und so traf ich im Glänzenden Papageien zum ersten Mal auf Don Brodinger und die weiteren Teilnehmer der Expedition.

Das Innere der Kaschemme wurde durch rußende Fackeln erhellt, die die eh schon unangenehme Wärme noch verstärkten. Bis auf den Wirt war lediglich eine Handvoll Personen in dem Raum, deren Wunderlichkeit jedoch für eine ganze Kompanie gereicht hätte. Aus tiefliegenden, düsteren Augen blickte ein Halbelf auf mich herab, angetan mit ungewöhnlichen Gewändern. Auch wenn diese nicht die protzigen Symbole der Zauberei aufwiesen, die viele seiner Kollegen so gerne angeberisch präsentieren, ließ ihr Schnitt und der haupthohe Stab keinen anderen Schluss zu als den, dass es sich hier um einen Magier handelte. Neben diesem Baum, so dürr er auch sein mochte, stand als krasses Gegenstück ein Fels von einem Mann. Keine 1,5 Schritt hoch, aber Schultern wie ein Ochse, trotz der Temperatur in ein Kettenhemd gepackt. Das wenige, was von dem Gesicht aus dem buschigen schwarzen Bart herausragte war mit einer grauen Paste beschmiert. Eine mächtige Armbrust und ein Kriegshammer am Gürtel rundete das Bild ab. Der dritte im Bunde schien mit seiner korrekten Kleidung und seinem Pfeifengeschmauche direkt aus einem Al Anfaner Herrenclub gerissen worden zu sein. Wie der Halbelf und der Zwerg wirkte der kräftige Mann mittleren Alters fehl am Platze. Für einen kurzen Moment befiel mich der Verdacht, dass ich vielleicht ebenso wenig ins Bild passte, aber ein Blick in den fleckigen Spiegel hinter dem Tresen erstickte den Gedanken im Keim. Dunkle Augen, mittelgroß, leichtes Grau an den Schläfen im ansonsten schwarzen Haar. Auch meine Kleidung, eine dunkle Hose, hohe Stiefel und ein Gambeson gaben keinerlei Anlass zur Beanstandung, lediglich mein Tuzakmesser, treuer Gefährte seit jenen Ereignissen vor vielen Jahren stach etwas hervor.

Nachdem er seine Pfeife ausgeklopft und sich geräuspert hatte, fing das Clubmitglied zu reden an. „Meine geschätzten Herren, ich bin Don Brodinger und ich vermute stark, dass sie die abenteuerlustigen Gefährten sind, die mich auf meiner Reise in den Urwald begleiten wollen, um großartige Abenteuer zu erleben und sagenhaften Ruhm zu erwerben.“ Seine Stimme samtete wie Honig, doch die geschwungenen Worte perlten an den Anwesenden ab als seien es Regentropfen auf einer Wachsschicht. Anscheinend waren wir alle schon zu oft von derartigen Schönrednern übers Ohr gehauen worden. Anfangs grämt man sich darüber, hadert mit sich selbst, macht sich Vorwürfe, aber irgendwann wird man hart und zäh und zynisch. „Wo genau gehen wir hin, was erwartet uns da und welche Bezahlung gibt es?“ Der Zwerg Grandosch war so gradlinig wie ein Granitblock. Aufmerksam hörten wir unserem potentiellen Auftraggeber zu, der von einem Tempel im Dschungel berichtete, aus dem er vor 15 Jahren eine heidnische Statue nach Mirham gebracht habe und die nun im dortigen Museum stehen würde. In ausschweifenden Worten legte er dar, dass er nun zu dem Tempel zurückkehren wolle, um weitere Kunstgegenstände zu bergen. Als es jedoch um die Gefahren ging, die ihn damals zur Flucht aus dem Tempel veranlasst hatten, wurde er zugeknöpft, wie eine alte brabaker Jungfer. „Die Verfolger habe ich nicht gesehen.“ Nicht einmal die Frage, ob es sich um menschliche oder tierische Gegner gehandelt habe, konnte oder wollte er beantworten. Misstrauisch den zukünftigen Expeditionsleiter beäugend, spuckte der Zwerg aus. „Und was für eine Bezahlung gibt es für dieses nebulöse Abenteuer?“. „Alles, was ihr an Schätzen findet sowie drei Silbertaler pro Tag und Kost und Logis.“ Don Surez, der Magier, ließ eine Augenbraue gen Praios wandern. „Drei Silbertaler? Neun Dukaten im Monat? Selbst das Dreifache wäre kärglich für meine Kompetenz!“. Genüsslich steckte sich Don Brodinger eine weitere Pfeife an und fuhr damit fort, die schwüle Luft weiter zu verpesten. „Und alles, was ihr an Schätzen findet! Ich habe einen Waldelefanten als Transporttier organisiert, auf den genug Gold passt, dass man damit die brabaker Marine kaufen könnte.“ Ich konnte erkennen, wie der Zweifel aus den Mienen der anderen schlagartig verschwand und auch meine Bedenken nahmen sich eine Auszeit. War der feste Lohn auch nicht berauschend, so schien der variable Anteil die Mühe mehr als wert zu sein. Ich setzte einen Vertrag auf, der die Einzelheiten der Bezahlung und des Transports regelte und nachdem wir alle unsere Unterschriften unter das Schriftstück gesetzt hatten, wurde es dem Wirt des Glänzenden Papageien zur Verwahrung gegeben.

Mit großartiger Geste führte uns Don Brodinger danach in den Innenhof, in dem der Elefant mitsamt der Ausrüstung wartete und auch die drei einheimischen Führer die Brodinger engagiert hatte, herumlungerten. Während wir in den Hof traten, spuckte der älteste der Mohas aus und verfluchte uns verdammte Bleichgesichter auf seiner Muttersprache. Ich ließ mir nicht anmerken, dass ich jedes einzelne seiner Worte verstanden hatte und beschloss, es dem ungehobelten Kerl heimzuzahlen. Krachend drückte ich seine Hand und stellte mich mit langsamer und lauter Stimme vor, als würde ich mit einem Kind unterhalten. Der Hass in seinen blutunterlaufenen Augen sprang mir förmlich entgegen, aber er wagte es nicht, sich zu wehren und blickte beiseite. Ein Geruch nach billigem Fusel wehte mir von ihm entgegen und ich konnte den Schweiß auf seiner Stirn erkennen, der nicht von der Temperatur, sondern von einem Mangel an Alkohol stammte. Der tapfere Kutekutak war ein Opfer des Feuerwassers! Ein beinahe ebenso unerfreulicher Anblick war sein jugendlicher Bruder Hudujotukla, der Elefantenführer. Ein mageres Bürschchen, der seine stetig laufende Nase regelmäßig hochzog und es nicht wagte, einem von uns in die Augen zu blicken. Linkisch drückte er sich an dem Elefanten herum und blickte auf seine schmutzigen Füße herab. Ganz im Gegensatz zu diesen beiden Gestalten überstrahlte die dritte Moha alles. Eine aufgeweckte junge Frau, keck und mit genug Kurven, dass es einem schwindelig werden konnte. Ihre braunen Augen sprühten vor Lebenslust und Intelligenz und schon bald hatte sie, als Einzige der Gruppe wirklich des Brabaci mächtig, uns mit Fragen durchlöchert. Ich hatte dieses Verhalten schon öfters gesehen. Wenn Mitglieder wilder Stämme mit der Zivilisation konfrontiert werden, gibt es drei Möglichkeiten. Zum einen können sie überfordert werden von den neuen Möglichkeiten, verwirrt, dass ihre bisherigen Kenntnisse und Fähigkeiten nun kaum mehr gefragt waren und dass Dere aus mehr besteht, als ihrem kleinen Teil des Dschungels. Diese Gruppe von Wilden lebt an den Rändern der zivilisierten Städte, unfähig, zurück zu den Wegen ihrer Vorfahren zu finden und genauso unfähig, sich an das Leben in der Stadt anzupassen. Um ihr trostloses Schicksal zu ertragen, ergeben sich viele dieser armen Teufel dem Alkohol und übernahmen damit die schlechtesten „Segnungen“ der Zivilisation. Eine zweite Gruppe schafft die Rückkehr. Nachdem sie die Stadt und ihre Bewohner kennengelernt haben, gehen sie zurück zu ihrem Stamm mit neuen Geschichten, interessanten Handelsgütern und der unmissverständlichen Botschaft, dass der weiße Mann verrückt sei und man besser im Dschungel bliebe, wie es sich gehörte. Und die dritte Gruppe, die seltenste, ist diejenige, die alles Neue versucht aufzunehmen, die Wissen, Erfahrungen, Erlebnisse aufsaugt wie ein Schwamm und so viel lernen wollte wie möglich. Diese Moha sahen die Möglichkeiten, ihren Horizont zu erweitern, fremde Länder kennenzulernen und schienen von Hesinde, Nandus und Aves gleichermaßen beseelt zu sein. Zu dieser letzten Gruppe gehörte Leritamtamsun, für die die Erkenntnis, dass es mehr gab als den Urwald und die Stämme eine welterschütternde, wunderbare Offenbarung gewesen sein muss. Und wie so üblich führten diese unterschiedlichen Sichtweisen zu schweren Konflikten innerhalb der Familie wie ich bald auf der Reise feststellen sollte.

Nach einer letzten Nacht in einem richtigen Bett für viele Wochen, brachen wir am nächsten Morgen auf und wurden bald von der Vegetation des Urwalds verschluckt. Mühsam folgten wir dem kaum zu erkennenden Trampelpfad, während uns die feuchte Hitze den Schweiß aus den Poren trieb. Staub und Pollen tanzten in den wenigen Sonnenstrahlen, die die grüne Decke durchdringen konnten und das Zirpen der Insekten erfüllte das Halbdunkel. Für einen Moment marschierte ich wieder mit meinen Kameraden, vor mir der hünenhafte Alrik, direkt neben mir Gregorio mit seinen feuerroten Haaren, immer wachsam, immer aufmerksam, immer ein Auge auf die Umgebung und von hinten erklangen die geflüsterten Befehle von Traviane, der einzigartigen Traviane… Ich merkte, wie ich mich selbst in Erinnerungen verlor und rief mich zur Ordnung. Das war vorbei, lange vorbei! Ein anderer Dschungel, eine andere Zeit. Wir waren jetzt hier und es bedurfte all unserer Aufmerksamkeit, um die Expedition heil hinter uns zu bringen.

Südmeerkampagne 24. Kapitel – Das Nilpferd auf dem diplomatischen Parkett

Ort der Handlung: Chorhop (kein Scheiss!)
6. Travia – 13. Travia

In den letzten Tagen hatte sich die Situation der Gruppe angenehm entspannt. Man sonnte sich in dem Ruhm, den Mörder der Traviageweihten gefasst zu haben und war schon voller Vorfreude, die 1000 Dukaten, die besagte Traviageweihte im Bankfach liegen hatte, der Kasse der Wache zuzuführen. Um dies zu bewerkstelligen, musste erst einmal in Erfahrung gebracht werden, welche Sicherheitsvorkehrungen die Bank wohl so hatte. Kapitän Yuan machte sich daher auf, selbst ein Bankfach anzumieten für seine 400 (nicht 300, nicht 500, nicht 20, nein 400!) Dukaten. Mit viel Diplomatie und Können ging er dem Bankangstellten auf den Sack und sammelte so wertvolle Pluspunkte. Es stellte sich heraus, dass Bankfachinhaber einen Wechsel bekamen, zusätzlich jedoch die Möglichkeit hatten, eine Passwortfrage zu hinterlegen. Einen Wechsel hatten wir in den Unterlagen der Geweihten jedoch nicht gefunden und so suchten wir erneut gründlichst ihre Habseligkeiten. So gründlich war die Gruppe, dass sie nicht nur im Hospiz und der Wohnung der Traviageweihten nachschaute, sondern auch in der angeblichen Zweitwohnung, die der Prätor selbst fingiert hatte, um den Mörder zu fassen und die die Traviageweihte nicht einmal von der Ferne gesehen hatte. Beinahe wäre die Suche aufgegeben, als in dieser Wohnung nicht auch nur die geringste Spur bezüglich der Geweihten gefunden wurde, doch im Spind des Hospizes wurde Myrmidion fündig: Ein Brief des Vaters der Geweihten (Nein, Yuan, nicht der Losverkäufer, der sich als ihr Mörder entpuppt hatte!) in dem er seiner Unverständnis ob der ihm zugesandten Unterlagen Ausdruck verlieh. Der Hauptgewinn!

Als Mann von Welt, der nicht nur in den höchsten Ebenen der Stadtverwaltung, sondern auch in den Niederungen der Halbwelt zuhause war, hatte Yuan innerhalb eines Tages einen vertrauenswürdigen Fälscher ausfindig gemacht und wollte sich von Ignazio mit der dicken Nase einen Brief in der Handschrift der Geweihten anfertigen lassen, in der sie ihren Vater bat, die Unterlagen wieder nach Chorhop zu senden. Als Schriftvorlage zeigte er Ignazio den Brief des Vaters… und bemerkte dann seinen und der ganzen Gruppe Denkfehler. Also wurde erneut Hospiz und Wohnung (Diesmal nicht die Zweitwohnung! Lerneffekt!) durchsucht und alsbald stand man mit der Einkaufsliste (3 Liter Milch, Toilettenpapier, erwürgungssicherer Schal – leider ausverkauft) erneut vor dem Großnasigen und diktierte ihm den Brief. „Tach Papa, schick mir mal die Unterlagen wieder, ich bin jetzt bei meinem Kumpel dem Prätor. Küsschen, deine Tochter.“ Selbst den Beinaheanalphabeten der Gruppe ging auf, dass das wohl eher nicht dem Tonfall der Geweihten entsprach. Doch wozu hatte man Bedienstete? Trotz der Kaspereien Myrmidions und Yuans setzte der Sekretarius ein entsprechendes Schreiben auf, das dann, noch warm von den Verzweiflungstränen des Sekretärs, an Ignazio überreicht wurde, der in Folge dann den Brief in Handschrift und Tonfall der Traviageweihten anfertigte. Pikiert zwar, doch voller Pflichterfüllung sendete der Sekretär im Anschluss den versiegelten Brief ins Horasreich, wo der Vater momentan residierte. Der erste Schritt zur Bergung des Bankschatzes war getan und dabei waren lediglich der Sekretarius und der Bankfachangestellte extrem angepisst!

Eigentlich hätte man sich nun gemütlich in die Hängematte legen und dem Lauf der Dinge seinen… Lauf lassen können, doch gerade, wenn man denkt es ist alles in bester Ordnung, stehen vom schnellen Laufen hechelnde Bedienstete im Eingangsbereich und blöken „Ein Überfall! Eindringlinge!“ in die ruhige, nachmittägliche Atmosphäre. Seufzend packte sich die Offizierskaste der Wache ihre Helme und schlenderte eilig zum Tatort: Dem Haus der Almosarin. Doch leider falscher Alarm: Die Angreifer waren von der Wache zu 50 Prozent getötet, zu 50 Prozent schwer verwundet worden und das Haus der Almosarin war so unberührt wie die alte Jungfer selbst. Nachdem sie ein wenig herumgepöbelt hatte und auch nicht ganz verstehen konnte, dass die Reduktion des Wachbudgets leider dazu geführt hatte, ja, dazu führen musste! dass in dem Viertel nicht mit der nötigen Frequ- und Präsenz patrouilliert werden konnte, verabschiedete sich die Wache, nahm den Delinquenten mit und ließ die Sache auf sich beruhen. Blöderweise erhob sich die Geschichte jedoch bald wieder wie ein Untoter und enervierte alle Beteiligten aufs Äusserste.

Am nächsten Tag war nämlich erneut die Prätorversammlung und wieder hatte jeder seine Speichellecker, Kostgänger und Arschkriecher mitgebracht. Nur im Falle des Schutzprätors handelte es sich bei den Begleitern natürlich um edle Freunde, selbstlose Unterstützer seiner Sache, im Einzelnen Yuan, Tjalf, Diago und Nostromo. Hier kam dann erneut der Überfall auf das Haus der Almosarin aufs Tapet und die alte Giftnatter erzürnte sich ordentlich darüber. Während sie in ihrem Wahn vor sich hinzeterte, klüngelte Myrmidion auf Geheiss des Schutzprätors aus, dass von nun an 20 % der Einnahmen, die der Kadi durch den Verkauf von Straftätern in die Sklaverei erhielt, an die Stadtwache gingen. Während wir uns also ob der neuen Geldquelle die imaginären Finger leckten, hub die Zeterziege zu einem vernichtenden Schlag aus. Da anscheinend die Wache mehr Geld benötigte, würden Spieleprätor und Würfelprätor jeweils 5 % weniger bekommen, dafür der Schutzprätor 10 % mehr. Eisige Blicke durchbohrten Yuan und Hass kochte in den betroffenen Prätoren hoch, während die Zimtzicke sich angesichts ihres Intrigenspiels beinahe selbst einnässte.

Nachdem das Essen ein rasches Ende gefunden hatte, versuchte Yuan zumindest ansatzweise die Beziehungen zu kitten und bot Trom, dem Würfelprätor, einen höheren Anteil an den Gewinnen des Würfeltischs in der Wache an. Dem ebenso undankbaren wie dümmlichen Spieleprätor versprach er, die 5 % unter der Hand wieder zukommen zu lassen, was dieser mit dem genialen Gegenangebot konterte, ihm doch 6 % zu geben. Es dauerte einige Stunden, aber dann war dem Fettsack klargemacht worden, dass man ihm auch einfach gar nichts geben könnte und er zumindest ein wenig Dankbarkeit zeigen sollte. So ganz kapiert hatte er es jedoch immer noch nicht und so blieb ein vage feindseliger Eindruck zurück. Doch damit nicht genug! Auch der nächste Tag stand wieder im Zeichen von Verwicklungen.

Erneut stand früh morgens ein Bediensteter in der Tür und scheuchte die Oberhäupter der Wache ans Jaguartor. Hier hatten sich drei Wächter mit kampfbereiter Hellebarde vor einem ebenso kampfbereiten Moha mit Speer postiert und während sich die beiden Parteien gegenseitig in jeweils unbekannter Sprache anbrüllte, schien der Ausbruch von Feindseligkeiten nur wenige Augenblicke entfernt zu sein. In gewohnt inkompetenter Art machten die Wächter Meldung. „Der Moha! Speer! Herr! Speer!“ Sinnvolleres war nicht aus ihnen herauszubekommen. Im Gegensatz zu den minderbemittelten Wächtern konnten jedoch sowohl Yuan als auch Nostromo Mohisch sprechen und hatten so alsbald heraus, was der Wilde zu sagen hatte und warum dieser Aufstand überhaupt stattfand. Anscheinend waren die Wächter verärgert, dass der Wilde ein Pferd mit dem Stadtwappen bei sich trug, war doch mit just diesem Pferd vor einigen Tagen der Steuereintreiber aus der Stadt geritten, der nun seit einiger Zeit vermisst wurde. Der Moha hingegen hatte das Pferd an sich genommen, nachdem er Zeuge des Mordes an dem Steuereintreiber durch einige Halsabschneider geworden war. Diese lokalisierte er in dem ehemaligen Fischerdorf Nasha, dass sich seit einiger Zeit jedoch neben der Fischerei ein zweites Standbein in der Piraterie geschaffen hatte. Gegen eine anständige Belohnung aus der Schiffskasse (die leider keine bunten Glaskugeln enthielt und somit um 10 Dukaten erleichtert werden musste) wurde das Pferd wieder in Stadtbesitz gebracht und für den Abend ein Essen mit der Kriegsprätorin und dem Moha ausgemacht, um ein mögliches Vorgehen gegen die Piraten zu planen. Da die Kriegsprätorin jedoch lieber ihre (unsere!) Männer auf den Mauern sah, lief der Plan auf das hinaus, auf das es immer hinausläuft: Die Gruppe würde, in Begleitung der Kriegsprätorin, Nasha auskundschaften und schauen, ob sich die Situation so lösen ließ. Während die Planung noch auf Hochtouren lief, näherte sich vor dem Wachhaus ein schmieriger Halunke Diago und ließ ihm einen Beutel mit 120 Dukaten zukommen für das Versprechen, dafür zu sorgen, dass der Schutzprätor bald seines Amtes enthoben werden würde. Im Gegensatz zu Tjalf, der einer solchen Bestechung mannhaft die Stirn geboten hatte, siegte hier jedoch die Goldgier und schnell hatte der ehemalige Smutje und aktuelle Hauptmann der Brandwache einige der Dukaten an seinen Untergebenen, den Oberbrandstifter gegeben, mit der Maßgabe, im Prätorviertel für Rabatz zu sorgen. Das Geld wurde dann an die eingeteilten Wachen verteilt, die von dem zusätzlichen Budget einge- und für den Schutz des besagten Viertels abgestellt worden waren mit der Maßgabe, sich dafür in der Nacht die Hucke vollzusaufen.

Entsprechend erstaunt war der Schutzprätor, als am Morgen ein entrüsteter Bediensteter des Kadis und Hafenmeisters auf der Matte stand und berichtete, dass es in der Nacht erneut einen Überfall im Viertel gegeben habe. Mit Hilfe der Wachliste waren die eingeteilten Wächter für die letzte Nacht bald herausgefunden und einige Schläge Tjalfs entlockten ihnen bald, dass sie vom Oberbrandstifter Geld bekommen hätten, um an diesem Abend wegzuschauen. Weitere Schläge folgten und alsbald gestand der Oberbrandstifter, dass er von einer vermummten Gestalt, etwa mittelgroßklein mit blondbraunen Haaren einen Beutel bekommen habe, um den Weg für eine Brandstiftung freizumachen. Weitere, von Schlägen unterstützte Nachforschungen förderten zutage, dass es keinen einzigen Brand in der letzten Nacht gegeben hatte und ein nun vollkommen enragierter Schutzprätor schmiss erst den Oberbrandstifter und, als er Widerworte von Diago bekam, auch diesen aus der Wache, um im selben Atemzug Tjalf zu seinem zweiten Hauptmannstitel zu verhelfen: Tjalf, Hauptmann der Ausbildung und der Feuerwache! Ausserdem wurde der bisherige Laufbursche, ein 12jähriges, magersüchtiges Klappergestell mit viel zu großen Zähnen, in die Feuerwache aufgenommen. Mit der Kleidung des ehemaligen Oberbrandstifters ausgestattet, die ihm nicht nur viel zu lang, sondern auch viel zu weit war, wurde er dann abkommandiert, auf den Türmen der Stadt zu wachen und die Bürger vor einfallenden Horden zu bewahren. Da die Untersuchungen beinahe den gesamten Vormittag angedauert hatten, war an ein Aufbruch in das 3 Tagesmärsche entfernte Nasha nicht mehr zu denken und die Expedition wurde auf den nächsten Tag verlegt.

Wieder kam es jedoch anders als geplant. Am nächsten Morgen, der Schutzprätor war gerade in der Stadt unterwegs, stürmten erneut Bedienstete in die Wachstube und berichteten von einem Brand beim Kadi. Der Hauptmann der Feuerwache reagierte, wie es ein guter Hauptmann tut. „Hat der Besitzer schon bezahlt?“ Auf die verneinende Antwort wurde entschieden, noch nicht zu löschen, sondern sich lediglich bereitzuhalten und mit Eimern und Pumpe bewaffnet in der Nähe des Brandes herumzulungern, bis genügend Dukaten den Besitzer gewechselt hatten. Gesagt, getan und schon standen ein halbes Dutzend Wächter um einen reich verzierten Kutschschuppen herum und schaute zu, wie die Kutsche, Stroh, Peitschen, Sättel usw. in Rauch aufging. Das Feuer dieses Brandherdes war jedoch nichts im Vergleich zum Feuer der Wut von Yuan, der in diesem Moment um die Ecke bog und sofort das Löschen einleiten ließ. Nachdem er beim ungehaltenen Kadi herumgebuckelt war und ihm 10 % der Sklaveneinnahmen versprach, um den Verlust zu decken, und somit zumindest ansatzweise den guten Mann zu beruhigen, schnauzte er danach die Wachen zusammen. Diese jedoch waren von einer Dämlichkeit, die ihresgleichen suchte und verstanden nicht (oder wollten nicht verstehen?) dass es keine gute Idee war, den Besitz des Mannes anzuzünden, der zwei Prätorenämter innehatte, der die Bank besaß und der zu einer der reichsten und mächtigsten Familie der Stadt gehörte. Die Klotzköpfigkeit der Wachen war so groß, dass sie selbst den Verlust ihrer Stelle (und damit ihrer Bezahlung) und schwere Leibstrafen, verabreicht von Tjalfs Fäusten, sie nicht dazu bringen konnten, auch nur für einen Heller nachzudenken. Aus diesem Grund wurde die 1. Yuan´sche Direktive aufgestellt: Brandstiftungen würden erst nach direkter Absprache mit ihm durchgeführt werden. Keine Alleingänge mehr! Erneut war der Vormittag vertan, so dass die Nashareise wieder abgesagt wurde. Doch der Tag war noch nicht zu Ende, nun kam es knüppeldick. Am Abend wurde Yuan zum Vogtvikar zitiert!

Die Begrüßung durch den obersten Phexgeweihten war mehr als frostig und auf seine Ankündigung, er habe ein ernstes Wörtchen mit Yuan zu reden, entschuldigte sich der Schutzprätor wortreich dafür, dass seine Brandwehr das Feuer so spät erst löschen konnte. In Zukunft würde das nicht mehr vorkommen, dafür würde er, Yuan, persönlich sorgen. Interessiert hob der Vogtvikar eine Augenbraue. „Ein Brand? Wie interessant, wo hat es denn gebrannt? Davon wurde mir nichts berichtet…“ Yuan lief weiß an, doch Myrmidion und Yuan sprangen rasch in die Bresche. „Jaaa… bei der Übung… Genau, das Strohfeuer… um die Arbeit der Feuerwache einschätzen zu können. Jaaa, die waren etwas langsam, das wird jetzt geübt werden müssen… So ist es!“ Dies schien den Geweihten zufrieden zu stellen, dennoch ging nun ein Donnerwetter auf Yuan nieder. „Wie ich hörte, seid ihr nicht in der Lage, die Stadt und ihre Bewohner zu schützen. Erst gestern kam es zu einem Zwischenfall im Prätorenviertel. Ausserdem scheint ihr es zu eurer Aufgabe gemacht zu haben, die Wache systematisch untauglich prügeln zu lassen. Von der Kriegsprätorin bekam ich bereits Beschwerden, dass ihr Personal kaum noch in der Lage sei, die Mauern zu bemannen. Und was euch geritten haben mag, ihr einen 12 jähriges Bürschchen zu schicken, das nun auf den Mauern Soldat spielt, das wissen die Götter allein. Ich frage mich langsam, ob ihr wirklich der richtige Mann auf der Position seid. Was habt ihr in Bezug auf die verschwundenen Steuereintreiber unternommen? Hier liegt einiges im Argen, wie mir scheint. Ihr solltet anfangen, euren Kram unter Kontrolle zu bekommen, ansonsten könnte es sein, dass ihr euren Titel verliert… vielleicht sogar euren Kopf… Und nun entfernt euch!“ Wie geprügelte Hunde schlich die Gruppe aus dem Raum und war nicht einmal mehr in der Lage, einzuwenden, dass sich die Steuerbeamten bei deren Verschwinden ausserhalb der Stadtmauer und somit im Kompetenzgebiet der Kriegsprätorin aufgehalten hatten.

Pro:
– Es gab keine Verluste an Menschenleben

Contra:
– Nicht nur die niederen Chargen (Bankangestellte, Sekretarius, Oberbrandstifter) sondern auch die höheren Ränge (Spiele- und Würfelprätor, Kriegsprätor, Kadi, Vogtvikar) sind von den Handlungen des Schutzprätors genervt. Ideale Voraussetzungen für eine ruhige Amtszeit!
– Unter den Wachen gibt es nicht einen, der einen IQ über 99 hätte

Südmeerkampagne 23. Kapitel – Yuan ermittelt

Ort der Handlung: Chorhop (kein Scheiss!)
27. Efferd – 6. Travia
Ein Budget, das so rot ist wie ein Pavianhintern; Gardisten, deren Arbeitsmoral der von Nacktschnecken gleicht und ein ungelöster Mordfall an einer Traviageweihten, wegen dem der Bürgermeister der Stadt quasi täglich im Büro des Schutzprätors nach dem Stand der Dinge fragte: die Lagen war rosig für unsere Gruppe. Prioritäten mussten gesetzt werden, um das Schlamassel zu ordnen. Der erste Besuch erfolgte daher bei dem großen Trom, seines Zeichens Würfelmeister Chorhops. Schnell war man mit ihm handelseinig, dass ein strategisch geschickt im Aufenthaltsbereich der Gardisten aufgestellter Würfeltisch dabei helfen würde, den Lohn unserer Angestellten, den wir leider zahlen mussten, zügig in unsere und des Würfelmeisters Schatzkiste umzuleiten. Eine 60 zu 40 Verteilung der Einnahmen schien gerecht, stellte doch Trom einen Würfelknecht, der Tag und Nacht nichts anderes tun würde, als den Wächtern das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Nachdem dieser wichtige Teil der Ermittlungsarbeit abgeschlossen war, wurde als nächstes das Problem des ungedeckten Budgets angegangen. Da bei einem Besuch auf der Wache erneut ein Haufen nichtsnutziger, herumtorkelnder Biertrinker angetroffen wurde, machte Tjalf mit klarer Befehlsstimme (die auch am Hafen noch gehört werden konnte… also am Hafen von Brabak…) deutlich, dass ein derartiger Schlendrian rasch zur Freisetzung der entsprechenden Personen führen würde. Und das Arbeitszeugnis würde in diesem Fall viele unschöne Formulierungen enthalten! (Hat sich stets bemüht, einen schlechten Gardisten zu imitieren…). Der Plan war, 10 der überflüssigen zu stopfenden Mäuler zu entlassen, so dass sich ein kleines Plus von 20 Dukaten im Monat ergeben würde. Tjalf notierte auf seiner geistigen Liste bereits die vorwitzigsten Naseweise und machte sich dann mit dem Rest der Gruppe auf, den unwichtigsten Punkt auf der Tagesordnung abzuhaken: Die Mordermittlungen. Erst wurde die Wohnung der (Ex-)Traviageweihten besucht, dann das Traviahospiz, in der sie gearbeitet hatte. Dort wurden zahlreiche falsche Fährten gefunden, befreundete Akoluthen und schwerhörige alte Nachbarsgroßmütterchen (liebevoll „Blockwärterinnen“ genannt) befragt und im Allgemeinen von Hü nach Hott gelaufen. Kurzzeitig vermutete man über einen uralten Tattergreis, der sich als Vater des Kadis Balphemistos herausstellte, eine Verwicklung dieser illustren Familie in den Fall, aber auch hier verlief die Nachforschung bald im Sande. Eine nächste Fährte wurde ebenfalls kalt, als die tumben Ermittler endlich verstanden, dass die Traviageweihte ein Frauenhaus unterhalten hatte. Aber auch ein prügelfreudige Ehemann konnte als Täter ausgeschlossen werden. Da seine Frau ihre dauerndes „Die Treppeherunterfallen und gegen die Türlaufen“ nicht anzeigen wollte und sich auch kein Geld aus der Sache herausschlagen ließ, verzichtete die Wache auf eine Anzeige, Tjalf behielt es sich jedoch vor, sein Auge auf dem Prügelschuster zu halten, um etwaige Exzesse rechtzeitig mit Konterprügel zu unterbinden.

Mittlerweile war man relativ frustriert von dem fruchtlosen Herumgelaufe, das ausser Blasen nicht auch nur einen müden Silbertaler eingebracht hatte. Weitere Investigationen im Altenheim waren extrem nervig ob der Starrköpfigkeit der Bewohner, doch schließlich zauberte die Gruppe irgendwo einen Schlüssel hervor, der zu dem Bankschließfach der Traviageweihten führte. Und siehe da: dieses war reichlich gefüllt mit den Spendengeldern der letzten Jahre: Wohl an die 1000 Dukaten lachten aus der Kiste hervor zusammen mit einem Gewinnerrubellos der Chorhoper Rubelloslotterie. Leider wollte der engstirnige Bankangestellte diese Beweismittel jedoch nicht herausrücken und nach einem letzten sehnsuchtsvollen Blick auf die Edelsteine, verschwanden diese wieder in ihrem dunklen Gefängnis und wir Liebenden wurden brutal voneinander getrennt. Noch einmal wurde die Blockwärterin befragt, und endlich erinnerte sich die zahnlose Vettel an einen buckligen Mann, der in der Mordnacht an dem Haus herumgelungert hatte. Und dieser war am nächsten Tag anscheinend in das Haus eingebrochen und hatte dort etwas gesucht. Der Stein kam endlich ins Rollen, denn der Hospizgeneral teilte uns nun mit, dass Freund Buckel angeblich der Vater der Geweihten sei und nach den Hinterlassenschaften seiner „Tochter“ gefragt hatte. Yuan zeigte sich von seiner weichsten Seite und ließ sofort in der Stadt herumfragen, ob ein Horasier (denn aus diesem unzivilisierten Landstrich stammten die Geweihte) sich in einer der Schenken eingemietet hatte. Auch nach mehrmaligem Erklären der Situation wollte er erst nicht einsehen, dass es sich bei diesem Unbekannten NICHT um den Vater handelte, sondern wohl eher um den Mörder, einen dahergelaufenen Spitzbuben, der irgendwie von den 1000 Dukaten erfahren hatte und sich diese nun unter den eingewachsenen Nagel reissen wollte. Ein genialer Plan wurde ersonnen, bei dem sämtliche Wächter verkünden sollten, man habe eine weitere Wohnung der Getöteten gefunden. Dort legte sich das Einsatzkommando auf die Lauer, in der Hoffnung, dass Buckelpeter dort nach Los und Geld suchen würde. Eine langweilige Nacht später traf am nächsten Morgen die Nachricht ein, dass sich wohl jemand im Hospiz am Lagerraum zu schaffen gemacht hatte! Der Mörder war wohl dort tätig geworden, während wir uns in dem leerstehenden Haus herumgelangweilt hatten. Für den nächsten Tag wurde eine Wache im Hospiz abgestellt und aus nun nicht mehr so wirklich nachvollziehbaren Gründen kampierten die Helden erneut in der Wohnung (vielleicht lag es an der schönen Aussicht auf einen Misthaufen? Oder dem angenehm splitterigen Fußboden, auf dem wir übernachten mussten? Eventuell war es auch der ohrenbetäubende Krach den die benachbarten Kinder bis in die Puppen machten oder eine Kombination aus allem, die uns diese Unterkunft so ans Herz wachsen ließ.). Ein weiterer Bote berichtete nach der erneut lahmarschigen Nacht, dass der Wächter niedergeschlagen worden war. Wieder hatte Buckelmann zugeschlagen, aber wohl immer noch nicht gefunden, was er gesucht hatte. Wie auch, besaßen wir doch den Schlüssel zum Bankfach! Nach diesem erneuten Wink mit dem Zaunpfahl wurde noch einmal sämtliches Personal und die Einwohner des Hospizes ausgequetscht und nach langen Verhörrunden fiel den Leuten dann doch tatsächlich ein, dass ein buckliger Mann mittleren Alters sich in der Tat regelmäßig hier herumtrieb und zwar in Gestalt des Losverkäufers der Chorhoper Rubelloslotterie. Mit eiserner Miene verzichtete die Gruppe darauf, hier und sofort ein Exempel zu statuieren und sämtliche Anwesende aufgrund von gesetzeswidriger Dummheit schulterhoch in Schweinedung zu stecken sondern investigierte lieber im Phextempel, dem Heim der Chorhoper Rubelloslotterie. Bald schon kam ein buckliges Männchen hereingebuckelt, wurde von Nostromo und Tjalf unter den Armen gepackt und ehe es noch „Garantierter Gewinn“ sagen konnte, in eine Zelle geschafft. Yuan schwätzte in Rekordzeit ein Geständnis aus dem Mann heraus und der Fall war abgeschlossen.

Anscheinend hatte die gute Traviageweihte das Los von einem ihrer Schützlinge an sich genommen und, da die demente Frau sich nicht wehren konnte, das Geld eingestrichen. Der Losverkäufer hatte das Abholen des Gewinns mitbekommen und sie dann daheim aufgesucht. Eifrig bemüht, das Versteck des Schatzes durch munteres Würgen aus ihr herauszubekommen, hatte er ihr blaues Anlaufen und die rollenden Augen als eine Art Richtungsangabe interpretiert. Erst bei „und dann 100 Meter reeeeeeeeeeeeeeee…“ hatte er kapiert, dass „Aufhören zu Atmen und ruhig daliegen“ nicht bedeutete, nach rechts zu gehen, doch da war es schon zu spät: die Gute hatte den Löffel abgegeben. Bevor er jedoch das Haus durchsuchen konnte, war der Morgen herangebrochen und er hatte fliehen müssen.
Zufrieden klatschte der Schutzprätor in seine Hände und meldete dem Kadi die erfolgreiche Verhaftung. Dieser setzte auch umgehend einen Termin für die Gerichtsverhandlung irgendwann in den nächsten Monaten an.

Währenddessen näherten sich zwei Novadis Tjalf, der vor der Wache herumlungerte. Anscheinend waren sie nicht so begeistert von Yuans Nachfragen bezüglich des Mordes an dem Schreiner im Novadiviertel und versprachen dem Thorwaler nun einen Haufen Dukaten, wenn dieser dafür sorgen würde, dass Yuan sein Amt als Schutzprätor nicht mehr würde ausführen können. Der ehrliche Thorwaler verweigerte jedoch die Annahme des Geldes und wurde sogar ausnahmsweise ein wenig wütend über diesen Bestechungsversuch. Nachdem sich die beiden mit ominösen Prophezeiungen und bösen Blicken getrollt hatten, ließ Tjalf seinen Ärger an den Wächtern aus. Insgesamt 6 der Wächter hatten sich nicht zum Appell eingefunden und landeten damit automatisch auf dem Schleudersitz. Von den restlichen wurden dann direkt ein angetrunkener Mittelreicher frech und kam damit, vollkommen überraschend, bei Tjalf nicht sonderlich gut an. Ruckzuck flogen die Fäuste, doch war es Glück oder Können? Jedenfalls musste Tjalf einige böse Treffer einstecken und blutete bereits aus mehreren Kratzern im edlen Antlitz. Während sein Gesicht rot und röter wurde, fixierte er schließlich das Kinn seines Gegners, ließ einmal die mächtige Rechte kreisen und schickte den impertinenten Aufrührer dann mit einem Hieb ins Reich der Träume. Dampf quoll aus seinen Ohren, als er sich zu den restlichen Wächtern umwendete. „Hat noch jemand etwas Schlaues zu sagen? Hä? Nein? Hatte ich mir gedacht. 30 Minuten Strafexerzieren im Innenhof, aber zackzack!“. Nummer 7 auf der Entlassungsliste stand daraufhin auch fest („Alrik beherrscht den Zahlenraum von 1 bis 10 beinahe fließend und schafft die 100 Meter in kaum über 1 Minute“) und nach dem Exerzieren wurden die 3 langsamsten Krücken ebenfalls schwungvoll vor die Tür gesetzt. Der Haushalt war somit ausgeglichen! Leider würde die angespannte Personallage dazu führen, dass das Viertel der Zahlmeisterin, die uns die Mittel um 20 % gekürzt hatte, nur noch sehr spärlich von der Wache würde frequentiert werden können… Aber irgendwelche Opfer müssen nun einmal gebracht werden.

Während sich die Gruppe also schon auf das dumme Gesicht der Frau freute, tauchte noch ein dicker Moha auf der Wache auf und drückte dem Schutzprätor einen Sack Dukaten in die Hand, wenn dieser versprach, die Horak Prakaka Plantage und die dazugehörigen Werkstätten nicht aufzusuchen bzw. bei dem fälligen Steuerbesuch nicht zu sehr unter die Lupe zu nehmen. Natürlich willigte der integre Yuan ein und der Beutel verschwand in der nimmersatten Schifskasse.

Pro:
– Das Budget ist ausgeglichen
– Verschiedene Leute machen uns darauf aufmerksam, dass wir wegschauen sollen und geben uns dafür Geld. Ohne ihre freundliche Mithilfe wären wir nie darauf gekommen, dass dort etwas zu holen wäre
– Der Mörder ist gefasst
– Wir wissen, wo 1000 Dukaten liegen

Contra:
– Bei 20 Dukaten Überschuss im Monat kommen wir in dem Jahr nicht einmal auf die 1000 Dukaten Lospreis, geschweige denn die zighundert Dukaten, um Myrmidion freizukaufen
– Der Bankangestellte will die 1000 Dukaten aus dem Bankfach der Geweihten nicht rausrücken. Hier gilt es wohl, eine falsche Schnottenbremse zu kaufen und sich als Bruder der Verstorbenen auszugeben

Südmeerkampagen 22. Kapitel – There is a new Sheriff in town

Ort der Handlung: Chorhop
26.-27. Efferd
Als der Gruppe endlich aufgegangen war, dass Myrmidion abhanden gekommen war, machte sie sich flugs auf, den Aufenthaltsort des kleinen Zyklopäers zu bestimmen. Nachdem man dem örtlichen Phexgeweihten zugestanden hatte, eine Glücksspielmaschine im Wachraum aufzustellen, rückte dieser die Adresse des Wesirpalastes heraus. Tränen der Freude standen in den Augen Tjalfs, als er im Eingangsbereich Myrmidion erblickte, der Kunststückchen für die Gäste des Wesirs aufführte. Aus irgendeinem Grund kam es dann jedoch bald zu einem Handgemenge zwischen den beiden, das sich rasch zu einem ausgewachsenen Faustkampf ausweitete. Die Palastwachen, eine Gelegenheit für zusätzliches Geld im Blick, eröffneten sofort eine Wettbude und bald fieberte der ganze Raum mit den beiden Kämpfern mit. Obwohl Myrmidion mit seinen Ringertricks an dem Thorwaler hing, wie eine Klette, schaffte dieser es schließlich dank seiner enormen Körperkraft seinen Gegner übel anzuschlagen. Zurückgehalten von Nostromo und Yuan beruhigte er sich wieder, doch da initiierte Myrmidion in der Tradition der großen Selbstmörder eine zweite Runde, die für ihn noch weniger gut ausfiel. Blutüberströmt und mit schiefer Nase ging er schließlich zu Boden, just in dem Moment, als sein Besitzer in den Raum kam. Einiges Herumgebrülle, Vorwürfe und Beschwichtigungen später wurde Tjalf doch nicht wegen Beschädigung der Ware angeklagt, Myrmidion eine Woche die Annehmlichkeiten gestrichen und die nun wieder zusammengeführte Gruppe verzog sich rasch aus dem Palast, bevor sie noch den Abwasch für den Monat aufgebrummt bekommen würde.

Gegen Abend waren sämtliche Prätoren inklusive ihrer Sekretäre zur Almosarin, Zeradria Du Beryllis eingeladen. Angesichts der Tatsache, dass diese Dame die Budgets sämtlicher Prätoren festlegte, war eine ganze Menge Arschkriecherei zu erwarten und so machte sich der neue Schutzprätor Yuan mit seinen Hauptmänner auf zum Palast. Dieser bescheidene Rundbau wartete mit 10 Luxushöfen auf, durch die die staunenden Besucher geführt wurden. Ein Dschungelhof, ein Keramikhof, ein Hof mit einem Garten, in dem eine 7 Meter hohe fleischfressende Pflanze gerade ihr Abendbrot in Gestalt einer Elefantenkuh zu sich nahm und noch viele weitere Wunder erwarteten die Gäste. Aufgrund der langen Schlange vor der Loopingrutsche im „Wasserspaßhof“ dauerte es eine Weile, bis sämtliche Gäste an den Tischen Platz genommen hatten. Während die Prätoren an einer großen Tafel aus Mahagoniholz speisten, drängelten sich die restlichen, unwichtigeren Gäste am Kindertisch und mussten beim Essen irgendwie ihre Knie hinter den Ohren verstauen. Nicht zuletzt die winzigen Stühlchen waren der Grund dafür, dass regelmäßig Sekretäre mit wichtigen Mienen zu ihren Prätoren rüberschlörten, ihnen irgendetwas zuflüsterten und dann mit bedeutsamen Blicken zurück an den Miniaturtisch kamen.

Nach dem 7. Gang der bescheidenen Mahlzeit hub der Vogtvikar (Der oberste Phexhoncho der Stadt) Adnan Zephorika an, eine Rede zu halten und wie so üblich, konnten sich die Prätoren diese Gelegenheit nicht entgehen lassen, auch ihrerseits Herumzuschwafeln. Erst stellten sich die verschiedenen Prätoren daher langatmig vor, um dann ihr Programm für das nächste Jahr zu präsentieren (Lockerung des Kündigungsschutz, Rückzug der Truppen aus Alanfanistan, Reform des Gesundheitswesen). Ein Gutes hatte das ganze jedoch: man bekam alle Prätoren noch einmal zu sehen und erfuhr mehr darüber, was diese Nasen eigentlich machten. Die Wehrprätorin war Tatonka Patalatankada, eine hart aussehende Mohafrau, zuständig für die Stadtmauern, Tore und das Kriegsministerium, Leon Pestero war der Spieleprätor und als solcher für die Elefanten zuständig. Bläphemisto hatte es irgendwie geschafft, sowohl Kadi als auch Hafenmeister zu werden, während Rastafan ibn Tamullah der Zollprätor und der große Trom, eine vertrauenserweckende Gestalt mit verfilztem Zauselbart und Hakenhand der Würfelmeister war. Achso, irgendwo stand auch noch ein verrückte Katzenoma auf und wäre fast von uns aus dem Saal geschmissen worden, bevor sich herausstellte, dass sie die Kloakenprätorin war. Das Lachen über diesen albernen Titel erstickte jedoch sofort in den Hälsen, als klarwurde, dass zu ihren Aufgaben auch die Verteilung von Süßwasser gehörte… Wer schon einmal versucht hat, eine Woche nur Salzwasser zu trinken, weiß, wie wichtig ein derartiger Posten ist und so wurde beschlossen, es sich mit der verrückten Alten nicht zu verscherzen. Glücklicherweise waren vom Vogtvikar vorher noch einmal die Aufgaben des Schutzprätors präzisiert worden, so dass Yuan, als er an die Reihe kam, nun nicht wie ein Gimpel dastand, sondern ganz klar sein Jahresprogramm darlegen konnte. Der Schutz der Stadt, ihrer Einrichtungen und Feste, das wäre sein oberstes Ziel und als Mittel zur Durchführung dieser hehren Ziele standen Patrouillengänge, die Jagd auf Verbrecher, das Durchsetzen von Beschlüssen und natürlich die Bekämpfung von Bränden auf der Liste. Beifällige Stille folgte auf diese berührende Rede („Ich habe einen Traum, dass unsere Nachfahren eines Tage ein brennendes Haus haben und die Feuerwache steht mit ihren Eimern bereit!“). Soweit war alles eitel Sonnenschein, doch dann kam der Paukenschlag, der wohl bei jedem Fest zum guten Ton gehörte. Und nachdem die Kapelle mit ihrem Stück fortfuhr, folgte dann auch noch die Ansage der Almosarin: sämtliche Ausgaben würden um 20 Prozent gekürzt werden. Obwohl das Orchester unverdrossen weiterspielte, konnte man das Rattern in den Köpfen der Prätoren hören. 20 Prozent? Wääh? Alles Geschimpfe und Genörgel half jedoch nicht weiter. Die sture Almosarin blieb hart und verliess alsbald die Runde, ohne vorher auch nur ansatzweise anzudeuten, was sie mit den so monatlich gesparten 1000 Dukaten vorhatte, anzustellen. Doch mit dieser schlechten Nachricht war der Abend noch lange nicht vorbei, Phex bewahre! Der Vogtvikar richtete noch die bescheidene Bitte an Yuan, sich doch um den Fall der unlängst ermordeten Traviageweihten zu kümmern. Dies sei kein Befehl, ganz und gar nicht! Aber der Mord sollte doch besser bald aufgeklärt sein, sonst.

Sonst! ist immer eine gute Motivationshilfe, daher brachen wir bald auf zur Wache und überprüften dort die Lage der Gardisten. Diese befanden sich in unterschiedlichen Stadien der Betrunkenheit, so dass Yuans Investigation, warum die Novadis für diese Nacht um Nichteinmischung gebeten hatten, auf gewisse Schwierigkeiten stieß. Yuidoso, genannt „Die Stimme“, war ein typischer Vertreter der glorreichen Chorhoper Stadtwache. Ein dicklicher, unbeholfener Mann mit bereits 2 Bieren im Körper und einer feinen Nase für Bestechungen war zusammen mit der erste 17jährigen Fiorella in dieser Nacht im Novadiviertel auf Streife gewesen, hatte jedoch nichts bemerkt. Nachdem Drillhauptmann Tjalf den verlotterten Burschen angeschnauzt hatte, wurde Fiorella noch einmal privat im Büro vernommen und sie berichtete, dass es Tumult in einem Haus gegeben hatte. Zwei vermummte und mit Schwertern bewaffnete Männer waren aus dem Haus gestürmt, hatten Yuidoso einen Beutel mit Geld vor die Füße geworfen und waren dann verschwunden. Erzürnt darüber, dass sie von diesem Bestechungsgeld nichts abbekommen hatten, wurde der Dicke wieder heranzitiert und von Tjalf und Yuan zur Sau gemacht. Das Bestechungsgeld wurde einkassiert und in die Schiffskasse getan, lediglich 4 Dukaten sollten an Fiorella als Belohnung gehen, landeten jedoch aufgrund von bürokratischen Hürden und allgemeinen Hindernissen im Geldbeutel von Nostromo.
Aufs äußerste enragiert hielten Yuan und Tjalf der versammelten Truppe eine Standpauke und setzten eine Exerzierübung für den nächsten Morgen um 10 Uhr an. Danach wurden die Gardisten Fiorella und Godero, ein thorwalscher Hüne, abkommandiert, mit ins Novadiviertel zu kommen, um den Tumult aufzuklären. Es stellte sich heraus, dass im Zuge des Tumults der Besitzer des Tumulthauses umgekommen war. Während die Hauptmänner das Haus des ehemaligen Töfpers nach Spuren durchsuchten, befrug Myrmidion die Nachbarn nach verdächtigen Vorkommnissen in der Nacht. Die Nachbarn waren jedoch ähnlich hilfreich, wie ein Nashorn beim Häkeln und benahmen sich, wenn sie nicht gleich vortäuschten, Myrmidions Sprache nicht zu verstehen, recht unhöflich. „Ich komme wieder mit meinen Freunden!“, kläffte der Zyklopäer und tauchte kurz darauf mit seinen großen Freunden erneut bei den Nachbarn auf. Diesmal waren sie etwas höflicher, hatten jedoch trotzdem nichts gesehen oder groß gehört und konnten nicht sonderlich weiterhelfen. Wenigstens wurden ihnen bzw. dem Hairan, dem örtlichen religiösen Oberhaupt der Novadis, die Aufgabe aufgedrückt, sich um den Leichnam zu kümmern, so dass wir diesen Ballast wenigstens nicht mehr am Hals hatten. Da es mittlerweile recht spät war, bildete Yuan lediglich noch die Einsatzgruppe Traviageweihtenmord (bestehend aus Fiorella, Godero und dem generischen Alrik) und ging danach zu Bett.

Am nächsten Morgen um halb 10 war lediglich eine von sechs eingeteilten Wachen auf ihrem Posten im Gardistenhaus, so dass Tjalfs Zornesadern wieder mächtig ins Pochen kamen. Als schließlich die verlotterte Bande komplett angetreten war, bekam sie entsprechend einen Einlauf vom Hauptmann und dem Prätor und durfte im Anschluss eine Stunde sportliche Betätigung durchführen. Nach der ganzen Schwitzerei traf sich der neue Hauptmann der Feuerwehr, Diago, mit dem obersten Brandstifter der Wache und lotete aus, wie sich etwas Geld nebenher und in die eigene Tasche verdienen lassen würde. Währenddessen erörterte der Rest, dass Budget (560 Dukaten) und Ausgaben (630 Dukaten) leider gewisse Diskrepanzen aufwiesen und wie sich diese Unterschiede würden lösen lassen, doch bevor Pläne festgelegt werden konnten, kam der Abspann.

Pro:
– Tjalf als Schleifer könnte aus der Gurkentruppe einen Elitehaufen machen („Ein paar Schläge von TJalf und die Welt sieht gleich anders aus!“)
– Mit einer Elitetruppe könnte sich mehr Geld verdienen lassen

Contra:
– Aktuell sieht es nicht so aus, als ob sich in dem Jahr auch nur die 1000 Dukaten Loseinsatz wieder einsammeln lassen, geschweige denn von genügend Geld für ein hochseetüchtiges Schiff

Südmeerkampagen 21. Kapitel – Seines eigenen Glückes Schmied (oder seines Pechs)

Ort der Handlung: Sehr viel Südmeer, Al Anfa, noch einmal Südmeer, Chorhop
3. – 25. Efferd

Die letzte Folge hatte damit geendet, dass wir auf einem Sklavenschiff mitten in der Nacht fluchtartig Charypso verlassen mussten, gejagt vom ebenso bösartigen wie gemeinen Oberadmiral Dolgor Trollolol. Die Reise auf der gemütlichen „KRAKON“ war relativ unspektakulär. Verröchelnde Sklaven, eine Peraineakoluthin, die von der Besatzung aus einem Kloster geraubt worden war und sadistische Aufpasser trübten die heitere Stimmung kaum. Lediglich Myrmidion, immer nach einer Gelegenheit witternd, bei der Akoluthin zu punkten und, bei Erreichen von 100 Punkten, in ihrem Bett zu landen, machte es sich zur heroischen Aufgabe, die pestverseuchten Sklaven zu retten. Unsere gute Kapitänin Eisenhand, bewandert in der Heilkunde von Krankheiten, hatte als einzige Maßnahme gegen die Ausbreitung der von ihr als „Sumpffieber, oder Dschungelfieber oder Windpocken, könnte auch Cholera oder Reizmagen sein“ diagnostizierten Krankheit das Überbordwerfen der Erkrankten als einzige Heilmethode mit Aussicht auf Erfolg im Portfolio. Mit Engelszungen und dem Einsatz einiger Dukaten konnte sie jedoch überzeugt werden, dass einige Heilkräuter die Sklaven retten würde und so landeten lediglich die üblichen 10 Prozent im Magen der hungrigen Haie, während der Rest der Ladung wohlbehalten in Al Anfa ankam und dort gesundgepflegt wurde. Die nervliche und körperliche Anstrengung erhöhte jedoch das Limit auf über 1000 Punkte und Myrmidion musste ganz alleine in seinem Bettchen schlafen.

In Al Anfa wurden die 100 Dukaten Überfahrtgebühr ohne Wimpernzucken gezahlt (niemals kam die Idee auf, einfach von Bord zu verschwinden und nicht zu bezahlen, niemals!) und alsbald der Rest des bitter erworbenen Geldes in das umgesetzt, was jeder dringendst brauchte: glänzende, scharfkantige, messerscharfe Waffen! Mehrere Wochen war Senora Forjadora, die aventurienweit bekannte Schmiedin Al Anfas beschäftigt, dann hielten Yuan (Amazonensäbel), Myrmidion (Langdolch) und Nostromo (Streitaxt) ihre neuen Mordwerkzeuge in den Händen, liebkosten und spielten mit ihnen und gaben ihnen zärtliche Kosenamen.
Eingedenk des schlechten Abschneidens beim Faustkampf liess sich auch Tjalf etwas feines zusammenschmieden und hatte so bald einen Handschmeichler auf den Fingern, der seinesgleichen suchte. Auf die Durchschlagskraft seines Schlagrings schauten Keulen, Schwerter, ja sogar Dschungeltiger und der ein oder andere Bär mit neidischen Augen.

Doch wie sollte es weitergehen? Zwar war noch eine ganze Stange Geld in den Taschen der Gruppe geblieben (trotz aller Bemühungen, das Gold rasch in die Tasche der Schmiedin zu transferieren), aber für ein richtiges Schiff würde das doch nicht reichen. Also wurde ein mehrstufiger Plan geschmiedet, wie so oft.
Schritt 1: Reisen nach Chorhop. Schritt 2: Bei der dortigen Lotterie gewinnen und ein Jahr eines der Stadtämter übernehmen Schritt 3: Profit!

Gesagt, getan, innerhalb von einer Woche war die Bagage in Chorhop und rätselte darüber, wie wohl der Name der Stadt auszusprechen wäre. Korhopp? Schorhopp? Körhopp? Körhoop? Einige wurde man sich nicht und auch die Einwohner hatten nicht die geringste Ahnung. Falls wirklich eines der Stadtämter an uns fallen würde, wäre eine der ersten Amtshandlungen wohl der Antrag auf eine Umbenennung der widerspenstigen Stadt. Irgendwas knackiges, ohne Interpretationsmöglichkeit. KARG… ja, der Name hatte etwas.

Zuvor galt es jedoch, sich ein Los für die Lotterie zu kaufen und sich über die Modalitäten der Ziehung zu informieren. Im schönen Tempel des Phexs (oder Feqs in der einheimischen Schreibweise), dem Gott der Händler, Diebe und Spiele erklärte uns einer der Geweihten freudig die Regeln. Einmal im Jahr würden die 9 Stadtämter verlost werden, dazu mussten Lose für 1000 Dukaten gekauft werden. Am entsprechenden Tag würde die wunderbare Maren Gilzer 9 Elfenbeinlose aus dem Füllhorn ziehen und die Gewinner hätten ein Jahr lang Zeit, die Stadt auszuplünder… der Stadt und ihren Bewohnern zu unermesslicher Blüte zu verhelfen.

„Es gibt 9 Ämter in dieser Stadt, die verlost werden. Das erste Amt ist der Schutzprätor. Das zweite Amt…“ Verständnislose Blicke von Nostromo. „Was ist ein Schutzprätor?“ „Der Schutzprätor beschützt die Stadt und die Bürger im Inneren. Er sorgt für die Einhaltung der Gesetze. Das zweite Amt ist der Kadi, das dritte…“ Mehr verständnislose Blicke. „Was ist ein Kadi?“ „Der Kadi hält Gericht und spricht die Urteile. Das dritte Amt ist der Wehrprätor. Das vierte… „Was macht der Wehrprätor?“ Mittlerweile war das Lächeln des Phexgeweihten bereits etwas angestrengt, dennoch fuhr er höflich fort. „Der Wehrprätor verteidigt die Stadt gegen äußere Gefahren. Der vierte Prätor ist der Kloakenprätor. Der fünfte…“ „Was macht der Kloakenprätor?“ Die folgende Erklärung kam sehr kurz (er kümmert sich um die Kloake, Abwässer usw. der Stadt) und im Anschluss redete der Geweihte viel schneller und gab zu jedem der restlichen Ämter sofort eine Erklärung ab. Daran sieht man wieder, wie gewitzt die Diener des Fuchses sind, selbst subtilste Hinweise auf die Unterbelichtetheit der Zuhörer bemerken sie sofort und stellen sich auf deren geistiges Niveau ein! Des weiteren gab es noch den Zeremonienprätor, der für die Organisation von Festen zuständig ist, einen Buchhalter, der die Gelder für die anderen Abteilungen einteilte, der Hafenprätor, der für das Sammeln von Kokosnüssen zuständig ist (HA, kleiner Test! Natürlich war er für Zölle und Hafenangelegenheiten zuständig) und noch irgendwer, dessen Funktion mir gerade nicht einfällt.

Nach etwas Gefeilsche warfen Yuan, Tjalf und Nostromo 1000 Dukaten zusammen, und erwarben so Anteile von 50/25/25 Prozent an einem Los mit der Nummer 61. Myrmidion hatte nicht soviel Geld und entschied sich, einfach seine Freiheit einzutauschen. Er bekam das glücksverheissende Los mit der Nummer „Niete“. Bei der großen Ziehung schrammten wir glücklicherweise am Toilettenprätor vorbei, leider allerdings auch am Hafenprätor, am Wehrprätor, am Kadi, am Partyprätor, am Buchhalter… so langsam gingen die Prätorenstellen aus! Jammern und Wehklagen machten sich breit, da zog Maren Gilzer die letzte Nummer… die 19! Zonk! Unruhe machte sich unter den zahlreichen Schaulustigen breit, als niemand mit dieser Nummer auftauchte. „Schiebung, Schwindel!“ ertönten die Stimmen von unbeteiligten Zuschauern, die sich verdächtig nach Tjalf und Yuan anhörten. „Ach, ich Dummmerchen!“, kicherte das Dummerchen auf der Bühne. „Da habe ich den Zettel doch falsch herum gehalten! Es ist natürlich die Nummer 1 über 9!“ Doch auch dieses Los hatte niemand, ebensowenig wie 9 über 1. Da, endlich!, als die Stimmung schon hochkochte, einigte man sich auf 61 und sofort schoss Yuan lässig und locker zum Podium und pflanzte sein Hinterteil auf den Sessel des Schutzprätors, während Myrmidion mit seinem Nietenlos flugs mitsamt anderer Unglücklicher in einen stickigen Nebenraum geführt wurden. Der Rest des Abends und der Nacht verschwamm in einer Wolke aus Essen, Alkohol, Glücksspiel und Gelächter, so dass niemand am nächsten Morgen beim Aufwachen wusste, wie er dorthingekommen war, wo er nun gerade lag.

Tjalf, Diago und Nostromo erwachten in schicken Räumen auf angenehmen Matratzen, Yuan auf einer Art weichem Marktplatz, der sich jedoch bald lediglich als ein sehr, sehr großes Bett herausstellte. Nach mehreren Minuten Fussmarsch hatte er das Ende seines Bettes erreicht und stand nun vor seinem Haushofmeister, der ihn einkleidete und unterhielt. Eine Tour durch das Haus wurde gemacht und die Gefährten exklusive Myrmidion erkannten, dass sie in einer luxuriösen Villa, dem Heim des Schutzprätors untergebracht waren. Noble Gästezimmer, ein weites Esszimmer, ein Arbeitszimmer komplett eingerichtet mit Schreibtisch und kleinen Moha- sowie Elefantenfiguren, dazu eine gutausgestattete Küche, die Herzen der heruntergekommenen Seeleute schlugen höher. Lediglich der erste Stock wollte uns von dem schlawinerigen Hofmeister nicht gezeigt werden, der abwiegelte, dort oben befänden sich bloss die einfachen Unterkünfte der Sklaven und Bediensteten. Es sei viel zu heiß dort für die hohen Herren, die Treppe ausserdem wackelig und überhaupt die Stufen recht schief und mit Splittern übersät… Während er uns wortreich die Unannehmlichkeiten des oberen Stockwerks schilderte, rappelte der Domestik unauffällig an einer Schnur an der Decke und verdächtiges Krachen war von oben zu hören. Schließlich war es Yuan zu viel und die Gruppe stapfte erbost nach oben. Dort hatten die Sklaven ihr Schwimmbad, den Raucherraum, das Spielzimmer, die Massagesitze, die Sofas und Zigaretten jedoch in der Zwischenzeit versteckt und lümmelten nun auffällig unauffällig auf Strohmatten herum und taten so, als ob sie sich hier so unangenehm fühlten, wie es sich für Sklaven anzufühlen hatte. Trotz guter Augen fiel niemandem der Zigarrenrauch auf, der aus den Zimmerpflanzen quoll und auch die lackierten Zehnägel der Freudenmädchen, die sich hinter rasch an die Wand genagelten schäbigen Vorhängen versteckten entgingen der Aufmerksamkeit der Crew und so marschierte man wieder unverrichteter Dinge nach unten. Man würde den faulen Alriks schon noch auf die Schliche kommen! Unangemeldete Besuche zu jeder Tages- und Nachtzeit standen schon auf dem geistigen Notizzettel von jedem in der Gruppe!

Danach wurde der neue Schutzprätor seinen Gardisten vorgestellt, die sich sichtlich begeistert zeigten, einem neuen Herrn zu dienen. Auch die Vorgängerin in diesem Amt hätte sich sehr gefreut, Yuan in seine neue Aufgabe einzuführen, musste jedoch leider leider das nächste Schiff aus der Stadt bekommen und mit der schweren Schatztruhe durch den Mittagsverkehr… da blieb leider keine Zeit mehr, auf Wiedersehen! Yuan, als alter Polizistenhase und allgemeiner Menschenfreund entschied als erstes, die Verpflegung der Mannschaft zu verbessern, koste es was es wolle und sich mit den anwesenden Gardisten gemein zu machen. Erste Bittsteller wurden empfangen und Geld eingestrichen, es wurde vorgetäuscht, dass man sich an die Abmachungen, die man im Suff letzte Nacht gemacht hatte, sehr wohl noch erinnerte und eine Rede vor der Truppe gehalten. Diago wurde zum Hauptmann der Feuerwehr ernannt, Tjalf zum Hauptmann der Ausbildung und Nostromo zum PR-Berater… nein, Hauptmann der Wache. Während die neuen Hauptmänner überlegten, dass sie ein neues Intro und eine Titelmusik für diese neue Serie benötigten, schwenkte die Kamera zurück und hinüber zu Myrmidion.

Dieser sah sich nach einer langweiligen Nacht mit den anderen Sklaven auf dem Sklavenmarkt wieder, wo ihre runzligen Hintern versteigert werden sollten. Mehrere Interessenten boten fleissig mit, und je geschickter der Sklave war, um so mehr Geld wurde geboten. So wurde Reno Blütenstätter, der tumbe, schielende Mittelreicher mit nur einem Bein an den Alchemisten Alrigio Fetidez als Klabusterbeerensammler für unter 50 Dukaten versteigert, während der starke Reinhold als Plantagenarbeiter schon 150 Dukaten erzielte. Stolz wollte Myrmidion da noch einen draufsetzen und betonte unablässig seinen kleinen Wuchs, seine Flexibilität und seinen mangelnden Würgerefle… seine Kunstfertigkeit in der Akrobatik. Als Höhepunkt der Show kletterte er in eine Kiste von 30 mal 40 mal 30 cm und der Beifall der Menge erreichte Höhen, die nur noch vom Preis für den Zyklopäer in den Schatten gestellt wurden. Für 650 Dukaten wurde er vom Kalifen der Stadt und seiner Kurtisane gekauft als Possenreisser, Geschichtenerzähler und Akrobat. Nicht einmal eine Sekunde dachte er darüber nach, dass jeder Dukaten mehr, der er kostete, die eh schon geringe Chance, dass seine Gefährten ihn freikaufen würden, noch weiter verringerte…

Positiv:
– ein neues Intro in der Art von Miami Vice für Tjalf und Nostromo, die Cops in Chorhop
– Yuan kann mal zeigen, wie er die 1000 Dukaten im Jahr und mehr wieder hereinholt
– schöne Schnetzelgeräte für alle!

Negativ:
– Warum sind wir nicht vorher darauf gekommen, dass Myrmidion so wertvoll ist? Wir hätten das Geld gut gebrauchen können…

Südmeerkampagne 19./20. Episode – Der Fluch des Goldes

Das große Halbzeitfinale: Der Fluch des Goldes wird hier als Doppelfolge präsentiert.
Ort der Handlung: Charypso (immer noch)
30. Rondra – 3. Efferd

Nachdem sich die Gruppe bei der Bergung des Schatzes einen ernsten Fall von Verfluchung zugezogen hatte, stand die Doppelfolge ganz im Zeichen der Aufhebung dieses Fluchs. Essen und Getränke, die trotz massivstem Einsatz des Gewürzregals fad schmeckten, Finger, die sich mehr und mehr abgestorben anfühlten: Diese Symptome wollte niemand mehr erleiden.
In der letzten Folge hatten die Verfluchten erfahren, dass es das Blut der Nachkommen der drei Verflucher benötigen würde, wieder frei zu werden und leckere Charypsoschnitzel genießen zu können (die aktuell eher nach unleckeren Sägespäneschnitzel schmeckten).

Im blutrünstigen Papageien, dem Lokal für aufstrebende Freibeuter, hörte sich die Gruppe um. Der erste Punkt auf der Tagesordnung von Yuan war, seine Entourage noch weiter zu vergrößern. Neben Trek, dem mohischen Exsklaven und Lyrion, fka Daiquiri, dem Sohn des ehemaligen Schatzmeisters von Brabak, stellte er nun auch noch Diego ein, seines Zeichens Koch. Während jedermann versuchte, unauffällig zu sein und sich mit großen Ohren umhörte, wurde bald bekannt, dass sich in Charypso ein sogenanntes „Chapter“ des Bundes der schwarzen Schlange befand. Mit diesen freundlichen Zeitgenossen hatten Tjalf und Nostromo bereits Bekanntschaft geschlossen, als sie dem Oberkapitän Dogol Trollolol den Hermaphroditen gestohlen hatte. Erzürnt darüber, dass er mit dem Begriff „Hermaphrodit“ nichts anfangen konnte, hatte Käptn Trollolol ein Kopfgeld auf Tjalf ausgesetzt. Sehr zur Zufriedenheit des Thorwalers betrug dieses 300 Dukaten. Ein klein wenig verschnupft war er schon, dass es kein vierstelliger Betrag war, aber immerhin! Es würde jedoch nötig sein, sich bedeckt zu halten und so wurde die Gruppe angewiesen, ihn nur noch unter seinem Decknamen „Ulf“ anzusprechen. Weiteres Umhören förderte zutage, dass die Besitzerin der Schenke, Maraliessa, eine Nachfahrin eines der Verflucher war! Noch ein bisschen Herumgefrage ergab die Information, dass sich Maraliessa allerdings meistens im Langhaus der schwarzen Schlange aufhielt, wo sie als Geliebte von Oberkäptn Trollolol „arbeitete“. Prompt brachen Myrmidion, Yuan und Diego auf, um in das Langhaus zu gelangen, während Tjalf und Nostromo Unwohlsein vorschützten und bei dieser Aktion leider passen mussten. „Was ist denn los mit dir, wirst du etwa schlapp auf die alten Tage, Tjalf?“, spottete Myrmidion und konnte sich gerade noch unter einer markerschütternden Ohrfeige des Thorwalers ducken. „Ulf, du Eierkopf, ULF!“. Schnell machten sich die drei auf zum Langhaus und ließen den mürrischen Tjal… Ulf! zurück.

Leider war der Zutritt zu Hauptkäptn Trollolols Behausung nur möglich, wenn man anheuern wollte. Natürlich ließ sich Yuan von derlei Lappalien nicht abhalten und verkündete vollmundig, einen Kapitän zu suchen. Unverzüglich wurden sie in das Allerheiligste vorgelassen, einem großen Raum voll mit besoffenen, halbbesoffenen und im Begriff besoffen zu werdenden Piraten. In der Mitte des Raums, auf einem Thron aus den ausgeschlagenen Zähnen seiner Feinde sass finster Oberhoncho Trollolol und brütete düster über dem infernalischen Schauspiel. An seiner Seite, auf einem hübschen Höckerchen, das aus den Fingernägeln der Widersacher des Großkäptns geschreinert worden war, saß Maraliessa und reichte ihrem Geliebten Bier, schön angebrannte Fleischkeulen und, für die Vitamine, gekühlte und mundgerecht geschnittene Apfelstückchen. In diese Atmosphäre spontaner Gewalttätigkeit hatte Yuan sich und Myrmidion rasch in die unangenehme Lage gebracht, größere Mengen Schnaps zu konsumieren und sich auf einem der Seelenverkäufer einzuschreiben. Nachdem Myrmidion den Alkohol nicht bei sich halten konnte, hatte er sich bald verkrochen und aus der Schusslinie gebracht. Yuan hingegen lag nach kurzer Zeit mit entblößtem Oberkörper auf einer Bank und bekam ein schönes Schlangenarschgeweih in den Farben „blau“ und „eiter“ verpasst, da er sich bei Hussein Bey, dem Unterpiratenkapitän der schwarzen Schlange, eingeschrieben hatte. Während dieses denkwüridgen, ehrenvollen Spektakels, bei dem alle Anwesenden ihre Glückwünsche und Ehrbezeugungen für das neue Mitglied erbrachten (bzw. ihn stur ignorierten und weitersoffen, was die Zapfhähne hergaben), hatte sich Myrmidion an Maraliessa rangewanzt. Er schilderte ihr das Problem und sie erklärte sich bereit, zu helfen, für ein wenig Geld. „Natürlich, du sollst 30 Prozent von dem Schatz bekommen. Also 50 Dukaten!“ – „Und ihr seid zu…. dritt? Viert?“ – „Ja, vielleicht… nee.“ Gewand, wie ein lahmes Faultier manövrierte er sich immer tiefer ins Dunkle, so dass am Ende die pure Anwesenheit der Wirtin 200 Dukaten kosten sollte. Als erste Anzahlung lieferte Yuan 90 Dukaten, mehr war, nach den zahlreichen Einkäufen, einfach nicht mehr drin.

In der Zwischenzeit hatten Tjalf und Nostromo spitzbekommen, dass Maraliessa eine Tochter namens Latifa hatte, die gerade und auch sonst immer in der Küche kochte. Mit einer der goldenen Ketten des Thorwalers war schnell das Ohr von Latifa erkauft und auch sie erklärte sich bereit, bei dem Ritual zu helfen, sobald klar war, woraus genau das Ritual bestehen würde. Zufrieden stöberte die später wiedervereinigte Gruppe auch noch den Namen des zweiten Nachkommens auf. Es handelte sich dabei um den alten Asepha, Oberhaupt der Fischer des Orts. Dieser alte, ehrwürdige Mann hatte den lieben langen Tag nichts besseres zu tun, als am Hafen zu sitzen, Karten zu spielen und sich von Yuan auf den Geist gehen zu lassen. Seine wachen Augen blitzten, als ihm Yuan eine Lügengeschichte sondergleichen auftischte. Der Wind fuhr durch sein graues, doch immer noch vitales Haar und Lachfältchen erschienen auf seinem edlen Antlitz, als er Yuan auslachte und ihn aufforderte, die wahre Geschichte zu erzählen. Bockig weigerte sich dieser, und der energische Mund des Fischers verzog sich zu einem mitleidigen Lächeln. Seine perlweissen Zähne blitzten auf, als er seine Mitarbeit unter diesen Umständen ablehnte. Unverrichteter Dinge musste der Moha abziehen und schlug Myrmidion ab, auf dass dieser den weisen Anführer der Fischer als nächstes bearbeitete. Seinem naiven Charme war der ehrwürdige Abu Asepha nicht gewachsen und so erklärte auch er sich prinzipiell bereit, bei der Fluchbrechung zu helfen, sobald klar war, woraus genau das Ritual bestehen würde (s.o.). In der Zwischenzeit hatte Tjalf jedoch eine seiner Ahnungen und fühlte sich verfolgt. Unschuldig flötend spazierte er die Straße entlang, bog in eine finstere Gasse ein und schlug nach den nächsten beiden Passanten, die ihm hinterherkamen. Tritte und Hiebe wurden ausgetauscht, doch das ganze wollte nicht so zur Zufriedenheit des jähzornigen Söldners laufen, so dass er alsbald erst seine Axt und danach den beiden Verfolgern den Scheitel zog. Es dauerte nicht lang, da weinten die beiden angesichts von tiefen Armwunden und liefen weg, verfolgt von den Arschtritten des tobenden Tjalfs. Nachdem er sie die Gasse hinabgejagt hatte, kam er wutschnaubend und von zahlreichen blauen Flecken verziert zurück. „Tjalf, was ist denn mit dir passiert?“ Wieder musste sich Myrmidion unter der Faust wegducken. „ULF, du Armleuchter, das heißt ULF! Und nichts ist passiert, ich musste nur zwei Leisetretern beibringen, dass man Ulf nicht hinterherschleicht“. Angesichts seines reizbaren Naturells wollte niemand die Frage vertiefen und man machte sich auf, den dritten Namen zu finden.

Viel Herumgelaufe, -gefrage und der Tausch der Schatzkarte gegen Informationen später war klar, dass der letzte Nachfolger ein Heiler aus Sylla war. Und welch ein unglaublicher Zufall, genau dieser Heiler war es, den Yuan kurz vorher aufgesucht hatte, um seinen eiternden Rücken (der mittlerweile blubbernde Laute von sich gab) zu versorgen. Der gute Abrara Cadebra erklärte sich bereit, bei dem Ritual zu helfen……. s.o. Bei der Laufarbeit hatten sich in der ganzen Stadt hübsche Portraits von Tjalf finden lassen. Irgendjemand hatte sich viel Mühe gemacht, um ihm eine Freude zu machen und sein edles Antlitz (inklusive des fehlenden Auges, der nur noch unvollständig vorhandenen Zähnen und dem aus Ermangelung eines besseren Begriffs, „Bart“ genannten Auswuchs im Gesicht). Leider stand auf diesen kleinen Zettelchen auch der unangenehme Ausdruck „Belohnung“ sowie „Tot oder lebendig“ und so entschloss sich Tjalf, in den Untergrund zu gehen und zu warten, bis etwas Gras über die Sache gewachsen war.
(Dies ist der offizielle Grund, inoffiziell hatte Tjalf jedoch eine Rolle in einem anderen Stück und konnte daher in der weiteren Folge nicht anwesend sein. Der Manager der Südmeersendung hat da irgendwas im Vertrag übersehen… Unsere Rechtsabteilungen arbeiten jedoch daran!)

Frohgemut wurde daher der Efferdgeweihte Garcia Bartobello nach der genauen Natur des Rituals zur Aufhebung der Verfluchung befragt. Im Efferdtempel würde er sich mit seinen Akolythen versammeln, zusammen mit den Verfluchten und den Nachfahren. Etwas Blut würde vergossen werden müssen, allerdings in der Größenordnung „Fingerhut bis maximal ein Tässchen“. Das hörte sich wenig schlimm an, daher wurde ein Abendtermin zur 7. Stunde mit Bartobello ausgemacht und die jeweiligen Nachfahren aufgesucht. Schlauerweise wollte man sich an Latifa halten, die keine 200 Dukaten verlangte und sie sagte gerne zu. Mit raschem Schritt ging es zum Arzt Cadebra und auch er konnte in seinem Terminplan einen Slot freimachen. Frohgemut hüpfte die Gruppe zum Hafen und schilderte Abu Asepha die Situation, weandte sich schon Richtung des Efferdtempels, da ertönte ein moseriges „Nein“ hinter ihnen. Unverständliche Blicke wurden ausgetauscht, Gesichter wurden lang und länger, während sie auf den trotzigen Greis blickten. Als ihre Kinne mit einem hörbaren Plocken auf dem Hafenkai aufschlugen, sprach der zahnlose Mümmler weiter, ein gehässiges Grinsen auf seinem Backpfeifengesicht. „In den Efferdtempel geh ich nicht, die Leute dort mag ich nicht!“. Speichel rann aus der Höhle seines stinkenden Munds, als er trotzig mit seinem krummen Bein aufstampfte. „Aber, guter Mann! Ihr habt es in der Hand, uns von einem grausigen Fluch zu befreien. Ein götterfürchtiger Mann wie ihr kann doch nicht die Animositäten gegenüber der Efferdgeweihtenschaft über das leibliche Wohl unschuldiger Menschen setzen!“ Seine schielenden Augen blitzten tükisch auf und er versuchte, die Gruppe zu fokussieren. „Pah, ihr müsst mir schon einen Gefallen erweisen, damit ich euch helfe. Versenkt die „Efferds Zorn“ und wir werden weitersehen.“ Mit atemlosen Keuchen berichtete der gichtige Alte, dass dieses Schiff dem Geweihten Raul Moreno gehörte, der es sich als Aufgabe gesetzt hatte, die Überfischung der Fischbestände in der Bucht von Charypso zu unterbinden. Wenn die gierigen Fischer mit ihrer Fangflotte auszogen, um auch der letzten Morelle, den wenigen verbliebenen Borschen und Bangasiussen mit ihren meilenlangen Schleppnetzen den Garaus zu machen, dann warf sich dieser tapfere Geweihte mit seinem kleinen Bötchen zwischen das bedrohte Tier und die riesenhaften Fangfische. Klar, dass ein derartiges Verhalten dem tyrannischen Fischeroberhaupt ein Dorn im milchigen Auge war. Zähneknirschend wurde auf dieses Geschäft eingegangen. So sehr man die Arbeit von Moreno schätzte, so sehr war man doch auch an seiner eigenen körperlichen Unversehrtheit interessiert.
Auf dem Markt wurden Zimmermannswerkzeuge gekauft und am Abend versteckte sich Myrmidion in einer Bananenkiste am Pier, um die „Efferds Zorn“ im Auge zu behalten, während Yuan sich mit Bohrer und Säge bewaffnet ins vollgeschissene Hafenbecken gleiten ließ. Niemand stellte Fragen, niemand wunderte sich, aber der selbsternannte Kapitän blieb eine Stunde lang unter Wasser, perforierte den Rumpf der Schaluppe und sägte, nachdem er sie zum Sinken gebracht hatte, den Mast ab. Nachdem dieser auch noch seinen Weg ins Meer gefunden hatte, stellte er die an Bord befindliche Efferdstatue an den Kai und kam dann, stinkend wie ein Schweinepferch wieder an die Oberfläche.

Am nächsten Tag war die Aufregung über das „gestohlene“ Schiff groß, glücklicherweise hatte niemand die Lust verspürt, in den braunen Tiefen nach dem Schiff zu suchen. Die ganze Stadt ging davon aus, dass jemand das Schiff entwendet hatte. Darauf deutete auch der zurückgelassene Efferd hin, den die Diebe wohl nicht an Bord haben wollten bei ihrer verbrecherischen Reise. Nun waren also endlich alle Nachfahren bereit und das Ritual konnte durchgeführt werden. Gesänge wurden gesungen, Liturgien liturgiert, Blut vergossen und nach etwa einer Stunde fühlten die Verfluchten, wie die Finger wieder Gefühl bekamen. Ein kräftiger Schluck aus einer Flasche zeigte, dass auch der Geschmackssinn wieder funktionierte und überglücklich warfen sich Myrmidion und Nostromo auf die Knie, um dem großen Efferd zu huldigen.

Yuan hatte hingegen in der Atmosphäre des Tempels Kopfschmerzen bekommen (vielleicht waren es auch nur Nachwirkungen seines nächtlichen Schlammbads?) und die heilige Stätte fluchtartig verlassen. Er feierte danach eine private Messe mit dem grindigen Abu Asepha, der mit seinen ebenfalls verwachsenen Jüngern einem seltsamen Kult des dreieinigen Efferds huldigten. Großmütig übersah Yuan, als Atav..Avatava…Avav…Auserwählter der sumpfigen Schwester, dass ihre wirre Theologie eigentlich genau seinem Glauben entsprach und badete in dem großen Algenteppich, den die Sektierer als Zeichen des dreieinigen Efferds ansahen. Mit Schmiss und Schwung schwang sich Yuan in das Wasser und wurde alsbald von den Algen angesaugt. „Schaut, wie sie mich in Ruhe lassen!“ Schmatzend zogen die scharfkantigen Blätter Blut aus seinem Körper. „Ich bin der Auserwählte, mir tun sie nichts!“ Das Wasser färbte sich langsam rot, die Haut Yuans wurde blasser und blasser. „Sie versteht und achtet mich, so wie auch ich sie verstehe und achte!“ Mit vorletzter Kraft taumelte der Auserwählte aus dem Algenpool und schubste dafür Trek in die schaumigen Gewässer. „Nun empfange auch du die Segnungen der Schwester, sie wird dir nichts tun, so wie sie auch mich verschont hat“.
Es gab einen Ruck, als sich die Algen um den Knöchel des ehemaligen Sklaven banden und versuchten, ihn in die Tiefe zu ziehen. Hektisch zerrte Yuan am anderen Ende des Waldmenschen herum. „Siehst du, sie ist ganz harmlos und liebkost dich nur!“ Ein verängstigtes Keuchen war die einzige Erwiderung, da gelang es Yuan endlich, Trek wieder in Sicherheit zu ziehen. „Wenn sie dich doch verletzt hat, so liegt es ganz allein an deinem fehlenden Glauben, hörst du? Du bist schuld, wenn du geblutet hast und musst stärker beten und glauben, verstanden?“. Der verängstigte Junge nickte verständig und sah zu, dass er schnell vom Becken weg und aus der Schubsreichweite seines Herren herauskam.

Nach diesem wunderbaren religiösen Erlebnis traf Yuan mit seiner kleinen Gruppe danach wieder in der Trendherberge zum blutigen Papageien ein. Dort stellte die Gruppe fest, dass ULF nicht da war, ja, auch bei der Entfluchung nicht dabei gewesen war. Eine ungute Ahnung überkam die Gefährten, als sie ein Gespräch zwischen Latifa und Mariliessa belauschten. Anscheinend war der Thorwaler entdeckt und im Langhaus angebunden worden! Irgendjemand in der Stadt hatte mitbekommen, dass Ulf mit Tjalf angesprochen worden war und das charakteristische Aussehen des Thorwalers hatte bald dazu geführt, dass sich Kopfgeldjäger auf seine Spur gesetzt hatten. Schnell eilte die Gruppe zu dem Platz, an dem Tjalf gefangengenommen worden war und fand in der Ruine am Rand der Stadt nur ein zertrampeltes Lager, einige Blutspuren und, welch Freude, die alte Erbaxt Tjals hinter einem Gebüsch. Nun war schnellste Aktion angesagt! Nostromo und Myrmidion würden einen Weg aus der Stadt organisieren, während Yuan unter Einsatz seines Lebens Tjalf aus dem Langhaus retten würde. Das einzige auslaufende Schiff war ein Sklavenschiff von Batusta Eisenhand, so dass die Wahl nicht schwer fiel. Tjalf würde man als gefährlichen Kampfsklaven für die Arena in einer Kiste unterbringen, ansonsten würde die Fahrt lediglich 1 Silber pro Nase kosten. Mit dem letzten Geld wurden noch Vorräte für alle gekauft und man wartete angespannt auf die Rückkehr von Yuan und Tjalf, einen Hammer mit Nägeln und die Kiste startbereit.

Im Langhaus schmiss Yuan Runde um Runde für die Anwesenden, schleimte sich beim Schlüsselmeister, einer Art „Fieser Fettsack“ ein und schaffte es schließlich mit mehreren Litern Bier mit Schnaps die 5 Zentner des Schliessers in einen alkoholinduzierten Schlaf zu schicken. „Nun, dann schließe ich nachher hier alles ab, in Ordnung?“, brüllte Yuan den Schliesser an, während er ihm die Schlüssel abnahm. Aus dem „Bwargh“ des Betrunkenen nahm er seine Legitimation, das Amt zu übernehmen und hängte sich den riesigen Schlüsselbund an den Gürtel. Während er weiterhin mit den anderen Piraten trank, ließ er seine flinken Augen über den zerschundenen Thorwaler gleiten, der an der Wand des Langhauses angekettet war. Dicke Eisenschellen waren um seine Arme gebunden und gelegentlich kam einer der Piraten heran, um ihm Bier über den Kopf zu gießen oder ihm einen Tritt zu versetzen. Nach einigen Stunden waren lediglich der Wirt und ein weiterer Pirat noch nüchtern, doch trotz aller Überredungskünste von Yuan wollten diese beiden nicht gehen. In einem unbeobachteten Moment löste er die Ketten des Gefangenen, wies ihn aber an, noch zu warten. Qualvoll verrannen die Minuten, der Zigarrenrauch stand bis auf Augenhöhe im Raum, doch Pirat Ahörnchen und Bhörnchen wollten einfach nicht gehen. Schließlich gelang es Yuan, den Wirt (Bhörnchen) dazu zu bringen, ein neues Fass Tripel-X aus dem Keller zu holen. Nun war Tjalfs Zeit gekommen! Rasch entledigte er sich der Fesseln und trat dann dem nächsten bewußtlosen Piraten ins Gesicht. „Achtung, der Gefangen hat sich befreit!“. Ungläubig schaute Tjalf zu dem Schreienden… Es war Yuan, der die Flucht meldete! „Da drüben, er entkommt!“ Der Thorwaler humpelte, so schnell er konnte aus dem Langhaus, verfolgt von Ahörnchen. Yuan schlenderte gemütlich durch die langsam erwachenden Piraten und legte den Schlüsselbund zurück in die Hand des Schliessmeisters, bevor er sich an die Verfolgung machte. Vor dem Langhaus prügelte sich Tjalf gerade mit Ahörnchen, während eine weitere Piratenwache gerade ihren Säbel zog, um sich ebenfalls auf den unterlegenen Thorwaler zu stürzen. Yuan nutzte die Gunst der Stunde und rief die dunkle Schwester an, ihm schnelle Reflexe zu verleihen. Wie ein Gepard auf Speed raste er dann an den ersten Gegner heran und hatte bereits zwei Treffer gelandet, bevor der langsame Tropf überhaupt seinen Säbel in Richtung des Angreifers gerichtet hatte. Zwei weitere Hiebe, und der Pirat ging jammernd zu Boden. Es dauerte nur wenige Sekunden, da fiel auch Ahörnchen um, kurz darauf waren beide tot, als Yuan ihnen seinen Säbel durch die Kehle trieb.

Taumelnd torkelte Tjalf in Richtung des Strands, während ihn der immer noch übermenschlich schnelle Yuan umkreiste. Mit Entsetzen sah der Rest der Crew, wie sich die Stadt belebte, Fackeln angezündet wurden und Alarmrufe die Nacht durchdrangen. Als Tjalf endlich auf sie zuwankte, dauerte es nur wenige Hammerschläge, da war er auch schon in der Kiste verpackt und dieselbige bewegte sich auf den Rücken der Gruppe mit Höchstgeschwindigkeit auf das Sklavenschiff zu. Kapitänin Eisenhand erkannte eine gute Gelegenheit, wenn sie eine sah und erhöhte den Preis auf 100 Dukaten. Da die Alternative darin bestand, so lange im Hafen rumzueiern, bis die aufgebrachten Schergen von Großadmiral Trollolol das Schiff erreicht hatten, willigte man ein, den geforderten Preis zu bezahlen, wenn man in Al Anfa ankam. Die Kapitänin schlug ein, das Schiff legte ab und es dauerte nicht lang, da war das ungastliche Charypso nur noch eine hässliche Erinnerung am Horizont.

Fazit:
-Entfluchungen sind teuer! Inklusive Bestechungsgeldern usw. sind wir wohl über 300 Dukaten losgeworden!
-Jähzornige Thorwaler, die gerne herumbrüllen und naive Zyklopäer, die sich gerne verplappern, sind keine gute Kombination!
-Kapitän Dogol Trollolol wird wohl nicht mehr unser Freund werden…