Südmeerkampagne 26. Kapitel – Tjalf über Bord

Ort der Handlung: Nasha und Chorhop
24. Travia – 31. Travia

Nachdem die letzte Episode die Mannschaft in einer schwierigen Situation zurückgelassen hatte, begann die aktuelle Episode direkt mit dem Wechsel von Säbelstreichen und Bolzen. Stark in Unterzahl kämpften die wenigen Hanseln der Stadtwache von Chorhop die es auf das Piratenschiff geschafft hatte gegen hochmotivierte und gutausgerüstete Gegner. Mit einer fliessenden Handbewegung schleuderte der flinke Difar einen vergifteten Borndorn auf Nostromo, bevor er sich mit seinem Kurzschwert in den Nahkampf mit dem Utulu stürzte. Während links und rechts die Stadtwache unter den Hieben der Piraten niederging, gab die im Ruderboot verbliebene Kriegsprätorin die Anweisung, das Boot vom Piratenschiff wegzuschaffen und wieder zur Stadt zurückzukehren. Wenige strategische Entscheidungen in der Geschichte Aventuriens waren von geringerer Intelligenz. Nicht nur liess sie so die Hälfte ihrer Männer auf dem gegnerischen Schiff gestrandet zurück, nein, sie ruderte auch noch lustig in die Feuerbereiche der Rotzen der anderen beiden Piratenschiffe hinein.

Myrmidion erkannte die Idiotie der Kriegsprätorin sofort und handelte rasch, in dem er seine Peitsche schnalzen liess. Leider gelang es ihm, seine Peitsche so an einem Piratenschiffsvorsprung zu verhaken. Es wäre besser gewesen, er hätte verfehlt und die Prätorin ausgepeitscht. So jedenfalls versuchte er erneut, sich aufs Deck hinaufzuhangeln, was ihm angesichts seiner schwächlichen Ärmchen jedoch nicht gelang. Unglücklicherweise bewegte sich gleichzeitig das Ruderboot fort, so dass er innerhalb weniger Augenblicke über dem Wasser an der Peitsche hing und nicht vorankam. Entschlossen sprang er in das lauwarme Nass und umschwamm das Schiff, um einen besseren Aufstieg zu finden.

In der Zwischenzeit hatte Nostromo ordentlich Schläge vom flinken Difar einstecken müssen, da er der Meinung war, auf Paraden zu verzichten sei sinnvoll. Im Gegenzug hatten die wuchtigen Hiebe seiner rasiermesserscharfen Axt den flinken Difar um einen Kopf kürzer gemacht. Ein Pirat am Boden, blieben noch 49 weitere! Ein rascher Blick über das Handgemenge ergab, dass sich die Stadtwachen auch nach und nach verabschiedeten während die Piraten lediglich zwei angestoßene Zehen und Tennisarme vom andauernden Einschlagen auf die Wächter abbekommen hatten. Noch die Chancen im Kopf ausrechnend, ob sich die Situation irgendwie würde drehen lassen, wurde Nostromo eines weiteren Piraten gewahr, der sich wutschnaubend aus der Kajüte zwängte. Es war Felicio Verigo, der Liebhaber des soeben verstorbenen flinken Difars. Kleine Dampfwolken stiegen aus seinen Ohren und die pochenden Zornesadern auf seiner Stirn indizierten deutlich einen emotionalen Aufruhr. Bestätigt wurde diese Schnell- und Ferndiagnose durch das klarartikulierte „BRaWAAAGRhrhhhAAAA“, dass der beinahe vor Ärger explodierende Pirat von sich gab, während er mit hocherhobenem Kriegsbeil auf Nostromo zulief. Wohlwissend, dass die Konfrontationstherapie in Fachkreisen umstritten war (vgl. Andergaster et al., 1020 BF), entschloss sich Nostromo, zu deeskalieren und sprang über Bord.
In der Zwischenzeit hatte Myrmidion sich an Deck geschlichen und fing an zu überlegen was er nun eigentlich tun sollte. Er packte eines der zahlreichen Taue der Takelage und plante, dieses durchzuschlagen und sich dann quer über das Schiff ins Kampfgetümmel tragen zu lassen. Gesagt, getan, doch irgendetwas ging an diesem Plan schief. Verwundert blickte er auf das Tauende in seiner Hand, während über ihm das restliche Tau im Dunkeln verschwand. Er schüttelte den Kopf und überarbeitete seinen Plan. Beim nächsten Mal würde er das Tau UNTERHALB seiner Hand durchschlagen…
Mit frohem Mut wurde der Plan 1b durchgeführt und diesmal sauste der kleine Zyklopäer tatsächlich nach oben… direkt in das Segel des Schiffes hinein! Gewand wie eine Katze rammte er sein Kurzschwert in das Segel und konnte so seine Fallgeschwindigkeit verringern, bis er schliesslich auf der Rahe stehenblieb. Geschickt balancierte er weiter und sprang dann aufs Deck herunter, um rasch in der Kapitänskajüte zu verschwinden. Dort schaute er sich nach dem Goldschatz um, der dank Nostromos im letzten Kapitel verpatzter Sinnenschärfeprobe hier vermutet wurde. Leider fand er nur zwei Fläschchen mit Flüssigkeiten sowie einige Seekarten bevor ihm langweilig wurde. Halbherzig versuchte er noch, das Schiff mit einer Fackel anzuzünden, was allerdings kein bisschen funktionierte und schlich sich dann ebenfalls von Bord ins Wasser.

Während dieser Eskapaden hatten die anderen Piratenschiffe ihre Rotzen bemannt und geladen und als das Ruderboot endlich soweit vom Piratenschiff entfernt war, dass Fehlschüsse dieses nicht mehr treffen würden, eröffnete man das Feuer. Heissa, was sausten die Kugeln über das Wasser und heissa, was flogen die Holzsplitter des zerschmetterten Bootes durch die Luft und heissa, was schrien die verwundeten Stadtwachen während sich ihr Ruderbötchen in Trümmer verwandelte. Myrmidion und Nostromo mussten dieses Schauspiel hilflos vom Ufer der Bucht aus ansehen. Bevor sie einen Rettungsversuch starten konnten, mussten sie sich jedoch in den Dschungel zurückziehen, denn nun näherten sich fackelbewehrte Piraten aus der Stadt dem Strand um eventuelle Überlebende des Beschusses in Empfang zu nehmen. Nach einem kurzen Abstecher über das namenlose Kaff zwischen Nasha und Chorhop (Die Dorfbewohner waren geradezu starr vor Schreck, als sie die beiden kläglichen Überlebenden der Strafexpedition gegen Nasha erblickten, konnten sich aber wieder mal nicht dazu durchringen, das unfruchtbare Land, die blutsaugenden Insekten und die Pestilenzsümpfe zu verlassen die sie ihre Heimat nannten) gelangten die beiden Überlebenden zurück in die Stadt und erstatteten dort Schutzprätor Juan Bericht. Groß war die Trauer über den Verlust von Tjalf und Diago, die mit dem Ruderboot untergegangen waren. Angesichts der desaströsen Lage und in Kenntnis des heiteren Gemüts des obersten Phexgeweihten der Stadt schickte Juan seinen Haushofmeister los, um ebendiesem Phexgeweihten ordentlich in den Arsch zu kriechen und einen Termin für ein Gespräch zu vereinbaren. Am Abend schliesslich schilderte Juan dem Vogtvikar seine Sicht der Dinge und bekam im Gegenzug den abgeschlagenen Kopf eines Huhns als Präsent. Auch wenn keiner der drei sonderlich phantasiebegabt war, wurde deutlich, dass ein ähnliches Schicksal dem Schutzprätor drohen würde, wenn er seinen Kram nicht in Ordnung bringen würde. Hier kam jedoch der Gruppe ein ziemlich gutes Argument in den Sinn, dem sich der Vogtvikar nicht vollends entziehen konnte. Beredt setzte Juan ihm auseinander, dass er als Schutzprätor nur für die Sicherheit der Stadt in der Reichweite eines Steinwurfs von der Stadtmauer aus zuständig sei. Entsprechend wäre das ganze unangenehme Geschäft mit Nasha ja eigentlich die Aufgabe der Kriegsprätorin welche sich im Übrigen extrem dämlich dabei angestellt habe, die Steuereinnahmen zurückzuholen. Lediglich durch die hervorragende und vollkommen uneigennützige Arbeit seiner Männer, d.h. Myrmidions und Nostromos, sei man überhaupt in der Lage gewesen, die Piratenburg mitsamt eines Haufens Piraten zu erledigen und, wäre die Kriegsprätorin auch nur ansatzweise kompetent gewesen, hätte man sogar das Flaggschiff der Piraten mitsamt deren Schatz erobern können. Jeglicher Misserfolg sei also auf die Kriegsprätorin zurückzuführen und die glorreichen Teilerfolge auf den altruistisch helfenden Schutzprätor. Phex schenkte dem Vogtvikar Einsicht und grummelnd entliess er die Gruppe.

Deren Laune hob sich noch mehr, als sie erfuhren, dass einige der Gardisten es in die Stadt zurückgeschafft hatten, darunter auch Diago! Leider auch die Kriegsprätorin, die allerdings, sehr zur Freude der Mannschaft, sofort verhaftet und in den Kerker geworfen worden war. Zur Feier der Rückkehr Diagos wurde ein rauschendes Fest im Haus des Schutzprätors ausgerichtet, welches Myrmidion noch dadurch aufwertete, dass er sein in der Kapitänskajüte gefundenes Parfüm gegen die Dienste von vier Frauen des horizontalen Gewerbes eintauschte. Auch wenn Juan nicht sonderlich begeistert davon war, dass nun leicht- bis gar nicht bekleidete Damen erst in seinem Vorgarten und danach im Haus herumtanzten, war das Fest ein vollkommener Erfolg und tröstete ein wenig (aber nicht ganz!) darüber hinweg, dass es von Tjalf kein Lebenszeichen gegeben hatte.

Auch der nächste Tag brachte weitere Freuden, jedenfalls nachdem Juan Myrmidion den Kopf wegen der Dirnen gewaschen hatte. Um das Ansehen des Prätorenamtes besorgt, versuchte er dem Zyklopäer zu erklären, dass ein derartiges Verhalten bei den Großkopferten der Stadt nicht gut ankommen würde. Angesichts des eh schon ramponierten Images der Gruppe, könnte so etwas das Zünglein an der Waage sein und den Unterschied machen zwischen „Nach einem Jahr goldbeladen aus der Stadt verschwinden“ und „Nach einem Jahr steinbeladen im Ozean verschwinden“. Myrmidion hörte aufmerksam zu (zumindest die ersten 30 Sekunden), fing dann an, sich zu langweilen und stellte sich im Geiste lieber tanzende Äffchen vor, als weiter der Gardinenpredigt Juans zuzuhören. Diese wurde jäh unterbrochen, als ein Diener einen Gast ankündigte. Eine Magiern aus Vinsalt hatte sich angemeldet und unterbreitete dem Schutzprätor ein verlockendes Angebot. Anscheinend war diese Dame auf der Jagd nach magisch begabten Kindern für ihre Akademie und würde gutes Geld bzw. gute Diamanten bezahlen für das Auffinden solcher Kinder durch den Prätor mit seinen hervorragenden Kontakten. Juan stimmte zu und bat Diago, sich in der Stadt nach seltsamen Vorkommnissen umzuhören. Dieser verbrachte anstrengende Stunden in verschiedenen Kneipen, musste dabei Bier und Wein trinken, leckeres Essen essen und auch sonst extrem unangenehme Aufgaben absolvieren, um schließlich die Namen von drei Kindern herauszubekommen. Dank Juans silberner Zunge sowie einiger goldener Münzen konnte das erste Kind von einer Bäckerfamilie gekauft und in die Obhut der Magierin übergeben werden, die sich mit einem taubeneingroßen Edelstein revanchierte. Gier blitzte in den Augen der Gruppe auf… In der Stadt gab es mehrere Dutzend Kinder… wenn man diese irgendwie magisch machen würde… Doch dann meldete sich, wenn schon nicht das Gewissen, so doch der Realitätssinn und man beschloss, es bei den drei Kindern zu belassen. Schließlich schien die Magiern irgendwie überprüfen zu können, ob die Personen wirklich magisch waren. Neben den Noblen der Stadt auch noch einer Zauberin ans Bein zu pinkeln erschien als der direkte Weg in den Untergang und so entschied man sich dazu, ehrlich zu bleiben.

Pro:
– Diago ist wieder da!
– Die Kriegsprätorin wurde verhaftet!
– Edelsteine!

Contra:
– Tjalf ist verschollen
– Die Piraten haben vermutlich einen ziemlichen Rochus auf uns und sind, obwohl ein Haufen von ihnen draufgegangen ist, immer noch stark. Vermutlich stehen sie bald vor der Stadt
– Tjalf ist verschollen
– Die Kriegsprätorin hat überlebt
– Tjalf ist verschollen

Advertisements

Geschichten der Wanderhure, Episode 1 – Al’Anfanische Idioten

Ich war also alleine unterwegs, mittlerweile nur noch in den Ausläufern der Steppe, als ich einen riesigen Feuerball nicht weit von mir entfernt bemerkte, der scheinbar aus dem Nichts inmitten eines verlassenen Gehöfts entstand und gerade verpuffte. Näherkommend bemerkte ich Menschen, einige etwas verbrannt, weil sie mitten im Feuer spielen mussten, einige laut schreiend oder gestikulierend und allesamt aufeinander eindreschend mit in der Sonne blinkenden Äxten, Hellebarden und anderen Mordwerkzeugen. Der Fluchtreflex packte mich sogleich und fast hatte ich mich schon entschieden, Aves Wegen zu folgen. – An der Stelle möchte ich nocheinmal betonen, dass ich mich nicht Rondra oder Kor verpflichtet fühle! – Aber ein gewisses Gewissen und meine Gram, ob der unterlassenen Hilfe einige Tage zuvor packten mich am Kragen und ließen mich nicht gehen (Ja, Aves, ich bin nicht gegangen, sondern geblieben. ich machs auch wieder gut, versprochen!). Zu allem Überfluss lag da auch noch ein bewusstloser Diener des Praios, mit den erbärmlichen Resten seiner nunmehr schwarz-grauen anstatt weißen Robe inmiten des Schlachtens und Blutvergießens. Welcher Ketzer würde denn einen Geweihten der zwölf Götter angreifen?
Ich entschied also, diesmal einzugreifen, aber nur ganz vorsichtig und ich versuchte mir einen Überblick über die Lage zu verschaffen. Leider konnte ich in diesem Getümmel und Gewühl aus Fleisch, Stahl und Schreien keinesfalls ausmachen, was da überhaupt vor sich ging. Zum Glück lenkte Aves Vater meinen Blick auf zwei an der Seite stehende Gestalten: Novadi-Abschaum: ein Schütze und… wahrscheinlich ein Magier? Froh die tobende Fleischmühle zu meiden, schlich ich mich an den Magier an. Kurz bevor er seine Magie ein weiteres Mal missbrauchen konnte, schlug ich ihm beherzt meinen Wanderstecken an den Hinterkopf, was ihn seine Konzentration kostete und eine Beule an besagter Stelle bescherte. Lauthals „Du verdammter Novadi- Hund!“ schreiend versuchte ich, ihm weitere Beulen zuzufügen. Er schrie zurück, doch ich war mir sicher, seine Sprache nicht verstehen zu können, oder doch?! Was war das? Er beschimpfte mich als Novadi- Hure? Auf Garethi? Merkwürdig gebildete Wilde sind das… Ich kam ins Grübeln, während ich den Hieb seines Magierstabs geschickt abgleiten ließ. Wenn ich ihn als Novadi beschimpfe und er mich auch, dann sind wir vielleicht beide keine Novadis? In seinem wohl nicht ganz so tumben Gesicht schien sich ebenfalls Erkenntnis breit zu machen. Wir schauten uns in die Augen und ich ließ voller Gottvertrauen meinen Wanderstab sinken. Einige verdutzte Momente später riefen wir den wie wild um sich schlagenden Kämpfern zu, die Waffen zu senken. Durch männliches Gehabe beflügelt, mussten natürlich alle noch einmal irgendwo draufschlagen, sich wild beschimpfen und bespucken, bevor sie allmählich anfingen sich zurückzuziehen, die Waffen aber nicht senkten, sondern sie noch wild brüllend einige Male zeigten und anpriesen.
Ob der schieren Anzahl an Verletzten und der Menge Blut die ich dort fließen sah, denke ich, dass Kor wohl zufrieden gewesen sein muss. Glücklicherweise, Aves Vater sei Dank, bin ich auf dieses Fiasko aufmerksam geworden und konnte, bevor allzu viele Menschen starben, dieses Missverständnis aus der Welt schaffen.
Wie sich durch ein Gespräch in großer Runde herausstellte, wurde der Konflikt begonnen durch eine Gruppe Soldaten aus Al’Anfa, geführt von einem Kampfmagier, die das Al’Anfanische Grenzgebiet gegen Novadi- Eindringlinge schützen wollten. Also reine Routinearbeite, wie der Magier sagte, mal eben eine Gruppe Wanderer erst zu rösten und dann zerhacken zu lassen. Anscheinend ist ihm Priaos nur ein wager Begriff und überhaupt hat er doch eher Peraines Gaben (namentlich Stroh) als Hesindes Gaben im Kopf. Er wollte nicht einmal die schwerst Verwundeten der Wandergruppe mit seiner Magie heilen, so dass es an diesem Tag auch eine Tote zu beklagen gab.
Wem hatte ich eigentlich gerade durch meine mutige und geistesgegenwärtige Tat die Leben gerettet? Einem großen starken Krieger, einem Soldaten, einem Geweihten des Praios und einer Hand voll Träger. Die Jägerin der Gruppe ist leider verstorben und der Praiot schien kurz davor in Borons Hallen einzukehren. Der Krieger heißt Gero Ilgur, bedient ein riesiges, klobiges Schwert und scheint direkt und offen zu sein. Emilio di Rossi ist der Name des Soldaten, der mit einer Art Knüppel aus Stahl um sich schlagen kann. Er scheint etwas vorlaut, aber offensichtlich achtet er die Zwölfe.
In einem ausgiebigen Gespräch, die Al’Anfaner hatten sich zwischenzeitlich getrollt, erklärten mir die beiden Kämpfer, dass sie auf dem Weg seien, einem Hesindegeweihten mit dem Namen Borgad zu helfen, der jüngst zu viel mit Löwen gespielt hatte – wunderte mich nicht, dass die Löwen in dieser Gegend auch ihm Probleme bereiten würden. Bruder Borgad hatte sich wohl dereinst vor 20 Jahren zum Ziel gesetzt, ein Eingeborenendorf zum Glauben zu führen und hatte jüngst per göttlicher Verständigung seinen Heimattempel in Kuslik um Hilfe gebeten.
Etwas ratlos dreinblickend ob des Verlustes ihrer Ortskundigen und ob des Ausfalls ihres moralischen, weltlichen und wohl auch geistigen Führers fragten mich die beiden Kämpfer, ob ich sie nicht führen wollte. Ich fühlte mich zwar noch nie zum Führer geboren, aber eine Expedition anzuleiten die nach einem verschollenen Diener der Zwölfe suchte, dabei unerkundetes Land zu durchqueren und fremde Völker zu studieren ist natürlich ganz im Sinne von Aves, so stimmte ich zu und übernahm, wenn auch nur für eine kurze Zeit, die Führung der Expedition.
Aves, mein Weggefährte, danke dass du mich zur richtigen Stunde zum richtigen Ort geführt hast, so dass ich Gläubige schützen konnte.

Geschichten der Wanderhure, Episode 0 – die Fleischbestien

Eine schöne Expedition sollte es werden. Aus der ehemaligen Heimat in den unerforschten Norden. Die Steppen des Horasreiches und die Gebirge, gemeinhin auch bekannt als Eternen, sollten nicht länger ein weißer Fleck auf der Landkarte bleiben, sondern festgehalten werden. Außerdem, so hörte ich, gibt es Eingeborenenstämme und fremdartige Tiere zu sehen. Alles in Allem, eine Reise die sich lohnen würde.
Die sieben Sachen gepackt und los geht es an einem sommerlichen Morgen. Mit mir die üblichen Verdächtigen die so eine Expedition braucht: ein schrulliger Kartograph, ein hübscher Wildniskundiger, ich als Universalexpertin für Geographie, fremde Völker und Göttlichen Beistand, ein Dutzend Träger und was da noch alles dabei sein muss.
Die Reise verlief die erste Woche erstaunlich langweilig. Keine Tiere, keine fremden Menschen, nur die wunderbare Steppe – die mich schon nach 2 Tagen etwas langweilte. Der Weg ist das Ziel, aber wenn der Weg so ereignislos ist…
Als dann aber eine Meute Löwen und Tiger dachte, dass wir als Mitternachtsmahl vorzüglich taugen, wurde es mir ganz schnell zu wild. Überall wurde geschrieen, Blut spritzte, Knochen knackten, Löwen (und Tiger) rülpsten und schlugen sich die Bäuche voll. Mein erstes echtes, leibhaftiges Blutbad. Das hatte ich mir anders vorgestellt. Insbesondere, dass es nie dazu kommen würde.
Zum Glück wusste Aves einen Weg hinaus. Am dritten Grasbüschel links, unter dem anspringenden Löwen wegtauchen, kurz verharren im Schatten des Zeltes und dann ab durch die Mitte. Es tut mir Leid, dass ich nichts weiter tun konnte, um meine Begleiter zu retten, aber ich diene schließlich Aves und nicht Ronda, Kor oder Firun. Was konnte schon von mir erwartet werden?
Ich muss sicherlich nicht erwähnen, dass die nächsten Tage alleine in der Steppe grauenhaft waren. Keine Reisegruppe um die Reiseerfahrung zu teilen, jede Nacht kaum Schlaf aus Angst vor weiteren Fleischbestien, im Schlaf nur grauenhafte Alpträume von Schreien, Blut und Knochen.

Südmeerkampagne 25. Kapitel – Krawall in Nasha

Ort der Handlung: Nasha
13. Travia – 24. Travia

Nachdem der Schutzprätor beim letzten Mal einen gehörigen Einlauf und den Auftrag bekommen hatte, sich um den verschwundenen Steuereintreiber zu kümmern, war es nun an der Zeit, den angeschlagenen Ruf aufzupolieren und zum Piratennest Nasha aufzubrechen. Mit der Kriegsprätorin wurde ausgemacht, sich in 6 Tagen einige Meilen vor Nasha zu treffen. Die kampfgestählte Moha würde 20 Mann der Stadtgarde mobilisieren und gemeinsam mit unserer Schlagkraft und den bis dahin von uns gesammelten Informationen über Zahl und Fähigkeit der Piraten würden wir dann das Dorf von den Piraten säubern, die Steuereinnahmen in den Schoß der Stadt zurückbringen und nebenbei, als optionales Tertiärziel untergeordneter Bedeutung, den Steuereintreiber nebst seiner Leute retten. Da Juan als Schutzprätor dringlichst in der Stadt gebraucht wurde, brachen lediglich seine Untergebenen, Tjalf, Myrmidion und Nostromo auf, begleitet von Diago. Ausgerüstet mit einem ordentlichen Picknickkorb (Hartgekochte Eier, Caprisonne, Egelschreckcreme) wanderte die Gruppe fröhlich pfeifend über Dschungelpfade, vorbei an malerisch heruntergekommenen Plantagen und erreichte nach 2,5 Tagen eine Ortschaft kurz vor den Toren Nashas. Die inzestgeschädigten Bewohner dieses namenlosen Kaffs konnten leider kaum wertvolle Informationen liefern, war man sich doch die letzten 5 Jahre zu fein gewesen, seinen Hintern hochzubekommen und Nasha mal zu besuchen. Einzig relevant war, dass Nasha anscheinend jeden Monat ein paar Schlagetots vorbeischickte und die umliegenden Plantagen ausplünderte. Dieses schamlose Verhalten empörte die Gruppe sehr, war diese ehrenwerte Aufgabe doch eigentlich den Steuereintreibern Chorhops vorbehalten! Nun noch entschlossener, dem Piratenunwesen Einhalt zu gebieten, wurde nicht mehr geruht und gerastet, bis das Freibeuternest erreicht wurde.

Leichte Zweifel an der Einfachheit der Situation kamen auf, als erkannt wurde, dass sich die Einwohnerzahl von vermuteten 300 vor 5 Jahren auf nun 600 verdoppelt hatte. Und leider war dieser Zuwachs nicht Tsas Segen der Fruchtbarkeit zuzuschreiben, sondern der Tatsache, dass übles Gesindel aus dem ganzen Südmeer sich hier niedergelassen hatte. Strategisch günstig gelegen in einer Bucht mit lediglich einem einzigen Landzugang, umgeben von einer beinahe 3 Schritt hohen Palisade aus angespitzten Baumstämmen präsentierte sich der Ort als wehrhaft und schwer einzunehmen. Darüberhinaus lagen gleich drei Piratenschiffe in der Süßwasserbucht vor Anker, zwei davon von dem gefürchteten Bund der schwarzen Schlange, der mit Tjalf noch einige Hühnchen bzw. Körperteile auszurupfen hatte. Tjalf ging sofort in den Inkognitomodus und verwandelte sich in den sanftmütigen horasischen Dichter Ulf, um sich vor den Häschern der Schlange zu verstecken. Einige Kopfnüsse später hatte auch Myrmidion verstanden, dass der Name Tjalf in der Stadt nicht gebraucht werden durfte und ging erst von einem „Tj..Ulf“ zu „Ulf“ über. Zur weiteren Vervollkommnung seiner Rolle erwarb Ulf noch ein Kopftuch, eine Hakenhand und ein Holzauge. Nachdem er seine Augenbinde mitsamt dem Dreck der letzten Jahre vom Kopf abgemeisselt und das neu erworbene Auge an seinen rechtmäßigen Platz geprügelt hatte, erinnerte kaum mehr etwas an den muskelgestählten, kampfstarken Thorwaler. Selbst seinen langjährigen Gefährten passierte es glatt, dass sie ihn nicht erkannten. Eine Entdeckung durch übereifrige Schnüffler vom Bund der Schwarzen Schlange war quasi unmöglich!

Mit der ihm eigenen Diskretion und Gewitztheit quetschte Myrmidion den Empfangschef des Dorfes, Ruygoso nach den Machtstrukturen der Stadt aus. Oberpirat und unangefochtenes Oberhaupt war Brenno der Berserker, ein Trumm von einem Mann, desse Hobbies Plündern, Goldansammeln, Saufen und lange Spaziergänge am Strand waren. Dieser freundliche Mann residierte in einer schönen Piratenburg im Nordwestteil der Stadt und hielt gerade Kriegsrat mit den Kapitänen der Piratenschiffe, darunter der gefürchtete Großmufti Manilo „Die schwarze Hand“ vom Bund der Schlange. Der Moha hatte in seinem bewegten Leben einmal zu oft mit Hylailer Feuer jongliert und sich so seine linke Hand bös verbrannt. Diese Lädierung hatte ihn jedoch nicht davon abgehalten, sich wie ein Riesenarmleuchter aufzuführen und sich einen Ruf als gnadenloser Kapitän zu verschaffen. Myrmidion setzte sich unauffällig an einen Tisch neben der Kapitänsrunde, war dann aber so fasziniert von dem Glücksspiel, dass dort stattfand, dass er von der Beratung nichts verstand, so dass die zweifelsohne düsteren Pläne der Piraten unbekannt blieben. Angesichts von etwa 40 anwesenden Seeräubern, von denen nicht wenige zum Bund gehörten, verzog sich die Gruppe rasch wieder. Weiteres Umhören förderte zutage, dass sich der Steuereintreiber samt seinen zwei Begleitgardisten in einem Käfig im Wasser befanden und dort durch Flut und Ebbe gefoltert wurden. Bei steigendem Wasser standen die Gefangenen bis zur Unterlippe im Wasser, während bei Ebbe die Sonne auf die ausgemergelten Gestalten niederbrannte. Natürlich stand die Rettung der armen Leute danach ganz oben auf der Liste, als jedoch bekannt wurde, dass nach dem Überfall auf den Steuereintreiber mehrere Kisten in die Piratenburg geschafft worden waren, verschoben sich die Prioritäten wieder. Mehrere Kisten, vermutlich mit Gold gefüllt? Die guten Leute würden noch ein wenig aushalten müssen in ihrem bequemen Luxuskäfig. Ausserdem konnte herausgefunden werden, dass der Schlangenbund zwei Katapulte in die Stadt geschafft hatte. Diese standen, von vier grimmigen, schwerbewaffneten Schlägern bewacht auf einer kleinen Anhöhe in der Stadt. Eines davon war auf die See, das andere auf den Landzugang gerichtet. Was genau die Piraten damit anstellen wollten, blieb jedoch unklar, angeblich wollte man damit die Moha abschrecken.

Myrmidion nahm noch Kontakt mit dem Efferdgeweihten auf, einem einäugigen ehemaligen Steuermann, der es durchaus gerne sehen würde, wenn die ehrlichen Fischer und Fischerinnen des Dorfs von den rabaukigen Piraten befreit werden würden. Schnell bastelte Myrmidion einen Plan zusammen, der einen koordinierten Angriff sämtlicher Mohastämme der Umgebung, ein gleichzeitiges Kommandounternehmen gegen die Schiffe und das Katapult sowie weitere größenwahnsinnige Unterabschnitte vorsah. Heftiges Herumdiskutieren und Überdenken der ganzen Geschichte ließ zumindest die übertriebensten Teile wegfallen, so dass am Ende ein lediglich extrem unrealistischer Plan stand. Mit Hilfe von Fischerbooten würden die Gardisten bei Nacht in die Stadt gebracht werden. Myrmidion würde dann die Taverne anzünden und dabei eine Feuerschlange vor das Gebäude in den Sand zeichnen, um den Verdacht auf den Bund zu lenken. Gleichzeitig würde der Rest der Gruppe die Wachen an den Katapulten ausschalten, diese auf die Piratenburg ausrichten und abfeuern. In dem anschliessenden Chaos würde man das Gold aus der hoffentlich in Trümmern liegenden Burg bergen, weiteren Unfrieden zwischen den freien Piraten und den Bundlern stiften und danach die Reste mit Waffengewalt aufwischen. Soweit der Plan… doch wie so häufig klafften zwischen Wunsch und Wirklichkeit Lücken, in denen man ganze Elefantenhorden hätte verstecken können. Die ersten Teile funktionierten erstaunlich gut. Ohne Probleme gelangten die Gardisten inklusive Kriegsprätorin und einem Geschützmeister in die Stadt. Auch das Anzünden der Kneipe sowie das Anlegen der Schlange gelang Myrmidion wunderbar, ebenso das Ausleuchten der Burg, um dem Richtmeister die Zielerfassung zu erleichtern. Während der quirlige Zyklopäer also durch die Stadt wirbelte, zog Ulf die Aufmerksamkeit der Katapultwächter auf sich, indem er als Betrunkener vor deren Stellung herumkasperte. Von diesen unbemerkt, schlichen sich Diago und Nostromo von hinten heran und als der Zeitpunkt günstig zu sein schien, legte Nostromo all seine Kraft in einen Axthieb gegen den überraschten Wächter. Mit einem platschenden Geräusch riss das Kriegsbeil den Rücken des Piraten auf, der sofort zu Boden ging und Blutfontänen über seine überraschten Kollegen verteilte. Der Hieb Diagos verwundete die zweite Wache schwer am Arm, bevor Ulf seine Tarnung fallen liess und zu Tjalf wurde. Lässig schickte er die dritte Wache, die noch stark damit beschäftigt war, fassungslos auf den getöteten Kameraden zu blicken, auf den Boden, wo sie vor sich hinweinend liegenblieb. Beflügelt von dem ersten Erfolg knüppelten Diago und Nostromo den nächsten Wächter nieder, während der vierte unter Tjalfs Hieben ebenfalls weinend umfiel. Noch nicht zufrieden mit seiner Performance, ließ Tjalf seine Orknase auf den zu Boden gegangenen Gegner niederfahren und trennte diesem damit das linke Bein ab. Während der letzte Wächter sich aufzurappeln versuchte, schwang Tjalf die Waffe mit einem lässigen Rückhandschlag in seine Richtung und wiederholte seine Leistung auch bei diesem Gegner. Dieses mal musste jedoch das rechte Bein dran glauben. Innerhalb von wenigen Augenblicken waren also die Katapulte unter unserer Kontrolle und während Tjalf und Nostromo die Leichen über die Palisade zu den wartenden Krokodilen wuchteten, um keine Spuren zurückzulassen, richteten die Soldaten die Geschütze auf die Piratenburg aus. Nervös blickte die Gruppe auf die Löschschlange, die sich in der Stadt gebildet hatte. Eimer um Eimer Wasser wurde auf die immer noch fröhlich lodernde Kneipe gekippt. Es wurde Zeit, den Aufruhr zu vergrößern! Noch während dieser Gedanke durch die Köpfe der Gefährten ging, schlug der Geschützmeister die Seile durch und mit einem leisen Rauschen sausten die Felsbrocken aus den Katapultarmen gen Stadt. Nur wenig später wackelte die Erde, als beide Geschosse punktgenau ihr Ziel trafen und zuerst der West- dann der Ostflügel in einer Explosion aus Holzsplittern zerstört wurde. Vollkommen überrascht von dem unverhofften Erfolg musste sich die Gruppe erst sammeln, doch nachdem Myrmidion wieder eingetroffen war, wurden die nächsten Schritte des Plans ausgeführt. Ab hier ging dann allerdings alles schief. Zwar konnten die Gefangenen noch befreit werden, aber es gelang Myrmidion nicht, einen Bürgerkrieg zwischen den freien Piraten und dem Bund der Schwarzen Schlange anzustacheln. Die Gruppe teilte sich auf in Nostromo mit zwei Soldaten, die nach dem Goldschatz in den Trümmern der Burg schauen sollten und den restlichen knapp 20 Mann, die kleinere Piratengruppen erschlagen würden, dabei immer einen Überlebenden entkommen lassend, der die Nachricht von Angriffen der Schwarzen Schlange weitertragen sollte. Das klappte leider überhaupt nicht, so dass sich die Piraten langsam zusammenrotteten, um der Gruppe entgegenzutreten, die sie da in ihrem eigenen Lager überfiel. Noch weniger erfolgreich war die Suche nach dem Gold. Während die beiden Soldaten zwar Schatztruhen entdeckten, war Nostromo nicht in der Lage, auch nur einen einzigen Kreuzer zu finden (Doppel-20 bei der Wahrnehmungsprobe… zum zweiten Mal mit diesem Charakter!) und schlussfolgerte daher, dass die Dukaten wohl als Bezahlung für die Katapulte auf das Schiff der Schwarzen Schlange gebracht worden waren.

Ab hier musste daher improvisiert werden und man gelangte ganz schnell vom Regen in die Traufe. Ein im Hafen liegendes Ruderboot wurde konfisziert und man ruderte rasch um das Piratenschiff herum, um es dann von der Seeseite zu entern. Es war davon auszugehen, dass die Wachmannschaft ganz damit beschäftig war, sich den Tumult in Nasha anzusehen, so dass man leise von der anderen Seite an Bord würde schleichen können, um sich danach der Piraten zu entledigen und mit dem gekaperten Schiff elegant nach Chorhop zurückzusegeln. Soweit die Idee, praktisch scheiterte der Spass jedoch bereits daran, dass Myrmidion beim Klettern abrutschte und ins Wasser fiel, während Diago und Tjalf beim Besteigen der Bordwann immer wieder laut krachend gegen diese stießen und schliesslich ins Ruderboot zurückpurzelten. Lediglich Nostromo und sieben der Soldaten gelang es, das Boot zu entern. Anstelle einer überraschten Mannschaft warteten dort jedoch 14 Piraten mit gezogenen Waffen auf die Neuankömlinge… Bevor es allerdings zum Austausch von Worten oder Schlägen kommen konnte, zoomte die Kamera heraus und der Abspann lief über das aus der Vogelperspektive aufgenommene Nasha.

Pro:
– 40 % des Plans haben wunderbar funktioniert!
– Tjalf lief wieder zur Höchstform auf und hat zwei weitere abgeschlagene Beine auf seiner Trophäenliste zu verzeichnen.

Contra:
– 60 % des Plans haben gar nicht funktioniert!
– Vor uns misstrauische Piraten, hinter uns das Meer… Was mag die bessere Alternative sein?

Im Herzen der Finsternis – Regen

Der Weg durch den Urwald war beschwerlich, doch langsam gewöhnte ich mich an die Unannehmlichkeiten. Jeder Dschungel hat seinen eigenen Takt, seine eigene Melodie. Und wer nicht in dieser grünen Hölle versinken möchte, der ist gut damit beraten, sich auf diese Melodie einzustellen und nach ihr zu tanzen. In diesem Urwald trommelte gegen die Mittagszeit für eine Stunde ein ausdauernder, alles durchnässender Regen herab und machte ein Weiterreisen unmöglich. Da Kutekutak es nicht für nötig gehalten hatte, uns zu warnen, waren wir am ersten Tag zur kaum verhohlenen Schadenfreude des Mohas nass geworden wie brünstige Hinterhofkater, bevor es uns gelang, die Zelte aufzustellen. Während wir auf das Ende des Regens warteten, löcherte die Moha Zwerg und Halbelf weiter mit ihren Fragen und bewies mit dem zielstrebigen Einsatz ihrer Reize eine Berechnung, die jeder Mitgiftjägerin Al Anfas gut zu Gesicht gestanden hätte. Als der Regen schlagartig stoppte und der nun aufsteigende Dampf den Blick vernebelte, nutzte ein Waldpanther die Gunst der Stunde und griff unseren Elefantenführer an. Meine Vermutung, dass Tollwut das Raubtier dazu gebracht hatte, eine mehrköpfige, ihm überlegene Gruppe anzugreifen, erwies sich glücklicherweise als falsch. Als es nach wenigen Hieben jaulend zwischen den Bäumen verschwand, wurde mir klar, dass wohl der Hunger es zu diesem aussichtslosen Überfall motiviert hatte. Vielleicht ein altes Tier, zu schwach, schnelle Beute zu jagen und nun von Hunger gequält dazu gezwungen, selbst überlegene Gegner anzugreifen, solange sie nur langsam genug waren. Während die anderen Mohas den Verwundeten ausschimpften und wir die Ausrüstungsgegenstände, die der überängstliche Elefant bei dem Angriff verloren hatte, zu retten versuchten, stahlen sich erneut Erinnerungen in meine Gedanken.

Einen offenen Angriff eines Tigers hatte ich vorher nie erlebt und trotzdem hatten wir Verluste durch diese Raubkatzen erlitten. Einzelne Kameraden, die sich hatten zurückfallen lassen oder die des Nachts ihre Bedürfnisse fern des Lagers verrichtet hatten, waren teils ohne Spur verschwunden, teils konnten sie schwer verwundet gerettet werden, nachdem ihr Geschrei den Rest von uns aus seinem unruhigen Dösen geweckt hatte. Ich wischte mir über das Gesicht, um die grausamen Bilder zu verscheuchen und nachdem die oberflächlichen Wunden Hudujotukla von Kutekutak ruppig verbunden worden waren, reisten wir weiter. Mehr und mehr stellte ich mich auf den Rhythmus des Dschungels ein und begann, seine Melodie zu verstehen. Als am nächsten Tag die Luft eine bestimmte Qualität annahm, ein bestimmter Druck sich auf die Ohren legte, ahnte ich, dass der Regenschauer bald einsetzen würde und so gelang es uns, die Zelte rechtzeitig aufzubauen. Kutekutak konnte sein Bedauern kaum verhehlen. Während ich stoisch in den Regen stierte, behielt ich den Moha im Augenwinkel und konnte sehen, wie ihn das Zittern packte. Der armselige Versuch, seine Sucht zu verbergen galt wohl nur noch seinem eigenen Stolz. Jeder mit zwei Augen im Kopf sah durch seine billige Tarnung hindurch, als er sich einem Busch zuwandte und vortäuschte, Blätter zu sammeln, während seine Rechte flink einen Flachmann aus dem Beutel zauberte und zu seinem Mund führte. Immer stärker wurde der Gedanke, dass Kutekutak zu einer Belastung und damit zu einer Gefahr für die gesamte Gruppe wurde.

In einer feindlichen Umgebung wie dieser hatte sich Schwäche noch immer als Sendbote des Untergangs erwiesen. Einige meiner Kameraden hatte die nervliche Anstrengung der andauernden Kämpfe, der ständig präsenten Gefahr im unendlich wirkenden Dschungel in die Vergessen bringenden Arme des Alkohols oder noch härterer Rauschmittel geführt. Ich kannte keine Handvoll, denen das nicht zum Verhängnis geworden war, schlimmer noch: in der Regel hatte ihr Verhalten schlimme bis katastrophale Auswirkungen auf den Rest der Truppe gehabt. Ich überlegte noch, ob ich meine Bedenken Don Brodinger mitteilen sollte, da endete der Regen schlagartig und sofort stieg dichter Nebel auf, wie verlorene, missgünstige Seelen, die uns ins Verderben ziehen wollten. Auch an diesem Tag nutzte ein Räuber die Gunst der Stunde und attackierte Don Surez. Für einen kurzen Moment stockte mir der Atem, als ich einen unförmige Schatten im Nebel wabern sah, der glücklicherweise vergeblich nach dem flinken Magier hieb, dann übernahmen die Reflexe meine Handlungen, ließen mich auf die Gefahr zulaufen, im Lauf die Waffe ziehen und eine günstige Angriffsposition einnehmen. Neben mir richtete der Zwerg seine Armbrust auf den Gegner und kurz bevor ich den Kampf zwischen dem Halbelfen und dem Angreifer erreichte, zog zielsicher ein Bolzen an mir vorbei und bohrte sich in das Tier. Nachdem ich nun auf Schlagreichweite herangekommen war, konnte ich erkennen, dass es sich um eine Riesenamöbe handelte, die in diesem Augenblick eine Art Arm ausbildete und erneut nach dem Magier schlug. Gewandt wie ein Torero beim Stierkampf ließ er den Angriff ins Leere laufen und nachdem mein Hieb die Amöbe aufschlitzte und eine seltsam riechende Flüssigkeit auf den Dschungelboden schwappte, raste eine mächtige Flammenlanze aus den Fingern des Magiers. Einige der allgegenwärtigen Insekten die den Anstand besessen hatten, in die Bahn des Feuers zu gelangen, torkelten verbrannt zu Boden, dann traf das Geschoss die Amöbe, welche in der Hitze zu kochen anfing und in Sekunden zerplatzte. Angewidert betrachteten wir die Reste, während ich den Amöbenschleim von der Klinge wischte. „Ihr zu laut, darum Angriff!“ Nachdem die Gefahr beseitigt worden war, versuchte Kutekutak sich wichtig zu machen und uns so von seinem Versagen, uns sicher durch den Urwald zu führen, abzulenken. Die finsteren Blicke, die wir ihm zuwarfen, ließen ihn jedoch verstummen und so zog er bald rasch wieder ab.

Als der Nachmittag langsam in den Abend überging, lag eine angespannte Stimmung über der Gruppe wie eine Dunstglocke über dem Gerberviertel. Nur die nötigsten Worte wurden gewechselt und selbst die Moha, sonst bemüht wie eine Brabaker Straßendirne, hatte nach einigen einsilbigen Antworten die Lust verloren und lief nun schweigend neben dem Elefanten her. Eigentlich wäre es, angesichts der feindlichen Umgebung, der gefährlichen Tiere, des ständigen Blutzoll an die uns zu Myriaden umschwirrenden Insekten, des unablässigen Kampfes um den nächsten Schritt durch den widerspenstigen Wald, das Beste gewesen, zusammenzurücken, füreinander einzustehen und die Widrigkeiten gemeinsam anzugehen. Doch weit gefehlt! Jeder lief für sich allein und verlor sich immer tiefer in seinem Schneckenhaus, Verstand genannt. Der Dschungelkoller kam langsam näher und wir mussten aufpassen, dass uns die Atmosphäre nicht zu sehr an die Nieren ging. Seinen Teil zu der angespannten Stimmung hatte die Strafmaßnahme von Don Brodinger beigetragen, der Kutekutak die Schnapsflasche abgenommen hatte, als Bestrafung für dessen Inkompetenz und Aufmüpfigkeit. Die Hasstirade die der Moha ausstieß, hätte einen gestandenen Seemann erröten lassen wie eine Traviaakoluthin, aber da niemand die Sprache des Eingeborenen verstand und ich meinen Trumpf, jedes Wort der Begleiter unbemerkt zu verstehen, im Ärmel belassen wollte, wurde der Ausbruch Kutekutaks ignoriert. Beim Aufbau des Abendlagers hatte bereits der Tremor seinen Körper ergriffen.
Da er sich jedoch auch bisher immer nur um seine eigenen Sachen gekümmert hatte, war sein Ausfall beim Einrichten der Nachtlager und Entfachen des Feuers kein Verlust. Nachdem wortlos eine karge Mahlzeit eingenommen worden war, machte sich der Zwerg auf die Suche nach jagdbarem Wild, um so zumindest das Frühstück zu einer erfreulicheren Angelegenheit zu machen. Während der Magier ein Gespräch mit Don Brodinger begann, das lustlos dahinplätscherte wie ein versickerndes Rinnsal in der Wüste, befreite ich mein Schwert von Flugrost und wartete meine Ausrüstung. Es dauerte keine Stunde, da riss uns Gambosh aus unserem Dahinbrüten, als er mit einem weiteren Zwerg im Schlepptau aus dem Dschungel trat. Wie es schien, war genau dieses Ereignis nötig gewesen, um uns aus unserem eigenen geistigen Gefängnis zu befreien. Wo eben noch ein jeder verstockt in seiner Ecke gebrütet hatte, saß man nun gemeinsam am Feuer und unterhielt sich mit dem Fremden.

Im Herzen der Finsternis – Aufbruch

Das Pflaster in der Stadt war heiß geworden, zu heiß für mich. Die schwüle Sommerhitze lag dieses Jahr noch unerträglicher über den Gassen und brachte Gewalttätigkeiten und Tod in ihrem Gefolge mit. Die großen Fische im Teich ließen sich von der Atmosphäre anstecken und begannen, sich zu regen. Beim Versuch, ihren Einfluss zu vergrößern und ihre Rivalen zu vernichten war den Granden jedes Mittel recht. Offene Kämpfe zwischen den Wachen der einzelnen Familien, Anschläge auf echte oder eingebildete Anhänger anderer Häuser, verschiedenste Straßenbanden, die von den Granden bezahlt wurden, um ihren Gegnern zu schaden; wie tollwütige Hunde schnappten die mächtigen Familien um sich und ließen so die komplizierte, aber seit Jahrzehnten etablierte Balance der Macht in sich zusammenfallen wie ein Mietblock in den Favelas. Das Blut färbte die Straßen rot, als der kollektive Wahnsinn weiter um sich griff und die allgemeine Unruhe genutzt wurde, um offene Rechnungen zu begleichen. Kleinen Fischen wie mir blieb nichts anderes übrig, als sich bedeckt zu halten, um zwischen den Machtblöcken nicht zerrieben zu werden. Mein Netzwerk an Informanten war bald zerrissen, meine Kontakte entweder untergetaucht, nicht mehr vertrauenswürdig oder tot. Als die Stadt immer tiefer in einem Strudel aus Gewalt versank, entschied ich mich, meine Investitionen abzuschreiben und Al Anfa zu verlassen, bis die Haie genug Blut gesoffen hatten und sich ein neues Gleichgewicht einstellen würde. Es würde eine kostspielige Angelegenheit werden, wieder in das Geschäft einzusteigen und so war mein erstes Ziel, ausreichend Mittel zu beschaffen, um im Winter meine eigene kleine Domäne in Al Anfa einrichten zu können. An Bord eines Seelenverkäufers gelangte ich aus der Stadt und die angenehme Seeluft kühlte meine überhitzten Sinne. Fürs Erste war ich der Knochenmühle Al Anfas entkommen!

Nach zwei Wochen angenehm ereignisloser Reise ging ich in Port Corrad an Bord. Und wie es Phex Wille ist, fand ich den Aushang von Don Brodinger, der eine Expedition in den Dschungel durchführen wollte, um einen heidnischen Tempel zu plündern. Meine Mittel waren eingeschränkt, die Ausschreibung klang verheißungsvoll, und so traf ich im Glänzenden Papageien zum ersten Mal auf Don Brodinger und die weiteren Teilnehmer der Expedition.

Das Innere der Kaschemme wurde durch rußende Fackeln erhellt, die die eh schon unangenehme Wärme noch verstärkten. Bis auf den Wirt war lediglich eine Handvoll Personen in dem Raum, deren Wunderlichkeit jedoch für eine ganze Kompanie gereicht hätte. Aus tiefliegenden, düsteren Augen blickte ein Halbelf auf mich herab, angetan mit ungewöhnlichen Gewändern. Auch wenn diese nicht die protzigen Symbole der Zauberei aufwiesen, die viele seiner Kollegen so gerne angeberisch präsentieren, ließ ihr Schnitt und der haupthohe Stab keinen anderen Schluss zu als den, dass es sich hier um einen Magier handelte. Neben diesem Baum, so dürr er auch sein mochte, stand als krasses Gegenstück ein Fels von einem Mann. Keine 1,5 Schritt hoch, aber Schultern wie ein Ochse, trotz der Temperatur in ein Kettenhemd gepackt. Das wenige, was von dem Gesicht aus dem buschigen schwarzen Bart herausragte war mit einer grauen Paste beschmiert. Eine mächtige Armbrust und ein Kriegshammer am Gürtel rundete das Bild ab. Der dritte im Bunde schien mit seiner korrekten Kleidung und seinem Pfeifengeschmauche direkt aus einem Al Anfaner Herrenclub gerissen worden zu sein. Wie der Halbelf und der Zwerg wirkte der kräftige Mann mittleren Alters fehl am Platze. Für einen kurzen Moment befiel mich der Verdacht, dass ich vielleicht ebenso wenig ins Bild passte, aber ein Blick in den fleckigen Spiegel hinter dem Tresen erstickte den Gedanken im Keim. Dunkle Augen, mittelgroß, leichtes Grau an den Schläfen im ansonsten schwarzen Haar. Auch meine Kleidung, eine dunkle Hose, hohe Stiefel und ein Gambeson gaben keinerlei Anlass zur Beanstandung, lediglich mein Tuzakmesser, treuer Gefährte seit jenen Ereignissen vor vielen Jahren stach etwas hervor.

Nachdem er seine Pfeife ausgeklopft und sich geräuspert hatte, fing das Clubmitglied zu reden an. „Meine geschätzten Herren, ich bin Don Brodinger und ich vermute stark, dass sie die abenteuerlustigen Gefährten sind, die mich auf meiner Reise in den Urwald begleiten wollen, um großartige Abenteuer zu erleben und sagenhaften Ruhm zu erwerben.“ Seine Stimme samtete wie Honig, doch die geschwungenen Worte perlten an den Anwesenden ab als seien es Regentropfen auf einer Wachsschicht. Anscheinend waren wir alle schon zu oft von derartigen Schönrednern übers Ohr gehauen worden. Anfangs grämt man sich darüber, hadert mit sich selbst, macht sich Vorwürfe, aber irgendwann wird man hart und zäh und zynisch. „Wo genau gehen wir hin, was erwartet uns da und welche Bezahlung gibt es?“ Der Zwerg Grandosch war so gradlinig wie ein Granitblock. Aufmerksam hörten wir unserem potentiellen Auftraggeber zu, der von einem Tempel im Dschungel berichtete, aus dem er vor 15 Jahren eine heidnische Statue nach Mirham gebracht habe und die nun im dortigen Museum stehen würde. In ausschweifenden Worten legte er dar, dass er nun zu dem Tempel zurückkehren wolle, um weitere Kunstgegenstände zu bergen. Als es jedoch um die Gefahren ging, die ihn damals zur Flucht aus dem Tempel veranlasst hatten, wurde er zugeknöpft, wie eine alte brabaker Jungfer. „Die Verfolger habe ich nicht gesehen.“ Nicht einmal die Frage, ob es sich um menschliche oder tierische Gegner gehandelt habe, konnte oder wollte er beantworten. Misstrauisch den zukünftigen Expeditionsleiter beäugend, spuckte der Zwerg aus. „Und was für eine Bezahlung gibt es für dieses nebulöse Abenteuer?“. „Alles, was ihr an Schätzen findet sowie drei Silbertaler pro Tag und Kost und Logis.“ Don Surez, der Magier, ließ eine Augenbraue gen Praios wandern. „Drei Silbertaler? Neun Dukaten im Monat? Selbst das Dreifache wäre kärglich für meine Kompetenz!“. Genüsslich steckte sich Don Brodinger eine weitere Pfeife an und fuhr damit fort, die schwüle Luft weiter zu verpesten. „Und alles, was ihr an Schätzen findet! Ich habe einen Waldelefanten als Transporttier organisiert, auf den genug Gold passt, dass man damit die brabaker Marine kaufen könnte.“ Ich konnte erkennen, wie der Zweifel aus den Mienen der anderen schlagartig verschwand und auch meine Bedenken nahmen sich eine Auszeit. War der feste Lohn auch nicht berauschend, so schien der variable Anteil die Mühe mehr als wert zu sein. Ich setzte einen Vertrag auf, der die Einzelheiten der Bezahlung und des Transports regelte und nachdem wir alle unsere Unterschriften unter das Schriftstück gesetzt hatten, wurde es dem Wirt des Glänzenden Papageien zur Verwahrung gegeben.

Mit großartiger Geste führte uns Don Brodinger danach in den Innenhof, in dem der Elefant mitsamt der Ausrüstung wartete und auch die drei einheimischen Führer die Brodinger engagiert hatte, herumlungerten. Während wir in den Hof traten, spuckte der älteste der Mohas aus und verfluchte uns verdammte Bleichgesichter auf seiner Muttersprache. Ich ließ mir nicht anmerken, dass ich jedes einzelne seiner Worte verstanden hatte und beschloss, es dem ungehobelten Kerl heimzuzahlen. Krachend drückte ich seine Hand und stellte mich mit langsamer und lauter Stimme vor, als würde ich mit einem Kind unterhalten. Der Hass in seinen blutunterlaufenen Augen sprang mir förmlich entgegen, aber er wagte es nicht, sich zu wehren und blickte beiseite. Ein Geruch nach billigem Fusel wehte mir von ihm entgegen und ich konnte den Schweiß auf seiner Stirn erkennen, der nicht von der Temperatur, sondern von einem Mangel an Alkohol stammte. Der tapfere Kutekutak war ein Opfer des Feuerwassers! Ein beinahe ebenso unerfreulicher Anblick war sein jugendlicher Bruder Hudujotukla, der Elefantenführer. Ein mageres Bürschchen, der seine stetig laufende Nase regelmäßig hochzog und es nicht wagte, einem von uns in die Augen zu blicken. Linkisch drückte er sich an dem Elefanten herum und blickte auf seine schmutzigen Füße herab. Ganz im Gegensatz zu diesen beiden Gestalten überstrahlte die dritte Moha alles. Eine aufgeweckte junge Frau, keck und mit genug Kurven, dass es einem schwindelig werden konnte. Ihre braunen Augen sprühten vor Lebenslust und Intelligenz und schon bald hatte sie, als Einzige der Gruppe wirklich des Brabaci mächtig, uns mit Fragen durchlöchert. Ich hatte dieses Verhalten schon öfters gesehen. Wenn Mitglieder wilder Stämme mit der Zivilisation konfrontiert werden, gibt es drei Möglichkeiten. Zum einen können sie überfordert werden von den neuen Möglichkeiten, verwirrt, dass ihre bisherigen Kenntnisse und Fähigkeiten nun kaum mehr gefragt waren und dass Dere aus mehr besteht, als ihrem kleinen Teil des Dschungels. Diese Gruppe von Wilden lebt an den Rändern der zivilisierten Städte, unfähig, zurück zu den Wegen ihrer Vorfahren zu finden und genauso unfähig, sich an das Leben in der Stadt anzupassen. Um ihr trostloses Schicksal zu ertragen, ergeben sich viele dieser armen Teufel dem Alkohol und übernahmen damit die schlechtesten „Segnungen“ der Zivilisation. Eine zweite Gruppe schafft die Rückkehr. Nachdem sie die Stadt und ihre Bewohner kennengelernt haben, gehen sie zurück zu ihrem Stamm mit neuen Geschichten, interessanten Handelsgütern und der unmissverständlichen Botschaft, dass der weiße Mann verrückt sei und man besser im Dschungel bliebe, wie es sich gehörte. Und die dritte Gruppe, die seltenste, ist diejenige, die alles Neue versucht aufzunehmen, die Wissen, Erfahrungen, Erlebnisse aufsaugt wie ein Schwamm und so viel lernen wollte wie möglich. Diese Moha sahen die Möglichkeiten, ihren Horizont zu erweitern, fremde Länder kennenzulernen und schienen von Hesinde, Nandus und Aves gleichermaßen beseelt zu sein. Zu dieser letzten Gruppe gehörte Leritamtamsun, für die die Erkenntnis, dass es mehr gab als den Urwald und die Stämme eine welterschütternde, wunderbare Offenbarung gewesen sein muss. Und wie so üblich führten diese unterschiedlichen Sichtweisen zu schweren Konflikten innerhalb der Familie wie ich bald auf der Reise feststellen sollte.

Nach einer letzten Nacht in einem richtigen Bett für viele Wochen, brachen wir am nächsten Morgen auf und wurden bald von der Vegetation des Urwalds verschluckt. Mühsam folgten wir dem kaum zu erkennenden Trampelpfad, während uns die feuchte Hitze den Schweiß aus den Poren trieb. Staub und Pollen tanzten in den wenigen Sonnenstrahlen, die die grüne Decke durchdringen konnten und das Zirpen der Insekten erfüllte das Halbdunkel. Für einen Moment marschierte ich wieder mit meinen Kameraden, vor mir der hünenhafte Alrik, direkt neben mir Gregorio mit seinen feuerroten Haaren, immer wachsam, immer aufmerksam, immer ein Auge auf die Umgebung und von hinten erklangen die geflüsterten Befehle von Traviane, der einzigartigen Traviane… Ich merkte, wie ich mich selbst in Erinnerungen verlor und rief mich zur Ordnung. Das war vorbei, lange vorbei! Ein anderer Dschungel, eine andere Zeit. Wir waren jetzt hier und es bedurfte all unserer Aufmerksamkeit, um die Expedition heil hinter uns zu bringen.

Südmeerkampagne 24. Kapitel – Das Nilpferd auf dem diplomatischen Parkett

Ort der Handlung: Chorhop (kein Scheiss!)
6. Travia – 13. Travia

In den letzten Tagen hatte sich die Situation der Gruppe angenehm entspannt. Man sonnte sich in dem Ruhm, den Mörder der Traviageweihten gefasst zu haben und war schon voller Vorfreude, die 1000 Dukaten, die besagte Traviageweihte im Bankfach liegen hatte, der Kasse der Wache zuzuführen. Um dies zu bewerkstelligen, musste erst einmal in Erfahrung gebracht werden, welche Sicherheitsvorkehrungen die Bank wohl so hatte. Kapitän Yuan machte sich daher auf, selbst ein Bankfach anzumieten für seine 400 (nicht 300, nicht 500, nicht 20, nein 400!) Dukaten. Mit viel Diplomatie und Können ging er dem Bankangstellten auf den Sack und sammelte so wertvolle Pluspunkte. Es stellte sich heraus, dass Bankfachinhaber einen Wechsel bekamen, zusätzlich jedoch die Möglichkeit hatten, eine Passwortfrage zu hinterlegen. Einen Wechsel hatten wir in den Unterlagen der Geweihten jedoch nicht gefunden und so suchten wir erneut gründlichst ihre Habseligkeiten. So gründlich war die Gruppe, dass sie nicht nur im Hospiz und der Wohnung der Traviageweihten nachschaute, sondern auch in der angeblichen Zweitwohnung, die der Prätor selbst fingiert hatte, um den Mörder zu fassen und die die Traviageweihte nicht einmal von der Ferne gesehen hatte. Beinahe wäre die Suche aufgegeben, als in dieser Wohnung nicht auch nur die geringste Spur bezüglich der Geweihten gefunden wurde, doch im Spind des Hospizes wurde Myrmidion fündig: Ein Brief des Vaters der Geweihten (Nein, Yuan, nicht der Losverkäufer, der sich als ihr Mörder entpuppt hatte!) in dem er seiner Unverständnis ob der ihm zugesandten Unterlagen Ausdruck verlieh. Der Hauptgewinn!

Als Mann von Welt, der nicht nur in den höchsten Ebenen der Stadtverwaltung, sondern auch in den Niederungen der Halbwelt zuhause war, hatte Yuan innerhalb eines Tages einen vertrauenswürdigen Fälscher ausfindig gemacht und wollte sich von Ignazio mit der dicken Nase einen Brief in der Handschrift der Geweihten anfertigen lassen, in der sie ihren Vater bat, die Unterlagen wieder nach Chorhop zu senden. Als Schriftvorlage zeigte er Ignazio den Brief des Vaters… und bemerkte dann seinen und der ganzen Gruppe Denkfehler. Also wurde erneut Hospiz und Wohnung (Diesmal nicht die Zweitwohnung! Lerneffekt!) durchsucht und alsbald stand man mit der Einkaufsliste (3 Liter Milch, Toilettenpapier, erwürgungssicherer Schal – leider ausverkauft) erneut vor dem Großnasigen und diktierte ihm den Brief. „Tach Papa, schick mir mal die Unterlagen wieder, ich bin jetzt bei meinem Kumpel dem Prätor. Küsschen, deine Tochter.“ Selbst den Beinaheanalphabeten der Gruppe ging auf, dass das wohl eher nicht dem Tonfall der Geweihten entsprach. Doch wozu hatte man Bedienstete? Trotz der Kaspereien Myrmidions und Yuans setzte der Sekretarius ein entsprechendes Schreiben auf, das dann, noch warm von den Verzweiflungstränen des Sekretärs, an Ignazio überreicht wurde, der in Folge dann den Brief in Handschrift und Tonfall der Traviageweihten anfertigte. Pikiert zwar, doch voller Pflichterfüllung sendete der Sekretär im Anschluss den versiegelten Brief ins Horasreich, wo der Vater momentan residierte. Der erste Schritt zur Bergung des Bankschatzes war getan und dabei waren lediglich der Sekretarius und der Bankfachangestellte extrem angepisst!

Eigentlich hätte man sich nun gemütlich in die Hängematte legen und dem Lauf der Dinge seinen… Lauf lassen können, doch gerade, wenn man denkt es ist alles in bester Ordnung, stehen vom schnellen Laufen hechelnde Bedienstete im Eingangsbereich und blöken „Ein Überfall! Eindringlinge!“ in die ruhige, nachmittägliche Atmosphäre. Seufzend packte sich die Offizierskaste der Wache ihre Helme und schlenderte eilig zum Tatort: Dem Haus der Almosarin. Doch leider falscher Alarm: Die Angreifer waren von der Wache zu 50 Prozent getötet, zu 50 Prozent schwer verwundet worden und das Haus der Almosarin war so unberührt wie die alte Jungfer selbst. Nachdem sie ein wenig herumgepöbelt hatte und auch nicht ganz verstehen konnte, dass die Reduktion des Wachbudgets leider dazu geführt hatte, ja, dazu führen musste! dass in dem Viertel nicht mit der nötigen Frequ- und Präsenz patrouilliert werden konnte, verabschiedete sich die Wache, nahm den Delinquenten mit und ließ die Sache auf sich beruhen. Blöderweise erhob sich die Geschichte jedoch bald wieder wie ein Untoter und enervierte alle Beteiligten aufs Äusserste.

Am nächsten Tag war nämlich erneut die Prätorversammlung und wieder hatte jeder seine Speichellecker, Kostgänger und Arschkriecher mitgebracht. Nur im Falle des Schutzprätors handelte es sich bei den Begleitern natürlich um edle Freunde, selbstlose Unterstützer seiner Sache, im Einzelnen Yuan, Tjalf, Diago und Nostromo. Hier kam dann erneut der Überfall auf das Haus der Almosarin aufs Tapet und die alte Giftnatter erzürnte sich ordentlich darüber. Während sie in ihrem Wahn vor sich hinzeterte, klüngelte Myrmidion auf Geheiss des Schutzprätors aus, dass von nun an 20 % der Einnahmen, die der Kadi durch den Verkauf von Straftätern in die Sklaverei erhielt, an die Stadtwache gingen. Während wir uns also ob der neuen Geldquelle die imaginären Finger leckten, hub die Zeterziege zu einem vernichtenden Schlag aus. Da anscheinend die Wache mehr Geld benötigte, würden Spieleprätor und Würfelprätor jeweils 5 % weniger bekommen, dafür der Schutzprätor 10 % mehr. Eisige Blicke durchbohrten Yuan und Hass kochte in den betroffenen Prätoren hoch, während die Zimtzicke sich angesichts ihres Intrigenspiels beinahe selbst einnässte.

Nachdem das Essen ein rasches Ende gefunden hatte, versuchte Yuan zumindest ansatzweise die Beziehungen zu kitten und bot Trom, dem Würfelprätor, einen höheren Anteil an den Gewinnen des Würfeltischs in der Wache an. Dem ebenso undankbaren wie dümmlichen Spieleprätor versprach er, die 5 % unter der Hand wieder zukommen zu lassen, was dieser mit dem genialen Gegenangebot konterte, ihm doch 6 % zu geben. Es dauerte einige Stunden, aber dann war dem Fettsack klargemacht worden, dass man ihm auch einfach gar nichts geben könnte und er zumindest ein wenig Dankbarkeit zeigen sollte. So ganz kapiert hatte er es jedoch immer noch nicht und so blieb ein vage feindseliger Eindruck zurück. Doch damit nicht genug! Auch der nächste Tag stand wieder im Zeichen von Verwicklungen.

Erneut stand früh morgens ein Bediensteter in der Tür und scheuchte die Oberhäupter der Wache ans Jaguartor. Hier hatten sich drei Wächter mit kampfbereiter Hellebarde vor einem ebenso kampfbereiten Moha mit Speer postiert und während sich die beiden Parteien gegenseitig in jeweils unbekannter Sprache anbrüllte, schien der Ausbruch von Feindseligkeiten nur wenige Augenblicke entfernt zu sein. In gewohnt inkompetenter Art machten die Wächter Meldung. „Der Moha! Speer! Herr! Speer!“ Sinnvolleres war nicht aus ihnen herauszubekommen. Im Gegensatz zu den minderbemittelten Wächtern konnten jedoch sowohl Yuan als auch Nostromo Mohisch sprechen und hatten so alsbald heraus, was der Wilde zu sagen hatte und warum dieser Aufstand überhaupt stattfand. Anscheinend waren die Wächter verärgert, dass der Wilde ein Pferd mit dem Stadtwappen bei sich hatte++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++655555-5454449954-54, war doch mit just diesem Pferd vor einigen Tagen der Steuereintreiber aus der Stadt geritten, der nun seit einiger Zeit vermisst wurde. Der Moha hingegen hatte das Pferd an sich genommen, nachdem er Zeuge des Mordes an dem Steuereintreiber durch einige Halsabschneider geworden war. Diese lokalisierte er in dem ehemaligen Fischerdorf Nasha, dass sich seit einiger Zeit jedoch neben der Fischerei ein zweites Standbein in der Piraterie geschaffen hatte. Gegen eine anständige Belohnung aus der Schiffskasse (die leider keine bunten Glaskugeln enthielt und somit um 10 Dukaten erleichtert werden musste) wurde das Pferd wieder in Stadtbesitz gebracht und für den Abend ein Essen mit der Kriegsprätorin und dem Moha ausgemacht, um ein mögliches Vorgehen gegen die Piraten zu planen. Da die Kriegsprätorin jedoch lieber ihre (unsere!) Männer auf den Mauern sah, lief der Plan auf das hinaus, auf das es immer hinausläuft: Die Gruppe würde, in Begleitung der Kriegsprätorin, Nasha auskundschaften und schauen, ob sich die Situation so lösen ließ. Während die Planung noch auf Hochtouren lief, näherte sich vor dem Wachhaus ein schmieriger Halunke Diago und ließ ihm einen Beutel mit 120 Dukaten zukommen für das Versprechen, dafür zu sorgen, dass der Schutzprätor bald seines Amtes enthoben werden würde. Im Gegensatz zu Tjalf, der einer solchen Bestechung mannhaft die Stirn geboten hatte, siegte hier jedoch die Goldgier und schnell hatte der ehemalige Smutje und aktuelle Hauptmann der Brandwache einige der Dukaten an seinen Untergebenen, den Oberbrandstifter gegeben, mit der Maßgabe, im Prätorviertel für Rabatz zu sorgen. Das Geld wurde dann an die eingeteilten Wachen verteilt, die von dem zusätzlichen Budget einge- und für den Schutz des besagten Viertels abgestellt worden waren mit der Maßgabe, sich dafür in der Nacht die Hucke vollzusaufen.

Entsprechend erstaunt war der Schutzprätor, als am Morgen ein entrüsteter Bediensteter des Kadis und Hafenmeisters auf der Matte stand und berichtete, dass es in der Nacht erneut einen Überfall im Viertel gegeben habe. Mit Hilfe der Wachliste waren die eingeteilten Wächter für die letzte Nacht bald herausgefunden und einige Schläge Tjalfs entlockten ihnen bald, dass sie vom Oberbrandstifter Geld bekommen hätten, um an diesem Abend wegzuschauen. Weitere Schläge folgten und alsbald gestand der Oberbrandstifter, dass er von einer vermummten Gestalt, etwa mittelgroßklein mit blondbraunen Haaren einen Beutel bekommen habe, um den Weg für eine Brandstiftung freizumachen. Weitere, von Schlägen unterstützte Nachforschungen förderten zutage, dass es keinen einzigen Brand in der letzten Nacht gegeben hatte und ein nun vollkommen enragierter Schutzprätor schmiss erst den Oberbrandstifter und, als er Widerworte von Diago bekam, auch diesen aus der Wache, um im selben Atemzug Tjalf zu seinem zweiten Hauptmannstitel zu verhelfen: Tjalf, Hauptmann der Ausbildung und der Feuerwache! Ausserdem wurde der bisherige Laufbursche, ein 12jähriges, magersüchtiges Klappergestell mit viel zu großen Zähnen, in die Feuerwache aufgenommen. Mit der Kleidung des ehemaligen Oberbrandstifters ausgestattet, die ihm nicht nur viel zu lang, sondern auch viel zu weit war, wurde er dann abkommandiert, auf den Türmen der Stadt zu wachen und die Bürger vor einfallenden Horden zu bewahren. Da die Untersuchungen beinahe den gesamten Vormittag angedauert hatten, war an ein Aufbruch in das 3 Tagesmärsche entfernte Nasha nicht mehr zu denken und die Expedition wurde auf den nächsten Tag verlegt.

Wieder kam es jedoch anders als geplant. Am nächsten Morgen, der Schutzprätor war gerade in der Stadt unterwegs, stürmten erneut Bedienstete in die Wachstube und berichteten von einem Brand beim Kadi. Der Hauptmann der Feuerwache reagierte, wie es ein guter Hauptmann tut. „Hat der Besitzer schon bezahlt?“ Auf die verneinende Antwort wurde entschieden, noch nicht zu löschen, sondern sich lediglich bereitzuhalten und mit Eimern und Pumpe bewaffnet in der Nähe des Brandes herumzulungern, bis genügend Dukaten den Besitzer gewechselt hatten. Gesagt, getan und schon standen ein halbes Dutzend Wächter um einen reich verzierten Kutschschuppen herum und schaute zu, wie die Kutsche, Stroh, Peitschen, Sättel usw. in Rauch aufging. Das Feuer dieses Brandherdes war jedoch nichts im Vergleich zum Feuer der Wut von Yuan, der in diesem Moment um die Ecke bog und sofort das Löschen einleiten ließ. Nachdem er beim ungehaltenen Kadi herumgebuckelt war und ihm 10 % der Sklaveneinnahmen versprach, um den Verlust zu decken, und somit zumindest ansatzweise den guten Mann zu beruhigen, schnauzte er danach die Wachen zusammen. Diese jedoch waren von einer Dämlichkeit, die ihresgleichen suchte und verstanden nicht (oder wollten nicht verstehen?) dass es keine gute Idee war, den Besitz des Mannes anzuzünden, der zwei Prätorenämter innehatte, der die Bank besaß und der zu einer der reichsten und mächtigsten Familie der Stadt gehörte. Die Klotzköpfigkeit der Wachen war so groß, dass sie selbst den Verlust ihrer Stelle (und damit ihrer Bezahlung) und schwere Leibstrafen, verabreicht von Tjalfs Fäusten, sie nicht dazu bringen konnten, auch nur für einen Heller nachzudenken. Aus diesem Grund wurde die 1. Yuan´sche Direktive aufgestellt: Brandstiftungen würden erst nach direkter Absprache mit ihm durchgeführt werden. Keine Alleingänge mehr! Erneut war der Vormittag vertan, so dass die Nashareise wieder abgesagt wurde. Doch der Tag war noch nicht zu Ende, nun kam es knüppeldick. Am Abend wurde Yuan zum Vogtvikar zitiert!

Die Begrüßung durch den obersten Phexgeweihten war mehr als frostig und auf seine Ankündigung, er habe ein ernstes Wörtchen mit Yuan zu reden, entschuldigte sich der Schutzprätor wortreich dafür, dass seine Brandwehr das Feuer so spät erst löschen konnte. In Zukunft würde das nicht mehr vorkommen, dafür würde er, Yuan, persönlich sorgen. Interessiert hob der Vogtvikar eine Augenbraue. „Ein Brand? Wie interessant, wo hat es denn gebrannt? Davon wurde mir nichts berichtet…“ Yuan lief weiß an, doch Myrmidion und Yuan sprangen rasch in die Bresche. „Jaaa… bei der Übung… Genau, das Strohfeuer… um die Arbeit der Feuerwache einschätzen zu können. Jaaa, die waren etwas langsam, das wird jetzt geübt werden müssen… So ist es!“ Dies schien den Geweihten zufrieden zu stellen, dennoch ging nun ein Donnerwetter auf Yuan nieder. „Wie ich hörte, seid ihr nicht in der Lage, die Stadt und ihre Bewohner zu schützen. Erst gestern kam es zu einem Zwischenfall im Prätorenviertel. Ausserdem scheint ihr es zu eurer Aufgabe gemacht zu haben, die Wache systematisch untauglich prügeln zu lassen. Von der Kriegsprätorin bekam ich bereits Beschwerden, dass ihr Personal kaum noch in der Lage sei, die Mauern zu bemannen. Und was euch geritten haben mag, ihr einen 12 jähriges Bürschchen zu schicken, das nun auf den Mauern Soldat spielt, das wissen die Götter allein. Ich frage mich langsam, ob ihr wirklich der richtige Mann auf der Position seid. Was habt ihr in Bezug auf die verschwundenen Steuereintreiber unternommen? Hier liegt einiges im Argen, wie mir scheint. Ihr solltet anfangen, euren Kram unter Kontrolle zu bekommen, ansonsten könnte es sein, dass ihr euren Titel verliert… vielleicht sogar euren Kopf… Und nun entfernt euch!“ Wie geprügelte Hunde schlich die Gruppe aus dem Raum und war nicht einmal mehr in der Lage, einzuwenden, dass sich die Steuerbeamten bei deren Verschwinden ausserhalb der Stadtmauer und somit im Kompetenzgebiet der Kriegsprätorin aufgehalten hatten.

Pro:
– Es gab keine Verluste an Menschenleben

Contra:
– Nicht nur die niederen Chargen (Bankangestellte, Sekretarius, Oberbrandstifter) sondern auch die höheren Ränge (Spiele- und Würfelprätor, Kriegsprätor, Kadi, Vogtvikar) sind von den Handlungen des Schutzprätors genervt. Ideale Voraussetzungen für eine ruhige Amtszeit!
– Unter den Wachen gibt es nicht einen, der einen IQ über 99 hätte