Geschichten der Wanderhure, Episode 0 – die Fleischbestien

Eine schöne Expedition sollte es werden. Aus der ehemaligen Heimat in den unerforschten Norden. Die Steppen des Horasreiches und die Gebirge, gemeinhin auch bekannt als Eternen, sollten nicht länger ein weißer Fleck auf der Landkarte bleiben, sondern festgehalten werden. Außerdem, so hörte ich, gibt es Eingeborenenstämme und fremdartige Tiere zu sehen. Alles in Allem, eine Reise die sich lohnen würde.
Die sieben Sachen gepackt und los geht es an einem sommerlichen Morgen. Mit mir die üblichen Verdächtigen die so eine Expedition braucht: ein schrulliger Kartograph, ein hübscher Wildniskundiger, ich als Universalexpertin für Geographie, fremde Völker und Göttlichen Beistand, ein Dutzend Träger und was da noch alles dabei sein muss.
Die Reise verlief die erste Woche erstaunlich langweilig. Keine Tiere, keine fremden Menschen, nur die wunderbare Steppe – die mich schon nach 2 Tagen etwas langweilte. Der Weg ist das Ziel, aber wenn der Weg so ereignislos ist…
Als dann aber eine Meute Löwen und Tiger dachte, dass wir als Mitternachtsmahl vorzüglich taugen, wurde es mir ganz schnell zu wild. Überall wurde geschrieen, Blut spritzte, Knochen knackten, Löwen (und Tiger) rülpsten und schlugen sich die Bäuche voll. Mein erstes echtes, leibhaftiges Blutbad. Das hatte ich mir anders vorgestellt. Insbesondere, dass es nie dazu kommen würde.
Zum Glück wusste Aves einen Weg hinaus. Am dritten Grasbüschel links, unter dem anspringenden Löwen wegtauchen, kurz verharren im Schatten des Zeltes und dann ab durch die Mitte. Es tut mir Leid, dass ich nichts weiter tun konnte, um meine Begleiter zu retten, aber ich diene schließlich Aves und nicht Ronda, Kor oder Firun. Was konnte schon von mir erwartet werden?
Ich muss sicherlich nicht erwähnen, dass die nächsten Tage alleine in der Steppe grauenhaft waren. Keine Reisegruppe um die Reiseerfahrung zu teilen, jede Nacht kaum Schlaf aus Angst vor weiteren Fleischbestien, im Schlaf nur grauenhafte Alpträume von Schreien, Blut und Knochen.

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Südmeerkampagne 25. Kapitel – Krawall in Nasha

Ort der Handlung: Nasha
13. Travia – 24. Travia

Nachdem der Schutzprätor beim letzten Mal einen gehörigen Einlauf und den Auftrag bekommen hatte, sich um den verschwundenen Steuereintreiber zu kümmern, war es nun an der Zeit, den angeschlagenen Ruf aufzupolieren und zum Piratennest Nasha aufzubrechen. Mit der Kriegsprätorin wurde ausgemacht, sich in 6 Tagen einige Meilen vor Nasha zu treffen. Die kampfgestählte Moha würde 20 Mann der Stadtgarde mobilisieren und gemeinsam mit unserer Schlagkraft und den bis dahin von uns gesammelten Informationen über Zahl und Fähigkeit der Piraten würden wir dann das Dorf von den Piraten säubern, die Steuereinnahmen in den Schoß der Stadt zurückbringen und nebenbei, als optionales Tertiärziel untergeordneter Bedeutung, den Steuereintreiber nebst seiner Leute retten. Da Juan als Schutzprätor dringlichst in der Stadt gebraucht wurde, brachen lediglich seine Untergebenen, Tjalf, Myrmidion und Nostromo auf, begleitet von Diago. Ausgerüstet mit einem ordentlichen Picknickkorb (Hartgekochte Eier, Caprisonne, Egelschreckcreme) wanderte die Gruppe fröhlich pfeifend über Dschungelpfade, vorbei an malerisch heruntergekommenen Plantagen und erreichte nach 2,5 Tagen eine Ortschaft kurz vor den Toren Nashas. Die inzestgeschädigten Bewohner dieses namenlosen Kaffs konnten leider kaum wertvolle Informationen liefern, war man sich doch die letzten 5 Jahre zu fein gewesen, seinen Hintern hochzubekommen und Nasha mal zu besuchen. Einzig relevant war, dass Nasha anscheinend jeden Monat ein paar Schlagetots vorbeischickte und die umliegenden Plantagen ausplünderte. Dieses schamlose Verhalten empörte die Gruppe sehr, war diese ehrenwerte Aufgabe doch eigentlich den Steuereintreibern Chorhops vorbehalten! Nun noch entschlossener, dem Piratenunwesen Einhalt zu gebieten, wurde nicht mehr geruht und gerastet, bis das Freibeuternest erreicht wurde.

Leichte Zweifel an der Einfachheit der Situation kamen auf, als erkannt wurde, dass sich die Einwohnerzahl von vermuteten 300 vor 5 Jahren auf nun 600 verdoppelt hatte. Und leider war dieser Zuwachs nicht Tsas Segen der Fruchtbarkeit zuzuschreiben, sondern der Tatsache, dass übles Gesindel aus dem ganzen Südmeer sich hier niedergelassen hatte. Strategisch günstig gelegen in einer Bucht mit lediglich einem einzigen Landzugang, umgeben von einer beinahe 3 Schritt hohen Palisade aus angespitzten Baumstämmen präsentierte sich der Ort als wehrhaft und schwer einzunehmen. Darüberhinaus lagen gleich drei Piratenschiffe in der Süßwasserbucht vor Anker, zwei davon von dem gefürchteten Bund der schwarzen Schlange, der mit Tjalf noch einige Hühnchen bzw. Körperteile auszurupfen hatte. Tjalf ging sofort in den Inkognitomodus und verwandelte sich in den sanftmütigen horasischen Dichter Ulf, um sich vor den Häschern der Schlange zu verstecken. Einige Kopfnüsse später hatte auch Myrmidion verstanden, dass der Name Tjalf in der Stadt nicht gebraucht werden durfte und ging erst von einem „Tj..Ulf“ zu „Ulf“ über. Zur weiteren Vervollkommnung seiner Rolle erwarb Ulf noch ein Kopftuch, eine Hakenhand und ein Holzauge. Nachdem er seine Augenbinde mitsamt dem Dreck der letzten Jahre vom Kopf abgemeisselt und das neu erworbene Auge an seinen rechtmäßigen Platz geprügelt hatte, erinnerte kaum mehr etwas an den muskelgestählten, kampfstarken Thorwaler. Selbst seinen langjährigen Gefährten passierte es glatt, dass sie ihn nicht erkannten. Eine Entdeckung durch übereifrige Schnüffler vom Bund der Schwarzen Schlange war quasi unmöglich!

Mit der ihm eigenen Diskretion und Gewitztheit quetschte Myrmidion den Empfangschef des Dorfes, Ruygoso nach den Machtstrukturen der Stadt aus. Oberpirat und unangefochtenes Oberhaupt war Brenno der Berserker, ein Trumm von einem Mann, desse Hobbies Plündern, Goldansammeln, Saufen und lange Spaziergänge am Strand waren. Dieser freundliche Mann residierte in einer schönen Piratenburg im Nordwestteil der Stadt und hielt gerade Kriegsrat mit den Kapitänen der Piratenschiffe, darunter der gefürchtete Großmufti Manilo „Die schwarze Hand“ vom Bund der Schlange. Der Moha hatte in seinem bewegten Leben einmal zu oft mit Hylailer Feuer jongliert und sich so seine linke Hand bös verbrannt. Diese Lädierung hatte ihn jedoch nicht davon abgehalten, sich wie ein Riesenarmleuchter aufzuführen und sich einen Ruf als gnadenloser Kapitän zu verschaffen. Myrmidion setzte sich unauffällig an einen Tisch neben der Kapitänsrunde, war dann aber so fasziniert von dem Glücksspiel, dass dort stattfand, dass er von der Beratung nichts verstand, so dass die zweifelsohne düsteren Pläne der Piraten unbekannt blieben. Angesichts von etwa 40 anwesenden Seeräubern, von denen nicht wenige zum Bund gehörten, verzog sich die Gruppe rasch wieder. Weiteres Umhören förderte zutage, dass sich der Steuereintreiber samt seinen zwei Begleitgardisten in einem Käfig im Wasser befanden und dort durch Flut und Ebbe gefoltert wurden. Bei steigendem Wasser standen die Gefangenen bis zur Unterlippe im Wasser, während bei Ebbe die Sonne auf die ausgemergelten Gestalten niederbrannte. Natürlich stand die Rettung der armen Leute danach ganz oben auf der Liste, als jedoch bekannt wurde, dass nach dem Überfall auf den Steuereintreiber mehrere Kisten in die Piratenburg geschafft worden waren, verschoben sich die Prioritäten wieder. Mehrere Kisten, vermutlich mit Gold gefüllt? Die guten Leute würden noch ein wenig aushalten müssen in ihrem bequemen Luxuskäfig. Ausserdem konnte herausgefunden werden, dass der Schlangenbund zwei Katapulte in die Stadt geschafft hatte. Diese standen, von vier grimmigen, schwerbewaffneten Schlägern bewacht auf einer kleinen Anhöhe in der Stadt. Eines davon war auf die See, das andere auf den Landzugang gerichtet. Was genau die Piraten damit anstellen wollten, blieb jedoch unklar, angeblich wollte man damit die Moha abschrecken.

Myrmidion nahm noch Kontakt mit dem Efferdgeweihten auf, einem einäugigen ehemaligen Steuermann, der es durchaus gerne sehen würde, wenn die ehrlichen Fischer und Fischerinnen des Dorfs von den rabaukigen Piraten befreit werden würden. Schnell bastelte Myrmidion einen Plan zusammen, der einen koordinierten Angriff sämtlicher Mohastämme der Umgebung, ein gleichzeitiges Kommandounternehmen gegen die Schiffe und das Katapult sowie weitere größenwahnsinnige Unterabschnitte vorsah. Heftiges Herumdiskutieren und Überdenken der ganzen Geschichte ließ zumindest die übertriebensten Teile wegfallen, so dass am Ende ein lediglich extrem unrealistischer Plan stand. Mit Hilfe von Fischerbooten würden die Gardisten bei Nacht in die Stadt gebracht werden. Myrmidion würde dann die Taverne anzünden und dabei eine Feuerschlange vor das Gebäude in den Sand zeichnen, um den Verdacht auf den Bund zu lenken. Gleichzeitig würde der Rest der Gruppe die Wachen an den Katapulten ausschalten, diese auf die Piratenburg ausrichten und abfeuern. In dem anschliessenden Chaos würde man das Gold aus der hoffentlich in Trümmern liegenden Burg bergen, weiteren Unfrieden zwischen den freien Piraten und den Bundlern stiften und danach die Reste mit Waffengewalt aufwischen. Soweit der Plan… doch wie so häufig klafften zwischen Wunsch und Wirklichkeit Lücken, in denen man ganze Elefantenhorden hätte verstecken können. Die ersten Teile funktionierten erstaunlich gut. Ohne Probleme gelangten die Gardisten inklusive Kriegsprätorin und einem Geschützmeister in die Stadt. Auch das Anzünden der Kneipe sowie das Anlegen der Schlange gelang Myrmidion wunderbar, ebenso das Ausleuchten der Burg, um dem Richtmeister die Zielerfassung zu erleichtern. Während der quirlige Zyklopäer also durch die Stadt wirbelte, zog Ulf die Aufmerksamkeit der Katapultwächter auf sich, indem er als Betrunkener vor deren Stellung herumkasperte. Von diesen unbemerkt, schlichen sich Diago und Nostromo von hinten heran und als der Zeitpunkt günstig zu sein schien, legte Nostromo all seine Kraft in einen Axthieb gegen den überraschten Wächter. Mit einem platschenden Geräusch riss das Kriegsbeil den Rücken des Piraten auf, der sofort zu Boden ging und Blutfontänen über seine überraschten Kollegen verteilte. Der Hieb Diagos verwundete die zweite Wache schwer am Arm, bevor Ulf seine Tarnung fallen liess und zu Tjalf wurde. Lässig schickte er die dritte Wache, die noch stark damit beschäftigt war, fassungslos auf den getöteten Kameraden zu blicken, auf den Boden, wo sie vor sich hinweinend liegenblieb. Beflügelt von dem ersten Erfolg knüppelten Diago und Nostromo den nächsten Wächter nieder, während der vierte unter Tjalfs Hieben ebenfalls weinend umfiel. Noch nicht zufrieden mit seiner Performance, ließ Tjalf seine Orknase auf den zu Boden gegangenen Gegner niederfahren und trennte diesem damit das linke Bein ab. Während der letzte Wächter sich aufzurappeln versuchte, schwang Tjalf die Waffe mit einem lässigen Rückhandschlag in seine Richtung und wiederholte seine Leistung auch bei diesem Gegner. Dieses mal musste jedoch das rechte Bein dran glauben. Innerhalb von wenigen Augenblicken waren also die Katapulte unter unserer Kontrolle und während Tjalf und Nostromo die Leichen über die Palisade zu den wartenden Krokodilen wuchteten, um keine Spuren zurückzulassen, richteten die Soldaten die Geschütze auf die Piratenburg aus. Nervös blickte die Gruppe auf die Löschschlange, die sich in der Stadt gebildet hatte. Eimer um Eimer Wasser wurde auf die immer noch fröhlich lodernde Kneipe gekippt. Es wurde Zeit, den Aufruhr zu vergrößern! Noch während dieser Gedanke durch die Köpfe der Gefährten ging, schlug der Geschützmeister die Seile durch und mit einem leisen Rauschen sausten die Felsbrocken aus den Katapultarmen gen Stadt. Nur wenig später wackelte die Erde, als beide Geschosse punktgenau ihr Ziel trafen und zuerst der West- dann der Ostflügel in einer Explosion aus Holzsplittern zerstört wurde. Vollkommen überrascht von dem unverhofften Erfolg musste sich die Gruppe erst sammeln, doch nachdem Myrmidion wieder eingetroffen war, wurden die nächsten Schritte des Plans ausgeführt. Ab hier ging dann allerdings alles schief. Zwar konnten die Gefangenen noch befreit werden, aber es gelang Myrmidion nicht, einen Bürgerkrieg zwischen den freien Piraten und dem Bund der Schwarzen Schlange anzustacheln. Die Gruppe teilte sich auf in Nostromo mit zwei Soldaten, die nach dem Goldschatz in den Trümmern der Burg schauen sollten und den restlichen knapp 20 Mann, die kleinere Piratengruppen erschlagen würden, dabei immer einen Überlebenden entkommen lassend, der die Nachricht von Angriffen der Schwarzen Schlange weitertragen sollte. Das klappte leider überhaupt nicht, so dass sich die Piraten langsam zusammenrotteten, um der Gruppe entgegenzutreten, die sie da in ihrem eigenen Lager überfiel. Noch weniger erfolgreich war die Suche nach dem Gold. Während die beiden Soldaten zwar Schatztruhen entdeckten, war Nostromo nicht in der Lage, auch nur einen einzigen Kreuzer zu finden (Doppel-20 bei der Wahrnehmungsprobe… zum zweiten Mal mit diesem Charakter!) und schlussfolgerte daher, dass die Dukaten wohl als Bezahlung für die Katapulte auf das Schiff der Schwarzen Schlange gebracht worden waren.

Ab hier musste daher improvisiert werden und man gelangte ganz schnell vom Regen in die Traufe. Ein im Hafen liegendes Ruderboot wurde konfisziert und man ruderte rasch um das Piratenschiff herum, um es dann von der Seeseite zu entern. Es war davon auszugehen, dass die Wachmannschaft ganz damit beschäftig war, sich den Tumult in Nasha anzusehen, so dass man leise von der anderen Seite an Bord würde schleichen können, um sich danach der Piraten zu entledigen und mit dem gekaperten Schiff elegant nach Chorhop zurückzusegeln. Soweit die Idee, praktisch scheiterte der Spass jedoch bereits daran, dass Myrmidion beim Klettern abrutschte und ins Wasser fiel, während Diago und Tjalf beim Besteigen der Bordwann immer wieder laut krachend gegen diese stießen und schliesslich ins Ruderboot zurückpurzelten. Lediglich Nostromo und sieben der Soldaten gelang es, das Boot zu entern. Anstelle einer überraschten Mannschaft warteten dort jedoch 14 Piraten mit gezogenen Waffen auf die Neuankömlinge… Bevor es allerdings zum Austausch von Worten oder Schlägen kommen konnte, zoomte die Kamera heraus und der Abspann lief über das aus der Vogelperspektive aufgenommene Nasha.

Pro:
– 40 % des Plans haben wunderbar funktioniert!
– Tjalf lief wieder zur Höchstform auf und hat zwei weitere abgeschlagene Beine auf seiner Trophäenliste zu verzeichnen.

Contra:
– 60 % des Plans haben gar nicht funktioniert!
– Vor uns misstrauische Piraten, hinter uns das Meer… Was mag die bessere Alternative sein?

Im Herzen der Finsternis – Regen

Der Weg durch den Urwald war beschwerlich, doch langsam gewöhnte ich mich an die Unannehmlichkeiten. Jeder Dschungel hat seinen eigenen Takt, seine eigene Melodie. Und wer nicht in dieser grünen Hölle versinken möchte, der ist gut damit beraten, sich auf diese Melodie einzustellen und nach ihr zu tanzen. In diesem Urwald trommelte gegen die Mittagszeit für eine Stunde ein ausdauernder, alles durchnässender Regen herab und machte ein Weiterreisen unmöglich. Da Kutekutak es nicht für nötig gehalten hatte, uns zu warnen, waren wir am ersten Tag zur kaum verhohlenen Schadenfreude des Mohas nass geworden wie brünstige Hinterhofkater, bevor es uns gelang, die Zelte aufzustellen. Während wir auf das Ende des Regens warteten, löcherte die Moha Zwerg und Halbelf weiter mit ihren Fragen und bewies mit dem zielstrebigen Einsatz ihrer Reize eine Berechnung, die jeder Mitgiftjägerin Al Anfas gut zu Gesicht gestanden hätte. Als der Regen schlagartig stoppte und der nun aufsteigende Dampf den Blick vernebelte, nutzte ein Waldpanther die Gunst der Stunde und griff unseren Elefantenführer an. Meine Vermutung, dass Tollwut das Raubtier dazu gebracht hatte, eine mehrköpfige, ihm überlegene Gruppe anzugreifen, erwies sich glücklicherweise als falsch. Als es nach wenigen Hieben jaulend zwischen den Bäumen verschwand, wurde mir klar, dass wohl der Hunger es zu diesem aussichtslosen Überfall motiviert hatte. Vielleicht ein altes Tier, zu schwach, schnelle Beute zu jagen und nun von Hunger gequält dazu gezwungen, selbst überlegene Gegner anzugreifen, solange sie nur langsam genug waren. Während die anderen Mohas den Verwundeten ausschimpften und wir die Ausrüstungsgegenstände, die der überängstliche Elefant bei dem Angriff verloren hatte, zu retten versuchten, stahlen sich erneut Erinnerungen in meine Gedanken.

Einen offenen Angriff eines Tigers hatte ich vorher nie erlebt und trotzdem hatten wir Verluste durch diese Raubkatzen erlitten. Einzelne Kameraden, die sich hatten zurückfallen lassen oder die des Nachts ihre Bedürfnisse fern des Lagers verrichtet hatten, waren teils ohne Spur verschwunden, teils konnten sie schwer verwundet gerettet werden, nachdem ihr Geschrei den Rest von uns aus seinem unruhigen Dösen geweckt hatte. Ich wischte mir über das Gesicht, um die grausamen Bilder zu verscheuchen und nachdem die oberflächlichen Wunden Hudujotukla von Kutekutak ruppig verbunden worden waren, reisten wir weiter. Mehr und mehr stellte ich mich auf den Rhythmus des Dschungels ein und begann, seine Melodie zu verstehen. Als am nächsten Tag die Luft eine bestimmte Qualität annahm, ein bestimmter Druck sich auf die Ohren legte, ahnte ich, dass der Regenschauer bald einsetzen würde und so gelang es uns, die Zelte rechtzeitig aufzubauen. Kutekutak konnte sein Bedauern kaum verhehlen. Während ich stoisch in den Regen stierte, behielt ich den Moha im Augenwinkel und konnte sehen, wie ihn das Zittern packte. Der armselige Versuch, seine Sucht zu verbergen galt wohl nur noch seinem eigenen Stolz. Jeder mit zwei Augen im Kopf sah durch seine billige Tarnung hindurch, als er sich einem Busch zuwandte und vortäuschte, Blätter zu sammeln, während seine Rechte flink einen Flachmann aus dem Beutel zauberte und zu seinem Mund führte. Immer stärker wurde der Gedanke, dass Kutekutak zu einer Belastung und damit zu einer Gefahr für die gesamte Gruppe wurde.

In einer feindlichen Umgebung wie dieser hatte sich Schwäche noch immer als Sendbote des Untergangs erwiesen. Einige meiner Kameraden hatte die nervliche Anstrengung der andauernden Kämpfe, der ständig präsenten Gefahr im unendlich wirkenden Dschungel in die Vergessen bringenden Arme des Alkohols oder noch härterer Rauschmittel geführt. Ich kannte keine Handvoll, denen das nicht zum Verhängnis geworden war, schlimmer noch: in der Regel hatte ihr Verhalten schlimme bis katastrophale Auswirkungen auf den Rest der Truppe gehabt. Ich überlegte noch, ob ich meine Bedenken Don Brodinger mitteilen sollte, da endete der Regen schlagartig und sofort stieg dichter Nebel auf, wie verlorene, missgünstige Seelen, die uns ins Verderben ziehen wollten. Auch an diesem Tag nutzte ein Räuber die Gunst der Stunde und attackierte Don Surez. Für einen kurzen Moment stockte mir der Atem, als ich einen unförmige Schatten im Nebel wabern sah, der glücklicherweise vergeblich nach dem flinken Magier hieb, dann übernahmen die Reflexe meine Handlungen, ließen mich auf die Gefahr zulaufen, im Lauf die Waffe ziehen und eine günstige Angriffsposition einnehmen. Neben mir richtete der Zwerg seine Armbrust auf den Gegner und kurz bevor ich den Kampf zwischen dem Halbelfen und dem Angreifer erreichte, zog zielsicher ein Bolzen an mir vorbei und bohrte sich in das Tier. Nachdem ich nun auf Schlagreichweite herangekommen war, konnte ich erkennen, dass es sich um eine Riesenamöbe handelte, die in diesem Augenblick eine Art Arm ausbildete und erneut nach dem Magier schlug. Gewandt wie ein Torero beim Stierkampf ließ er den Angriff ins Leere laufen und nachdem mein Hieb die Amöbe aufschlitzte und eine seltsam riechende Flüssigkeit auf den Dschungelboden schwappte, raste eine mächtige Flammenlanze aus den Fingern des Magiers. Einige der allgegenwärtigen Insekten die den Anstand besessen hatten, in die Bahn des Feuers zu gelangen, torkelten verbrannt zu Boden, dann traf das Geschoss die Amöbe, welche in der Hitze zu kochen anfing und in Sekunden zerplatzte. Angewidert betrachteten wir die Reste, während ich den Amöbenschleim von der Klinge wischte. „Ihr zu laut, darum Angriff!“ Nachdem die Gefahr beseitigt worden war, versuchte Kutekutak sich wichtig zu machen und uns so von seinem Versagen, uns sicher durch den Urwald zu führen, abzulenken. Die finsteren Blicke, die wir ihm zuwarfen, ließen ihn jedoch verstummen und so zog er bald rasch wieder ab.

Als der Nachmittag langsam in den Abend überging, lag eine angespannte Stimmung über der Gruppe wie eine Dunstglocke über dem Gerberviertel. Nur die nötigsten Worte wurden gewechselt und selbst die Moha, sonst bemüht wie eine Brabaker Straßendirne, hatte nach einigen einsilbigen Antworten die Lust verloren und lief nun schweigend neben dem Elefanten her. Eigentlich wäre es, angesichts der feindlichen Umgebung, der gefährlichen Tiere, des ständigen Blutzoll an die uns zu Myriaden umschwirrenden Insekten, des unablässigen Kampfes um den nächsten Schritt durch den widerspenstigen Wald, das Beste gewesen, zusammenzurücken, füreinander einzustehen und die Widrigkeiten gemeinsam anzugehen. Doch weit gefehlt! Jeder lief für sich allein und verlor sich immer tiefer in seinem Schneckenhaus, Verstand genannt. Der Dschungelkoller kam langsam näher und wir mussten aufpassen, dass uns die Atmosphäre nicht zu sehr an die Nieren ging. Seinen Teil zu der angespannten Stimmung hatte die Strafmaßnahme von Don Brodinger beigetragen, der Kutekutak die Schnapsflasche abgenommen hatte, als Bestrafung für dessen Inkompetenz und Aufmüpfigkeit. Die Hasstirade die der Moha ausstieß, hätte einen gestandenen Seemann erröten lassen wie eine Traviaakoluthin, aber da niemand die Sprache des Eingeborenen verstand und ich meinen Trumpf, jedes Wort der Begleiter unbemerkt zu verstehen, im Ärmel belassen wollte, wurde der Ausbruch Kutekutaks ignoriert. Beim Aufbau des Abendlagers hatte bereits der Tremor seinen Körper ergriffen.
Da er sich jedoch auch bisher immer nur um seine eigenen Sachen gekümmert hatte, war sein Ausfall beim Einrichten der Nachtlager und Entfachen des Feuers kein Verlust. Nachdem wortlos eine karge Mahlzeit eingenommen worden war, machte sich der Zwerg auf die Suche nach jagdbarem Wild, um so zumindest das Frühstück zu einer erfreulicheren Angelegenheit zu machen. Während der Magier ein Gespräch mit Don Brodinger begann, das lustlos dahinplätscherte wie ein versickerndes Rinnsal in der Wüste, befreite ich mein Schwert von Flugrost und wartete meine Ausrüstung. Es dauerte keine Stunde, da riss uns Gambosh aus unserem Dahinbrüten, als er mit einem weiteren Zwerg im Schlepptau aus dem Dschungel trat. Wie es schien, war genau dieses Ereignis nötig gewesen, um uns aus unserem eigenen geistigen Gefängnis zu befreien. Wo eben noch ein jeder verstockt in seiner Ecke gebrütet hatte, saß man nun gemeinsam am Feuer und unterhielt sich mit dem Fremden.

Im Herzen der Finsternis – Aufbruch

Das Pflaster in der Stadt war heiß geworden, zu heiß für mich. Die schwüle Sommerhitze lag dieses Jahr noch unerträglicher über den Gassen und brachte Gewalttätigkeiten und Tod in ihrem Gefolge mit. Die großen Fische im Teich ließen sich von der Atmosphäre anstecken und begannen, sich zu regen. Beim Versuch, ihren Einfluss zu vergrößern und ihre Rivalen zu vernichten war den Granden jedes Mittel recht. Offene Kämpfe zwischen den Wachen der einzelnen Familien, Anschläge auf echte oder eingebildete Anhänger anderer Häuser, verschiedenste Straßenbanden, die von den Granden bezahlt wurden, um ihren Gegnern zu schaden; wie tollwütige Hunde schnappten die mächtigen Familien um sich und ließen so die komplizierte, aber seit Jahrzehnten etablierte Balance der Macht in sich zusammenfallen wie ein Mietblock in den Favelas. Das Blut färbte die Straßen rot, als der kollektive Wahnsinn weiter um sich griff und die allgemeine Unruhe genutzt wurde, um offene Rechnungen zu begleichen. Kleinen Fischen wie mir blieb nichts anderes übrig, als sich bedeckt zu halten, um zwischen den Machtblöcken nicht zerrieben zu werden. Mein Netzwerk an Informanten war bald zerrissen, meine Kontakte entweder untergetaucht, nicht mehr vertrauenswürdig oder tot. Als die Stadt immer tiefer in einem Strudel aus Gewalt versank, entschied ich mich, meine Investitionen abzuschreiben und Al Anfa zu verlassen, bis die Haie genug Blut gesoffen hatten und sich ein neues Gleichgewicht einstellen würde. Es würde eine kostspielige Angelegenheit werden, wieder in das Geschäft einzusteigen und so war mein erstes Ziel, ausreichend Mittel zu beschaffen, um im Winter meine eigene kleine Domäne in Al Anfa einrichten zu können. An Bord eines Seelenverkäufers gelangte ich aus der Stadt und die angenehme Seeluft kühlte meine überhitzten Sinne. Fürs Erste war ich der Knochenmühle Al Anfas entkommen!

Nach zwei Wochen angenehm ereignisloser Reise ging ich in Port Corrad an Bord. Und wie es Phex Wille ist, fand ich den Aushang von Don Brodinger, der eine Expedition in den Dschungel durchführen wollte, um einen heidnischen Tempel zu plündern. Meine Mittel waren eingeschränkt, die Ausschreibung klang verheißungsvoll, und so traf ich im Glänzenden Papageien zum ersten Mal auf Don Brodinger und die weiteren Teilnehmer der Expedition.

Das Innere der Kaschemme wurde durch rußende Fackeln erhellt, die die eh schon unangenehme Wärme noch verstärkten. Bis auf den Wirt war lediglich eine Handvoll Personen in dem Raum, deren Wunderlichkeit jedoch für eine ganze Kompanie gereicht hätte. Aus tiefliegenden, düsteren Augen blickte ein Halbelf auf mich herab, angetan mit ungewöhnlichen Gewändern. Auch wenn diese nicht die protzigen Symbole der Zauberei aufwiesen, die viele seiner Kollegen so gerne angeberisch präsentieren, ließ ihr Schnitt und der haupthohe Stab keinen anderen Schluss zu als den, dass es sich hier um einen Magier handelte. Neben diesem Baum, so dürr er auch sein mochte, stand als krasses Gegenstück ein Fels von einem Mann. Keine 1,5 Schritt hoch, aber Schultern wie ein Ochse, trotz der Temperatur in ein Kettenhemd gepackt. Das wenige, was von dem Gesicht aus dem buschigen schwarzen Bart herausragte war mit einer grauen Paste beschmiert. Eine mächtige Armbrust und ein Kriegshammer am Gürtel rundete das Bild ab. Der dritte im Bunde schien mit seiner korrekten Kleidung und seinem Pfeifengeschmauche direkt aus einem Al Anfaner Herrenclub gerissen worden zu sein. Wie der Halbelf und der Zwerg wirkte der kräftige Mann mittleren Alters fehl am Platze. Für einen kurzen Moment befiel mich der Verdacht, dass ich vielleicht ebenso wenig ins Bild passte, aber ein Blick in den fleckigen Spiegel hinter dem Tresen erstickte den Gedanken im Keim. Dunkle Augen, mittelgroß, leichtes Grau an den Schläfen im ansonsten schwarzen Haar. Auch meine Kleidung, eine dunkle Hose, hohe Stiefel und ein Gambeson gaben keinerlei Anlass zur Beanstandung, lediglich mein Tuzakmesser, treuer Gefährte seit jenen Ereignissen vor vielen Jahren stach etwas hervor.

Nachdem er seine Pfeife ausgeklopft und sich geräuspert hatte, fing das Clubmitglied zu reden an. „Meine geschätzten Herren, ich bin Don Brodinger und ich vermute stark, dass sie die abenteuerlustigen Gefährten sind, die mich auf meiner Reise in den Urwald begleiten wollen, um großartige Abenteuer zu erleben und sagenhaften Ruhm zu erwerben.“ Seine Stimme samtete wie Honig, doch die geschwungenen Worte perlten an den Anwesenden ab als seien es Regentropfen auf einer Wachsschicht. Anscheinend waren wir alle schon zu oft von derartigen Schönrednern übers Ohr gehauen worden. Anfangs grämt man sich darüber, hadert mit sich selbst, macht sich Vorwürfe, aber irgendwann wird man hart und zäh und zynisch. „Wo genau gehen wir hin, was erwartet uns da und welche Bezahlung gibt es?“ Der Zwerg Grandosch war so gradlinig wie ein Granitblock. Aufmerksam hörten wir unserem potentiellen Auftraggeber zu, der von einem Tempel im Dschungel berichtete, aus dem er vor 15 Jahren eine heidnische Statue nach Mirham gebracht habe und die nun im dortigen Museum stehen würde. In ausschweifenden Worten legte er dar, dass er nun zu dem Tempel zurückkehren wolle, um weitere Kunstgegenstände zu bergen. Als es jedoch um die Gefahren ging, die ihn damals zur Flucht aus dem Tempel veranlasst hatten, wurde er zugeknöpft, wie eine alte brabaker Jungfer. „Die Verfolger habe ich nicht gesehen.“ Nicht einmal die Frage, ob es sich um menschliche oder tierische Gegner gehandelt habe, konnte oder wollte er beantworten. Misstrauisch den zukünftigen Expeditionsleiter beäugend, spuckte der Zwerg aus. „Und was für eine Bezahlung gibt es für dieses nebulöse Abenteuer?“. „Alles, was ihr an Schätzen findet sowie drei Silbertaler pro Tag und Kost und Logis.“ Don Surez, der Magier, ließ eine Augenbraue gen Praios wandern. „Drei Silbertaler? Neun Dukaten im Monat? Selbst das Dreifache wäre kärglich für meine Kompetenz!“. Genüsslich steckte sich Don Brodinger eine weitere Pfeife an und fuhr damit fort, die schwüle Luft weiter zu verpesten. „Und alles, was ihr an Schätzen findet! Ich habe einen Waldelefanten als Transporttier organisiert, auf den genug Gold passt, dass man damit die brabaker Marine kaufen könnte.“ Ich konnte erkennen, wie der Zweifel aus den Mienen der anderen schlagartig verschwand und auch meine Bedenken nahmen sich eine Auszeit. War der feste Lohn auch nicht berauschend, so schien der variable Anteil die Mühe mehr als wert zu sein. Ich setzte einen Vertrag auf, der die Einzelheiten der Bezahlung und des Transports regelte und nachdem wir alle unsere Unterschriften unter das Schriftstück gesetzt hatten, wurde es dem Wirt des Glänzenden Papageien zur Verwahrung gegeben.

Mit großartiger Geste führte uns Don Brodinger danach in den Innenhof, in dem der Elefant mitsamt der Ausrüstung wartete und auch die drei einheimischen Führer die Brodinger engagiert hatte, herumlungerten. Während wir in den Hof traten, spuckte der älteste der Mohas aus und verfluchte uns verdammte Bleichgesichter auf seiner Muttersprache. Ich ließ mir nicht anmerken, dass ich jedes einzelne seiner Worte verstanden hatte und beschloss, es dem ungehobelten Kerl heimzuzahlen. Krachend drückte ich seine Hand und stellte mich mit langsamer und lauter Stimme vor, als würde ich mit einem Kind unterhalten. Der Hass in seinen blutunterlaufenen Augen sprang mir förmlich entgegen, aber er wagte es nicht, sich zu wehren und blickte beiseite. Ein Geruch nach billigem Fusel wehte mir von ihm entgegen und ich konnte den Schweiß auf seiner Stirn erkennen, der nicht von der Temperatur, sondern von einem Mangel an Alkohol stammte. Der tapfere Kutekutak war ein Opfer des Feuerwassers! Ein beinahe ebenso unerfreulicher Anblick war sein jugendlicher Bruder Hudujotukla, der Elefantenführer. Ein mageres Bürschchen, der seine stetig laufende Nase regelmäßig hochzog und es nicht wagte, einem von uns in die Augen zu blicken. Linkisch drückte er sich an dem Elefanten herum und blickte auf seine schmutzigen Füße herab. Ganz im Gegensatz zu diesen beiden Gestalten überstrahlte die dritte Moha alles. Eine aufgeweckte junge Frau, keck und mit genug Kurven, dass es einem schwindelig werden konnte. Ihre braunen Augen sprühten vor Lebenslust und Intelligenz und schon bald hatte sie, als Einzige der Gruppe wirklich des Brabaci mächtig, uns mit Fragen durchlöchert. Ich hatte dieses Verhalten schon öfters gesehen. Wenn Mitglieder wilder Stämme mit der Zivilisation konfrontiert werden, gibt es drei Möglichkeiten. Zum einen können sie überfordert werden von den neuen Möglichkeiten, verwirrt, dass ihre bisherigen Kenntnisse und Fähigkeiten nun kaum mehr gefragt waren und dass Dere aus mehr besteht, als ihrem kleinen Teil des Dschungels. Diese Gruppe von Wilden lebt an den Rändern der zivilisierten Städte, unfähig, zurück zu den Wegen ihrer Vorfahren zu finden und genauso unfähig, sich an das Leben in der Stadt anzupassen. Um ihr trostloses Schicksal zu ertragen, ergeben sich viele dieser armen Teufel dem Alkohol und übernahmen damit die schlechtesten „Segnungen“ der Zivilisation. Eine zweite Gruppe schafft die Rückkehr. Nachdem sie die Stadt und ihre Bewohner kennengelernt haben, gehen sie zurück zu ihrem Stamm mit neuen Geschichten, interessanten Handelsgütern und der unmissverständlichen Botschaft, dass der weiße Mann verrückt sei und man besser im Dschungel bliebe, wie es sich gehörte. Und die dritte Gruppe, die seltenste, ist diejenige, die alles Neue versucht aufzunehmen, die Wissen, Erfahrungen, Erlebnisse aufsaugt wie ein Schwamm und so viel lernen wollte wie möglich. Diese Moha sahen die Möglichkeiten, ihren Horizont zu erweitern, fremde Länder kennenzulernen und schienen von Hesinde, Nandus und Aves gleichermaßen beseelt zu sein. Zu dieser letzten Gruppe gehörte Leritamtamsun, für die die Erkenntnis, dass es mehr gab als den Urwald und die Stämme eine welterschütternde, wunderbare Offenbarung gewesen sein muss. Und wie so üblich führten diese unterschiedlichen Sichtweisen zu schweren Konflikten innerhalb der Familie wie ich bald auf der Reise feststellen sollte.

Nach einer letzten Nacht in einem richtigen Bett für viele Wochen, brachen wir am nächsten Morgen auf und wurden bald von der Vegetation des Urwalds verschluckt. Mühsam folgten wir dem kaum zu erkennenden Trampelpfad, während uns die feuchte Hitze den Schweiß aus den Poren trieb. Staub und Pollen tanzten in den wenigen Sonnenstrahlen, die die grüne Decke durchdringen konnten und das Zirpen der Insekten erfüllte das Halbdunkel. Für einen Moment marschierte ich wieder mit meinen Kameraden, vor mir der hünenhafte Alrik, direkt neben mir Gregorio mit seinen feuerroten Haaren, immer wachsam, immer aufmerksam, immer ein Auge auf die Umgebung und von hinten erklangen die geflüsterten Befehle von Traviane, der einzigartigen Traviane… Ich merkte, wie ich mich selbst in Erinnerungen verlor und rief mich zur Ordnung. Das war vorbei, lange vorbei! Ein anderer Dschungel, eine andere Zeit. Wir waren jetzt hier und es bedurfte all unserer Aufmerksamkeit, um die Expedition heil hinter uns zu bringen.

Südmeerkampagne 24. Kapitel – Das Nilpferd auf dem diplomatischen Parkett

Ort der Handlung: Chorhop (kein Scheiss!)
6. Travia – 13. Travia

In den letzten Tagen hatte sich die Situation der Gruppe angenehm entspannt. Man sonnte sich in dem Ruhm, den Mörder der Traviageweihten gefasst zu haben und war schon voller Vorfreude, die 1000 Dukaten, die besagte Traviageweihte im Bankfach liegen hatte, der Kasse der Wache zuzuführen. Um dies zu bewerkstelligen, musste erst einmal in Erfahrung gebracht werden, welche Sicherheitsvorkehrungen die Bank wohl so hatte. Kapitän Yuan machte sich daher auf, selbst ein Bankfach anzumieten für seine 400 (nicht 300, nicht 500, nicht 20, nein 400!) Dukaten. Mit viel Diplomatie und Können ging er dem Bankangstellten auf den Sack und sammelte so wertvolle Pluspunkte. Es stellte sich heraus, dass Bankfachinhaber einen Wechsel bekamen, zusätzlich jedoch die Möglichkeit hatten, eine Passwortfrage zu hinterlegen. Einen Wechsel hatten wir in den Unterlagen der Geweihten jedoch nicht gefunden und so suchten wir erneut gründlichst ihre Habseligkeiten. So gründlich war die Gruppe, dass sie nicht nur im Hospiz und der Wohnung der Traviageweihten nachschaute, sondern auch in der angeblichen Zweitwohnung, die der Prätor selbst fingiert hatte, um den Mörder zu fassen und die die Traviageweihte nicht einmal von der Ferne gesehen hatte. Beinahe wäre die Suche aufgegeben, als in dieser Wohnung nicht auch nur die geringste Spur bezüglich der Geweihten gefunden wurde, doch im Spind des Hospizes wurde Myrmidion fündig: Ein Brief des Vaters der Geweihten (Nein, Yuan, nicht der Losverkäufer, der sich als ihr Mörder entpuppt hatte!) in dem er seiner Unverständnis ob der ihm zugesandten Unterlagen Ausdruck verlieh. Der Hauptgewinn!

Als Mann von Welt, der nicht nur in den höchsten Ebenen der Stadtverwaltung, sondern auch in den Niederungen der Halbwelt zuhause war, hatte Yuan innerhalb eines Tages einen vertrauenswürdigen Fälscher ausfindig gemacht und wollte sich von Ignazio mit der dicken Nase einen Brief in der Handschrift der Geweihten anfertigen lassen, in der sie ihren Vater bat, die Unterlagen wieder nach Chorhop zu senden. Als Schriftvorlage zeigte er Ignazio den Brief des Vaters… und bemerkte dann seinen und der ganzen Gruppe Denkfehler. Also wurde erneut Hospiz und Wohnung (Diesmal nicht die Zweitwohnung! Lerneffekt!) durchsucht und alsbald stand man mit der Einkaufsliste (3 Liter Milch, Toilettenpapier, erwürgungssicherer Schal – leider ausverkauft) erneut vor dem Großnasigen und diktierte ihm den Brief. „Tach Papa, schick mir mal die Unterlagen wieder, ich bin jetzt bei meinem Kumpel dem Prätor. Küsschen, deine Tochter.“ Selbst den Beinaheanalphabeten der Gruppe ging auf, dass das wohl eher nicht dem Tonfall der Geweihten entsprach. Doch wozu hatte man Bedienstete? Trotz der Kaspereien Myrmidions und Yuans setzte der Sekretarius ein entsprechendes Schreiben auf, das dann, noch warm von den Verzweiflungstränen des Sekretärs, an Ignazio überreicht wurde, der in Folge dann den Brief in Handschrift und Tonfall der Traviageweihten anfertigte. Pikiert zwar, doch voller Pflichterfüllung sendete der Sekretär im Anschluss den versiegelten Brief ins Horasreich, wo der Vater momentan residierte. Der erste Schritt zur Bergung des Bankschatzes war getan und dabei waren lediglich der Sekretarius und der Bankfachangestellte extrem angepisst!

Eigentlich hätte man sich nun gemütlich in die Hängematte legen und dem Lauf der Dinge seinen… Lauf lassen können, doch gerade, wenn man denkt es ist alles in bester Ordnung, stehen vom schnellen Laufen hechelnde Bedienstete im Eingangsbereich und blöken „Ein Überfall! Eindringlinge!“ in die ruhige, nachmittägliche Atmosphäre. Seufzend packte sich die Offizierskaste der Wache ihre Helme und schlenderte eilig zum Tatort: Dem Haus der Almosarin. Doch leider falscher Alarm: Die Angreifer waren von der Wache zu 50 Prozent getötet, zu 50 Prozent schwer verwundet worden und das Haus der Almosarin war so unberührt wie die alte Jungfer selbst. Nachdem sie ein wenig herumgepöbelt hatte und auch nicht ganz verstehen konnte, dass die Reduktion des Wachbudgets leider dazu geführt hatte, ja, dazu führen musste! dass in dem Viertel nicht mit der nötigen Frequ- und Präsenz patrouilliert werden konnte, verabschiedete sich die Wache, nahm den Delinquenten mit und ließ die Sache auf sich beruhen. Blöderweise erhob sich die Geschichte jedoch bald wieder wie ein Untoter und enervierte alle Beteiligten aufs Äusserste.

Am nächsten Tag war nämlich erneut die Prätorversammlung und wieder hatte jeder seine Speichellecker, Kostgänger und Arschkriecher mitgebracht. Nur im Falle des Schutzprätors handelte es sich bei den Begleitern natürlich um edle Freunde, selbstlose Unterstützer seiner Sache, im Einzelnen Yuan, Tjalf, Diago und Nostromo. Hier kam dann erneut der Überfall auf das Haus der Almosarin aufs Tapet und die alte Giftnatter erzürnte sich ordentlich darüber. Während sie in ihrem Wahn vor sich hinzeterte, klüngelte Myrmidion auf Geheiss des Schutzprätors aus, dass von nun an 20 % der Einnahmen, die der Kadi durch den Verkauf von Straftätern in die Sklaverei erhielt, an die Stadtwache gingen. Während wir uns also ob der neuen Geldquelle die imaginären Finger leckten, hub die Zeterziege zu einem vernichtenden Schlag aus. Da anscheinend die Wache mehr Geld benötigte, würden Spieleprätor und Würfelprätor jeweils 5 % weniger bekommen, dafür der Schutzprätor 10 % mehr. Eisige Blicke durchbohrten Yuan und Hass kochte in den betroffenen Prätoren hoch, während die Zimtzicke sich angesichts ihres Intrigenspiels beinahe selbst einnässte.

Nachdem das Essen ein rasches Ende gefunden hatte, versuchte Yuan zumindest ansatzweise die Beziehungen zu kitten und bot Trom, dem Würfelprätor, einen höheren Anteil an den Gewinnen des Würfeltischs in der Wache an. Dem ebenso undankbaren wie dümmlichen Spieleprätor versprach er, die 5 % unter der Hand wieder zukommen zu lassen, was dieser mit dem genialen Gegenangebot konterte, ihm doch 6 % zu geben. Es dauerte einige Stunden, aber dann war dem Fettsack klargemacht worden, dass man ihm auch einfach gar nichts geben könnte und er zumindest ein wenig Dankbarkeit zeigen sollte. So ganz kapiert hatte er es jedoch immer noch nicht und so blieb ein vage feindseliger Eindruck zurück. Doch damit nicht genug! Auch der nächste Tag stand wieder im Zeichen von Verwicklungen.

Erneut stand früh morgens ein Bediensteter in der Tür und scheuchte die Oberhäupter der Wache ans Jaguartor. Hier hatten sich drei Wächter mit kampfbereiter Hellebarde vor einem ebenso kampfbereiten Moha mit Speer postiert und während sich die beiden Parteien gegenseitig in jeweils unbekannter Sprache anbrüllte, schien der Ausbruch von Feindseligkeiten nur wenige Augenblicke entfernt zu sein. In gewohnt inkompetenter Art machten die Wächter Meldung. „Der Moha! Speer! Herr! Speer!“ Sinnvolleres war nicht aus ihnen herauszubekommen. Im Gegensatz zu den minderbemittelten Wächtern konnten jedoch sowohl Yuan als auch Nostromo Mohisch sprechen und hatten so alsbald heraus, was der Wilde zu sagen hatte und warum dieser Aufstand überhaupt stattfand. Anscheinend waren die Wächter verärgert, dass der Wilde ein Pferd mit dem Stadtwappen bei sich trug, war doch mit just diesem Pferd vor einigen Tagen der Steuereintreiber aus der Stadt geritten, der nun seit einiger Zeit vermisst wurde. Der Moha hingegen hatte das Pferd an sich genommen, nachdem er Zeuge des Mordes an dem Steuereintreiber durch einige Halsabschneider geworden war. Diese lokalisierte er in dem ehemaligen Fischerdorf Nasha, dass sich seit einiger Zeit jedoch neben der Fischerei ein zweites Standbein in der Piraterie geschaffen hatte. Gegen eine anständige Belohnung aus der Schiffskasse (die leider keine bunten Glaskugeln enthielt und somit um 10 Dukaten erleichtert werden musste) wurde das Pferd wieder in Stadtbesitz gebracht und für den Abend ein Essen mit der Kriegsprätorin und dem Moha ausgemacht, um ein mögliches Vorgehen gegen die Piraten zu planen. Da die Kriegsprätorin jedoch lieber ihre (unsere!) Männer auf den Mauern sah, lief der Plan auf das hinaus, auf das es immer hinausläuft: Die Gruppe würde, in Begleitung der Kriegsprätorin, Nasha auskundschaften und schauen, ob sich die Situation so lösen ließ. Während die Planung noch auf Hochtouren lief, näherte sich vor dem Wachhaus ein schmieriger Halunke Diago und ließ ihm einen Beutel mit 120 Dukaten zukommen für das Versprechen, dafür zu sorgen, dass der Schutzprätor bald seines Amtes enthoben werden würde. Im Gegensatz zu Tjalf, der einer solchen Bestechung mannhaft die Stirn geboten hatte, siegte hier jedoch die Goldgier und schnell hatte der ehemalige Smutje und aktuelle Hauptmann der Brandwache einige der Dukaten an seinen Untergebenen, den Oberbrandstifter gegeben, mit der Maßgabe, im Prätorviertel für Rabatz zu sorgen. Das Geld wurde dann an die eingeteilten Wachen verteilt, die von dem zusätzlichen Budget einge- und für den Schutz des besagten Viertels abgestellt worden waren mit der Maßgabe, sich dafür in der Nacht die Hucke vollzusaufen.

Entsprechend erstaunt war der Schutzprätor, als am Morgen ein entrüsteter Bediensteter des Kadis und Hafenmeisters auf der Matte stand und berichtete, dass es in der Nacht erneut einen Überfall im Viertel gegeben habe. Mit Hilfe der Wachliste waren die eingeteilten Wächter für die letzte Nacht bald herausgefunden und einige Schläge Tjalfs entlockten ihnen bald, dass sie vom Oberbrandstifter Geld bekommen hätten, um an diesem Abend wegzuschauen. Weitere Schläge folgten und alsbald gestand der Oberbrandstifter, dass er von einer vermummten Gestalt, etwa mittelgroßklein mit blondbraunen Haaren einen Beutel bekommen habe, um den Weg für eine Brandstiftung freizumachen. Weitere, von Schlägen unterstützte Nachforschungen förderten zutage, dass es keinen einzigen Brand in der letzten Nacht gegeben hatte und ein nun vollkommen enragierter Schutzprätor schmiss erst den Oberbrandstifter und, als er Widerworte von Diago bekam, auch diesen aus der Wache, um im selben Atemzug Tjalf zu seinem zweiten Hauptmannstitel zu verhelfen: Tjalf, Hauptmann der Ausbildung und der Feuerwache! Ausserdem wurde der bisherige Laufbursche, ein 12jähriges, magersüchtiges Klappergestell mit viel zu großen Zähnen, in die Feuerwache aufgenommen. Mit der Kleidung des ehemaligen Oberbrandstifters ausgestattet, die ihm nicht nur viel zu lang, sondern auch viel zu weit war, wurde er dann abkommandiert, auf den Türmen der Stadt zu wachen und die Bürger vor einfallenden Horden zu bewahren. Da die Untersuchungen beinahe den gesamten Vormittag angedauert hatten, war an ein Aufbruch in das 3 Tagesmärsche entfernte Nasha nicht mehr zu denken und die Expedition wurde auf den nächsten Tag verlegt.

Wieder kam es jedoch anders als geplant. Am nächsten Morgen, der Schutzprätor war gerade in der Stadt unterwegs, stürmten erneut Bedienstete in die Wachstube und berichteten von einem Brand beim Kadi. Der Hauptmann der Feuerwache reagierte, wie es ein guter Hauptmann tut. „Hat der Besitzer schon bezahlt?“ Auf die verneinende Antwort wurde entschieden, noch nicht zu löschen, sondern sich lediglich bereitzuhalten und mit Eimern und Pumpe bewaffnet in der Nähe des Brandes herumzulungern, bis genügend Dukaten den Besitzer gewechselt hatten. Gesagt, getan und schon standen ein halbes Dutzend Wächter um einen reich verzierten Kutschschuppen herum und schaute zu, wie die Kutsche, Stroh, Peitschen, Sättel usw. in Rauch aufging. Das Feuer dieses Brandherdes war jedoch nichts im Vergleich zum Feuer der Wut von Yuan, der in diesem Moment um die Ecke bog und sofort das Löschen einleiten ließ. Nachdem er beim ungehaltenen Kadi herumgebuckelt war und ihm 10 % der Sklaveneinnahmen versprach, um den Verlust zu decken, und somit zumindest ansatzweise den guten Mann zu beruhigen, schnauzte er danach die Wachen zusammen. Diese jedoch waren von einer Dämlichkeit, die ihresgleichen suchte und verstanden nicht (oder wollten nicht verstehen?) dass es keine gute Idee war, den Besitz des Mannes anzuzünden, der zwei Prätorenämter innehatte, der die Bank besaß und der zu einer der reichsten und mächtigsten Familie der Stadt gehörte. Die Klotzköpfigkeit der Wachen war so groß, dass sie selbst den Verlust ihrer Stelle (und damit ihrer Bezahlung) und schwere Leibstrafen, verabreicht von Tjalfs Fäusten, sie nicht dazu bringen konnten, auch nur für einen Heller nachzudenken. Aus diesem Grund wurde die 1. Yuan´sche Direktive aufgestellt: Brandstiftungen würden erst nach direkter Absprache mit ihm durchgeführt werden. Keine Alleingänge mehr! Erneut war der Vormittag vertan, so dass die Nashareise wieder abgesagt wurde. Doch der Tag war noch nicht zu Ende, nun kam es knüppeldick. Am Abend wurde Yuan zum Vogtvikar zitiert!

Die Begrüßung durch den obersten Phexgeweihten war mehr als frostig und auf seine Ankündigung, er habe ein ernstes Wörtchen mit Yuan zu reden, entschuldigte sich der Schutzprätor wortreich dafür, dass seine Brandwehr das Feuer so spät erst löschen konnte. In Zukunft würde das nicht mehr vorkommen, dafür würde er, Yuan, persönlich sorgen. Interessiert hob der Vogtvikar eine Augenbraue. „Ein Brand? Wie interessant, wo hat es denn gebrannt? Davon wurde mir nichts berichtet…“ Yuan lief weiß an, doch Myrmidion und Yuan sprangen rasch in die Bresche. „Jaaa… bei der Übung… Genau, das Strohfeuer… um die Arbeit der Feuerwache einschätzen zu können. Jaaa, die waren etwas langsam, das wird jetzt geübt werden müssen… So ist es!“ Dies schien den Geweihten zufrieden zu stellen, dennoch ging nun ein Donnerwetter auf Yuan nieder. „Wie ich hörte, seid ihr nicht in der Lage, die Stadt und ihre Bewohner zu schützen. Erst gestern kam es zu einem Zwischenfall im Prätorenviertel. Ausserdem scheint ihr es zu eurer Aufgabe gemacht zu haben, die Wache systematisch untauglich prügeln zu lassen. Von der Kriegsprätorin bekam ich bereits Beschwerden, dass ihr Personal kaum noch in der Lage sei, die Mauern zu bemannen. Und was euch geritten haben mag, ihr einen 12 jähriges Bürschchen zu schicken, das nun auf den Mauern Soldat spielt, das wissen die Götter allein. Ich frage mich langsam, ob ihr wirklich der richtige Mann auf der Position seid. Was habt ihr in Bezug auf die verschwundenen Steuereintreiber unternommen? Hier liegt einiges im Argen, wie mir scheint. Ihr solltet anfangen, euren Kram unter Kontrolle zu bekommen, ansonsten könnte es sein, dass ihr euren Titel verliert… vielleicht sogar euren Kopf… Und nun entfernt euch!“ Wie geprügelte Hunde schlich die Gruppe aus dem Raum und war nicht einmal mehr in der Lage, einzuwenden, dass sich die Steuerbeamten bei deren Verschwinden ausserhalb der Stadtmauer und somit im Kompetenzgebiet der Kriegsprätorin aufgehalten hatten.

Pro:
– Es gab keine Verluste an Menschenleben

Contra:
– Nicht nur die niederen Chargen (Bankangestellte, Sekretarius, Oberbrandstifter) sondern auch die höheren Ränge (Spiele- und Würfelprätor, Kriegsprätor, Kadi, Vogtvikar) sind von den Handlungen des Schutzprätors genervt. Ideale Voraussetzungen für eine ruhige Amtszeit!
– Unter den Wachen gibt es nicht einen, der einen IQ über 99 hätte

Südmeerkampagne 23. Kapitel – Yuan ermittelt

Ort der Handlung: Chorhop (kein Scheiss!)
27. Efferd – 6. Travia
Ein Budget, das so rot ist wie ein Pavianhintern; Gardisten, deren Arbeitsmoral der von Nacktschnecken gleicht und ein ungelöster Mordfall an einer Traviageweihten, wegen dem der Bürgermeister der Stadt quasi täglich im Büro des Schutzprätors nach dem Stand der Dinge fragte: die Lagen war rosig für unsere Gruppe. Prioritäten mussten gesetzt werden, um das Schlamassel zu ordnen. Der erste Besuch erfolgte daher bei dem großen Trom, seines Zeichens Würfelmeister Chorhops. Schnell war man mit ihm handelseinig, dass ein strategisch geschickt im Aufenthaltsbereich der Gardisten aufgestellter Würfeltisch dabei helfen würde, den Lohn unserer Angestellten, den wir leider zahlen mussten, zügig in unsere und des Würfelmeisters Schatzkiste umzuleiten. Eine 60 zu 40 Verteilung der Einnahmen schien gerecht, stellte doch Trom einen Würfelknecht, der Tag und Nacht nichts anderes tun würde, als den Wächtern das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Nachdem dieser wichtige Teil der Ermittlungsarbeit abgeschlossen war, wurde als nächstes das Problem des ungedeckten Budgets angegangen. Da bei einem Besuch auf der Wache erneut ein Haufen nichtsnutziger, herumtorkelnder Biertrinker angetroffen wurde, machte Tjalf mit klarer Befehlsstimme (die auch am Hafen noch gehört werden konnte… also am Hafen von Brabak…) deutlich, dass ein derartiger Schlendrian rasch zur Freisetzung der entsprechenden Personen führen würde. Und das Arbeitszeugnis würde in diesem Fall viele unschöne Formulierungen enthalten! (Hat sich stets bemüht, einen schlechten Gardisten zu imitieren…). Der Plan war, 10 der überflüssigen zu stopfenden Mäuler zu entlassen, so dass sich ein kleines Plus von 20 Dukaten im Monat ergeben würde. Tjalf notierte auf seiner geistigen Liste bereits die vorwitzigsten Naseweise und machte sich dann mit dem Rest der Gruppe auf, den unwichtigsten Punkt auf der Tagesordnung abzuhaken: Die Mordermittlungen. Erst wurde die Wohnung der (Ex-)Traviageweihten besucht, dann das Traviahospiz, in der sie gearbeitet hatte. Dort wurden zahlreiche falsche Fährten gefunden, befreundete Akoluthen und schwerhörige alte Nachbarsgroßmütterchen (liebevoll „Blockwärterinnen“ genannt) befragt und im Allgemeinen von Hü nach Hott gelaufen. Kurzzeitig vermutete man über einen uralten Tattergreis, der sich als Vater des Kadis Balphemistos herausstellte, eine Verwicklung dieser illustren Familie in den Fall, aber auch hier verlief die Nachforschung bald im Sande. Eine nächste Fährte wurde ebenfalls kalt, als die tumben Ermittler endlich verstanden, dass die Traviageweihte ein Frauenhaus unterhalten hatte. Aber auch ein prügelfreudige Ehemann konnte als Täter ausgeschlossen werden. Da seine Frau ihre dauerndes „Die Treppeherunterfallen und gegen die Türlaufen“ nicht anzeigen wollte und sich auch kein Geld aus der Sache herausschlagen ließ, verzichtete die Wache auf eine Anzeige, Tjalf behielt es sich jedoch vor, sein Auge auf dem Prügelschuster zu halten, um etwaige Exzesse rechtzeitig mit Konterprügel zu unterbinden.

Mittlerweile war man relativ frustriert von dem fruchtlosen Herumgelaufe, das ausser Blasen nicht auch nur einen müden Silbertaler eingebracht hatte. Weitere Investigationen im Altenheim waren extrem nervig ob der Starrköpfigkeit der Bewohner, doch schließlich zauberte die Gruppe irgendwo einen Schlüssel hervor, der zu dem Bankschließfach der Traviageweihten führte. Und siehe da: dieses war reichlich gefüllt mit den Spendengeldern der letzten Jahre: Wohl an die 1000 Dukaten lachten aus der Kiste hervor zusammen mit einem Gewinnerrubellos der Chorhoper Rubelloslotterie. Leider wollte der engstirnige Bankangestellte diese Beweismittel jedoch nicht herausrücken und nach einem letzten sehnsuchtsvollen Blick auf die Edelsteine, verschwanden diese wieder in ihrem dunklen Gefängnis und wir Liebenden wurden brutal voneinander getrennt. Noch einmal wurde die Blockwärterin befragt, und endlich erinnerte sich die zahnlose Vettel an einen buckligen Mann, der in der Mordnacht an dem Haus herumgelungert hatte. Und dieser war am nächsten Tag anscheinend in das Haus eingebrochen und hatte dort etwas gesucht. Der Stein kam endlich ins Rollen, denn der Hospizgeneral teilte uns nun mit, dass Freund Buckel angeblich der Vater der Geweihten sei und nach den Hinterlassenschaften seiner „Tochter“ gefragt hatte. Yuan zeigte sich von seiner weichsten Seite und ließ sofort in der Stadt herumfragen, ob ein Horasier (denn aus diesem unzivilisierten Landstrich stammten die Geweihte) sich in einer der Schenken eingemietet hatte. Auch nach mehrmaligem Erklären der Situation wollte er erst nicht einsehen, dass es sich bei diesem Unbekannten NICHT um den Vater handelte, sondern wohl eher um den Mörder, einen dahergelaufenen Spitzbuben, der irgendwie von den 1000 Dukaten erfahren hatte und sich diese nun unter den eingewachsenen Nagel reissen wollte. Ein genialer Plan wurde ersonnen, bei dem sämtliche Wächter verkünden sollten, man habe eine weitere Wohnung der Getöteten gefunden. Dort legte sich das Einsatzkommando auf die Lauer, in der Hoffnung, dass Buckelpeter dort nach Los und Geld suchen würde. Eine langweilige Nacht später traf am nächsten Morgen die Nachricht ein, dass sich wohl jemand im Hospiz am Lagerraum zu schaffen gemacht hatte! Der Mörder war wohl dort tätig geworden, während wir uns in dem leerstehenden Haus herumgelangweilt hatten. Für den nächsten Tag wurde eine Wache im Hospiz abgestellt und aus nun nicht mehr so wirklich nachvollziehbaren Gründen kampierten die Helden erneut in der Wohnung (vielleicht lag es an der schönen Aussicht auf einen Misthaufen? Oder dem angenehm splitterigen Fußboden, auf dem wir übernachten mussten? Eventuell war es auch der ohrenbetäubende Krach den die benachbarten Kinder bis in die Puppen machten oder eine Kombination aus allem, die uns diese Unterkunft so ans Herz wachsen ließ.). Ein weiterer Bote berichtete nach der erneut lahmarschigen Nacht, dass der Wächter niedergeschlagen worden war. Wieder hatte Buckelmann zugeschlagen, aber wohl immer noch nicht gefunden, was er gesucht hatte. Wie auch, besaßen wir doch den Schlüssel zum Bankfach! Nach diesem erneuten Wink mit dem Zaunpfahl wurde noch einmal sämtliches Personal und die Einwohner des Hospizes ausgequetscht und nach langen Verhörrunden fiel den Leuten dann doch tatsächlich ein, dass ein buckliger Mann mittleren Alters sich in der Tat regelmäßig hier herumtrieb und zwar in Gestalt des Losverkäufers der Chorhoper Rubelloslotterie. Mit eiserner Miene verzichtete die Gruppe darauf, hier und sofort ein Exempel zu statuieren und sämtliche Anwesende aufgrund von gesetzeswidriger Dummheit schulterhoch in Schweinedung zu stecken sondern investigierte lieber im Phextempel, dem Heim der Chorhoper Rubelloslotterie. Bald schon kam ein buckliges Männchen hereingebuckelt, wurde von Nostromo und Tjalf unter den Armen gepackt und ehe es noch „Garantierter Gewinn“ sagen konnte, in eine Zelle geschafft. Yuan schwätzte in Rekordzeit ein Geständnis aus dem Mann heraus und der Fall war abgeschlossen.

Anscheinend hatte die gute Traviageweihte das Los von einem ihrer Schützlinge an sich genommen und, da die demente Frau sich nicht wehren konnte, das Geld eingestrichen. Der Losverkäufer hatte das Abholen des Gewinns mitbekommen und sie dann daheim aufgesucht. Eifrig bemüht, das Versteck des Schatzes durch munteres Würgen aus ihr herauszubekommen, hatte er ihr blaues Anlaufen und die rollenden Augen als eine Art Richtungsangabe interpretiert. Erst bei „und dann 100 Meter reeeeeeeeeeeeeeee…“ hatte er kapiert, dass „Aufhören zu Atmen und ruhig daliegen“ nicht bedeutete, nach rechts zu gehen, doch da war es schon zu spät: die Gute hatte den Löffel abgegeben. Bevor er jedoch das Haus durchsuchen konnte, war der Morgen herangebrochen und er hatte fliehen müssen.
Zufrieden klatschte der Schutzprätor in seine Hände und meldete dem Kadi die erfolgreiche Verhaftung. Dieser setzte auch umgehend einen Termin für die Gerichtsverhandlung irgendwann in den nächsten Monaten an.

Währenddessen näherten sich zwei Novadis Tjalf, der vor der Wache herumlungerte. Anscheinend waren sie nicht so begeistert von Yuans Nachfragen bezüglich des Mordes an dem Schreiner im Novadiviertel und versprachen dem Thorwaler nun einen Haufen Dukaten, wenn dieser dafür sorgen würde, dass Yuan sein Amt als Schutzprätor nicht mehr würde ausführen können. Der ehrliche Thorwaler verweigerte jedoch die Annahme des Geldes und wurde sogar ausnahmsweise ein wenig wütend über diesen Bestechungsversuch. Nachdem sich die beiden mit ominösen Prophezeiungen und bösen Blicken getrollt hatten, ließ Tjalf seinen Ärger an den Wächtern aus. Insgesamt 6 der Wächter hatten sich nicht zum Appell eingefunden und landeten damit automatisch auf dem Schleudersitz. Von den restlichen wurden dann direkt ein angetrunkener Mittelreicher frech und kam damit, vollkommen überraschend, bei Tjalf nicht sonderlich gut an. Ruckzuck flogen die Fäuste, doch war es Glück oder Können? Jedenfalls musste Tjalf einige böse Treffer einstecken und blutete bereits aus mehreren Kratzern im edlen Antlitz. Während sein Gesicht rot und röter wurde, fixierte er schließlich das Kinn seines Gegners, ließ einmal die mächtige Rechte kreisen und schickte den impertinenten Aufrührer dann mit einem Hieb ins Reich der Träume. Dampf quoll aus seinen Ohren, als er sich zu den restlichen Wächtern umwendete. „Hat noch jemand etwas Schlaues zu sagen? Hä? Nein? Hatte ich mir gedacht. 30 Minuten Strafexerzieren im Innenhof, aber zackzack!“. Nummer 7 auf der Entlassungsliste stand daraufhin auch fest („Alrik beherrscht den Zahlenraum von 1 bis 10 beinahe fließend und schafft die 100 Meter in kaum über 1 Minute“) und nach dem Exerzieren wurden die 3 langsamsten Krücken ebenfalls schwungvoll vor die Tür gesetzt. Der Haushalt war somit ausgeglichen! Leider würde die angespannte Personallage dazu führen, dass das Viertel der Zahlmeisterin, die uns die Mittel um 20 % gekürzt hatte, nur noch sehr spärlich von der Wache würde frequentiert werden können… Aber irgendwelche Opfer müssen nun einmal gebracht werden.

Während sich die Gruppe also schon auf das dumme Gesicht der Frau freute, tauchte noch ein dicker Moha auf der Wache auf und drückte dem Schutzprätor einen Sack Dukaten in die Hand, wenn dieser versprach, die Horak Prakaka Plantage und die dazugehörigen Werkstätten nicht aufzusuchen bzw. bei dem fälligen Steuerbesuch nicht zu sehr unter die Lupe zu nehmen. Natürlich willigte der integre Yuan ein und der Beutel verschwand in der nimmersatten Schifskasse.

Pro:
– Das Budget ist ausgeglichen
– Verschiedene Leute machen uns darauf aufmerksam, dass wir wegschauen sollen und geben uns dafür Geld. Ohne ihre freundliche Mithilfe wären wir nie darauf gekommen, dass dort etwas zu holen wäre
– Der Mörder ist gefasst
– Wir wissen, wo 1000 Dukaten liegen

Contra:
– Bei 20 Dukaten Überschuss im Monat kommen wir in dem Jahr nicht einmal auf die 1000 Dukaten Lospreis, geschweige denn die zighundert Dukaten, um Myrmidion freizukaufen
– Der Bankangestellte will die 1000 Dukaten aus dem Bankfach der Geweihten nicht rausrücken. Hier gilt es wohl, eine falsche Schnottenbremse zu kaufen und sich als Bruder der Verstorbenen auszugeben

Südmeerkampagen 22. Kapitel – There is a new Sheriff in town

Ort der Handlung: Chorhop
26.-27. Efferd
Als der Gruppe endlich aufgegangen war, dass Myrmidion abhanden gekommen war, machte sie sich flugs auf, den Aufenthaltsort des kleinen Zyklopäers zu bestimmen. Nachdem man dem örtlichen Phexgeweihten zugestanden hatte, eine Glücksspielmaschine im Wachraum aufzustellen, rückte dieser die Adresse des Wesirpalastes heraus. Tränen der Freude standen in den Augen Tjalfs, als er im Eingangsbereich Myrmidion erblickte, der Kunststückchen für die Gäste des Wesirs aufführte. Aus irgendeinem Grund kam es dann jedoch bald zu einem Handgemenge zwischen den beiden, das sich rasch zu einem ausgewachsenen Faustkampf ausweitete. Die Palastwachen, eine Gelegenheit für zusätzliches Geld im Blick, eröffneten sofort eine Wettbude und bald fieberte der ganze Raum mit den beiden Kämpfern mit. Obwohl Myrmidion mit seinen Ringertricks an dem Thorwaler hing, wie eine Klette, schaffte dieser es schließlich dank seiner enormen Körperkraft seinen Gegner übel anzuschlagen. Zurückgehalten von Nostromo und Yuan beruhigte er sich wieder, doch da initiierte Myrmidion in der Tradition der großen Selbstmörder eine zweite Runde, die für ihn noch weniger gut ausfiel. Blutüberströmt und mit schiefer Nase ging er schließlich zu Boden, just in dem Moment, als sein Besitzer in den Raum kam. Einiges Herumgebrülle, Vorwürfe und Beschwichtigungen später wurde Tjalf doch nicht wegen Beschädigung der Ware angeklagt, Myrmidion eine Woche die Annehmlichkeiten gestrichen und die nun wieder zusammengeführte Gruppe verzog sich rasch aus dem Palast, bevor sie noch den Abwasch für den Monat aufgebrummt bekommen würde.

Gegen Abend waren sämtliche Prätoren inklusive ihrer Sekretäre zur Almosarin, Zeradria Du Beryllis eingeladen. Angesichts der Tatsache, dass diese Dame die Budgets sämtlicher Prätoren festlegte, war eine ganze Menge Arschkriecherei zu erwarten und so machte sich der neue Schutzprätor Yuan mit seinen Hauptmänner auf zum Palast. Dieser bescheidene Rundbau wartete mit 10 Luxushöfen auf, durch die die staunenden Besucher geführt wurden. Ein Dschungelhof, ein Keramikhof, ein Hof mit einem Garten, in dem eine 7 Meter hohe fleischfressende Pflanze gerade ihr Abendbrot in Gestalt einer Elefantenkuh zu sich nahm und noch viele weitere Wunder erwarteten die Gäste. Aufgrund der langen Schlange vor der Loopingrutsche im „Wasserspaßhof“ dauerte es eine Weile, bis sämtliche Gäste an den Tischen Platz genommen hatten. Während die Prätoren an einer großen Tafel aus Mahagoniholz speisten, drängelten sich die restlichen, unwichtigeren Gäste am Kindertisch und mussten beim Essen irgendwie ihre Knie hinter den Ohren verstauen. Nicht zuletzt die winzigen Stühlchen waren der Grund dafür, dass regelmäßig Sekretäre mit wichtigen Mienen zu ihren Prätoren rüberschlörten, ihnen irgendetwas zuflüsterten und dann mit bedeutsamen Blicken zurück an den Miniaturtisch kamen.

Nach dem 7. Gang der bescheidenen Mahlzeit hub der Vogtvikar (Der oberste Phexhoncho der Stadt) Adnan Zephorika an, eine Rede zu halten und wie so üblich, konnten sich die Prätoren diese Gelegenheit nicht entgehen lassen, auch ihrerseits Herumzuschwafeln. Erst stellten sich die verschiedenen Prätoren daher langatmig vor, um dann ihr Programm für das nächste Jahr zu präsentieren (Lockerung des Kündigungsschutz, Rückzug der Truppen aus Alanfanistan, Reform des Gesundheitswesen). Ein Gutes hatte das ganze jedoch: man bekam alle Prätoren noch einmal zu sehen und erfuhr mehr darüber, was diese Nasen eigentlich machten. Die Wehrprätorin war Tatonka Patalatankada, eine hart aussehende Mohafrau, zuständig für die Stadtmauern, Tore und das Kriegsministerium, Leon Pestero war der Spieleprätor und als solcher für die Elefanten zuständig. Bläphemisto hatte es irgendwie geschafft, sowohl Kadi als auch Hafenmeister zu werden, während Rastafan ibn Tamullah der Zollprätor und der große Trom, eine vertrauenserweckende Gestalt mit verfilztem Zauselbart und Hakenhand der Würfelmeister war. Achso, irgendwo stand auch noch ein verrückte Katzenoma auf und wäre fast von uns aus dem Saal geschmissen worden, bevor sich herausstellte, dass sie die Kloakenprätorin war. Das Lachen über diesen albernen Titel erstickte jedoch sofort in den Hälsen, als klarwurde, dass zu ihren Aufgaben auch die Verteilung von Süßwasser gehörte… Wer schon einmal versucht hat, eine Woche nur Salzwasser zu trinken, weiß, wie wichtig ein derartiger Posten ist und so wurde beschlossen, es sich mit der verrückten Alten nicht zu verscherzen. Glücklicherweise waren vom Vogtvikar vorher noch einmal die Aufgaben des Schutzprätors präzisiert worden, so dass Yuan, als er an die Reihe kam, nun nicht wie ein Gimpel dastand, sondern ganz klar sein Jahresprogramm darlegen konnte. Der Schutz der Stadt, ihrer Einrichtungen und Feste, das wäre sein oberstes Ziel und als Mittel zur Durchführung dieser hehren Ziele standen Patrouillengänge, die Jagd auf Verbrecher, das Durchsetzen von Beschlüssen und natürlich die Bekämpfung von Bränden auf der Liste. Beifällige Stille folgte auf diese berührende Rede („Ich habe einen Traum, dass unsere Nachfahren eines Tage ein brennendes Haus haben und die Feuerwache steht mit ihren Eimern bereit!“). Soweit war alles eitel Sonnenschein, doch dann kam der Paukenschlag, der wohl bei jedem Fest zum guten Ton gehörte. Und nachdem die Kapelle mit ihrem Stück fortfuhr, folgte dann auch noch die Ansage der Almosarin: sämtliche Ausgaben würden um 20 Prozent gekürzt werden. Obwohl das Orchester unverdrossen weiterspielte, konnte man das Rattern in den Köpfen der Prätoren hören. 20 Prozent? Wääh? Alles Geschimpfe und Genörgel half jedoch nicht weiter. Die sture Almosarin blieb hart und verliess alsbald die Runde, ohne vorher auch nur ansatzweise anzudeuten, was sie mit den so monatlich gesparten 1000 Dukaten vorhatte, anzustellen. Doch mit dieser schlechten Nachricht war der Abend noch lange nicht vorbei, Phex bewahre! Der Vogtvikar richtete noch die bescheidene Bitte an Yuan, sich doch um den Fall der unlängst ermordeten Traviageweihten zu kümmern. Dies sei kein Befehl, ganz und gar nicht! Aber der Mord sollte doch besser bald aufgeklärt sein, sonst.

Sonst! ist immer eine gute Motivationshilfe, daher brachen wir bald auf zur Wache und überprüften dort die Lage der Gardisten. Diese befanden sich in unterschiedlichen Stadien der Betrunkenheit, so dass Yuans Investigation, warum die Novadis für diese Nacht um Nichteinmischung gebeten hatten, auf gewisse Schwierigkeiten stieß. Yuidoso, genannt „Die Stimme“, war ein typischer Vertreter der glorreichen Chorhoper Stadtwache. Ein dicklicher, unbeholfener Mann mit bereits 2 Bieren im Körper und einer feinen Nase für Bestechungen war zusammen mit der erste 17jährigen Fiorella in dieser Nacht im Novadiviertel auf Streife gewesen, hatte jedoch nichts bemerkt. Nachdem Drillhauptmann Tjalf den verlotterten Burschen angeschnauzt hatte, wurde Fiorella noch einmal privat im Büro vernommen und sie berichtete, dass es Tumult in einem Haus gegeben hatte. Zwei vermummte und mit Schwertern bewaffnete Männer waren aus dem Haus gestürmt, hatten Yuidoso einen Beutel mit Geld vor die Füße geworfen und waren dann verschwunden. Erzürnt darüber, dass sie von diesem Bestechungsgeld nichts abbekommen hatten, wurde der Dicke wieder heranzitiert und von Tjalf und Yuan zur Sau gemacht. Das Bestechungsgeld wurde einkassiert und in die Schiffskasse getan, lediglich 4 Dukaten sollten an Fiorella als Belohnung gehen, landeten jedoch aufgrund von bürokratischen Hürden und allgemeinen Hindernissen im Geldbeutel von Nostromo.
Aufs äußerste enragiert hielten Yuan und Tjalf der versammelten Truppe eine Standpauke und setzten eine Exerzierübung für den nächsten Morgen um 10 Uhr an. Danach wurden die Gardisten Fiorella und Godero, ein thorwalscher Hüne, abkommandiert, mit ins Novadiviertel zu kommen, um den Tumult aufzuklären. Es stellte sich heraus, dass im Zuge des Tumults der Besitzer des Tumulthauses umgekommen war. Während die Hauptmänner das Haus des ehemaligen Töfpers nach Spuren durchsuchten, befrug Myrmidion die Nachbarn nach verdächtigen Vorkommnissen in der Nacht. Die Nachbarn waren jedoch ähnlich hilfreich, wie ein Nashorn beim Häkeln und benahmen sich, wenn sie nicht gleich vortäuschten, Myrmidions Sprache nicht zu verstehen, recht unhöflich. „Ich komme wieder mit meinen Freunden!“, kläffte der Zyklopäer und tauchte kurz darauf mit seinen großen Freunden erneut bei den Nachbarn auf. Diesmal waren sie etwas höflicher, hatten jedoch trotzdem nichts gesehen oder groß gehört und konnten nicht sonderlich weiterhelfen. Wenigstens wurden ihnen bzw. dem Hairan, dem örtlichen religiösen Oberhaupt der Novadis, die Aufgabe aufgedrückt, sich um den Leichnam zu kümmern, so dass wir diesen Ballast wenigstens nicht mehr am Hals hatten. Da es mittlerweile recht spät war, bildete Yuan lediglich noch die Einsatzgruppe Traviageweihtenmord (bestehend aus Fiorella, Godero und dem generischen Alrik) und ging danach zu Bett.

Am nächsten Morgen um halb 10 war lediglich eine von sechs eingeteilten Wachen auf ihrem Posten im Gardistenhaus, so dass Tjalfs Zornesadern wieder mächtig ins Pochen kamen. Als schließlich die verlotterte Bande komplett angetreten war, bekam sie entsprechend einen Einlauf vom Hauptmann und dem Prätor und durfte im Anschluss eine Stunde sportliche Betätigung durchführen. Nach der ganzen Schwitzerei traf sich der neue Hauptmann der Feuerwehr, Diago, mit dem obersten Brandstifter der Wache und lotete aus, wie sich etwas Geld nebenher und in die eigene Tasche verdienen lassen würde. Währenddessen erörterte der Rest, dass Budget (560 Dukaten) und Ausgaben (630 Dukaten) leider gewisse Diskrepanzen aufwiesen und wie sich diese Unterschiede würden lösen lassen, doch bevor Pläne festgelegt werden konnten, kam der Abspann.

Pro:
– Tjalf als Schleifer könnte aus der Gurkentruppe einen Elitehaufen machen („Ein paar Schläge von TJalf und die Welt sieht gleich anders aus!“)
– Mit einer Elitetruppe könnte sich mehr Geld verdienen lassen

Contra:
– Aktuell sieht es nicht so aus, als ob sich in dem Jahr auch nur die 1000 Dukaten Loseinsatz wieder einsammeln lassen, geschweige denn von genügend Geld für ein hochseetüchtiges Schiff